mini|Wappen der Zeidler genannt Hofmann Zeidler genannt Hofmann ist ein Adelsgeschlecht bürgerlicher Herkunft, welches seit dem Jahr 1603 den Namen Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf genannt Hofmann führte und in Sachsen und Böhmen ansässig war.

Herkunft Die Stammfolge der Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf genannt Hofmann beginnt mit den Handelsleuten Peter und Hans Zeidler, die im Jahre 1557 in der Stadt Kulmbach in Franken von ihrem Wohnhaus und ihrem Vermögen einen Taler Türkensteuer bezahlten.Staatsarchiv Bamberg, Hochstift Bamberg. Ämterrechnung. Rep A 231, Nr. 35399 Türkensteuer Kupferberg 1557, S. 21. Ihre Mutter schloss nach dem Tod des Vaters Peter Zeidler im Jahre 1530 eine zweite Ehe mit dem Handelsmann für Juwelen, Jakob Hofmann. Dessen Familienname wurde dem Familiennamen Zeidler hinzugefügt und zu Zeidler genannt Hofmann erweitert.

Peter Zeidler genannt Hofmann (* um 1525 in Kupferberg in Franken, † 26. Januar 1593 in Leipzig), sein jüngerer Bruder Hans Zeidler genannt Hofmann und ihr Halbbruder Jakob Hofmann gründeten in Nürnberg eine Handelsgesellschaft, welche die Hofhaltungen in Dresden, Berlin und Sankt Petersburg mit Goldwaren, Edelsteinen und Schmuckgegenständen belieferte und in Handelsbeziehungen zu dem Handelshaus der Tempelhoff in Berlin stand.

Peter Zeidler genannt Hofmann wurde nach dem Tod seines jüngeren Bruders Hans Zeidler (Czeidler) genannt Hofmann, Genannter des Größeren Rats der Stadt Nürnberg, im Jahre 1560 Bürger der Stadt Leipzig. Sein Epitaph in der Thomaskirche in Leipzig hat sich erhalten. Porträts von ihm wurden auf zwei Schaumünzen überliefert. Er heiratete im Jahre 1570 in Leipzig Anna Reiche (* 1544; † 30. Juli 1605), eine Tochter des Joachim Reiche (* nach 1511; † 4. April 1575 in Berlin).Johann Jakob Vogel: Das Griebische Geschlecht. Handschrift in der Stadtbibliothek Leipzig; Leichenpredigt der Gertraud Tempelhoff in der Universitätsbibliothek Göttingen; C. Brecht: Die Familie Tempelhoff. In: Verein für die Geschichte Berlins (Hrsg.): Vermischte Schriften im Anschlusse an die Berlinische Chronik und an das Urkundenbuch . Band 1. Berlin 1880. Joachim Reiche, aus der Patrizierfamilie der Ryke (hochdeutsch Reiche), der im Jahre 1554 das „Hohe Haus“, ein kurfürstliches Burglehen in der Klosterstraße in Berlin, gekauft und dem Kurfürsten von Brandenburg nach dem Jahr 1555 mehrere Darlehen gegeben hatte, war „Burg- und Freisess zum Berlin“ und wurde gemeinsam mit seinem Bruder Hieronymus Reiche mit Rosenfelde (später Berlin-Friedrichsfelde), mit Besitz in Rotzis (Rotberg) und Rangsdorf belehnt.

Kauf des Rittergutes Berbisdorf bei Radeburg in Sachsen Die vier Söhne des Ehepaares Peter und Anna Zeidler genannt Hofmann, Peter, Joachim, Johann (Hans) und Hennig Zeidler genannt Hofmann, kauften am 14. Mai 1600 Rittergut und Schloss Berbisdorf, das Gut Boden mit dem Dorf Dittmannsdorf, etwa 10 km östlich von Meißen an der Elbe, von Rudolf von Bünau dem Älteren auf Berbisdorf und Radeburg. Sie wurden am 5. Juli 1600 mit dem Besitz belehnt.

Erhebung in den Adelstand Nach dem Kauf des Rittergutes Berbisdorf, dem Gut Boden und dem Dorf Dittmannsdorf erhielten die vier Brüder Peter, Joachim, Johann und Hennig Zeidler genannt Hofmann am 15. Januar 1603 (Reichsakt Prag) den Adelstand mit dem Prädikat von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf mit Wappenbesserung, Rotwachsfreiheit und Lehensberechtigung. Im Jahre 1605 stiftete Peter Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf die Kirche in Großdittmannsdorf als Grablege seiner Familie und legte in dieser Kirche seine am 30. Juli 1605 verstorbene Mutter Anna Zeidler zu Grabe, deren Porträt auf einer Schaumünze aus dem Jahr 1571 erhalten ist. An Peter Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf erinnert eine Porträt-Gedenktafel in der Kirche von Großdittmannsdorf.

