Die Rennschlitten- und Bobbahn Altenberg (von 2012 bis 2018 DKB-Eiskanal, von 2018 bis 2020 ENSO-Eiskanal, seit 2021 SachsenEnergie-Eiskanal) ist eine Kunsteisbahn für den Bob-, Skeleton- und Rennrodelsport in Deutschland. Die Bahn mit einer Gesamtlänge von 1413 m hat 17 Wettkampf-Kurven – davon einen Kreisel: die 320°-Kurve 10. Die 2007 im Zuge des veränderten Auslaufs entstandene leichte Richtungsänderung im Zielbereich nach der Endzeit-Lichtschranke gehört nicht zu den Wettkampfkurven. Auf der Bahn kann eine Geschwindigkeit von ca. 140 Kilometern pro Stunde erreicht werden.

Lage Sie befindet sich im sächsischen Osterzgebirge im Kohlgrund auf einem Nordosthang in unmittelbarer Nähe des Ortes Hirschsprung, ca. 5 Kilometer von Altenberg entfernt.

Geschichte Nachdem das Politbüro der SED 1980 den Bau der Bobbahn beschlossen hatte, begannen 1982 unter größter Geheimhaltung die Bauarbeiten. Sie standen unter der Aufsicht des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS), das auch nach Fertigstellung der Bahn bis zur Auflösung des MfS 1989 Träger der Bahn war.

Mit dem Bau der Bobbahn sollte die DDR eine FIBT-zertifizierte und damit international wettkampftaugliche Bobbahn erhalten. Die einzig weitere im Land vorhandene Rennrodelbahn Oberhof erfüllte dieses Kriterium nicht, konnte zudem nur von Zweierbobs genutzt werden und war renovierungsbedürftig. Gleichzeitig war die Bobbahn Altenberg als fahrtechnisch anspruchsvollste Bobbahn der Welt geplant, um den erfolgreichen DDR-Bobsportlern optimale Vorbereitungsbedingungen für internationale Wettkämpfe zu garantieren.

Die Planungen erfolgten durch das Wissenschaftlich-Technische Zentrum für Sportbauten (WTZ) in Leipzig, die bautechnische Realisierung oblag dem Bau- und Montagekombinat Kohle und Energie Dresden und die Kältetechnik kam vom VEB Maschinenfabrik Halle.

Die ersten im Herbst 1983 u. a. von Wolfgang Hoppe und Dietmar Schauerhammer durchgeführten Probefahrten zeigten jedoch, dass die Bobbahn zu schwierig gebaut war und selbst von damaligen Weltklassefahrern psychisch nicht befahrbar war. Es kam zu mehreren Stürzen von Testfahrern und Hoppe beurteilte die Bahn als „nicht zu beherrschen“.

Die DDR hatte auf Grund fehlender eigener Erfahrungen einen Großteil der Konstruktionsunterlagen mit einem Rechenmodell der Oberhofer Bahn des westdeutschen Ingenieurbüros Deyle aus Stuttgart angekauft. Doch an der Altenberger Bahn selbst waren die West-Ingenieure nicht erwünscht. Das ganze Projekt musste neu berechnet werden.

Stasi-Chef Erich Mielke erließ mit einer vertraulichen Verschlusssache vom 7. Mai 1984 den Befehl, im Winter 1984/85 eine Nutzung für Trainingszwecke, im Winter 1985/86 die volle Nutzung der gesamten Bahn für Trainingszwecke und Wettkämpfe im DDR-Maßstab und ab Winter 1987 die Nutzung für internationale Wettkämpfe zu ermöglichen, sowie im Zeitraum 1986/90 die erforderlichen materiell-technischen Voraussetzungen für die Sektionen Bob und Rennschlitten der SG Dynamo Zinnwald zu schaffen.

Daraufhin wurde die Bahn von 1984 bis 1986 nahezu komplett umgebaut und entschärft. Von den 17 Kurven der Bahn wurden 10 gesprengt und völlig neu konstruiert, weitere 6 Kurven wurden teilweise korrigiert. Aus vorliegenden Dokumenten geht hervor, dass die Baukosten, die ursprünglich mit ca. 150 bis 160 Millionen DDR-Mark kalkuliert waren, sich durch die unvermeidlichen Änderungen drastisch erhöhten. Experten schätzen, dass die DDR am Ende insgesamt bis zu 350 Millionen Mark für dieses Prestigeobjekt ausgegeben hat.Mielkes Traum – Die Bobbahn Altenberg. TV-Dokumentarfilm, MDR, 17. Januar 2017.

