mini|Alfred Ackermann-Teubner Alfred Gustav Benedictus Ackermann-Teubner (* 31. Januar 1857 in Leipzig; † 18. Februar 1941 ebenda), Eintrag im Personen-Wiki der SLUB Dresden. war ein deutscher Verleger, Buchhändler und Druckereibesitzer. Er leitete als langjähriger Teilhaber und Seniorchef maßgeblich den Wissenschaftsverlag B. G. Teubner und trat als Mäzen und Stifter in Erscheinung.
Leben Herkunft und Ausbildung Ackermann wurde 1857 als Sohn des Verlagsbuchhändlers Albin Ackermann-Teubner (1826–1903) und dessen Ehefrau Anna, geborene Teubner (1832–1884), geboren. Über seine Mutter war er ein Enkel des Firmengründers Benedictus Gotthelf Teubner (1784–1856); sein Onkel war der Verleger Alfred Giesecke. Während seiner Schulzeit in Leipzig stand er in persönlichem Kontakt mit dem Bildhauer Max Klinger sowie dem Geographen Albrecht Penck.
Im Jahr 1875 studierte Ackermann kurzzeitig an der Universität Leipzig, wo er unter anderem Vorlesungen in Kunstgeschichte bei Anton Springer, Volkswirtschaftslehre und Physik hörte. Nach Ableistung seines Militärdienstes (1875/76) absolvierte er von 1876 bis 1878 eine Buchhändlerlehre im Familienunternehmen B. G. Teubner und besuchte parallel weitere universitäre Vorlesungen. Zur internationalen Weiterbildung ging er 1878/79 als Volontär zum Verlag Hanson, Ballantyne & Co. nach London und unternahm Reisen durch England, Schottland sowie die Niederlande. Von 1879 bis 1880 war er in der deutschen Sortimentsbuchhandlung Haar & Steinert in Paris tätig. Nach einem erneuten Studienaufenthalt in Leipzig und einer Italienreise im Jahr 1881 trat er fest in den väterlichen Betrieb ein.
Verlegerisches Wirken Im Jahr 1882 wurde Ackermann Teilhaber und später – an der Seite von Alfred Giesecke – Seniorchef des Hauses B. G. Teubner. Nachdem er zunächst in der technischen Abteilung der Druckerei tätig gewesen war, übernahm er die Leitung in der Verlagsbuchhandlung. Dort baute er vor allem die Programmbereiche Mathematik, Naturwissenschaften und Technik aus. Es gelang ihm, renommierte wissenschaftliche Gesellschaften und Gelehrte vertraglich an das Verlagshaus zu binden.
1916 beendete er seine aktive verlegerische Mitarbeit, verblieb jedoch weiterhin als persönlich haftender Gesellschafter im Unternehmen. Sein Sohn Erich (1900–1983) trat 1931 in die Firmenleitung ein.
Familie und Privatleben mini|Villa W. Gröppler, Moschelesstraße 1 mini|links|Rittergut Gundorf Ackermann heiratete am 9. Juni 1885 Maria (Marie) Mathilde de Liagre (1865–1950), eine Tochter des 1907 nobilitierten Kommerzienrats und Geheimen Kämmerer des Papstes Albert Heinrich de Liagre (1833–1908) und der Maria Anna Samson (1840–1912)Hans Friedrich von Ehrenkrook, Carola von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Jürgen von Flotow, Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. B (Briefadel). 1959. Band IV, Band 20 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg (Lahn) 1959, , S. 336–337.; aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Im Jahr 1903 übernahm er von seinem Vater das Rittergut Gundorf bei Leipzig mit dessen denkmalgeschütztem Schlosspark. Die Initialen „AA“ schmücken heute noch das schmiedeeiserne Tor an der Leipziger Straße und die großen Flügeltüren am Haupteingang des Schlosses. Seinen Wohnsitz hatte er in Leipzig in der Moschelesstraße 1.
Ehrenamtliches Engagement, Mäzenatentum und Auszeichnungen Ackermann engagierte sich in zahlreichen berufsständischen und kulturellen Organisationen. Er war von 1902 bis 1941 Mitglied der Astronomischen Gesellschaft. Von 1903 bis 1920 fungierte er als Schatzmeister im Vorstand der Deutschen Mathematiker-Vereinigung. 1903 gehörte er dem Gründungsvorstand des Deutschen Museums von Meisterwerken der Naturwissenschaft und Technik in München an. Zudem war er Mitglied des Deutschen Buchgewerbevereins, des Leipziger Kunstvereins, des Leipziger Kunstgewerbevereins sowie langjähriges Mitglied traditionsreicher Leipziger Gesellschaften wie der Vereinigung Die Vertrauten (ab 1919).