Wappen Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf genannt Hofmann Das Wappenbild zeigt in Rot einen schräg rechts liegenden, oben und unten je zweimal geästeten goldenen Baumstamm, den ein gekrönter schwarzer Bär hinaufklettert. Als Helmkleinod ist auf schwarz-goldener Sendelwulst zwischen zwei goldenen Hörnern, von denen das rechte schwarz, das linke rot durchzogen ist, auf einem silbernen Dreifels eine auffliegende weiße Taube abgebildet. Die Decken sind schwarz-golden und rot-golden.

Veränderung der Schreibform des Familiennamens in Sachsen und Böhmen Die Länge des Namens Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf genannt Hofmann brachte es mit sich, dass er in den Schreibformen in Böhmen in tschechischer Sprache und der Rückübersetzung in die deutsche Sprache verkürzt und lautlich verändert wurde, vermutlich auch als Anpassung an die jeweilige politisch-religiöse Situation während des Dreißigjährigen Krieges. Der Adelsname der Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf genannt Hofmann lautet in Urkunden und Kirchenbüchern: von Zeidler, u Zeidleru, von Zeidlern, von Zeydlern, von Zeidlern genannt Hofmann, Czeidler von Czeidlern, Scheidlern von Scheidlern, Zeidler von Berbisdorf, vereinzelt auch von Berbisdorf. Letzteres führte zu Verwechslungen mit dem alten meißnischen Adelsgeschlecht von Berbisdorf, welches seinen Namen ebenfalls auf eine Ansässigkeit auf Schloss und Rittergut Berbisdorf bei Radeburg in Sachsen zu Beginn des 14. Jahrhunderts zurückführen soll und vor dem Dreißigjährigen Krieg zu den erfolgreichsten Bergwerksunternehmern des mittleren Erzgebirges zählte.

Ansässigkeit auf Schloss Berbisdorf und auf Schloss Niemes In den Jahren 1600 bis 1609 waren das Rittergut Berbisdorf, das Gut Boden und das Dorf Dittmannsdorf gemeinsames Eigentum der vier Brüder Peter, Joachim, Johann und Hennig Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf genannt Hofmann. Im Jahr 1609 übertrugen die drei jüngeren Brüder ihre Anteile an ihren ältesten Bruder Peter, der vor dem Mai 1622 verstarb. Besitznachfolger auf Berbisdorf wurde sein Bruder Johann, mit welchem sich die gesicherte Stammlinie fortsetzte.

Johann (Hans) Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf genannt Hofmann, geboren im Jahre 1578 in Leipzig, verstorben 1635 in Dresden, Doctor iuris utriusque der Universität Leipzig, kursächsischer Rat und Resident am kaiserlich österreichischen Hof in Wien und am königlich böhmischen Hof in Prag war dreimal verheiratet. Aus jeder dieser Ehen stammten Nachkommen.

Die erste Ehe schloss er am 26. Oktober 1614 in Altranstädt mit Elisabeth Gerstenberger, eine im Jahre 1621 in Wien verstorbene Tochter des fürstlich sächsischen Kanzlers Dr. Marcus Gerstenberger (1553–1613). Der Sohn aus dieser Ehe, Ferdinand Christopf Zeidler von Zeidlern (Scheidler von Scheidlern) (* 1621; † 1686), war Landesunterkämmerer, königlicher Hauptmann der Prager Kleinseite und Eigentümer der Herrschaften Liboch, Ober-Berkowitz, Jeniowes, Weltrus, des Gutes Sukohrad in der Pfarrei Robitsch nördlich von Prag und Kosteletz und Chabrtic östlich von Prag.