Am zweiten Märzwochenende des Jahres 1986 fand mit den DDR-Meisterschaften im Zweierbob der erste offizielle Wettkampf noch unter Baustellenbedingungen statt.Titelkampf-Premiere der Bobs im Osterzgebirge. In: Neues Deutschland, 10. März 1986, S. 8, Artikelanfang. Nach Übergabe der zweiten Kunsteisbahn der DDR nach Oberhof folgte Ende November die internationale Premiere mit der Drei-Bahnen-Tournee als Auftakt zur Rennrodelsaison 1986/87.Gastgeber dominierte auf der neuen Bahn. In: Neues Deutschland, 1. Dezember 1986, S. 8, Artikelanfang.

Die offizielle Einweihungsveranstaltung und Zertifizierung durch die internationalen Fachverbände FIBT und FIL erfolgte 1987.

1991 übertrug die Landesregierung Sachsens die Verantwortung für die Bahn der Stadt Altenberg, die im selben Jahr erstmals Gastgeber der FIBT-Weltmeisterschaften war. 1996 wurden erstmals Rennrodel-Weltmeisterschaften ausgetragen und 1998 die Skeleton-Weltmeisterschaft.

Zum zweiten Mal fand 2000 in Altenberg die Bob-Weltmeisterschaft statt. Dabei besuchten etwa 20.000 Besucher die Veranstaltung. 2007 wurde die Bobbahn für die Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft im Folgejahr für 4,1 Millionen Euro erneuert und dabei u. a. die Auslaufzone erweitert. Der Weißeritzkreis wurde Eigentümer der Bahn und es wurde die Wintersport Altenberg (Osterzgebirge) GmbH gegründet.

Zur Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaft 2008 kamen etwa 30.000 Besucher an die Bahn und 18 Mio. TV-Zuschauer in Deutschland und 210 Mio. weltweit verfolgten die Rennen. Die Rennrodel-Weltmeisterschaften 2012 fanden in Altenberg statt.

mini|Logo des DKB-Eiskanals (2012–2018) mini|Logo der Rennschlitten- und Bobbahn Altenberg (2018) mini|Logo des ENSO-Eiskanals (2018–2020) Vor dem Bob- und Skeleton-Weltcup 2012 sicherte sich die Deutsche Kreditbank (DKB) für rund 100.000 Euro jährlich die Namensrechte an der Altenberger Bahn. In der laufenden Saison 2011/12 erfolgte deshalb die Umbenennung von Rennschlitten- und Bobbahn Altenberg (RSBB) in DKB-Eiskanal.'Wintersport Altenberg (Osterzgebirge) GmbH: Presseinformation vom 29. Dezember 2011, (PDF; 150 kB). Im Dezember 2017 wurde bekannt, dass die DKB sich als Sponsor aus dem Wintersportbereich zurückzieht. Der Mitte 2018 auslaufende Vertrag zu den Namensrechten des DKB-Eiskanals wird daher nicht verlängert. Am 29. Oktober 2018 wurde bekanntgegeben, dass der Energieversorger ENSO Energie Sachsen Ost mit Beginn der Saison 2018/19 Haupt- und Namenssponsor der Rennschlitten- und Bobbahn Altenberg wird. Der geschlossene Vertrag wurde mit einer Gültigkeitsdauer von vier Jahren geschlossen. Aufgrund der Fusion von ENSO Energie Sachsen Ost und Drewag zu SachsenEnergie (Anfang 2021) wurde auch der Name der Rennschlitten- und Bobbahn Altenberg in SachsenEnergie-Eiskanal geändert.

Heute gilt die Altenberger Bob- und Rennschlittenbahn, neben der Olympiabahn von 2010 in Whistler (British Columbia), als die schwierigste und gefährlichste der Welt.Robert Dunker: Die schwierigste Bobbahn der Welt. In: Die Welt, 22. Februar 2008.sid/dpa/sip: Andre Lange fürchtet schnellste Bobbahn der Welt. In: Die Welt, 13. Februar 2010. 2019 sollten die Kurven 11–13 in Vorbereitung der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften 2020 umgebaut werden.Bahn in Altenberg wird 2019 umgebaut Der geplante Umbau konnte wegen Ausbleibens der Fördermittel nicht realisiert werden. Am 29. Mai 2019 erfolgte wegen der inzwischen auf 3.622.100 Euro erhöhten Investitionssumme ein erneuter Antrag auf Förderung durch den Bund und den Freistaat Sachsen, über den – Stand 10. Februar 2020 – noch nicht entschieden wurde. Da die erforderlichen Planungen und die Ausschreibung erst nach einem positiven Bescheid erfolgen können, ist mit einem Beginn des Umbaus frühestens im Sommer 2020 zu rechnen.Eiskanal-Umbau nach der WM 2020 in Altenberg

