Niederhöchstadt ist ein Stadtteil von Eschborn im Main-Taunus-Kreis in Hessen.
Geografie Früher lag das Dorf nur an einer Straße und seine Größe wurde noch „vom aane bis zum anere Kreuz“ angegeben. Am Anfang der Hauptstraße steht ein Kreuz ('aane' = das eine) und am Ende Richtung Kronberg ein weiteres ('anere' = das andere) Kreuz. Inzwischen wuchs das Dorf über den ehemaligen Kern hinaus. Der frühere Dorfkern ist heute trotzdem noch gut erkennbar.
Niederhöchstadt grenzt im Norden an Kronberg und Oberhöchstadt, im Osten an Steinbach (sämtlich Hochtaunuskreis), im Südosten an Eschborn, im Westen Schwalbach (Main-Taunus-Kreis).
Geschichte Im Juni 782 wurde (Nieder)höchstadt (Eichenstat) bekanntermaßen das erste Mal urkundlich erwähnt, im Zusammenhang mit einer Schenkung an das Kloster Lorsch im sogenannten Lorscher Codex (Codex Laureshamensis):
Im gleichen Jahr im August lesen wir in einer anderen Urkunde von der Heichsteter marca, der Höchstädter Mark (Gemarkung).
Erst im Jahre 1048 wird unterschieden zwischen Hekestat inferiori (Niederhöchstadt) und Hekestat superiori (Oberhöchstadt). Im Jahr 1328 belehnte Kune von Falkenstein, Herr zu Münzenberg, den Ritter Hartmut von Cronberg mit dem Dorf Niederhöchstadt.
Am 17. August 1497 erhielt Ritter Johann (VII.) von Cronberg am Hofe in Worms aus der Hand des Königs und späteren Kaisers Maximilian I. die Verleihungsurkunde über ein Marktrecht für Niederhöchstadt. In der Urkunde versicherte der König alle Besucher des Marktes seines „Schutz und Schirmes“, außerdem gewährte er ihnen freies Geleit auf ihrer Reise zum Markt, ebenso auf der Rückreise. Mit 20 Mark in Gold solle derjenige bestraft werden, der die königlichen Gebote missachte und den Markt oder seine Besucher stört. Inwiefern der Markt stattgefunden hat, ist nicht überliefert.
Niederhöchstadt gehörte ursprünglich, wie z. B. Eschborn, zum Reichslehen Kronberg (Cronberg), vgl. Eschborn. Mit dem Tode des letzten Cronbergers fiel es als Teil dieses Lehens im Jahre 1704 an das Kurfürstentum Mainz.
Eine alte Wassermühle am Westerbach wird erstmals 1715 in den Akten erwähnt. Durch ein sog. Mühlbannrecht wurden die Bauern aus Niederhöchstadt und Schwalbach gezwungen, ihr Getreide ausschließlich in der Niederhöchstädter Mühle mahlen zu lassen. 1856 wurde dieses Mühlbannrecht aufgehoben und die Mühle stillgelegt. Es gab immer wieder Probleme mit dem niedrigen Wasserstand des Westerbachs, der die Funktion des Mühlenbetriebes beeinträchtigte. Heute steht diese Mühle nicht mehr, sie wurde abgerissen, um Platz für ein anderes Gebäude zu machen.
1803 ging Niederhöchstadt an Nassau-Usingen und gehörte zur Zeit des Herzogtums Nassau zum Amt Königstein. Nach der Annexion durch Preußen wurde es 1867 dem Obertaunuskreis und 1928 dem neugebildeten Main-Taunus-Kreis im Regierungsbezirk Wiesbaden zugeordnet.
Am 31. Dezember 1971 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen die freiwillige Eingliederung der bis dahin selbständigen Gemeinde Niederhöchstadt in die Stadt Eschborn. Ortsbezirke nach der Hessischen Gemeindeordnung wurden nicht errichtet.