Überdies war er Senior des Domkapitels zu Wurzen. Im Dom St. Marien zu Wurzen stiftete er gemeinsam mit weiteren Förderern die von Georg Wrba gestaltete Kanzel. Anlässlich des 450-jährigen Jubiläums der Greifswalder Universität im Jahr 1906 verlieh ihm die dortige philosophische Fakultät für Verdienste, die er sich als Verlagsbuchhändler um die mathematischen Wissenschaften erworben hat, die Ehrendoktorwürde (als Dr. phil. h. c.). 1912 stiftete er der Universität Leipzig den renommierten Alfred Ackermann-Teubner-Gedächtnispreis zur Förderung der mathematischen Wissenschaften.
mini|hochkant|Amor findet die schlafende Psyche Auch als Kunstförderer trat er hervor: 1896/97 und posthum 1941 vermachte er dem Leipziger Kunstgewerbemuseum kunsthandwerkliche Objekte (darunter Arbeiten aus dem 18. Jahrhundert) sowie wertvolle Bücher. Als Vermächtnis gelangte 1941 zudem das 1937 entstandene Gemälde Modellpause von Conrad Felixmüller in das Museum der bildenden Künste Leipzig.
mini|links|Gutshaus Gebersdorf nach der Erneuerung durch Erich Ackermann, Sommer 1939. Das Foto zeigt das Herrenhaus in seiner ursprünglichen, neunachsigen Symmetrie vor dem Teilabriss 1947. mini|Porträt-Medaillon (Bronze-Halbrelief) von Alfred Ackermann-Teubner (1857–1941), Verleger und Besitzer des Ritterguts Gebersdorf, montiert auf Marmorplatte. Epitaph/Gedenktafel in der Dorfkirche Gebersdorf (Dahme/Mark). Ackermann erwarb 1938/1939 das Rittergut Gebersdorf (Dahme/Mark), das zuvor im Besitz eines Herrn Müller aus Plauen gewesen war. Nach seinem Tod im Februar 1941 ging die Verwaltung des Gutes auf seinen Sohn Erich Ackermann über. Seine Urne wurde im Ackermannschen Erbbegräbnis in der VII. Abteilung des Neuen Johannisfriedhofs beigesetzt und nach dessen Schließung auf den Südfriedhof (II. Abt., Erbbegräbnis 1) überführt.
Kunstsammlung und Verluste Die kunsthistorisch bedeutende Privatsammlung der Familie Ackermann-Teubner ging in den Wirren des Zweiten Weltkriegs und der Nachkriegszeit weitgehend verloren oder wurde zerstreut. Seit August 2026 sind bedeutende Objekte der Sammlung offiziell in der Lost Art-Datenbank als kriegsbedingter Verlust registriert. Dazu gehört auch ein im Januar 1913 von Hermann Hanatschek in Wien angefertigtes Ölgemälde (Bildnis des Verlegers Dr. Alfred Ackermann-Teubner mit Pelzmantel und Ordensdekoration), das sich im Besitz seines Sohnes Erich auf dem Rittergut Gebersdorf befand und im Zuge von Plünderungen im Frühjahr/Sommer 1945 verloren ging (Lost-Art-ID: 637762).Eintrag in der Lost Art-Datenbank, Lost-Art-ID: 637762 (veröffentlicht am 19. August 2026).
