miniatur|Ansichtskarte Schloss, Teichhäuschen und Gotisches Häuschen (um 1900) Das Schloss Ebersdorf ist ein ehemaliges Residenzschloss mit Park im Ortsteil Ebersdorf der Stadt Saalburg-Ebersdorf im Saale-Orla-Kreis im Südosten Thüringens. Es handelt sich um eine unregelmäßige Vierflügel-Anlage mit über 120 Räumen, die einen 1.300 m² großen Innenhof umschließt. Es diente den Grafen von Reuß-Ebersdorf von 1690 bis 1848 als Residenz.
Geschichte Vor dem Schloss gab es ein Rittergut, das vor 1425 durch die Herren und Vögte von Gera gekauft wurde. Nach mehrmaligem Besitzerwechsel fiel das Gut 1670 an die jüngere Linie Reuß. 1682 kaufte es Heinrich I. Reuß-Schleiz (1639–1692) als möglichen Residenzstandort für seinen Vetter Heinrich X. Heinrich I. war der Vormund von Heinrich X., der 1678 durch Teilung der Grafschaft Reuß-Lobenstein noch minderjährig zum ersten Grafen von Reuß-Ebersdorf geworden war. Als Heinrich X. 1683 die Regierung antrat, bedurfte er keiner besonderen Residenz, da er erst einmal am Großen Türkenkrieg teilnahm.Alexander Blöthner: Geschichte des Saale-Orla-Raumes: Oberland und Orlasenke, Band 2: Das 17. und 18. Jahrhundert bis zum Ende der Napoleonischen Zeit - Ein Lesebuch für Schule und Haus. Books on Demand, Norderstedt 2018, ISBN 978-3-7431-2886-6, S. 317.
Ab etwa 1690 warb Heinrich X. um Erdmuthe Benigna zu Solms-Laubach als Ehefrau. Er ließ die alte Wasserburg abreißen und ab 1692 nach den Plänen des Mühltroffer Baumeisters Reinel ein äußerlich schmuckloses Barockschloss, das auch von einem Wassergraben umgeben war, errichten. Es wurde nach der Hochzeit am 29. November 1694 die Residenz des Paares. Der Bau kostete über 3.700 Gulden. Die vorgesehenen Kosten waren weit überschritten. Schon 1696 wurde das Schloss durch einen Brand beschädigt. Die Bewohner von Ebersdorf und den umliegenden Ortschaften wurden angewiesen, für die Reparaturen Steine aus der Saale heranzufahren.
miniatur|links|Barocke Südfassade miniatur|links|Klassizistische Westfassade Von 1709 bis 1711 gab es unter Heinrich X. größere Erweiterungen der Anlage. Es entstand ein nördlicher Wirtschaftsflügel für das Hofpersonal und ein südlicher Amts- und Wohnflügel. Bis 1732 erfolgten weitere Baumaßnahmen. Ein Turm, in den eine Uhr mit Schlagwerk eingebaut war, wurde später wieder abgerissen. Die Glocken wurden zum Schmelzgut für die Ebersdorfer Kirche. Als Heinrich X. 1711 starb, ließ seine Witwe für ihre pietistische Gemeinde am Hof eine eigene Schlosskapelle einrichten. Ihr Sohn Heinrich XXIX., der 1721 Regent wurde, war ein Freund von Graf Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, der Heinrichs Schwester Erdmuthe Dorothea heiratete. Die Trauung im Schloss Ebersdorf am 7. September 1722 erfolgte durch den Hofprediger Johann Heinrich Schubert. Im gleichen Jahr ermöglichte Zinzendorf auf seinem Gut in der Oberlausitz die Gründung der Herrnhuter Brüdergemeine für protestantische Glaubensflüchtlinge aus Mähren. Ab 1730 traten Mitglieder der Herrnhuter Brüdergemeine in den Dienst von Heinrich XXIX, was zu Konflikten mit dem bisher vorherrschenden Hallischen Pietismus am Hof führte. Zinzendorf vermittelte deshalb seinem Schwager Friedrich Christoph Steinhofer als Hofkaplan, der bis 1747 in Ebersdorf blieb. 1736 begann die räumliche Trennung der Herrnhuter vom Schloss, als sie das Erziehungs- und Waisenhaus übernahmen, das Gräfin Erdmuthe Benigna 1732 gestiftet hatte. 1745 trennte Heinrich XXIX. die Brüdergemeine auch rechtlich von der Schlossgemeinde und gab ihnen das Recht eigene Pfarrer anzustellen.
