mini|Blick auf Walddorf Walddorfhäslach ist eine Gemeinde in Baden-Württemberg, etwa elf Kilometer nördlich der Kreisstadt Reutlingen gelegen. Sie gehört zur Region Neckar-Alb und zur europäischen Metropolregion Stuttgart.

Geografie Geografische Lage Walddorfhäslach liegt am Rande des Naturparks Schönbuch. Das Gemeindegebiet erstreckt sich über eine Höhenlage von im Schaichtal bis auf der Walddorfer Platte.

Nachbargemeinden Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Gemeinde Walddorfhäslach, sie werden im Uhrzeigersinn beginnend im Norden genannt: Aichtal, Schlaitdorf, Altenriet, Neckartenzlingen (alle Landkreis Esslingen), Pliezhausen (Landkreis Reutlingen), Tübingen, Dettenhausen (alle Landkreis Tübingen) und Waldenbuch (Landkreis Böblingen).

Die größten Städte in der Umgebung sind Stuttgart, Reutlingen und Tübingen.

Gemeindegliederung Die Gemeinde besteht aus den namensgebenden Dörfern Walddorf und Häslach. Walddorf (etwa 3100 Einwohner; 1208 Hektar) wurde erstmals 1204, Häslach (etwa 1600 Einwohner; 236 Hektar) erstmals 1310 urkundlich erwähnt.

Im Gebiet der früheren Gemeinde Häslach liegt die Wüstung Kächelwang. Der Ort wurde um 1120 als Kechelwanck erwähnt und ging vor 1330 ab. Im Gebiet der früheren Gemeinde Walddorf liegen die abgegangene, 1531 als Diettenhart erwähnte Ortschaft Dietenhart und das ebenfalls abgegangene Gehöft Geren.Das Land Baden-Württemberg. Amtliche Beschreibung nach Kreisen und Gemeinden. Band VII: Regierungsbezirk Tübingen. Kohlhammer, Stuttgart 1978, ISBN 3-17-004807-4. S. 59–30

Schutzgebiete

Im Norden der Gemeinde liegt das Naturschutzgebiet Schaichtal und das Naturschutzgebiet Sulzeiche. Im Westen und Norden hat Walddorfhäslach Anteil am Landschaftsschutzgebiet Schönbuch und am gleichnamigen FFH- und Vogelschutzgebiet sowie am Naturpark Schönbuch.Daten- und Kartendienst der LUBW

Geschichte Überblick mini|Kieser’sche Ortsansicht von Häslach 1683, Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg H 107/18 Bd. 52 Bl. 21 Bild 1 mini|Kieser’sche Ortsansicht von Walddorf 1683, Quelle: Landesarchiv Baden-Württemberg H 107/18 Bd. 52 Bl. 18 Bild 1 Die Gemeinde Walddorfhäslach entstand am 1. April 1972 durch den Zusammenschluss der ehemals selbständigen Gemeinden Walddorf und Häslach, die damals zum Landkreis Tübingen gehörten. Im Rahmen der Kreisreform wurde Walddorfhäslach 1973 dem Landkreis Reutlingen angegliedert.

Der Ortsteil Walddorf wurde erstmals auf einer Urkunde von Papst Innozenz III. als Waltdorf erwähnt. Entstanden ist Walddorf wohl als Siedlung im 7. oder 8. Jahrhundert, Hinweis hierfür ist die Endung -dorf im Ortsnamen. Durch den Fund von drei Totenbäumen 1866 an der Westseite der Kirche gewann diese Annahme an Wahrscheinlichkeit.

Der Ortsteil Walddorf hat spätestens seit dem ersten Viertel des 18. Jahrhunderts die Berechtigung, Jahrmärkte abhalten zu dürfen, und ist damit Marktgemeinde. Mit Unterstützung des Tübinger Vogts wurde 1707 ein entsprechendes Gesuch an den Herzog von Württemberg gestellt. Als damaligem Zentralort des so genannten Unteramts war man der Überzeugung, ein Anrecht darauf zu haben. Einzig die zuständige Amtsstadt Tübingen widersprach auf das Heftigste. Der älteste schriftliche Beleg für die Abhaltung des Trinitatis-Jahrmarkts stammt aus dem Jahr 1723. Derzeit werden in der Regel vier Krämermärkte im Jahr abgehalten. Die Märkte finden in der Hauptstraße um das Walddorfer Rathaus statt.

Der Name Haselach wird auf 1310 datiert. Lange Zeit war die eigentliche Nennungsurkunde unbekannt und man musste sich auf die Angabe im Werk „Das Königreich Württemberg. Eine Beschreibung nach Kreisen, Oberämtern und Gemeinden“, Stuttgart 1904–1907 (Band II, Seite 582) verlassen, dessen Autoren eine Quellenangabe versäumten. Erst kurz vor dem 700-jährigen Jubiläum Häslachs im Jahr 2010 wurde die Urkunde im Reutlinger Stadtarchiv gefunden.Häslach 700 Jahre. Gemeinde Walddorfhäslach, Walddorfhäslach 2010

Heute wird im Allgemeinen angenommen, dass der Ortsname auf eine frühere Stellenbezeichnung zurückzuführen ist, demnach war Häslach die „Siedlung an einem Bach am Haselgebüsch“. Die Zusammensetzung ergibt sich aus den Wortteilen Häsl für Hasel (Haselstrauch) und Ach, einem althochdeutschen Wort für Bach, das auch in anderen Städtenamen vorkommt, wie z. B. Bacharach, Laufach.

