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Das Bekenntnis der Professoren an den deutschen Universitäten und Hochschulen zu Adolf Hitler und dem nationalsozialistischen Staat wurde am 11. November 1933 zur Feier der „nationalsozialistischen Revolution“ des Jahres auf einer Festveranstaltung in der Alberthalle in Leipzig als Gelöbnis deutscher Gelehrter – meist im Beamtenverhältnis – vorgetragen. Doch waren nicht alle Unterzeichner Professoren, es finden sich auch Privatdozenten, Lehrbeauftragte, Dozenten bis zu einzelnen Studenten darunter. Der Titel lautete „Mit Adolf Hitler für des deutschen Volkes Ehre, Freiheit und Recht!“ Weitere Bezeichnungen in der Publizistik der Zeit, in offiziellen Dokumenten und damit in der Historiographie lauten „Kundgebung der deutschen Wissenschaft“ oder kurz Bekenntnis der Professoren sowie Ruf an die Gebildeten der Welt.Ganz vereinzelt in der Sekundärliteratur: „Aufruf …“ statt „Ruf …“, z. B. Frank-Rutger Hausmann: Anglistik und Amerikanistik im Dritten Reich. Klostermann, Frankfurt am Main 2003, ISBN 3-465-03230-6, S. 81, 502, 506 (); oder Ruth Heftrig, Olaf Peters, Barbara Maria Schellewald (Hrsg.): Kunstgeschichte im „Dritten Reich“. Theorien, Methoden, Praktiken (= Schriften zur modernen Kunsthistoriographie. Band 1). Akademie-Verlag, Berlin 2008, ISBN 978-3-05-004448-4, S. 10 (); vgl. S. 319 zu Anm. 23 (). Diese Studie nennt als Beginn der Unterschriftensammlung den 23. Oktober 1933. Insgesamt unterschrieben ca. 900 Personen.

Hintergrund Ausrichter der Kundgebung und Herausgeber der Schrift war der Nationalsozialistische Lehrerbund Sachsen. Die Veranstaltung fand am Vortag der „Volksabstimmung“ über den bereits am 14. Oktober vollzogenen Völkerbundaustritt statt, die mit der Reichstagswahl vom November 1933 gekoppelt und eine Scheinwahl war, weil es nur NSDAP-Kandidaten gab. Das Bekenntnis war somit auch ein Wahlaufruf. In mehreren Reden wurde der angebliche Wille Deutschlands zum Frieden hervorgehoben, der neben Freiheit und Ehre anzustreben sei. Der Austritt aus dem Völkerbund wurde mit dem Streben nach Gleichberechtigung Deutschlands auf internationaler Bühne begründet, die ohne die diskriminierenden Bestimmungen des Völkerbundes nur durch den Austritt zu erreichen gewesen sei. Die Wissenschaftler unterschrieben, obwohl der nationalsozialistische Staat zuvor durch das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums massiv in die wissenschaftliche Lehrfreiheit der Hochschulen eingegriffen hatte, indem er Wissenschaftler jüdischen Glaubens oder Herkunft oder demokratischer Gesinnung aus dem Amt vertrieben hatte. Auch war die Selbstbestimmung der Universitäten durch die Einführung des Führerprinzips beseitigt worden und die NSDAP hatte dort einen bestimmenden Einfluss gewonnen.

Der sächsische NSLB-Gauobmann Arthur Hugo Göpfert hatte im Zusammenwirken mit der Landesuniversität Leipzig dazu aufgerufen, ein „Bekenntnis freier und politisch nicht gebundener deutscher Gelehrter“ zu veröffentlichen, einen „Ruf an die Gebildeten der Welt“. Dieser „Ruf“ versprach eine „volksgebundene Wissenschaftspflege“, aus der allein die völkerverbindende Macht der Wissenschaft erwachsen könne. Weiter hieß es: „Aus dieser Überzeugung heraus richtet die deutsche Wissenschaft an die Gebildeten der ganzen Welt den Appell, dem Ringen des durch Adolf Hitler geeinten deutschen Volkes um Freiheit, Ehre, Recht und Frieden das gleiche Verständnis entgegenzubringen, welches sie für ihr eigenes Volk erwarten“. Die begleitenden Ansprachen hielten nacheinander der Rektor der Leipziger Universität, der Veterinär und Tierzüchter Richard Arthur Golf, schon vor der Machtergreifung Vertrauensdozent des NS-Studentenbundes, ferner Eugen Fischer, Martin Heidegger, Emanuel Hirsch, Wilhelm Pinder, Ferdinand Sauerbruch, Eberhard Schmidt,Angegeben ist im deutschen Text „Prof. Schmidt, Hamburg“ sowie dass er ein Jurist ist; bei den Übersetzungen steht aber immer „Eberhard“, daher handelt es sich um den Strafrechtler (1891–1977): in Hamburg bis 1935, dann in Leipzig, Göttingen und Heidelberg (Rektor 1952), vgl. . In: mundipedia.com, abgerufen am 18. Oktober 2016; vgl. . In: uni-leipzig.de, abgerufen am 18. Oktober 2016. Schmidt erscheint nicht in der Liste der Bekennenden. der Theologe Friedrich Karl Schumann und der Germanist Friedrich Neumann. Göpfert, ein Lehrer, geb. 1902, wurde 1933 Ministerialrat, ab März 1935 der Leiter (ohne Ministertitel) des Volksbildungsministeriums im Land Sachsen neben seinen Parteifunktionen.

