hochkant=1.4|mini|Schloss Fontainebleau mini|Im Vordergrund die umgestaltete alte Burganlage, im Hintergrund der Erweiterungsbau Franz’ I. mini|Luftbild des Schlosses Fontainebleau und seines Parks
Das Schloss Fontainebleau in Fontainebleau, Département Seine-et-Marne, ist ein französisches Schloss rund 60 km südlich von Paris. Es ist vor allem berühmt für seine Innenausstattung aus der Zeit der Renaissance, an der zahlreiche italienische Künstler arbeiteten, und wurde 1981 von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt.
Der erste Akt der Oper Don Carlos von Giuseppe Verdi, der nicht auf das als Vorlage verarbeitete Drama von Friedrich Schiller zurückgeht, spielt auf Schloss Fontainebleau, wobei die geschilderte Handlung historisch nicht nachweisbar ist.
Der Name des Schlosses Fontainebleau, früher auch „Fontainbleau“ geschrieben, leitet sich ab von fontaine belle eau, was „Quelle Schönes Wasser“ bedeutet.
Baugeschichte
mini|Louis de Silvestre: Ludwig XIV. empfängt den späteren König von Polen und Kurfürsten von Sachsen, August III. im Schloss Fontainebleau, 1714 mini|hochkant|Innenansicht
Die Anlage wurde unter Franz I. und Heinrich II. an der Stelle einer Burganlage aus dem 13. Jahrhundert gebaut, dessen Donjon in den Bau eingefügt und unter König Franz I. zu einem Jagdschloss erweitert wurde. Bauanfang des heute sichtbaren Zentralbaus war 1528. Das Schloss gilt als erster Renaissancebau auf französischem Boden. Es wurde in der Zeit der Könige Heinrich IV., Ludwig XIII. und Ludwig XIV. mehrfach umgebaut.
Schloss Fontainebleau hat fünf Höfe, eine Kapelle, Prunkräume, Fresken und Stuckaturen. Die Arbeiten für das Schloss wurden ab 1530 von italienischen Künstlern wie Rosso Fiorentino ausgeführt. Diese brachten manieristische Stilelemente und italienisches Formengut nach Frankreich.
Ludwig XIV. ließ in den Gärten ein neues Parterre im Stil des Barocks, einen großen Kanal und einen neuen Park anlegen. Der gesamte Hof zog unter ihm und seinen Nachfolgern jedes Jahr zur Jagdsaison im Herbst von Schloss Versailles nach Fontainebleau um. Nur hier erlaubte sich der Monarch Abweichungen vom Zeremoniell am Hof von Versailles, wo er ansonsten ein auf die Minute durchgetaktetes Leben führte. Er liebte die Parforcejagd zu Pferde, oft bis in die Dunkelheit, meist in Begleitung seiner Schwägerin Liselotte von der Pfalz, die seine Jagdleidenschaft teilteDirk Van der Cruysse: Madame sein ist ein ellendes Handwerck. Liselotte von der Pfalz. Eine deutsche Prinzessin am Hof des Sonnenkönigs, S. 208–216, auch S. 218. Aus dem Französischen von Inge Leipold. 7. Auflage, Piper, München 2001, ISBN 3-492-22141-6, sowie ausgesuchter Höflinge. Der König wie auch Liselotte überlebten mehrfach gefährliche Stürze. Später schossen sie vom offenen Jagdwagen aus auf vorübergetriebenes Wild. Ludwig XIV. ließ den Wald von Fontainebleau durch Aufforstung erheblich erweitern, heute hat er eine Fläche von 25.000 Hektar.
Auch Kaiser Napoleon Bonaparte nutzte das Jagdschloss und stattete Räume mit Möbeln im Empirestil aus.
Kunst im Schloss mini|Detailansicht des Ehrenhofes Mit dem Schloss Fontainebleau sind die sogenannte Erste und Zweite Schule von Fontainebleau verknüpft. Beide Schulen wurden von italienischen Künstlern gegründet. Die erste Schule besaß großen Einfluss auf die französische Kunst. Die zweite Schule entwickelte sich ab 1590. Dort waren überwiegend französische und flämische Künstler, wie beispielsweise der Antwerpener Franzose und Historienmaler Ambroise Dubois (* 1543 in Antwerpen; † 1615 in Fontainebleau), der Pariser Toussaint Dubreuil (* 1561; † 1602) und der Pariser Martin Fréminet (* 1567; † 1619), tätig.Vgl. Woermann, Karl: Geschichte der Kunst aller Zeiten und Völker. Fünfter Band, Bibliographisches Institut, Dresden 1920, S. 175. Von beiden Schulen finden sich heute fast nur noch diejenigen Werke im Schloss, die mit dem Bauwerk untrennbar verbunden sind, wie Fresken oder Deckenmalereien.
Von herausragender künstlerischer, aber auch historischer Bedeutung ist die Möblierung der königlichen bzw. kaiserlichen Gemächer. Sie ist weitgehend im Zustand der letzten innenarchitektonischen Umgestaltung zur Zeit Napoleons III. erhalten. Dadurch überlagern sich Elemente von Renaissance bis zum Historismus. Bei Wand- und Bodengestaltung dominieren Originalarbeiten aus der Zeit Ludwigs XIII. Die Zimmerfluchten, die Napoleon I. für sich und den zeitweise hier inhaftierten Papst Pius VII. gestalten ließ, sind in ihrem damaligen Originalzustand erhalten.