Verwaltungsgeschichte Beide Ursprungsgemeinden kamen im 14. Jahrhundert von den Pfalzgrafen von Tübingen an die Grafschaft Württemberg und sind somit typisch geprägte Dörfer Altwürttembergs. Zu Zeiten des Herzogtums, des Königreichs und des freien Volksstaates Württemberg gehörten die beiden Gemeinden dem Oberamt Tübingen an. Bei der Kreisreform während der NS-Zeit in Württemberg gelangten die beiden Gemeinden 1938 zum Landkreis Tübingen. 1945 wurden die Dörfer Teil der Französischen Besatzungszone und kamen somit zum neu gegründeten Land Württemberg-Hohenzollern, welches 1952 im Land Baden-Württemberg aufging. Durch die Kreisreform in Baden-Württemberg wurde Walddorfhäslach 1973 dem Landkreis Reutlingen zugeordnet.

Religion Seit der Einführung der Reformation in Württemberg 1534 ist die vorherrschende Konfession in beiden Ortsteilen der Protestantismus. Walddorfhäslach im Kirchenbezirk Tübingen besitzt zwei evangelische Kirchen, darunter die Evangelische Pfarrkirche Walddorf (Walddorfhäslach), und eineinhalb Pfarrstellen. Heute gibt es auch wieder ein katholisches Gemeindehaus; die neuapostolische Kirche wurde 2016 aufgegeben. Das Gebäude beherbergt mittlerweile einen Kindergarten.

Politik Gemeinderat Der Gemeinderat von Walddorfhäslach umfasst 14 gewählte Mitglieder, deren Amtszeit fünf Jahre beträgt, sowie die Bürgermeisterin als ebenfalls stimmberechtigte Vorsitzende. Die letzte Wahl vom 9. Juni 2024 führte im Vergleich zu den vorherigen Wahlen zu folgendem Ergebnis:

Parteien und Wählergemeinschaften %2024 Sitze2024 %2019 Sitze2019 %2014 Sitze2014Freie Wählervereinigung43,8647,4745,26Grüne12,2221,1313,52Frauenliste Walddorfhäslach19,5318,0220,93SPD15,6213,5220,33AfD8,91––––Gesamt100141001410014Wahlbeteiligung72,5 %67,4 %57,8 %

Bürgermeister Der Bürgermeister wird für eine Amtszeit von acht Jahren gewählt. 1972–1996: Otto Bauer 1996–2004: Torsten Pelant seit 2004: Silke Höflinger Bürgermeisterin Silke Höflinger wurde am 26. April 2020 mit 86,6 % der Stimmen im Amt bestätigt. Die Wahlbeteiligung lag, obwohl die Wahl während der COVID-19-Pandemie stattfand, bei 52,2 %.

Wappen

Wappen der früher selbstständigen Gemeinden

Gemeindepartnerschaft Die Partnergemeinde von Walddorfhäslach ist die Gemeinde Kottmar mit dem Ortsteil Walddorf in der Oberlausitz in Sachsen.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Bauwerke Zur Liste der Kulturdenkmale in Walddorfhäslach. mini|Kirche Walddorf

Walddorf besitzt einige historische Bauten, so zum Beispiel das Alte Schloss. Im Rahmen der 800-Jahr-Feier (2004) wurde ein historischer Rundweg durch Walddorf angelegt, der an den historischen Gebäuden vorbeiführt.

mini|hochkant|links|Der alemannische Fachwerkaufsatz der Walddorfer Pfarrkirche Die evangelische Pfarrkirche Walddorf ist eine mehrfach veränderte spätgotische Hallenkirche (erbaut um 1500, Abbruch des Polygonalchors und rechteckige Verlängerung des Langhauses im Jahr 1700) mit älterem Turm (12./13. Jahrhundert). Der Fachwerkaufsatz des Turms entstand um 1500, das achtseitige Zeltdach ist überwiegend mit grün glasierten Ziegeln (18. Jahrhundert) gedeckt.

