mini|500px| Blick über Lorenzkirch nach Strehla. Von links nach rechts sieht man die Laurentiuskirche von Lorenzkirch, die Stadtkirche Zum heiligen Leichnam von Strehla und die Burg Strehla. Dieser Blick empfängt den Reisenden auf der Kreisstraße K 8576 kurz vor Lorenzkirch. mini|500px|Blick von der Anlegestelle der Fußgängerfähre in Strehla über die Elbe nach Lorenzkirch
Lorenzkirch ist seit 1994 ein Ortsteil der Gemeinde Zeithain im Zentrum des sächsischen Landkreises Meißen in der Nähe von Riesa. Der Ortsteil bildet zusammen mit den Ortsteilen Cottewitz und Zschepa die Ortschaft Lorenzkirch nach der Sächsischen Gemeindeordnung. Diese hat gemäß ihrer Ortschaftsverfassung einen Ortschaftsrat und Ortsvorsteher.
Lorenzkirch wurde am 19. Oktober 2012 nach seiner Zertifizierung zu einem der schönsten Dörfer von Sachsen gekürt. Es gehört seitdem zu der Interessengemeinschaft Sachsens Schönste Dörfer.
Geographie Das Zeilendorf Lorenzkirch ist das tiefstgelegene Dorf Sachsens und befindet sich auf dem rechten Ufer der Elbe auf einer hochwassergefährdeten Talsanddüne gegenüber von Strehla. Lorenzkirch war von den Überflutungen in den Jahren 2002Hagen Henke, Helmut Neumann: Die Jahrhundertflut in Riesa: Röderau-Süd, Boritz, Gohlis, Lorenzkirch, Kreinitz, Strehla. Elbsand-Verlag, Lorenzkirch 2002. Heinz Schöne: Die Flut in Lorenzkirch. Elbsand-Verlag, Lorenzkirch 2003. Jeanette Oleak: Sofortprogramm Hochwasserschutz: St. Laurentius in Lorenzkirch (Zeithain): Abschlussbericht. Projektbeginn 91.12.2002, Projektende 1. Juni 2004. Architekturbüro Oleak, Dresden 2004. und 2013 betroffen. Bekannt ist Lorenzkirch durch seine Laurentiuskirche und durch den jährlichen Lorenzmarkt.
Bevölkerungsentwicklung Einwohnerentwicklung von Lorenzkirch ab 1551 bis 2010Quelle: Karlheinz Blaschke: Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, II. Teil, Leipzig 1957. Angaben von 1867, 1996 und 2009 wurden ergänzt. Jahr Einwohner Jahr Einwohner Jahr Einwohner 1551 29 1890 284 1950 616 1764 40 1910 317 1964 551 1834 312 1925 344 1990 374 1867 335 1939 469 1996 173 1871 314 1946 636 2010 143
Etymologie Historische Ortsnamenbelege: plebanus sancti Laurencii (1274), sancti Laurentii (1274), Sanctus Laurentius (1308), apud sanctum Laurentium (1343, 1350), Laurenz Kirche (1383), Lorenczkirche (1406), Lorenczkirche (1513), Sant Lorentz Kirchen (1544), Lorentzkirch (1716), Lorentzkirche (1752), Lohrenzkirch (1765), Lorenzkirch oder Lorenzkirchen (1840–1875), später Lorenzkirch.
Lage im Elbtal Die Hochwasserinsel von Lorenzkirch mini|Karte von 1839/40
Lorenzkirch liegt in einem ehemaligen Schwemmkegel der Elbe, der sich vom Schloss Hirschstein im Süden bis Kreinitz im Norden erstreckt. In der bis sieben Kilometer breiten Flussaue verliefen bis zu vier Nebenarme mit Querrinnen, Inseln und Terrassen nebeneinander. Lorenzkirch war mit Cottewitz auf einer Talsanddüne von drei Elbarmen umschlossen. Das führte zu einer Insellage des Ortes, ermöglichte aber die Bildung von Furten für eine Flussüberquerung der Hohen Straße. In der Flussaue wurden im Laufe der Zeit die folgenden Orte auf Hochwasserinseln angelegt: Grödel, Moritz, Promnitz, Röderau, Bobersen, Forberge, Gohlis, Oppitzsch, Zschepa, Lorenzkirch, Cottewitz und Kreinitz. Bei dem Hochwasser wurden diese Orte vom Wasser eingeschlossen oder auch ganz überflutet. Die Hochwasserkarte von 2002 zeigt, dass das Hochwasser trotz bestehender Deiche die Flussaue ganz ausfüllte und die Inseln, auf denen die Häuser und Kirchen standen, überflutete. Teilweise wurden dabei Deiche nach ihrer Überflutung weggespült, weil sie zu niedrig waren, teilweise brachen Deiche, weil sie in einem ehemaligen Nebenarm der Elbe standen und der Wasserdruck an dieser Stelle besonders stark war.Quelle: Heinz Schöne: Die Flut in Lorenzkirch. Elbsand-Verlag, Lorenzkirch 2003. Seite 6, 55-58, 83-84.