Geschäftsführer der Betreibergesellschaft Wintersport Altenberg GmbH war seit Oktober 2007 der ehemalige Bobsportler Matthias Benesch. Im September 2018 wurde bekannt, dass Benesch zum Ende der Saison 2018/19 an die Spitze des Rennrodel-, Bob- und Skeletonverbandes Sachsen wechseln würde und aus diesem Grund die Gesellschafter um seine Abberufung als Geschäftsführer gebeten hatte. Der Kreistag des Landkreises Sächsische Schweiz-Osterzgebirge stimmte diesem Wunsch zu. Zum 1. Juni 2019 übernahm Jens Morgenstern die Geschäftsführung.

Veranstaltungen

Der Eiskanal ist seit seiner offiziellen Inbetriebnahme regelmäßiger Austragungsort von Weltcuprennen im Rennrodeln und Bobsport sowie mehrfacher Europa- und Weltmeisterschaften. Als Ersatz für Lake Placid wurde Altenberg aufgrund der Covid-19-Pandemie Ausrichter der Bob- und Skeleton-Weltmeisterschaften 2021.

Europameisterschaften

1994 – Skeleton 1995 – Bob 1999 – Skeleton 2002 – Rennrodeln 2005 – Bob und Skeleton 2012 – Bob und Skeleton 2016 – Rennrodeln

Weltmeisterschaften

1991 – Bob 1994 – Skeleton 1996 – Rennrodeln 1999 – Skeleton 2000 – Bob 2008 – Bob und Skeleton 2012 – Rennrodeln 2020 – Bob und Skeleton 2021 – Bob und Skeleton 2024 – Rennrodeln

Rekorde Bob Disziplin Startrekord Bahnrekord Zweierbob Männer 5,11 s 6. Januar 2018 54,00 s 22. Februar 2020 Viererbob Männer 5,01 s 29. Februar 2020 53,17 s 24. Februar 2008 Zweierbob Frauen 5,50 s 18. Januar 2026 55,96 s 18. Januar 2026 Monobob Frauen 5,92 s 14. Februar 2021 58,80 s 14. Januar 2023

Rennrodeln Disziplin Startrekord Bahnrekord Einsitzer Männer 7,040 s 21. Februar 2015 53,452 s 25. Februar 2017 Einsitzer Frauen 5,451 s 3. Dezember 2017 51,786 s 28. Januar 2024 Doppelsitzer Männer 5,682 s / Sascha Benecken13. Februar 2016 41,388 s / Sascha Benecken13. Februar 2016 Doppelsitzer Frauen 5,925 s / Marion Oberhofer4. Februar 2023 42,334 s / Zane Kaluma27. Januar 2024 Sprint Einsitzer Männer – 32,862 s 22. Februar 2015 Sprint Einsitzer Frauen – 37,052 s 26. Januar 2024 Sprint Doppelsitzer Männer – 27,790 s / Sascha Benecken22. Februar 2015 Sprint Doppelsitzer Frauen – 28,234 s / Kitija Bogdanova26. Januar 2024 Rennrodeln Teamstaffel – 3:10,869 min 28. Januar 2024

Skeleton Disziplin Startrekord Bahnrekord Männer 4,79 s 16. Januar 2026 55,17 s 16. Januar 2026 Frauen 5,24 s 1. März 2020 57,06 s 16. Januar 2026 Mixed Team – 1:58,21 min 16. Januar 2026

Ehemalige Rekorde Disziplin Startrekord Bahnrekord Skeleton – Mixed Team(anderer Start) – 1:55,39 min 1. März 2020

Literatur Udo Gurgel: . In: Sportmuseum aktuell, 2001, H. 1, S. 7.

Filme Mielkes Traum – Die Bobbahn Altenberg. [Langfassung von Formel 1 im Eiskanal.] Dokumentarfilm, Deutschland, 2016, 43:44 Min., Buch und Regie: Gerd Gerlach, Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk, Erstsendung: 17. Januar 2017 bei MDR, Inhaltsangabe bei ARD. Formel 1 im Eiskanal – die Geschichte der Bobbahn Altenberg. Dokumentarfilm, Deutschland, 2015, 29:38 Min., Buch und Regie: Gerd Gerlach, Reihe: Der Osten – Entdecke wo du lebst, Produktion: Mitteldeutscher Rundfunk, Erstsendung: 24. November 2015 bei MDR, Inhaltsangabe von tv.de. – Video zurzeit bei den öffentlich-rechtlichen Sendern nicht verfügbar.

Weblinks

Rennschlitten- und Bobbahn Altenberg bei Wintersport Altenberg

Einzelnachweise

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