Trotz einiger Verluste in den vergangenen Jahren wird die Walddorfer Hauptstraße noch überwiegend von Fachwerkgebäuden aus dem 18. und 19. Jahrhundert gesäumt. An der Scheune des Gebäudes Hauptstraße 6 Rundbogentür mit Jahreszahl 1768 und Initialen JAB für Johann Jacob Armbruster (1723–1811). Das Sichtfachwerkgebäude Hauptstraße 8 besaß im 18. Jahrhundert die Schildwirtschafts-Gerechtigkeit „zum Lamm“.

mini|hochkant|links|Das Fachwerkgebäude Weihergasse 1 vor der letzten Fassadensanierung

Das schräg gegenüberliegende Sichtfachwerkgebäude Weihergasse 1 entstand 1836 als Wohnhaus des Schultheißen Johann Georg Heim (1791–1837), Vater des Karl von Heim, dem späteren Oberbürgermeister von Ulm. Im Obergeschoss des Gebäudes Hauptstraße 10 befand sich ab 1838 die Wirtschaft zum Löwen. Das Geschäftshaus Hauptstraße 11 geht auf die Denkendorfer Zehntscheune zurück, die 1850 an die Gemeinde verkauft wurde und 1853 in Privatbesitz überging. Hier befand sich, nach einem Umbau, ab 1907 die Walddorfer Posthalterei von Frau Maria Nagel – Türsturz „19. E. Nagel. We. 07“ (Eugen Nagel Witwe). Das Sichtfachwerkgebäude Rathausgasse 2 ließ Kronenwirt Lauxmann 1779 errichten. Das Geschäftshaus Hauptstraße 15 wurde 1829 im Auftrag von Schultheiß Johann Georg Nagel (1800–1855) erbaut. Die darin untergebrachte Firma G. L. Nagel wurde 1867 in das Handelsregister des Königreichs Württemberg eingetragen. Zwanzig Jahre später (1887) entstand gegen die Hauptstraße ein eingeschossiger Ladenanbau. Das mächtige, verputzte Fachwerkgebäude Hauptstraße 23, mit einem sehr beachtlichen Gewölbekeller, weist am steinernen Sockelgeschoss zwei bauhistorisch interessante Konsolsteine mit Masken auf, außerdem an der nordöstlichen Gebäudeecke einen vierfach gewulsteten Kragstein sowie eine Stabwerktür und soll im Jahr 1516 erbaut worden sein. Die Steinmetzarbeiten weisen große Ähnlichkeiten zum so genannten Walddorfer Schloss auf. 1565 werden „Hans Gfrörer, jetzo Michael Wackher“ (zu diesem siehe Abschnitt Schloss) als Besitzer genannt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gehörte es zum Privatbesitz des Hofmeisters von Schloss Einsiedel im Schönbuch. Spätestens ab 1662 befand sich hier die „Gastherberge zum schwarzen Adler“, die bis um das Jahr 1800 existierte.

mini|hochkant|links|Das Walddorfer Rathaus

Das denkmalgeschützte Walddorfer Rathaus (Hauptstraße 9) wurde 1844/45 anstelle eines älteren Vorgängerbaus errichtet. Das dreigeschossige Gebäude besteht aus einem massiven Sockelgeschoss mit klassizistischem Portal, darüber verputztes Fachwerk und flachgeneigtes Satteldach. Der Dachreiter enthielt ursprünglich eine Feuerglocke, die nach der Zwangsablieferung zu Rüstungszwecken 1942 nicht wieder ersetzt wurde. mini|hochkant|Hauptportal des Walddorfer Rathauses mit originaler Tür und Türdrücker aus der Erbauungszeit Die Archivalien erwähnen schon 1522 ein Rathaus in Walddorf. Es stand in der Nachbarschaft zur Denkendorfer Zehntscheuer und damit vermutlich an der Stelle des derzeitigen Gebäudes. 1551 wird dieses Rathaus als baufällig bezeichnet. 1559 durfte die Gemeinde mit herzoglicher Erlaubnis eines von zwei so genannten Nonnenhäusern (tatsächlich handelte es sich um von Beginen genutzte Gebäude in der heutigen Nonnengasse) erwerben und abbrechen. Mit dem kostbaren Baumaterial wurde am traditionellen Standort neben der Denkendorfer Zehntscheuer ein neues Rathaus errichtet – Baustoffrecycling in Reinstform. Dieses Gebäude diente dann knapp 300 Jahre als Rathaus, bis es im Mai 1844 für den Neubau abgerissen wurde.

mini|links|Überdachter Übergang von der ehem. Wirtschaft zum ehemaligen Tanzsaal

Das Hauptgebäude des denkmalgeschützten, ehemaligen Gasthof zum Ochsen, in der Walddorfer Rathausgasse 6 (dendrochronologisch & archivalisch ermitteltes Baujahr 1730, Anbau von 1746, Zwerchgiebel von 1882/83), 6a (Scheune von 1822/23) und 8 (Nebengebäude von 1765 – dendro. & archival. – mit Keller von 1871), stammt noch aus der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts und ist durch eine überdachte Holzbrücke über die Rathausgasse mit einem Nebengebäude verbunden. Die Brücke führte einst von der Wirtsstube in den Tanzsaal. Die örtlichen Archivalien nennen schon in einer Teilungsurkunde vom 14. Dezember 1715 einen Johannes Heim (1666–1723), Metzger und „Oxenwürth“. Die Familie Heim gehört zu den ältesten bis heute in Walddorf ansässigen Familien – bereits in einem Lagerbuch für den Schönbuch („Allt Schonbuch Recht und Gefell“) aus dem Jahr 1383 wird ein Haintz Haim erwähnt.