mini|250px|Marienkapelle

Die Marienkapelle ist eine römisch-katholische Kirche in der Kapellenstraße in der unterfränkischen Kurstadt Bad Kissingen. Sie gehört zu den Bad Kissinger Baudenkmälern und ist unter der Nummer D-6-72-114-25 in der Bayerischen Denkmalliste registriert.

Die Kapelle trug zunächst das Patrozinium der Gottesmutter Maria; nach Neubauarbeiten unter dem Baumeister Balthasar Neumann im 18. Jahrhundert wurde der heilige Burkard, erster Bischof von Würzburg, ihr neuer Patron.

Zur Marienkapelle gehört der sie umgebende Kapellenfriedhof.

Geschichte mini|250px|Altar der Marienkapelle

Anfänge Im Zusammenhang mit der Stiftung dreier Äcker vom 2. März 1286 durch den Schuster Konrad zu NüdlingenStadtarchiv Würzburg: Wü-Urk. 3894, Original-Urkunde im Hauptstaatsarchiv MünchenLudwig Bechstein: Geschichte und Gedichte des Minnesängers Otto von Botenlauben. Leipzig 1845, S. 195, Nr. 7, Abschrift in Latein ist für dieses Jahr ein Kirchenneubau in Kissingen bezeugt.Franz Warmuth: 100 Jahre Herz Jesu Pfarrei Bad Kissingen – Beitrag zur Geschichte der Pfarrei Bad Kissingen. Bad Kissingen 1984 Da dieser Kirchenbau jedoch sowohl jedoch der hl. Maria als auch dem hl. Jakobus gewidmet ist, ist unsicher, ob dieser sich auf die Marienkapelle oder auf die Jakobuskirche in der Kissinger Innenstadt bezieht.Denis A. Chevalley, Stefan Gerlach: "Denkmäler in Bayern - Stadt Bad Kissingen, 1998 Die erste eindeutige urkundliche Bezeugung der Marienkapelle stammt vom 5. Juni 1348 und bezieht sich auf eine Stiftung zum Bau einer neuen Kirche durch den Münnerstädter Herrmann Wunder und seine Frau Katharina; in dieser Zeit entstand der Turmunterbau. Ebenfalls aus dem Jahr 1348 stammt die erste bekannte urkundliche Erwähnung des Kapellenfriedhofes, der durch die zahlreichen Opfer der Pest erforderlich wurde.

In ihrer Anfangszeit befand sich die Kapelle mit dem Patrozinium Mariens, der Mutter Jesu noch außerhalb der Kissinger Stadtmauern; dementsprechend ist bei der Erwähnung von 1348 von einer „capella extra muros“, also einer „Kapelle außerhalb der Mauern“, die Rede. Vornehmlich fanden in der Marienkapelle, die ebenso als Friedhofskirche diente, Beerdigungen Kissinger Adeliger statt; ebenso war sie das Ziel von Wallfahrten.

Der Historiker Michael Stöger vermutete, Otto von Botenlauben, Hausherr der in Reiterswiesen (heute Stadtteil von Bad Kissingen) gelegenen Burgruine Botenlauben, sei Bauherr einer „Marienkapelle“ gewesen, die sich am Standort der heutigen Sparkasse Bad Kissingen befunden habe.Michael Stöger: Entwurf zu einer Geschichte, Bad Kissingen, S. 12 Diese Theorie gilt in Bezug auf die heutige Marienkapelle als unwahrscheinlich, und zwar einerseits durch die Stiftung von Herrmann Wunder und seiner Ehefrau sowie durch das Fehlen eines urkundlichen Beleges für Otto von Botenlauben als Begründer der Marienkapelle.Thomas Ahnert, Peter Weidisch (Hrsg.): 1200 Jahre Bad Kissingen, 801-2001, Facetten einer Stadtgeschichte. (= Festschrift zum Jubiläumsjahr und Begleitband zur gleichnamigen Ausstellung / Sonderpublikation des Stadtarchivs Bad Kissingen). Verlag T. A. Schachenmayer, Bad Kissingen 2001, ISBN 3-929278-16-2 Ferner hätte es für Otto von Bodenlauben keine Notwendigkeit gegeben, überhaupt ein Kirchengebäude in der Stadt zu stiften, da auf der Burg Bodenlaube eine Kapelle vorhanden war.Carl Boxberger: Geschichte des Schlosses u. Amtes Bodenlauben und seine Besitzer, in: Archiv des Histor. Vereins Unterfranken, 19. Band, Teil 1, Würzburg 1881 Stöger könnte eine St.-Katharina-Kirche gemeint habenAdolar Zumkeller: Urkunden und Regesten zur Geschichte der Augustinerklöster Würzburg und Münnerstadt, in: Quellen und Forschung zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, Quellen und Forschung zur Geschichte des Bistums und Hochstifts Würzburg, Band XVIII, 1. Teilband, Würzburg 1966, Nr. 117, 1357 April 30Michael Müller: 'Das Landkapitel Mellrichstadt, in Franconia sacra, Geschichte und Beschreibung des Bisthums Würzburg, Würzburg 1901, Nachdruck, Sondheim 1979, S. 165, die in einer Münnerstädter Klosterurkunde vom 30. April 1357 genannt wird.