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Niederhöchstadt angehört(e):
Im Frühmittelalter Niddagau; Kronberger Mark 1581 Heiliges Römisches Reich, Kurmainz ab 1584: Heiliges Römisches Reich, Kurmainz, Kurmainzer Lehen unter Kronberger Herrschaft ab 1704: Heiliges Römisches Reich, Kurmainz, Amt Kronberg ab 1787: Heiliges Römisches Reich, Kurmainz, Unteres Erzstift, Amt Kronberg ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Fürstentum Nassau-Usingen, Oberamt Höchst und Königstein, Amt Kronberg ab 1806: Herzogtum Nassau, Amt Kronberg ab 1815: Herzogtum Nassau, Amt Königstein ab 1849: Herzogtum Nassau, Kreisamt HöchstTrennung von Justiz (Justizamt Königstein) und Verwaltung bis 1854. ab 1854: Herzogtum Nassau, Amt Königstein ab 1867: Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, ObertaunuskreisEndgültige Trennung zwischen Justiz (Amtsgericht Königstein) und Verwaltung. ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Obertaunuskreis ab 1919: Deutsches Reich, Hilfskreis Königstein in der französischen Besatzungszone ab 1928: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Main-Taunus-Kreis ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Main-Taunus-Kreis ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Main-Taunus-Kreis
Bevölkerung Einwohnerstruktur 2011 Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Niederhöchstadt 6942 Einwohner. Darunter waren 687 (9,9 %) Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 1266 Einwohner unter 18 Jahren, 2754 waren zwischen 18 und 49, 1431 zwischen 50 und 64 und 1491 Einwohner waren älter. Die Einwohner lebten in 3222 Haushalten. Davon waren 1101 Singlehaushalte, 891 Paare ohne Kinder und 948 Paare mit Kindern, sowie 243 Alleinerziehende und 42 Wohngemeinschaften. In 693 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 2175 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.
Einwohnerentwicklung Quelle: Historisches Ortslexikon • 1688: 24 Familien • 1704: 30 Haushalte • 1765: 37 Märker • 1771: 38 Haushalte
Religion Die Kirche Sankt Nikolaus ist seit 1447 nachweisbar (heutiger Bau von 1952); sie ist heute katholische Pfarrkirche. Konfessionell war Niederhöchstadt – nach mehrfachen Konfessionswechseln in der Reformations- und Nachreformationszeit – anders als die Nachbarorte Kronberg und Eschborn überwiegend katholisch; dies änderte sich erst durch die Zuzüge von Heimatvertriebenen und Pendlern nach dem Zweiten Weltkrieg.
Eine evangelische Kirche wurde erstmals um 1980 errichtet. Die Andreasgemeinde NiederhöchstadtAndreasgemeinde im Internet praktiziert einen modernen Gottesdienst und veranstaltet regelmäßig größere Gottesdienste auch außerhalb der eigenen Einrichtung.
Historische Religionszugehörigkeit
Quelle: Historisches Ortslexikon • 1885: 22 evangelische (= 4,76 %), 440 katholische (= 95,24 %) Einwohner • 1961: 1236 evangelische (= 43,64 %), 1437 katholische (= 50,74 %) Einwohner
Politik Bis zur Eingliederung in die Stadt Eschborn Ende 1971 wurde die kommunale Selbstverwaltung der Gemeinde Niederhöchstadt durch die von den Bürgern direkt gewählte Gemeindevertretung einerseits und den Gemeindevorstand unter dem Vorsitz des Bürgermeisters andererseits wahrgenommen. Nach der Eingliederung wurde für den Ortsteil Niederhöchstadt davon abgesehen, einen Ortsbezirk mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher zu bilden.
Bürgermeister bis 1971 Von 1945 bis 1973 wurde die Gemeindeverwaltung von folgenden Bürgermeistern geleitet: Amtszeit Name 1966–1971 Heinz Henrich 1964–1966 Helmut Neumann 1942–1964 Wilhelm Bauer
Wappen Im November 1950 wurde der Gemeinde Niederhöchstadt durch das Hessische Staatsministerium das Recht zur Führung eines Wappens verliehen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Skulpturenpark Seit 2010 besteht in Niederhöchstadt ein Skulpturenpark, der unter anderem seit 2011 drei Bronzeskulpturen von Dietrich Klinge enthält.