Das Zeilendorf Lorenzkirch mini|Die Laurentiuskirche zu Lorenzkirch. Postkarte von dem Maler Pedro Schmiegelow aus der Zeit von 1900 bis 1911.
Lorenzkirch war ursprünglich ein Rundling mit einer anschließenden einreihigen Zeile. Es entwickelte sich zum Zeilendorf. Der Lorenzkircher Pastor Carl Paul beschrieb 1901 das Zeilendorf Lorenzkirch so: Es ist das am tiefsten gelegene sächsische Elbdorf. Seine Häuser bilden eine lange Reihe, die in gleicher Richtung mit dem Strom verläuft. Die gefährliche Nachbarschaft des zeitweilig wild entfesselten Elements zwang die Bewohner, zu gegenseitigem Schutze in einer Linie zu bauen. Von oben her gesehen nimmt sich das Dorf daher wie ein langes schlankes Fahrzeug aus, zumal wenn die Flut bei Hochwasser bis an den Ort heranreicht. Der annähernd in der Mitte stehende Kirchturm ragt wie ein Mastbaum aus der Häuserreihe auf. Unmittelbar unter den Gehöften, dem unkundigen Auge aus einiger Entfernung kaum bemerkbar, zieht sich der starke Hochwasserdamm hin. Das auf der Flussseite liegende breite Vorland ist mit herrlichen Wiesen bedeckt.Quelle: Carl Paul: in: D. Georg Buchwald: Neue Sächsische Kirchengalerie. Ephorie Oschatz. Spalte 425-438. Verlag Arwed Strauch, Leipzig 1901. Der Hochwasserdamm befindet sich nicht auf der Elbseite, sondern auf der Rückseite der Gebäude; er diente bei Hochwasser der Elbe dem Schutz der Felder, um die Ernte zu sichern. Die Gebäude hatten Haustüren vorn auf der Elbseite zur Straße hin und auf der Rückseite zum Deich hin, um die Evakuierung über den Deich zu sichern. Der Deich diente lange Zeit auch den Schulkindern bei Hochwasser als Schulweg zur Schule von Lorenzkirch, die neben der Kirche dicht am Deich lag.
Die Laurentiuskirche Die Laurentiuskirche, von der sich auch der Ortsname herleitet, ist eine im Kern romanische Kirche. Die Apsis weist noch einen romanischen Bogenfries auf. Schiff und Turm haben verputztes Feldsteinmauerwerk.
Die Kirche diente bei Hochwasser zur Fluchtort von Mensch, Haustieren und Vieh; alle verbrachten das Hochwasser auf der Empore oder auf einer Lage von Brettern, die über den Bänken als erhöhte Plattform angebracht wurden. Da der Fußboden der Kirche unter dem Niveau des Friedhofs liegt, konnte das Hochwasser in der Kirche nicht abfließen, sondern nur versickern, wenn es nicht ausgeschöpft oder abgepumpt wurde. Der Wasserspiegel vom Hochwasser erreicht in der Kirche oft die Höhe von einhundertundsechzig Zentimetern.
Der Nixstein mini|Der Rest vom Nixstein steht in Strehla seitlich des Elbweges Am Nixstein an einem toten Elbarm.
Unterhalb der Elbe liegt zwischen Strehla und Cottewitz bei Kilometer 116 ein breiter Granitfelsen: der Nixstein. Er ragte früher in einer Breite von über acht Metern (sechzehn Ellen) bis zur Mitte des Flusses aus dem Wasser, gefährdete die Schifffahrt, verursachte Eisstoß mit daraus folgendem Hochwasser und war Anlass für eine ätiologische Erzählung,Quelle: Heinrich Gotthelf Ruppel (Hrsg. G. Luck): Aus Strehlas vergangenen Tagen: Ein Stück Heimatgeschichte. Band 2, Strehla 1938, S. 264–266 die den Namen Nixstein durch Wohnungen von Nixen im Granitfelsen erklärte. Johannes Herrmann vermutet, dass Sand und Geröll aus dem Rietzschebach, der neben dem Nixstein in die Elbe mündete, vor tausend Jahren eine Furt zwischen den Elbufern von Strehla und Lorenzkirch geschaffen habe.Johannes Herrmann: Lorenzkirch, Markt des Burgwards Strehla im Daleminzergau der Mark Meißen. In: Herbergen der Christenheit: Jahrbuch für deutsche Kirchengeschichte. Bd. 1993/94 (1994), S. 20. Evangelische Verlags-Anstalt Leipzig 1994.