Bereits 1413 entstand die inzwischen einzige Glocke des Kirchturms, die einen Durchmesser von 80 Zentimetern und ein Gewicht von 310 Kilogramm aufweist. Wie eine Inschrift an zwei Strebepfeilern des spätgotischen Kirchenchores nachweist, wurde dessen Bau im Jahr 1446 von Peter von Herbilstadt gestiftet und im Jahr 1456 von Heinrich Zabenstein ausgeführt.Lebendige Gemeinde: Pfarrbrief für die Stadtpfarrei Herz-Jesu, 3/67, Marienkapelle.

Neuzeit Von 1631 bis 1645 machten sich die Auswirkungen des Dreißigjährigen Krieges auch an der Marienkapelle bemerkbar. So berichtete der Kissinger Pfarrer Pistorius, dass die Altäre der Kapelle „alle profaniert und aufgeschlagen wurden“.Ulrich Glöggler: Beiträge zur Geschichte Bad Kissingens, in: Jahresbericht der Königlichen Realschule 1897/98, Bad Kissingen 1898, S. 5 Pfarrer Pistorius beerdigte in dieser Zeit in der Marienkapelle auch evangelische Christen wie zum Beispiel Susanna Catharina Postlerin († 21. Mai 1634; Ehefrau von Joachim Holländer, dem Vorsteher der Saline) und die Jungfrau Rosina († 1635, Tochter des Albert von Erthal).

mini|150px|Bildstock bei der Marienkapelle (Nahaufnahme)

Der Bildstock neben dem Liebfrauensee besteht aus Sandstein und stammt aus dem Jahr 1719.Elisabeth Keller: Die Flurdenkmale im Landkreis Bad Kissingen, Band 1, Eigenverlag des Landkreises Bad Kissingen, 1978 Der Sockel trägt eine Inschrift zu Ehren der Vierzehn Nothelfer; auf der Gegenseite steht „IHS“. Die 1,40 Meter hohe Säule trägt einen 90 cm hohen Reliefaufsatz mit einer Darstellung des Wunders von Vierzehnheiligen auf der Vorderseite sowie – als Bekrönungsfigur – einer Figur des hl. Georg. Die Rückseite des Reliefaufsatzes zeigt die Stifterfamilie vor Christi Kreuz stehend und von Blattwerk eingerahmt. Der Bildstock befindet sich wahrscheinlich an seinem ursprünglichen Standort. Er ist auch auf Darstellungen der Schlacht bei Kissingen vom 10. Juli 1866 zu finden.

mini|left|150px|St.-Nepomuk-Statue bei der Marienkapelle.

In der Mitte des 17. Jahrhunderts entstand die St.-Nepomuk-Statue neben dem Liebfrauensee. Der 98 cm hohe Sockel zeigt auf der Vorderseite ein verwittertes Relief mit dem Brückensturz des Heiligen. Die Heiligenfigur selbst ist 1,80 Meter hoch. Die Darstellung auf dem Sockel ist kranzförmig umrahmt; die Beschriftung der Umrahmung lässt sich heute nicht mehr entziffern. Die Statue wurde im frühen 20. Jahrhundert (wohl 1907) von ihrem ursprünglichen Standort, einer inzwischen (durch Sprengung im Krieg) nicht mehr existenten Saale-Brücke, an ihren jetzigen Standort versetzt.

Wallfahrten Seit dem 16. Jahrhundert wurde die Marienkapelle Ziel von Wallfahrten. Im Jahr 1635 entstand in Hausen und Kleinbrach (heute Stadtteile von Bad Kissingen) der Brauch, am Donnerstag nach Mariä Lichtmess, dem „Opferdonnerstag“,Pfarrarchiv Bad Kissingen, Band V – Huberth, Johann Pfarrerin Kissingen in Tam officii divini 1795 eine Prozession zur Marienkapelle abzuhalten, um dafür zu danken, dass beide Orte vor den Folgen einer Pest in jenem Jahr verschont geblieben waren. Diese Prozession fand im Jahr 1961 zum letzten Mal statt, da sie durch den ständig steigenden Verkehr unmöglich wurde.Werner Eberth: Beiträge zur Geschichte von Hausen und Kleinbrach, Band 1, 2009" Während die Bewohner von Nüdlingen am 25. April (Markustag) zur Kapelle wallfahrtenPfarrarchiv Nüdlingen – Original-Urkunde von 1453, begann das Dorf Arnshausen (heute Stadtteil von Bad Kissingen) mit diesem Brauch bei der Gründung seiner Pfarrei im Jahre 1743.R. Emmerich: Chronik des Dorfes Arnshausen, Würzburg 1941, S. 135

Ab dem Jahr 1658 wurde die Marienkapelle zum Ziel von Wallfahrten der neu gegründeten Skapulierbruderschaft, als diese unter Stadtpfarrer Johannes Seuffert mit Hilfe des Karmelitenklosters in Neustadt/Saale gegründet wurde.Pfarrarchiv Bad Kissingen – Urkunde Nr. 1 – Urkunde des Carmelitengenerals FR Marius VenturinusIgnaz Gropp: Collectio Novissima, Scriptorum, TOM IV – Würzburg, S. 251 Nachdem bereits eine Skapulierbruderschaft in Kissingen bestanden hatte, war der Versuch einer Neugründung durch Stadtpfarrer Melchior Pistorius im Jahr 1629 zunächst gescheitert.

