Lautlingen ist ein Stadtteil von Albstadt im Zollernalbkreis in Baden-Württemberg. Es liegt auf der Schwäbischen Alb, etwa auf halbem Weg zwischen Stuttgart und dem Bodensee.

Geographie Lautlingen liegt im Eyachtal, eingebettet zwischen Heersberg, Ochsenberg, Autenwang, Tierberg und Gräbelesberg.

Geschichte Der Stadtteil liegt an der alten Römerstraße Sulz – Laiz, die mitten durch den Ort führte. Oberhalb des heutigen Kernortes lag das römische Kastell Lautlingen, direkt auf der Wasserscheide von Donau und Rhein. Begründet wurde die Siedlung vermutlich durch Lutilo, einen alemannischen Sippenführer.

Bereits im Jahre 793 wurde Lautlingen in einer Urkunde des Klosters St. Gallen als Lutilinga erstmals urkundlich erwähnt. Schon früh hielt das Christentum hier Einzug, ein Goldblattkreuz und ein Alemannenfriedhof in der Flur Berken geben davon Zeugnis.

Die Herren von Tierberg vereinigten die Orte Margrethausen und Lautlingen im Mittelalter zu einer Herrschaft im Ritterkanton Neckar-Schwarzwald. Sie waren als Ortsherren Nachfolger, eventuell sogar Nachfahren der Herren von Luttelingen. Ab 1550 gehörte der Ort zur Herrschaft der Herren von Westerstetten und Drackenstein. Auch diese hatten die Ortsherrschaft durch Einheirat ererbt. Das Geschlecht, das auch auf der Burg Straßberg saß, erlosch später im Mannesstamm, so erbten 1625 die Schenken von Stauffenberg, seit 1874 Grafen, die kleine Ritterschaft. Berühmte Familienmitglieder sind unter anderem Marquard Sebastian Schenk von Stauffenberg (1686–1693 Fürstbischof von Bamberg), Johann Franz Schenk von Stauffenberg (1704–1740 Bischof von Konstanz) und Franz Schenk von Stauffenberg (1871–1892 Mitglied des Reichstags).

1805 fiel der Ort durch den Reichsdeputationshauptschluss an Württemberg. Im Jahre 1806 erfolgte die Eingliederung der damals noch verbundenen Gemeinden Lautlingen-Margrethausen, die bis dahin zu Vorderösterreich gehörten. Der Wechsel der Herrschaft erfolgte durch den feierliche Akt der Erbhuldigung in Geislingen. Die Vereidigung der Bürgerschaft wurde durch den Kreishauptmann Prech von Ulm vorgenommen. Fortan war Lautlingen dem Oberamt Balingen unterstellt und gehörte damit zum 1806 neu errichteten Königreich Württemberg und ab 1919 zum gleichnamigen Volksstaat. 1811 wurden dann die beiden Ortschaften Margrethausen und Lautlingen durch königlichen Erlass endgültig getrennt und separate Ortsverwaltungen eingeführt. Lautlingen kam 1934 zum Kreis und 1938 zum Landkreis Balingen. Am 1. Mai 1972 wurde Lautlingen nach Ebingen eingemeindet.

Geschichte des Schlosses mini|hochkant|Westfassade der Pfarrkirche Auf dem Tierberg bei Lautlingen befinden sich Reste der Burg Altentierberg, Stammsitz der Tierberger und auf einem Felsen in der Nähe des „Hofes Tierberg“ ein Graben der Burg Vogelfels.

Laut den geschichtlichen Überlieferungen sollen schon die Herren von Tierberg im 15. Jahrhundert ein Schloss in der Ortsmitte gebaut oder erweitert haben. Bereits dieses war mit Ecktürmen und Wallgräben versehen. Nach den Schätzungen anhand der Bausubstanz von Türmen und Mauer ist dieser Teil des Ensembles bis heute im Original erhalten. Als Hans Konrad von Tierberg am 27. August 1518 mit dem Blutbann von Kaiser Maximilian I. (HRR) belehnt wurde, erscheint folgendes Zitat: „… dass er (Hans Konrad von Tierberg) beim Schloss Lautlingen … kein Hochgericht habe.“ Der Kaiser erlaubt ihm den Bann, „dortselbst das Blut zu richten.“

Zwischen 1623 und 1625, also in der Zeit, als die Herren von Westerstetten Lautlingen besaßen, kurz vor der Übernahme durch die Stauffenberger, wurde das bewehrte Schloss mit Mauern, Wallgraben und vier Ecktürmen zum Wohnsitz ausgebaut. Das Hauptgebäude wurde in den Jahren 1842–1846 von Excellenzherr Franz Ludwig Schenk von Stauffenberg neu erbaut. An dessen Stelle stand zuvor ein Fachwerkbau, dessen Erdgeschoss in Stein ausgeführt war. An der Südseite befand sich ein repräsentativer Treppenturm. Der sehr nüchtern gehaltene Hauptbau von 1842 mit seinem Walmdach prägt auch heute noch das Ensemble, das unter Denkmalschutz steht.

