Die Partei der Arbeit Belgiens, (PVDA), (PTB), ist eine marxistische Partei in Belgien, die für eine sozialistische Gesellschaft in ihrem Land eintritt. Website PVDA, 11. Februar 2009. Sie ist die einzige Partei im belgischen Parlament, die sowohl im flämischen als auch im frankophonen Landesteil aktiv ist. Bis 2014 war die PVDA/PTB eine Kleinstpartei in der außerparlamentarischen Opposition, seither hat sie stark an Bedeutung gewonnen und gehört in der Hauptstadtregion Brüssel zu den stärksten Parteien. Ihr Vorsitzender ist seit 2021 Raoul Hedebouw.
Die Partei richtet das International Communist Seminar aus, das kommunistische Parteien der Welt vereinigt. Bis zum Bruch auf ihrem Parteitag 2008 war sie auch maoistisch. Anfang 2025 gab sie ihren bevorstehenden Beitritt zur Europäischen Linken (EL) bekannt.
Geschichte Entstehung (1960er Jahre) Ihren Ursprung hat die Partei in der belgischen Studentenbewegung (Studentenvakbond – SVB), einer progressiven Strömung innerhalb des katholischen flämisch-nationalistischen Katholiek Vlaams Hoogstudentenverbond an der Katholischen Universität Leuven. Diese Studentengewerkschaft kritisierte die damals sehr konservative und engstirnige Auffassung des KHV. Nach einem Skandal um die Verbandszeitschrift Ons Leven, in der katholische Geistliche der Pädophilie bezichtigt wurden, verwies die Universität den Chefredakteur und Funktionär des SVB, Ludo Martens, der Universität. Der SVB trennte sich daraufhin vom KHV.
Die Teilnahme an einem internationalen Kongress des deutschen SDS im Sommer 1967 in Berlin brachte Martens und einige seiner Mitstreiter aus dem SVB in Kontakt mit Anhängern der Ideen von Karl Marx, Wladimir Lenin und Mao Zedong. Danach entwickelte sich im SVB Interesse am wissenschaftlichen Sozialismus und für die Orientierung der Studierenden auf die Welt der Arbeiter. Im Sommer 1968 begann der SVB unter dem Einfluss von Martens mit dem Studium von Werken Lenins. Martens setzte sein Studium an der Universität Gent fort, organisierte auch hier den Widerstand der Studenten und las mit ihnen marxistische Klassiker, u. a. Das Kapital.
Alle Macht Aan De Arbeiders (1970er Jahre) Im Januar 1970 zog der Kern des SVB zum Streik der Bergarbeiter in der Provinz Limburg und wurde dort unter dem Namen Mijnwerkersmacht (Bergarbeitermacht) aktiv. Fast zeitgleich entstand beim Streik bei Ford in Genk ein ähnlicher Zusammenschluss unter dem Namen Arbeidersmacht. Diese beiden Streiks waren die ersten „wilden Streiks“ in einer Serie, die in der ersten Hälfte der 1970er Jahre große wie kleine Betriebe lahmlegten, oft ohne und wiederholt gegen die Gewerkschaften, die diese Streiks nicht anerkennen wollten. So verbreiteten sich diese Betriebskerne und die verschiedenen Gruppen der Dritte-Welt-Bewegung erhielten eine nationale Koordination. Diese und andere Versuche zum Brückenschlag zwischen Studenten- und Arbeiterbewegung wurden 1971 unter der Bezeichnung AMADA (Alle Macht Aan De Arbeiders) vor dem Hintergrund „konsolidiert“, revolutionäre Arbeiterkomitees aufzubauen. Diese „Bewegung“ betrachtete sich rasch als kommunistische Partei im Aufbau, in der die Studentengewerkschaften von Leuven und Gent, die Dritte-Welt-Bewegung, die örtlichen Limburger Kerne der Mijnwerkersmacht sowie weitere Gruppen von Arbeidersmacht aus anderen Teilen Flanderns vertreten waren. Kurze Zeit später erschien die Zeitung Alle Macht Aan de Arbeiders. Die Studentenführer Ludo Martens und Kris Merckx führten die neue Partei. Entsprechend den Auffassungen der damaligen Parteiführung gingen die Studenten in die Fabriken zum Arbeiten.Jan Buelinckx: Radicaal-links in België en de val van de muur.