Die ansteigende Zahl der Wallfahrer führte ab dem Jahr 1680 zum Bau von zwei Nebenkapellen mit dem Patrozinium des heiligen Joseph sowie des heiligen Nepomuk; in diesem Jahr entstand der Altar der Nepomuk-Kapelle. Aus einem Schreiben der Schultheißen von Garitz und Hausen (beides heute Stadtteile von Bad Kissingen) an Fürstbischof Friedrich Karl von Schönborn-Buchheim von 1745 ist das Jahr 1690 als Weihejahr beider Kapellen überliefert.Pfarrarchiv Bad Kissingen – Bauakten der Marienkapelle 1670–1790 Im Lauf der Zeit wurden die Nebenkapellen immer wieder umgebaut, im Jahr 1840 jedoch auf Befehl der Königlichen Regierung wieder abgerissen.

Neugestaltung unter Balthasar Neumann Dr. theol. Johannes Laurentius Helbig, seit dem Jahr 1700 Pfarrer von Bad Kissingen, bezeichnete am 7. Juli 1701 die Bausubstanz des Kirchengebäudes als »höchst ruinös und dahero ohnumgänglich zu reparieren«Pfarrarchiv Bad Kissingen, Band 21 – Protocollum Capituli ruralis Muenerstadiani ab anno 1700, S. 23 und trat für entsprechende Baumaßnahmen ein. Er schlug vor, das Vorhaben u. a. mit dem Verkauf des Landbesitzes der Marienkapelle von einem Morgen zu finanzieren. Nachdem zweimal Abgesandte des Bistums Würzburg den Zustand der Marienkapelle untersuchten, weitere Maßnahmen jedoch ausblieben, appellierte Helbig im Jahr 1702 erneut an seine Vorgesetzten, dass »die Gefahr wird von tag zu tag grösser« werde und »daß das Dach einfallen, Altäre, Orgel und anderes in der Kirche zerschmettern oder auch Menschen erschlagen könnte.«Pfarrarchiv Bad Kissingen – S. 51b Nach einer im September 1725 begonnenen Sammlung im Juni 1726, die einen Ertrag von 250 Gulden erbrachte, wurde der Baumeister Balthasar Neumann mit einem Neubau der Marienkapelle beauftragt, den dieser ab 1727 ausführte. Der Neustädter Benedikt Lux ergänzte Neumanns Neubau in den Jahren 1734 bis 1738 mit Altar- und Kanzelneubau.

Am Hauptaltar zeigt das Altarbild, dessen Entstehung unbekannt ist, den heiligen Burkard, den ersten Bischof von Würzburg und von nun an Patron der Kapelle, vor der Würzburger Residenz bei der Verehrung Mariens. Der hl. Burkard wird dabei von Skulpturen von Johannes dem Täufer und dem Apostel Johannes (beide jeweils innen) sowie die hl. Joachim und Anna (beide jeweils außen) flankiert. Und dem Altarbild des hl. Burkard befindet sich in der Tabernakelnische eine Gnadenfigur in Form einer Pietà von 1420.

Der linke Seitenaltar beherbergt den hl. Josef zwischen Skulpturen der hl. Katharina und der hl. Apollonia, der rechte Seitenaltar die Immaculata zwischen Skulpturen des Elias und des Elisäus.

mini|200px|Kanzel

Im Jahr 1740 errichtete Valtin Lohr eine neue Sakristei.

Die von Benedikt Lux geschaffene Kanzel ist an Korb und Schalldeckel mit Voluten versehen. Gegenüber der Kanzel befindet sich ein Dreifaltigkeitsaltar aus der Zeit um 1700 mit einer Darstellung der Hl. Dreifaltigkeit sowie der hl. Barbara. Der Altar ist mit gedrehten Säulen und Schleiern aus schwerem Akanthus ausgestattet.

Am 29. September 1744 fand die feierliche Weihe der Kapelle in ihrer neuen Gestalt durch Johannes Bernardus Mayer, dem Weihbischof der Diözese Würzburg in Anwesenheit von 12 Priestern und zwei Mönchen statt. In diesem Rahmen firmte der Weihbischof 73 Kissinger Kinder.Pfarrarchiv Bad Kissingen – Tauf-Trau-Sterbematrikel 1683–1820; im gleichen Buch Firmmatrikel ab 1716 bis „anno 1744...“ (in lateinischer Sprache)

Blitzschlag von 1790