Heinrich XXIV., der 1747 Regent wurde, war dem Pietismus nicht mehr so eng verbunden wie seine Vorfahren. Am 24. August 1751 trennte er die Brüdergemeine durch Dekret von der lutherischen Landeskirche Reuß und unterstellte sie Herrnhut. 1756 schenkte Heinrich XXIV. die Orgel aus dem Kirchensaal des Schlosses für das Gemeinhaus. 1761 gab er der Brüdergemeine das Recht, „alle Arten der Künste, Handwercke und Gewerbe, ohne sich den Innungen incorporieren zu lassen, zu treiben“, was in Ebersdorf zu einem beträchtlichen wirtschaftlichen Aufschwung führte. miniatur|Artemisia. Zu diesem bekanntesten Gemälde Tischbeins saß 1775 die damals achtzehnjährige Gräfin Auguste Reuß zu Ebersdorf Modell Heinrich XXIV. widmete sich auch anderweitig der Stärkung seiner Grafschaft. Seine Tochter Auguste galt als eine der schönsten Frauen ihrer Zeit. 1775 bekam der Maler Johann Heinrich Tischbein für 100 Gulden den Auftrag, sie in einem Gemälde als Artemisia darzustellen. Dieses Gemälde entstand mit hoher Wahrscheinlichkeit im Ebersdorfer Schloss. Es wurde auf dem Immerwährenden Reichstag in Regensburg ausgestellt, damit potentielle Ehekandidaten auf Auguste aufmerksam würden. Sie heiratete am 13. Juni 1777 in Ebersdorf Erbprinz Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld, der das Gemälde für 400 Gulden erworben hatte.Heinz-Dieter Fiedler: Auguste Caroline Sophie Herzogin von Sachsen-Coburg-Saalfeld geborene Reuß-Ebersdorf. Books on Demand, Norderstedt 2015, ISBN 978-3-7347-8818-5, S. 7ff.Alexander Blöthner: ebenda, S. 317ff. Auguste wurde zur Stammmutter der Coburger Dynastie. Ihr Sohn Leopold war der erste König der Belgier. Sie war auch die Großmutter mütterlicherseits der britischen Königin Victoria sowie die Großmutter väterlicherseits deren Ehemannes Prinz Albert.
Unter Heinrich LI., ab 1779 Graf zu Ebersdorf, erhielt der Westflügel zwischen 1788 und 1792 einen klassizistischen Umbau, der von Christian Friedrich Schuricht ausgeführt wurde. Er gab dem Flügel als Saalbau eine repräsentative Fassade hin zum Schlosspark. Wie eine sechsachsige Tempelfront ist sie durch kolossale Säulen mit Gebälk und einen zurückgesetzten Dreiecksgiebel gegliedert. Auf der Gartenseite entstand im Erdgeschoss der große Gartensaal und im ersten Obergeschoss der klassizistisch ausgestattete Ovale Saal als Speisesaal. Auf der gleichen Etage wurden neben einem Nord- und einem Südost-Zimmer auch das Gesellschaftszimmer sowie das Billardzimmer eingerichtet. Auf der Hofseite hatte im zweiten Obergeschoss der über zwei Etagen reichende ehemalige barocke Hauptsaal schon eine aufwändige Stuckdecke. Dieser ehemalige Festsaal wurde nach dem Tod von Heinrich X. 1711 von seiner Witwe zum Kirchensaal für ihre pietistische Schlossgemeinde umgewidmet, um später als Bibliothek zu dienen. Mit klassizistischen Wandmalereien wurde insbesondere das erste Obergeschoss versehen.Paul Lehfeldt: Bau- und Kunst-Denkmäler Thüringens - Fürstenthum Reuss jungere Linie, Band 2 . Verlag Gustav Fischer, Jena 1896, S. 103.
Heinrich LI. konnte Reuß-Ebersdorf weiter wirtschaftlich stärken, indem er 1791 Louise Henriette, die einzige Tochter und Alleinerbin des Grafen Gotthelf Adolph von Hoym, heiratete. Hilfreich für seine Vorhaben am Schloss Ebersdorf war auch, dass er 1802 vom Tod des Grafen Heinrich XXX., dem letzten Grafen Reuß zu Gera, profitierte. Heinrich LI. wurde Mitregent und bekam ein Viertel der Geraer Einnahmen. Ab 1802 wurde der Schlosspark in Ebersdorf erweitert.Alexander Blöthner: ebenda, S. 321f.