Gleichzeitig entstanden 1971 die ersten Gruppenpraxen der Geneeskunde voor het Volk (GvhV – Medizin für das Volk) auf Initiative von Kris Merckx und Michel Leyers, was zu Unmut bei der ärztlichen Standesorganisation Orde van Geneesheren führte. Die Arztpraxen wurden gegen deren (auch juristischen) Widerstand und von politischen Gegnern (wie auch der KPB) oft als „Missionierungsarbeit“ abgewertet, gerade in Arbeitervierteln ausgebaut (u. a. in Zelzate, Hoboken und Genk).(M.) Leyers, (K.) Merckx: De dokter als kameraad. Antwerpen 1972. Immer öfter wurde (öffentlich) die Karte des Maoismus (des chinesischen Sozialismus von Mao Zedong) ausgespielt und teilte man die Standpunkte und Analysen der KP Chinas. Zudem wurden in dieser Zeit auch die Werke Josef Stalins stets mehr propagiert und als Anleitung für die Praxis genutzt.
Es entstand eine hierarchische Parteiorganisation nach leninistischem Vorbild und AMADA sah sich als Vorhut der Arbeiterklasse. Der Historiker Rudi Van Doorslaer vergleicht die politische Linie von AMADA in dieser Zeit mit der der Komintern der Periode 1929–1934.(R.) Van Doorslaer: Oorsprong en consolidatie van AMADA. In: AMSAB-tijdingen. 2de jg., 1983–1984, S. 66. Da die Parteiführung und die Aktiven jener Jahre noch sehr unerfahren und zu impulsiv waren, fand AMADA nur schlecht Anschluss beim sozialdemokratisch geprägten Algemeen Belgisch Vakverbond (ABVV – Allgemeiner Belgischer Gewerkschaftsbund) und der Christlichen Gewerkschaft ACV. Dieses führte wiederholt zu gewerkschaftsfeindlichen Standpunkten: So wurde der Gewerkschaftsführung häufig vorgeworfen, auf einer Linie mit der Betriebsführung zu stehen und wurden Betriebsräte als „Wachhunde der Arbeitgeber“ bezeichnet. Das wiederum führte zu Unvereinbarkeitsbeschlüssen mit AMADA-Aktivisten.
1974 wurden in Lüttich und Charleroi unter dem Namen Tout le Pouvoir aux Ouvriers (TPO) (auf Deutsch: Alle Macht den Arbeitern) Parteigruppen gegründet. Ab 1975 nahm der Dogmatismus in der Partei langsam ab und die Haltung zu den Gewerkschaften wurde weniger abweisend. Wohl blieb ihre Haltung gegenüber den konkurrierenden linken Parteien wie der KP Belgiens und der trotzkistischen Revolutionären Arbeiterliga (RAL) weiterhin ablehnend. Ersteren warfen sie vor, eine revisionistische Partei zu sein und Verrat an den marxistisch-leninistischen Prinzipien zu üben, Letztere nannten sie eine Bewegung von Verrätern, die im Dienst des Imperialismus stehe.
Das Ende des Vietnam-Kriegs 1975 und der Tod Maos 1976 sowie die Politik der Wirtschaftsreformen in China unter Deng Xiaoping führten zu einer Neupositionierung der Partei und einem neuen Parteinamen.
PVDA (1979–2000) 1979 wurde auf einem Parteitag der Name Partij van de Arbeid van België (PVDA) angenommen. In dieser Periode ging es der Partei immer noch nicht vorrangig um die Teilnahme an der parlamentarischen Demokratie, die als bürgerlich betrachtet wurde. Ihr Ziel war die proletarische Revolution, Wahlen waren dieser untergeordnet. Diese Haltung wurde im Lauf der 1990er-Jahre langsam gemildert. Martens verweilte ab 1997 vorwiegend in der DR Kongo, und die Parteiführung wurde in dieser Zeit von Generalsekretärin Nadine Rosa-Rosso wahrgenommen.
Ein neuer Kurs (seit 2000) Bei den Kommunal-, Bezirks- und Provinzratswahlen im Jahr 2000 wurden zwei Mandate in Zelzate (Ost-Flandern) und zwei in Herstal (Lüttich) gewonnen. In Hoboken, wo die Partei einst ihre ersten Ratsmandate erhalten hatte, erhielt sie einen Sitz im Bezirksrat. Für die Parlamentswahl von 2003 reichte die PVDA unter dem Namen Resist eine gemeinsame Liste mit der Arabisch Europese Liga (AEL), einer Interessenvertretung der belgischen Muslime, von Dyab Abou Jahjah und einigen Unabhängigen ein.Kris Merckx over samenwerking PVDA en AEL in Resist. In: Gazet van Antwerpen. 14. April 2003.Klein-links en AEL vinden elkaar met lijst Resist. In: De Standaard. 8. Februar 2003. RESIST forderte u. a. den Aufbau mehrerer islamischer Konfessionsschulen, die der belgische Staat finanzieren sollte.