Die zweite Ehe schloss Johann Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf mit Gertraud Nikolai, getauft im Jahre 1579 in Leipzig, verstorben im Jahre 1623. Sie war eine Tochter des Mathias Nicolai, Syndikus der Stadt Leipzig. Es war ihre zweite Ehe. Sie brachte als Mitgift in die Ehe mit Johann Zeidler von Berbisdorf ein Haus in Dresden in der Moritzstraße und 4500 Gulden Bargeld mit, das in eine Stiftung für das Gut Berbisdorf bei Radeburg in Sachsen eingebracht wurde. In ihrer ersten Ehe war sie verheiratet mit Dr. Johann Badehorn (* 1554, † 1610; Sohn von Leonhard Badehorn), kursächsischer Geheimrat und Domherr in Merseburg und Wurzen. Der Sohn ihrer zweiten Ehe, Ferdinand Christoph Zeidler von Zeidlern (von Scheidler, Zeidler u Zeidleru), war Professor an der Prager Karl-Ferdinands-Universität beim Heiligen Klement, in den Jahren 1680 und 1681 auch deren Rektor. Es ist unklar, ob er verheiratet war. Er hatte einen Sohn oder Neffen Franziskus von Scheidlern (Scheidler von Scheidlern), der 1710 in Prag Barbara Eusebia Myskowska (Myszkowski) ze Sebusina (Sebuzeyn) aus einem schlesisch-polnischen Adelsgeschlecht, heiratete. Aus dieser Verbindung gingen Polixena Eusebia und Johann Wenzel Zeidler von Berbisdorf (* 28. Oktober 1712 in Prag), der die nachweisbare Stammlinie fortsetzte, hervor.

Die dritte Ehe schloss Johann Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf mit Magdalena Röhling (* 1603, † 1649 in Niemes), einer Tochter aus der zweiten Ehe des Dr. Sigmund Röhling (1560–1617), im Jahre 1563 durch Kaiser Ferdinand I. in den erblichen Adelstand mit dem Prädikat von Hirschfeld erhoben.Wolfgang Lorenz: Die Röhling aus Geyern. Amberg-Bucholz 2001 Die Ehefrau der 2. Ehe des Sigmund Röhling, Christina Peifer (Pfeiffer), war eine Tochter des Dr. David Peifer (1530–1602), kurfürstlich sächsischer Kanzler und durch den Hofpfalzgrafen Kaspar Brusch gekrönter poeta laureatus, der zusammen mit seinen sechs Brüdern am 1. Mai 1570 (Prag, Erbländischer Akt) den Adelstand mit Wappenbesserung erhielt.

Johann Zeidler von Berbisdorf auf Boden und Dittmannsdorf genannt Hofmann (1578–1635) gab Kaiser Ferdinand II. von Habsburg im Jahre 1623 eine Anleihe von 32.650 rheinischen Gulden und erhielt von der Finanzverwaltung des Kaisers zur Sicherstellung dieser Summe auf 18 Jahre als Pfand die Herrschaft und das Schloss Niemes mit einer Burg auf dem Roll und die benachbarte Herrschaft Dewin (Děvín) mit der Burg Dewin in Nordböhmen. Dieser Großgrundbesitz Niemes und Dewin stammte aus der Enteignung des Johann Müllner von Mühlhausen, königlich böhmischer Hofkanzleisekretär, der sich zu Beginn des Dreißigjährigen Krieges am Zweiten Prager Fenstersturz am 8. November 1620 auf Seiten der evangelischen Standesherrn in Böhmen beteiligte.

Anstelle der Rückzahlung des Darlehens durch Kaiser Ferdinand II. von Habsburg erhielt Zeidler von Berbisdorf genannt Hofmann 1626 die Herrschaften Niemes und Dewin als Erbeigentum mit Eintragung in die Landtafel und das Inkolat in Böhmen. In Sachsen kaufte er im Jahre 1629 die Dörfer Würschnitz, Kleinnaundorf (heute beides Ortsteile von Thiendorf) und Neuendorf, die als Erblehen an Berbisdorf gebunden wurden.

Als das neutrale Kursachsen auf der Seite der evangelischen Schweden in den Dreißigjährigen Krieg eintrat und schwedische Truppen in Nordböhmen einfielen, Schloss Niemes 1628 plünderten und in Brand setzten, versuchte Johann Zeidler von Berbisdorf genannt Hofmann Vorräte an Getreide und Viehbestände aus den Gutsbetrieben in Niemes und Dewin nach dem Gut Berbisdorf in Sachsen zu bringen und wurde wegen dieses „Verrats“ von Kaiser Ferdinand II. von Habsburg der beiden Herrschaften enteignet, die an seinen Generalfeldmarschall Albrecht von Wallenstein Herzog zu Friedland und Mecklenburg übereignet wurden. Nach dessen Ermordung im Jahre 1634 in Eger in Westböhmen wurde ein Teil der Besitzungen konfisziert, darunter auch die kurz zuvor erworbenen Herrschaften Niemes und Dewin.