Vereine In Niederhöchstadt gibt es ein reges Vereinsleben, zu nennen sind u. a. Tura 1893 e. V. Niederhöchstadt twe – tennis westerbach eschborn e. V.twe – tennis westerbach eschborn e. V. TC Grün-Weiss Eschborn-NiederhöchstadtTCGW Eschborn-Niederhöchstadt Kleingartenverein Niederhöchstadt e. V.KGV Niederhöchstadt Kappen-Club-Niederhöchstadt e. V. Obst- und Gartenbauverein Niederhöchstadt e. V.Obst- und Gartenbauverein Niederhöchstadt
Wirtschaft und Infrastruktur Im Gegensatz zur Kernstadt Eschborn, welche durch viele Bürohäuser und Gewerbebetriebe auffällt, trägt Niederhöchstadt noch einen mehr dörflichen Charakter und ist Wohnort von Pendlern, die im Rhein-Main-Gebiet arbeiten. Die weitaus meisten Einwohner leben in Ein- oder Zweifamilienhäusern. Relativ bedeutend ist der Anbau von Äpfeln und das Keltern von Apfelwein. In Niederhöchstadt gibt es eine Verwaltungsstelle des Rathauses der Stadt Eschborn. Das ehemalige Bürgermeisteramt wurde in den 2000er Jahren abgerissen und durch ein privates Gebäude ersetzt. Niederhöchstadt hat eine selbstständige Freiwillige Feuerwehr.Freiwillige Feuerwehr Niederhöchstadt Es gibt ein großes Sportgelände, die Westerbachsportanlage, mit mehreren Fußballfeldern, Sporthallen und Trainingsmöglichkeiten in Niederhöchstadt.
Verkehr Durch die zentrale Lage zwischen Frankfurt am Main-Rödelheim und Kronberg bekam Niederhöchstadt mit der im Jahre 1873 mit dem Bau begonnenen Kronberger Bahn ab dem 1. November 1874 einen eigenen Bahnhof für den Personenverkehr. Ab dem 1. Februar 1875 kam der Güterverkehr noch hinzu.
Seit 1978 ist Niederhöchstadt, ebenso wie Eschborn, an die S-Bahnlinien des Rhein-Main-Verkehrsverbundes von Darmstadt–Frankfurt–Kronberg (S 4) bzw. Darmstadt–Frankfurt–Bad Soden (S 3) angeschlossen. Weiterhin bestehen Busverbindungen nach Oberursel und Hofheim am Taunus.
Der Straßenverkehr zog sich noch bis in die 1960er Jahre durch die schmale Hauptstraße (mit einem beschrankten Bahnübergang) zwischen Eschborn und Kronberg, bis eine Umgehungsstraße in den Jahren 1968/69 (L 3005), von Frankfurt-Rödelheim nach Kronberg, Entlastung brachte. Diese Straße trennte allerdings einen kleinen, westlichen Teil des Ortes (auf der Schwalbacher Seite) vom Rest und musste deshalb durch eine Straßenunterführung und – am S-Bahn Haltepunkt (Niederhöchstadt) – eine Fuß- und Radwegunterführung mit dem Ostteil des Orts verbunden werden.
Bildung Bis in die 1960er Jahre waren die Grundschüler in provisorischen Baracken, sog. Nissenhütten, untergebracht, bis dann die neue Westerbachgrundschule gebaut wurde. Sie ist die einzige Schule im Stadtteil. Es gibt zwei städtische Kindergärten und private Kindertagskrippen.
Seit 1970 ist die Musikschule Taunus e. V.Wir über uns. In: musikschule-taunus.de. präsent, die in dem ehemaligen Polizeirevier der Gemeinde untergebracht ist. Derzeit gibt es Überlegungen, ein neues Gebäude für die Musikschule am Ortsausgang Richtung Kronberg zu errichten.
Literatur Hansjörg Ziegler: Eschborn. 10 Bände, Band I: Niederhöchstadt – Das einstige Straßendorf in Bildern von Gestern. Historische Gesellschaft e. V., 1992. 1200 Jahre Niederhöchstadt. Festschrift. Magistrat der Stadt, Eschborn 1982. Reinhard A. Bölts: Eschborn – Bilder einer dynamischen Stadt. Verlag 76 GmbH, 1976. Eschborn dialog. Magistrat der Stadt, Eschborn 2007, ISBN 978-3-00-020336-7. Gerd S. Bethke: Die Flurnamen der Stadt Eschborn 1. Niederhöchstadt. (= Eschborner Museumsschriften. 4) Magistrat der Stadt, Eschborn 2009, .
Weblinks
Webauftritt der Stadt Eschborn
Ortsgeschichte bei der Historischen Gesellschaft Eschborn e. V.
Fußnoten Anmerkungen
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Main-Taunus-Kreis Kategorie:Geographie (Eschborn) Kategorie:Ehemalige Gemeinde (Main-Taunus-Kreis) Kategorie:Gemeindeauflösung 1971