Die Wähler konnten mit dieser Kombination von Linksradikalen und Islamisten nur wenig anfangen: Resist bekam nur 17.604 Stimmen, während die PVDA 1999 allein bei den Nationalwahlen 24.150 Stimmen bekommen hatte. Eine vergleichbare Tendenz erzielte die PVDA bei der Wahl zur Volksvertretung im selben Jahr. In Folge dieses Wahldebakels erntete Generalsekretärin Rosa-Rosso parteiintern viel Kritik und wurde entlassen. Die Zusammenarbeit mit der AEL wurde aufgekündigt. Die AEL gründete die Moslim Democratische Partij.PVDA en AEL scheiden. In: De Standaard. 3. Juli 2003.Stephen Bouquin: Uiterst links en de verkiezingen: Zoveelste uitgestelde doorbraak of politiek faillissement? Vonk; 16. Juni 2003. Die Nachfolge Rosa-Rossos als Generalsekretär trat Boudewijn Deckers an. Bei den 2004 gleichzeitig abgehaltenen EP-Wahlen und denen zum flämischen Regionalparlament erhielt die PVDA wieder durchschnittlich ein Prozent der Stimmen.
Bei den Kommunalwahlen von 2006 sprang die PVDA in Zelzate auf 21,67 % (+8,9 %). Die Partei erhielt damit 6 der 23 Ratssitze. Auch in der Stadt Antwerpen gewann die PVDA hinzu. Im Bezirksrat von Hoboken gewann die Partei ein Mandat hinzu (8,27 % der Stimmen). Dadurch kam die Partei in die Lage, einer breiten Koalition beizutreten und so die Regierung von Vlaams Belang aus dem Magistrat zu halten. Auch im Stadtbezirk schnitt die PVDA mit 4,43 % und einen Sitz gut ab. Auch in Genk kehrte die Partei nach einigen Legislaturperioden wieder in den Rat zurück. Insgesamt erreichte die PVDA landesweit 16 Mandate, eine Verdreifachung des Ergebnisses von 2000. Bei den Parlamentswahlen von 2007 bekam die Partei in Flandern für die Kammer 0,9 % und für den Senat 0,8 %.
Im März 2008 wurde Peter Mertens auf dem 8. Parteitag zum Vorsitzenden gewählt. Nahezu zeitgleich begann dieser mit der „Verbreiterung“ der Partei, um so eine breitere Öffentlichkeit anzusprechen. Als neuer Vorsitzender erklärte Mertens öffentlich, dass die PVDA den „belehrenden Finger“ und die „großen Theorien“ mehr oder weniger weglassen müsse, kündigte an, dass er gedenke, die Partei neu auszurichten, und distanzierte sich von Maoismus und Stalinismus. PVDA, 22. Februar 2008. Hierbei betrachtete man die SP in den Niederlanden als mögliches Vorbild, sieht aber vor allem die Sozialdemokratisierung dieser Partei sehr kritisch. Die PVDA bezeichnet sich in ihren Parteitagsunterlagen als „kommunistische Partei dieser Zeit“ und betont: „Diese Partei ist ein Teil der Internationalen Kommunistischen Bewegung.“ (PDF; 846 kB)
2009 rief die Antwerpener Parteigruppe der KP zur Wahl von Peter Mertens auf, um die „linken fortschrittlichen Stimmen“ nicht zu zersplittern. Dieser Standpunkt war für beide Parteien ein Bruch mit der Vergangenheit, in der man einen ziemlich verkrampften Umgang miteinander pflegte. Website PVDA; 4. Mai 2009. In jenem Jahr erzielte die Partei sowohl bei den flämischen Regionalwahlen als auch bei den EP-Wahlen (im niederländischsprachigen Wahlkreis) 1 % der Stimmen. Der PVDA gelang es, die Gesamtzahl im Vergleich zu den Regionalwahlen von 2004 um 40 Prozent zu erhöhen. Auch in Wallonien gab es einige herausragende Ergebnisse: in Herstal (7,8 %), in Seraing (4,2 %), in Lüttich (2,6 %) und in La Louvière (3,9 %).
Auch bei den Parlamentswahlen von 2010 verbuchte die PVDA ein leichtes Plus von 0,4 % (1,3 %) für die Kammer und von 0,5 % (1,4 %) für den Senat. Vor allem in den Großstädten legte die Partei zu, u. a. in den Kantonen Antwerpen (4,1 %) und Lüttich (4,2 %).