Die Zahnarztprofessoren gingen am 24. Juni 1933 in Leipzig mit der Gründung der Einheitsfront der Zahnärzte voraus, die sich dem nationalsozialistischen „Führerprinzip“ verpflichtete.Lisa A. Bitterich, Dominik Groß, Die Angehörigen der „Einheitsfront der Zahnärzte“ im „Dritten Reich“ und nach 1945, Sudhoffs Archiv 104, 2020/1, S. 101–132,

Begrenzte Aussagekraft des Dokuments und der Unterschriften In seinem Buch „Talar und Hakenkreuz“ (2024) untersucht der Historiker Michael Grüttner die Aussagekraft des Dokuments für die deutschen Universitäten. Er stellt fest, dass sich unter den Unterzeichnenden diverse „Nichtarier“ und Emigranten befanden, außerdem Hochschullehrer, die später aus politischen Gründen entlassen wurden, und sogar Widerstandskämpfer wie der Romanist Werner Krauss, der 1943 vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt wurde. Das lag laut Grüttner daran, dass die meisten Unterzeichner das Dokument gar nicht als Unterstützung des NS-Regimes wahrnahmen. Der zur Unterschrift vorgelegte Text hatte einen politisch neutralen Titel („Ruf an die Gebildeten der Welt“) und warb im Ausland um die Akzeptanz der deutschen Außenpolitik, die damals auf die Überwindung des Versailler Vertrages ausgerichtet war. Dieses Ziel aber sei in Deutschland über alle Parteigrenzen hinweg fast unumstritten gewesen. Ferner beschwor der Aufruf Werte und Ziele, die eher im Gegensatz zur NS-Ideologie standen: „kulturelle Freiheit“, die „unbeschränkte geistige Entwicklungsmöglichkeit“, die „völkerverbindende Kraft der Wissenschaft“ und den „allgemeinen Frieden“. Erst der nachträglich formulierte Titel der Publikation („Bekenntnis der deutschen Professoren zu Adolf Hitler …“) habe, so Grüttner, eine „politische Eindeutigkeit“ geschaffen, die den Professoren „im Augenblick der Unterzeichnung nicht bewusst sein konnte.“ Grüttners Fazit: „Letztlich verrät der „Ruf an die Gebildeten der Welt“ daher fast nichts über die Unterstützung, die der Nationalsozialismus … im Lehrkörper der deutschen Universitäten erfuhr.“Zitate aus: Michael Grüttner: Talar und Hakenkreuz. Die Universitäten im Dritten Reich, München 2024, S. 83–86.

Ähnlich argumentierte der Völkerkundler Hans Fischer, der ferner darauf hinwies, dass die nationalsozialistischen Inhalte vor allem in den Ansprachen von Fischer, Heidegger, Hirsch usw. enthalten seien.Hans Fischer: Völkerkunde. In: Eckart Krause, Ludwig Huber, Holger Fischer (Hrsg.): Hochschulalltag im „Dritten Reich“. Die Hamburger Universität 1933–1945 (= Hamburger Beiträge zur Wissenschaftsgeschichte. Band 3). Dietrich Reimer Verlag, Berlin/Hamburg 1991, ISBN 3-496-00867-9, Band 2: Philosophische Fakultät. Rechts- und Staatswissenschaftliche Fakultät. , S. 597.