Ehrungen
Mitgliedschaft in Gelehrtenvereinigungen Päpstliche Akademie der Wissenschaften in Rom Reale Accademia dei Lincei in Rom Mathematische Akademie in Boston USA (sowie 2 kleinere Akademien dortselbst) Akademie für allgemeine Wissenschaften und angewandte Mathematik in Cambridge (Ehrendoktor dortselbst) Königlich Schwedische Akademie der Wissenschaften in Stockholm Japanische Mathematische Gesellschaft in Tokio
Weitere Mitgliedschaften Mitglied der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft lebenslängliches Ausschussmitglied des Deutschen Museums, dessen Vorstandsrat er früher war Deutscher Buchgewerbeverein (seit 1881)Mitteilungen des städtischen Museums des Kunsthandwerks zu Leipzig/Grassimuseum und seines Freundes- und Förderkreises e.V. Heft 2, Leipzig 1993, S. 88–89. Kaufleute-Vereinigung Vertraute Gesellschaft Gesellschaft der Freunde des Kunstgewerbemuseums zu Leipzig (seit etwa 1887) Verein Leipziger Jahresausstellung e.V. (LIA, im Ehrenausschuß) Ausschuss für die Ausstellung neuer kirchlicher Kunst, Leipzig, 1921
Ehrendoktorate 1906 Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät der Universität Greifswald 1911 Ehrendoktorwürde der Technischen Hochschule Darmstadt
Auszeichnungen zu Lebzeiten Domherr und Senior des Domkapitels von Wurzen 1902 Verleihung des Roten Adlerordens IV. Klasse vom Deutschen Kaiser und König von Preußen Wilhelm II., vom Kultusminister Conrad von Studt persönlich überreicht 1905 Verleihung des Hofratstitels durch Herzog Georg II. von Sachsen-Meiningen, später Geheimer Hofrat 1906 Ritter III. Klasse des Verdienstordens vom Heiligen Michael seitens des Prinzregenten Luitpold von Bayern anlässlich der Grundsteinlegung des Deutschen Museums 1907 Kronenorden III. Klasse 1907 Ritterkreuz I. Klasse des Albrechts-Ordens von König Friedrich August III. von Sachsen 1911 Verleihung des Roten Adlerordens III. Klasse anlässlich der Zentenarfeier des Hauses B.G. Teubner Ritterkreuz I. Klasse des Sankt-Olav-Ordens von König Oskar II. von Schweden und Norwegen 1911 Verleihung des Offizierskreuzes des Albrechtsordens, verliehen durch den Staatsminister Grafen Vitzthum von Eckstädt, anlässlich des Teubner-Jubiläums 1911 Komturkreuz II. Klasse des Sachsen-Ernestinischen Hausordens von den Herzögen Ernst II. von Sachsen Altenburg und Karl Eduard von Sachsen-Koburg-Gotha 1911 Ritterkreuz I. Klasse mit Eichenlaub des Zähringer Löwenordens von Großherzog Friedrich II. von Baden 1911 Ritterkreuz I. Klasse des Nordsternordens von König Gustav V. von Schweden
Literatur Astronomische Gesellschaft (Hrsg.): Porträtgallerie der Astronomischen Gesellschaft. Tullberg, Stockholm 1904, S. 7. (PDF-Digitalisat)
Robert Volz (Bearb.): Reichshandbuch der deutschen Gesellschaft. Band 1 (A–K), Deutscher Wirtschaftsverlag, Berlin 1930, S. 5. Mitteilungen des städtischen Museums des Kunsthandwerks zu Leipzig/Grassimuseum und seines Freundes- und Förderkreises e.V. Heft 2, Leipzig 1993, S. 88–89.
Weblinks
Bildnis des Verlegers Dr. Alfred Ackermann-Teubner in der Lost Art-Datenbank des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste
Einzelnachweise Ackermann, Gustav Benedictus Alfred. In: Museum für Kunsthandwerk Leipzig (Hrsg.): Mitteilungen, Heft 2, Leipzig 1993, S. 88–89.
Kategorie:Verleger (Leipzig) Kategorie:Buchhändler Kategorie:Verleger (19. Jahrhundert) Kategorie:Verleger (20. Jahrhundert) Kategorie:Mitglied der Päpstlichen Akademie der Wissenschaften Kategorie:Mitglied der Accademia dei Lincei Kategorie:Ehrendoktor der Universität Greifswald Kategorie:Ehrendoktor der Technischen Universität Darmstadt Kategorie:Domherr (Wurzen) Kategorie:Geheimer Hofrat Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1857 Kategorie:Gestorben 1941 Kategorie:Mann Kategorie:Träger des Roten Adlerordens 3. Klasse Kategorie:Ritter III. Klasse des Verdienstordens vom Heiligen Michael Kategorie:Träger des Preußischen Königlichen Kronenordens 3. Klasse Kategorie:Träger des Albrechts-Ordens (Offizier) Kategorie:Träger des Sankt-Olav-Ordens (Ritter 1. Klasse) Kategorie:Träger des Herzoglich Sachsen-Ernestinischen Hausordens (Komtur II. Klasse) Kategorie:Träger des Ordens vom Zähringer Löwen (Ritter I. Klasse) Kategorie:Träger des Nordstern-Ordens (Ritter 1. Klasse)