In der Neuzeit wurde das Amerikanische Konservatorium im Schloss eingerichtet, eine Sommerakademie für Kunst und Architektur.
Orgel
In der Schlosskapelle befindet sich eine historische Orgel. Das Instrument war 1772 von dem Orgelbauer François-Henri Clicquot erbaut worden und diente als Begleitinstrument auf der Sänger- und Musikertribüne der Kapelle. Während der französischen Revolution wurde das Pfeifenmaterial zerstört. 1967 wurde die Orgel von dem Orgelbauer Alfred Kern rekonstruiert. Es hat heute 15 Register auf drei Manualen. Das Pedal () ist fest an das Positif angehängt. Das Instrument ist mit einem Gesamttremulanten ausgestattet.Nähere Informationen zur Orgel
I Grand Orgue C–d3 1. Flûte 8′ 2. Bourdon 8′ 3. Prestant 4′ 4. Nazard ′ 5. Doublette 2′ 6. Tierce ′ 7. Plein-Jeu V 8. Cromorne 8′ 9. Hautbois 8′ II Positif interieur C–d3 10. Flûte 8′ 11. Bourdon 8′ 12. Prestant 4′ 13. Trompette 8′ 14. Clairon 4′ III Recit C–d3 15. Cornet V
Ereignisse im Schloss Fontainebleau 19. Januar 1544: Geburt von Franz II., Sohn Heinrichs II. von Frankreich und seiner Gemahlin Caterina de’ Medici, König von Frankreich 1559–1560 ⚭ Königin von Schottland Mary Stuart 02. April 1545: Geburt von Elisabeth von Valois, älteste Tochter von Heinrich II. von Frankreich aus dem Haus Valois-Angoulême und seiner Gemahlin Caterina de’ Medici, durch Hochzeit mit Philipp von Spanien Königin von Spanien 1559–1568, 21. Juni 1559 Hochzeit von Elisabeth von Valois ⚭ Philipp von Spanien 12. November 1547: Geburt Claudia von Valois, zweite Tochter König Heinrichs II. von Frankreich und seiner Gemahlin Caterina de’ Medici, Prinzessin von Frankreich und Herzogin von Lothringen 1559–1575 19. September 1551: Geburt Alexandre-Édouard, Sohn Heinrichs II. von Frankreich und seiner Gemahlin Caterina de’ Medici, Herzog von Anjou, König von Polen 1573–1574, König von Frankreich 1575–1589, auch Henri von Valois oder Heinrich III. 21. Juni 1559 Hochzeit von Elisabeth von Valois ⚭ Philipp von Spanien 09. Juli 1559: Hochzeit von Margarete von Angoulême, Tochter des Königs Franz I. von Frankreich und Claude de France, mit Emanuel Philibert von Savoyen Herzog von Savoyen, 1556 bis 1559 Statthalter der habsburgischen Niederlande, durch die Eheschließung Herzogin von Berry und Pair von Frankreich 27. September 1601: Geburt Ludwigs XIII. 18. Oktober 1685: Edikt von Fontainebleau (Einschränkung der Religionsfreiheit) – Ludwig XIV. widerruft das Edikt von Nantes, was unter anderem zu Aufständen der Hugenotten führt 20. Dezember 1765: Tod des Thronfolgers Louis Ferdinand de Bourbon mit 36 Jahren an Tuberkulose 20. Juni 1812: Napoleon lässt heimlich seinen Gefangenen Papst Pius VII. ins Schloss bringen. Dort unterschreibt Pius unter Druck am 25. Januar 1813 das 'Concordat de Fontainebleau'; am 24. März 1813 widerruft er seine Unterschrift.Quelle: Larousse Am 23. Januar 1814 verlässt Pius das Schloss. 11. April 1814: Napoleon dankt ab (Vertrag von Fontainebleau) 20. April 1814: Napoleon verabschiedet sich von seiner Garde 1949–1966: NATO-Hauptquartier des Allied Forces Central Europe (AFCENT)Ausführlich: Blazek, Matthias: Die Geschichte der NATO in Fontainebleau. In: F-Flagge – Magazin für den Fernmeldering e. V. 37. Jg., Nr. 3/2010, S. 49 ff.Der teuerste Umzug aller Zeiten auf Zeit.de
Literatur Pierre Lemoine: Fontainebleau. Éditions Sun, Paris 1968.
Maurice Toesca: Les grandes heures de Fontainebleau. Albin Michel, Paris 1984. Philip Jodidio (Hrsg.): Fontainebleau. (= Connaissance des Arts. Sonderheft). Société Francaise de Promotion Artistique, Paris 1991. Manfred Esser, Lionel Walker: Fontainebleau – Regards. PRV-Communications, Saint-Fargeau-Ponthierry 1993. Aumary Lefébure: Fontainebleau. Schloßführer, deutsche Ausgabe. Art Lys, Versailles 1997, ISBN 2-85495-088-7. Jean-Pierre Samoyault: Guide du Musée National du Château de Fontainebleau. Editions de la Réunion des musées nationaux, Paris 1996, ISBN 2-7118-3400-X.
Belletristik Tiphaine Samoyault: La Cour des adieux. Roman. Paris : Maurice Nadeau, Paris, 1999
Weblinks
Website des Schlossmuseums (frz./engl.) Beschreibung der Schlossanlage auf einer internationalen Tourismusseite (dt.)
Einzelnachweise
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