Am 9. und 10. Oktober 1806 quartierte sich Kaiser Napoléon Bonaparte während des Feldzugs gegen Preußen vorübergehend mit 32 Generälen und Stabsoffizieren im Ebersdorfer Schloss ein, das seit dem April 1806 eine fürstliche Residenz war.
mini|links|Heinrich LXXII. Fürst Reuß-Lobenstein und Ebersdorf 1843 oder 1846 war die Tänzerin Lola Montez Gast von Heinrich LXXII. Dies war eine der Eskapaden des Fürsten, der seit 1822 regierte. Seit 1824, nach dem Tod von Fürst Heinrich LIV. Reuß zu Lobenstein, war Heinrich LXXII. Fürst Reuß-Lobenstein und Ebersdorf. Seine autoritäre Regierung mit skurrilen Wortschöpfungen wie z. B. „Prinzipienreiter“ und schrulligen Erlässen erregte deutschlandweit Aufmerksamkeit, hatte aber negative Auswirkungen auf die Qualität seines Verwaltungsapparates. Nicht nur sein Dienstpersonal hatte unter seiner Unberechenbarkeit zu leiden. Auch seine Angewohnheit, bei schlechter Laune vom Balkon auf der Südseite des Schlosses Passanten oder Fuhrleute von der Straße weg willkürlich verhaften zu lassen, brachte ihm keine Sympathien ein. Im Revolutionsjahr 1848 dankte Heinrich LXXII. zugunsten des Fürsten Heinrich LXII. Reuß zu Schleiz ab.Alexander Blöthner: ebenda, S. 322ff. Damit diente das Schloss nur noch als Sommersitz der Familie.
Am Abend des 1. Oktober 1874 bestand Gefahr für das Schloss, als das benachbarte Kammergut völlig abbrannte. Am Abend des 8. Februar 1951 brannte der ehemalige fürstliche Marstall ab, in dem ein Kino- und Theatersaal eingerichtet worden war. Anstelle des Marstalls wurde das Kulturhaus (heute Bürgerhaus) neu gebaut und am 21. Februar 1954 eröffnet.
Nachdem die 3. US-Armee am 13. April 1945 Ebersdorf erreicht hatte, wurde im Schloss Ebersdorf eine größere Menge französischer Akten gefunden. Schon drei Tage später waren Spezialisten der Operation Goldcup, die auf der Suche nach Aktenbeständen des Auswärtigen Amtes waren, vor Ort. Neben Akten aus weiteren Ländern, die ebenfalls abtransportiert wurden, fanden sie auch eine Werkstatt zur Fälschung von Dokumenten.Sacha Zala: Geschichte unter der Schere politischer Zensur: Amtliche Aktensammlungen im internationalen Vergleich. De Gruyter Oldenbourg, Berlin/München 2014, ISBN 978-3-486-56546-1, S. 163. Die Akten hatte Carl Arnold Willemsen als Leiter der Archivkommission des Auswärtigen Amtes vom Gut Schreibendorf bei Landeshut im Riesengebirge, wo sie sein Vorgänger Eckhard von Schack eingelagert hatte, vor der heranrückenden Roten Armee nach Ebersdorf bringen lassen. Als die US-Soldaten in Ebersdorf ankamen, lebten im Schloss neben der Fürstenfamilie und ihren Bediensteten noch 70 Evakuierte aus u. a. Gera, Dresden und Schlesien, darunter auch 15 Mitglieder verschiedener regierender Adelshäuser.
Nachdem die sowjetischen Soldaten, die ab Juli 1945 in Ebersdorf waren, das Schloss 1946 verlassen hatten, lagerte anfangs die Raiffeisengenossenschaft Schleiz Getreide in einigen Räumen. Im Sommer 1947 baute die Volkssolidarität das Schloss zu einem Feierabendheim um, in das am 8. April 1948 die ersten 50 Bewohner einzogen. Sie stammten aus dem Kreisversorgungsheim Schleiz. In das primitiv eingerichtete Heim wurden auch Vertriebene aus dem Raum Breslau und dem Sudetenland aufgenommen, die zuvor in einem Quarantänelager in Sonneberg untergebracht waren. 1955 wurde aus dem Altenheim ein Pflegeheim, in dem 1963 rund 270 Personen in 63 Zimmern untergebracht waren. In den 1960er Jahren wurden Wandgemälde von Ebersdorf in das damals frisch sanierte Schloss Molsdorf in Erfurt gebracht, um dort als Dekoration der gastronomisch genutzten Räume im Erdgeschoss zu dienen. Ab 1970 gab es im Heim auch einen Treff der Volkssolidarität und rund 30 Ebersdorfer Rentner erhielten ein verbilligtes Mittagessen. 1972 wurde als vierter Flügel ein neuer Wirtschaftstrakt mit Zentralheizung, Garagen und Mitarbeiterwohnungen errichtet. Dadurch wurde der Innenhof geschlossen. Als der DRK-Kreisverband, der 1992 Verwaltungsträger des Heimes wurde, einen Ersatzneubau in Bad Lobenstein eröffnete, wurde im Jahr 2000 das Alten- und Pflegeheim im Schloss geschlossen.