Bekenntnisse

Rektor Eugen Fischer (Berlin):

Rektor Martin Heidegger (Freiburg i. Br.):

Wilhelm Pinder (München): Er bezieht sich auf die Feier zum 10. Jahrestag des 9. November 1923 und schildert die Inszenierung dieser Gedenkfeier, die ihn tief ergriffen habe:

Bekennende Übersicht der vertretenen Hochschulen Im Dokument sind die Namen der Unterzeichner ihren Hochschulen zugeordnet. Am Ende stehen noch einzelne Wissenschaftler ohne Zuordnung, die meisten von der Universität Leipzig, die nicht in der Übersicht aufgeführt ist, obwohl ihr Rektor zu den Rednern gehörte.Von den Leipziger Dekanen haben Helmut Berve und der Mathematiker Paul Koebe unterzeichnet, die anderen nicht. Unter den Unterzeichnern fällt auf, dass manche Institute sehr stark (Orientalistik, Sprachwissenschaft, Chemie, Geografie), andere schwach vertreten sind. Die meisten Namen kamen von der Hamburger Universität, dann aus Göttingen und Marburg. Unter den Hochschulen finden sich vier katholisch-kirchliche Hochschulen in Bayern, deren Rektoren sämtlich ihre Unterschrift leisteten: Adolf Eberle, Franz Heidingsfelder, Max Heuwieser und Michael Rackl.

Deutsche Hochschule für Leibesübungen, Berlin-Charlottenburg Hochschule für Lehrerbildung (bis April 1933 Pädagogische Akademie) Bonn Georg-August-Universität Göttingen Hamburgische Universität Hochschule für Lehrerbildung Kiel Veterinärmedizinische Fakultät Leipzig Pädagogisches Institut Leipzig Universität Marburg Pädagogisches Institut Rostock Bergakademie Clausthal Technische Hochschule Danzig Technische Hochschule Dresden (Hochbau-, Math.nat.wiss. Abteilung, Bauingenieur-Abt., Kulturwiss. Abt., Mechan. Abt., Chemische Abt.) Pädagogisches Institut der TH Dresden Bergakademie Freiberg i. Sa. Technische Hochschule Hannover Handelshochschule Berlin Handels-Hochschule Leipzig Hindenburg-Hochschule Nürnberg Landwirtschaftliche Hochschule Bonn-Poppelsdorf Forstliche Hochschule Eberswalde Technische Hochschule Dresden (Forstliche Hochschule Tharandt) Forstliche Hochschule Hann. Münden Bischöfliche Philosophisch-Theologische Hochschule Eichstätt i. B. Philosophisch-Theologische Hochschule Passau Philosophisch-Theologische Hochschule Regensburg Philosophisch-Theologische Hochschule Dillingen

sowie einzelne Wissenschaftler.

Namen von Wissenschaftlern

Insgesamt unterschrieben ca. 900 Personen.Es gibt unterschiedliche Zahlenangaben, weil auch nach dem 11. November 1933 Unterschriften und Gelder zur Veröffentlichung reichsweit gesammelt wurden. Felix Genzmer, Dekan der Staats- und Rechtswissenschaftlichen Fakultät der Univ. Marburg, gab noch am 11. Januar 1934 eine Liste an den Rektor; unterzeichnet hatten von den Juristen er selbst, Erich Jung, Emil Wehrle, Gerhard Mackenroth, Rudolf Schulz-Schaeffer, Heinrich von Minnigerode (1885–1950). Allein von den Marburger Medizinern unterschrieben ca. 50 Universitätsangehörige. Die Namen bei: Anne Christine Nagel, Ulrich Sieg: Die Philipps-Universität Marburg im Nationalsozialismus. Dokumente zu ihrer Geschichte (= Pallas Athene. Beiträge zur Universitäts- und Wissenschaftsgeschichte. Band 1). Franz Steiner, Stuttgart 2000, ISBN 3-515-07653-0, S. 188, Anm. 20. Unter anderem unterzeichneten:

A Karl von der Aa (Leipziger Wirtschaftspädagoge), Narziß Ach (Göttinger Psychologe), Eberhard Ackerknecht (Leipziger Veterinär), Gustav Aeckerlein (Freiberger Physiker), Friedrich Ahlfeld (Marburger Geologe), Karl Albrecht (Hamburg), Karl Alnor (Kieler Geschichtsdidaktiker), Hermann Altrock (Leipziger Sportpädagoge), Friedrich Alverdes (Marburger Zoologe), Georg Anschütz (Hamburger Psychologe), Christian Aretz (Bonner Naturwissenschaftler, 1887–1960), Emil Artin (Hamburger Mathematiker, 1937 entlassen), Richard Augst (Dresdner Geschichtspädagoge, 1884–?)

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