Das Lautlinger Schloss ist trotz vieler Umbauten in seiner allgemeinen Bausubstanz gut erhalten. Das Gemäuer besteht aus 60–80 cm dicken Bruchsteinmauern, die mit einem Putz versehen sind. Innen finden sich komplett verputzte wuchtige Fachwerkwände und Holzbalkendecken. Im Grundriss misst das Gebäude 12,58 m in der Breite und 21,91 m in der Länge. Bis zur Dachtraufe sind es in der Höhe 11,57 m, die Gesamthöhe beträgt 16,37 m.

Im Innern des Hauptgebäudes ist die international bekannte musikhistorische Sammlung Jehle untergebracht. Diese Räumlichkeiten wurden 2005/06 einer umfassenden Renovation unterzogen und am 18. Februar 2006 von Landwirtschaftsminister Peter Hauk wiedereröffnet. Im ersten Obergeschoss erinnert das Stauffenberg-Zimmer an die früheren Besitzer. Seit dem 15. November 2007 ist in den ehemaligen Räumen des Ortsamtes eine Stauffenberg-Ausstellung untergebracht, die am 100. Geburtstag von Claus Schenk Graf von Stauffenberg eröffnet wurde. Die Thematik des 20. Juli 1944 und die Familiengeschichte bilden den Schwerpunkt der Gedenkstätte. mini|links|Gedenkfeier zum 20. Juli in Lautlingen im Jahr 2005. Oberbürgermeister Jürgen Gneveckow am Rednerpult Die Widerstandskämpfer Berthold und Claus Schenk Graf von Stauffenberg machten sich hier im Sommer 1943 Gedanken darüber, wie Deutschland nach einem Attentat auf Hitler aussehen könnte – so entstanden die „Lautlinger Leitsätze“. Nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 wurden die beteiligten Offiziere noch in derselben Nacht von den Nazischergen umgebracht. Seit 1957 findet jedes Jahr am 20. Juli vor der Gedächtniskapelle bei der Kirche eine Gedenkfeier für die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus statt. Gleichzeitig wird (seit 2000) durch Schüler der Albstädter Schulen mit Projektarbeiten an das Attentat erinnert. mini|Stauffenberg-Gedächtniskapelle

Geschichte der Pfarrei Im Jahr 1275 wurden Kirche und Pfarrei St. Johann Baptist mit Pfarrer Heinrich von Tieringen in einem Steuerverzeichnis des Bischofs von Konstanz erstmals erwähnt. Nach den Unruhen des Dreißigjährigen Kriegs wurde die niedergebrannte Pfarrkirche 1670 von dem Ortsherrn Wolfgang Friedrich Schenk von Stauffenberg und seiner Frau Anna Barbara geborene von Wernau neu erbaut. 1725 erweiterten die Söhne des Ehepaares das kleine Kirchlein und ließen gleichzeitig den heute noch erhaltenen Barockturm erbauen. Nach dem schweren Erdbeben vom 16. November 1911 musste die Kirche abgebrochen werden. Aus Spendengeldern und einer Lotterie wurde die neue Pfarrkirche, der erste sakrale Eisenbetonbau der Diözese Rottenburg, erbaut. Der Turm konnte erhalten werden.

In der 1670 erbauten Kirche war Ignaz Anton Demeter von 1802 bis 1808 Pfarrer. Er wurde am 1. Mai 1836 zum zweiten Erzbischof von Freiburg gewählt. Neben vielen Errungenschaften im Schulwesen gründete er eine Theatergesellschaft und am 7. Mai 1803 auch die heutige Musikkapelle Frohsinn als „Musikgesellschaft“.

Bergbau In der Gegend wurde Bergbau nach Eisenerzen betrieben. Es handelt sich dabei um nahezu schwefel- und phosphorfreie Erzkonkretionen. Neben dem Tagebau bis 30 Meter Tiefe wurden auch bergmännisch Strecken aufgefahren. Die unten angespitzten Sprieße wurden zum Beispiel in Truchtelfingen gekauft und von Lautlinger Knappen am Hörnle und Baienberg verbaut. Fidel Eppler aus Lautlingen war als Erzaufseher alimentiert. Selbständige Knappen schürften auf eigenes Risiko und wurden anhand der Erzmenge bezahlt.Bestand E 244 Bü 98auf Landesarchiv-BW.de In Lautlingen wurde im Eisenroggenstein ein Eisengehalt von 30 Prozent gemessen. Bis zu Bau der Eisenbahn wurden jährlich über 1000 Kübel Bohnerz und Eisenroggenstein mit je 120 kg in die Hüttenwerke nach Ludwigstal bei Tuttlingen gefahren.Bestand A411 Bü77 auf Landesarchiv-BW.de