Versuche, den Nixstein in der Elbe in den Jahren 1870, 1904, 1908, 1911 und 1929 wegzusprengen, waren nicht sehr erfolgreich. Erst große Sprengungen unter Wasser von 1936 bis zum 24. Juni 1937 ermöglichten schließlich eine gefahrlose Schifffahrt. Bei diesen Sprengungen entstanden Wassersäulen von sechzig bis achtzig Metern Höhe. Die Oberkante der höchsten Nixsteinriffe liegt jetzt bei dem Pegelstand 121 des Pegels Strehla auf einer Höhe von 87,68 Meter über NN. Bei Niedrigwasser mit einem geringeren Pegelstand tauchen die Nixsteine aus der Elbe auf. Das geschah beispielsweise im September 1992 beim Pegelstand 116, 1993 beim Pegelstand 112 und 1994 beim Pegelstand 111. Auf der Lorenzkircher Seite stand in der Elbe an der kleinen Fähre ein Hungerstein, dessen Oberfläche bei dem Pegelstand 132 des Pegels Strehla auf einer Höhe von 87,80 Meter über NN gelegen hat. Er wurde 1932 beim Anlegen des toten Elbarmes entfernt. Auf KartenBeispiel: Wilhelm Ernst August von Schlieben: Karte der Elbe und der Hochwasserbereiche in Sachsen, 1:4 800, kolorierte Handzeichnung, 1820-1833 (Deutsche Fotothek, Aufnahme: dd_hstad-mf_0005320 mit diesem Permalink). und Stichen des 19. Jahrhunderts ist er abgebildet. Am Elbufer von Strehla steht seitlich des Elbweges Am Nixstein ein erhalten gebliebener Granitblock des Nixsteins an einem toten Elbarm. In der Sankt Laurentiuskirche von Lorenzkirch befindet sich der von Theodor Paul gespendete und von dem Bildhauer Johannes Seiler gestaltete Taufengel mit Taufschale aus Bronzeguss, der auf einem Sockel aus Granit steht. Dieser Granitsockel wurde 1909 in der Elbe in einer Taucherglocke aus dem Nixstein gebrochen.
Hochwasser Hochwasser und Eisgang Eine besondere Gefahr bildete an der Elbe neben dem Hochwasser auch das Eis, das sich bereits auf dem Weg von Böhmen auf der Elbe gebildet hatte und sich bei Hochwasser in dicker Schicht an die Dörfer heranschob. Die Bewohner von Lorenzkirch schützten sich seit Jahrhunderten durch Prellsteine an den Hauswänden und an den Straßenmauern. Da der Eisgang in den letzten Jahrzehnten ausgeblieben ist und nun nicht mehr erwartet wird, wurden in Lorenzkirch nach dem Hochwasser 2002 fast alle Prellsteine entfernt.
Ein Bericht über das Hochwasser vom 3. März 1855 zeigt die Dimension des Eisganges bei Lorenzkirch: Die großen Uferdämme in Promnitz und Moritz waren größtenteils durchbrochen, das ganze böhmische Eis ging durch diese Dammbrüche hinter Gohlis weg, wo es auf den Feldfluren der Gemeinden Zschepa, Lorenzkirch, Kottewitz und Kreinitz liegenblieb. Das Hochwasser war hinter dem Dorfe Lorenzkirch höher als vor demselben. Auf den Wiesen von Lorenzkirch lag das Eis 4 Ellen (= 3,26 Meter) hoch aufgeschichtet, alle Wege waren infolgedessen ganz ungangbar. Für das Eisschlagen und Freimachen der Wege mußten große Sumen bezahlt werden, denn 100 Mann hatten 14 Tage lang vollauf zu tun. Diese Arbeit wurde von einem Pionierkommando überwacht, die Gemeinden Lorenzkirch und Kreinitz bekamen aus der Staatskasse 200 Taler Unterstützung.Julius Kleber: Chronik der Stadt Strehla und Umgebung. Kommissionsverlag von Robert Noske, Borna und Leipzig 1909, Seite 151.
Hochwasser 2002 mini|Alfred Borsdorf (1881–1950) malte das Gemälde Der Jahrmarkt in Lorenzkirch im Jahr 1913.
Der Höchststand der Elbe in Riesa am 17. August 2002 in Höhe von 9,47 Meter führte in Lorenzkirch zu einer gefährlichen Überflutung. Ein Deichbruch am 16. August 2002 am Lorenzkircher Ufer wurde vermutlich durch einen vom Nixstein hervorgerufenen Strudel verursacht. Dabei wurden rund dreißig Meter des Deiches weggespült, und es entstand im Erdboden ein Krater mit einem Durchmesser von fünfunddreißig Metern und einer Tiefe von zwölf Metern.Quelle: Heinz Schöne: Die Flut in Lorenzkirch. Elbsand-Verlag, Lorenzkirch 2003. Seite 11,15-16, 57-58. Die Deichbrüche im August 2002 in der Nähe von Lorenzkirch entstanden durch die Überlastung des Hauptelbarmes. Die Deiche wurden überspült und von der Rückseite her ausgespült.