Einwohnerentwicklung Jahr 1961 1970 1971 2006 2008 2010 2012 2014 2022 Einwohner 1429 2021 2192Statistisches Bundesamt: Landkreis Balingen, Die Stadt- und Landkreise Baden-Württembergs in Wort und Zahl Heft 63, Seite 29 (pdf) 1998 1988 1833 1771 1808 1791

Politik Bürgermeister

Ortsvorsteher 1972–1988: Max Müller 1989–1994: Christian Schairer 1994–2009: Josef-Peter Koller 2009–2019: Juliane Gärtner 2019–2024: Heiko Peter Melle 2024: Holger Mayer (kommissarisch) 2024: Eckard Hofele

Wappen

Kultur und Sehenswürdigkeiten Museen Im Nähmaschinenmuseum im Betriebsgebäude des Unternehmens Mey wird heute die Sammlung Albrecht Mey gezeigt, die aus Nähmaschinen vom Beginn ihrer Erfindung bis zur Neuzeit besteht. Die Musikhistorische Sammlung Jehle im Stauffenberg-Schloss umfasst Saiten-, Blas- und Tasteninstrumente aus verschiedenen Zeiten und Kulturbereichen. Über 30 Tasteninstrumente, daneben Holz-, Blechblas- und Streichinstrumente sowie andere Instrumentenarten sind hier vertreten, darunter ein Cembalo des ausgehenden 17. Jahrhunderts, ein Hammerklavier von J. A. Stein (1783) und ein repräsentativ gestalteter Schrankflügel aus dem letzten Viertel des 18. Jahrhunderts. Des Weiteren umfasst die Sammlung Gesang- und Choralbücher, darunter Erstausgaben und Notenhandschriften, Notendrucke, Musiklehrbücher, Handschriften und Briefe. Gegründet vor dem Zweiten Weltkrieg als private Sammlung von Martin Friedrich Jehle beinhaltet sie auch den Nachlass von Johannes Jehle. Seit Mitte der 1970er Jahre ist die Sammlung im Eigentum der Stadt Albstadt. Am 15. November 2007 wurde anlässlich des 100. Geburtstags von Claus Graf Schenk von Stauffenberg eine Stauffenberg-Gedächtnisstätte im Stauffenberg-Schloss eingeweiht.

Bauwerke Katholische Pfarrkirche St. Johannes Baptista: Das Erdbeben von 1911 beschädigte die Lautlinger Kirche St. Johannes der Täufer so stark, dass sie abgerissen werden musste. Beim Neubau von 1913 verwendete man erstmals in der Diözese Rottenburg eine Eisenbetonkonstruktion. Der barocke Turm aus dem Jahr 1725 blieb erhalten. Neben der Kirche befindet sich die Stauffenberg-Gedächtnis-Kapelle, die zunächst für die in den Kriegen gefallenen Lautlinger errichtet wurde. 1957 erfolgte eine grundlegende Renovierung. Die wesentliche Neuerung jedoch besteht seit damals darin, dass die Brüder Berthold und Claus Schenk Graf von Stauffenberg in den Mittelpunkt des Gedenkens gestellt wurden, die Namen der Gefallenen und Vermissten aus den beiden Weltkriegen fanden in den roten Sandsteinplatten der Wandverkleidung ebenfalls ihren Platz. Die künstlerische Ausgestaltung der Kapelle wird seitdem von einer Skulptur des Bildhauers Gerhard Marcks geprägt, die den auferstandenen Christus darstellt. mini|Stauffenbergsches Schloss Stauffenbergsches Schloss: Wenige Schritte von der Kirche entfernt liegt das Ensemble des Stauffenbergschen Schlosses. Das dreigeschossige Hauptgebäude stammt aus dem Jahr 1846, es ist heute schmucklos (früher befand sich an der Nordseite eine eingemauerte Wappenplatte) und eher sachlich gehalten. Der Grundriss und die Architektur erinnern an italienisch beeinflusste Architekten, liegt doch das Treppenhaus an der Südseite, die ehemaligen Wohnräume und der Haupteingang an der kühleren Nordseite. Bemerkenswert hingegen ist das umgebende Areal mit Umfassungsmauer, wehrhaften Ecktürmen und Wirtschaftsgebäuden. Umfassungsmauer und Ecktürme stammen aus dem Spätmittelalter. Von den Wirtschaftsgebäuden strahlt das Forsthaus, früher der Fruchtkasten, einen ganz besonderen Charme aus. Hier verbrachten die Brüder Stauffenberg einen Großteil ihrer Kindheit und Jugend, auch Claus Schenk Graf von Stauffenberg. 1970 verkaufte die Familie Stauffenberg das Schloss an die damals noch selbstständige Gemeinde Lautlingen, heute befindet es sich im Eigentum der Stadt Albstadt.