Die Atlantis war im Zweiten Weltkrieg ein zum Hilfskreuzer umgerüstetes deutsches Handelsschiff. Unter der Tarnung eines harmlosen Frachters führte sie Handelskrieg gegen die Schifffahrt der Alliierten. Bei der Seekriegsleitung wurde die Atlantis unter den Decknamen Handelsstörkreuzer 2 bzw. Schiff 16 geführt. Bei der Royal Navy war sie als Raider C bekannt.
Am 22. November 1941 wurde die Atlantis bei der Versorgung eines deutschen U-Bootes 500 Meilen südöstlich der Sankt-Peter-und-Sankt-Pauls-Felsen vom britischen Schweren Kreuzer Devonshire gestellt und unter Feuer genommen. Die Besatzung versenkte ihr schwer beschädigtes Schiff selbst, konnte aber fast vollzählig mit Unterseebooten nach Hause gebracht werden.
Die Kaperfahrt der Atlantis dauerte insgesamt 622 Tage und war die längste Einsatzfahrt eines Kreuzers in beiden Weltkriegen.
Geschichte Das 7.862 BRT große Frachtschiff war 1937 unter dem Namen Goldenfels für die Reederei DDG „Hansa“ beim Bremer Vulkan in Vegesack unter der Baunummer 736 gebaut worden. Sie war das fünfte Schiff der Ehrenfels-Klasse, von der die Reederei bis zum Beginn des Zweiten Weltkriegs acht Schiffe erhielt und von der noch ein weiteres im ersten KriegsjahrGeschichte der Moltkefels. ddghansa-shipsphotos.de fertiggestellt wurde. Die Schiffe transportierten Stückgut zwischen Europa einerseits und Indien, Persien, Ceylon sowie Burma andererseits. Bei Kriegsausbruch befanden sich drei Schiffe in der Heimat,Geschichte der als Transporter verwandten Neidenfels. ddghansa-shipsphotos.de zwei im MittelmeerGeschichte der im Mittelmeer eingesetzten Reichenfels und der Kybfels. ddghansa-shipsphotos.de und drei im Indischen Ozean, die in Chisimao,Geschichte der Tannenfels. ddghansa-shipsphotos.de MurmogoaGeschichte der Ehrenfels. ddghansa-shipsphotos.de bzw. Bandar SchapurGeschichte der Hohenfels. ddghansa-shipsphotos.de Schutz suchten.
Nach Kriegsbeginn wurde die in der Heimat befindliche Goldenfels von der Kriegsmarine beschlagnahmt. Die Umrüstung zu einem bewaffneten Hilfskreuzer erfolgte bei der Deschimag-Werft in Bremen. Nach nur 99 Tagen war das Schiff einsatzbereit. Kommandant wurde Kapitän zur See Bernhard Rogge. Bis zur Selbstversenkung 1941 blieb er Kommandant des Schiffes.
Das bei der AG Weser gebaute Schwesterschiff Kandelfels wurde ebenfalls zum Hilfskreuzer umgerüstet und war als Pinguin von Juni 1940 bis Mai 1941 im Einsatz.
Kaperfahrt Am 11. März 1940 lief der Hilfskreuzer Atlantis von Kiel durch den Kaiser-Wilhelm-Kanal nach Wilhelmshaven aus. Dort wartete man den endgültigen Befehl zum Auslaufen ab und begann das Schiff zu tarnen. Am 31. März 1940 lief die Atlantis, als erster deutscher HilfskreuzerRohwer, S. 34, als zweiter Hilfskreuzer folgt am 6. April die Orion. des Zweiten Weltkriegs und als norwegisches Motorschiff Knute Nelson getarnt, zu ihrer Kaperfahrt aus. Sie wurde zunächst von den Torpedobooten Leopard und Wolf gesichert. In der Dänemarkstraße übernahm U 37 das Geleit, während die Torpedoboote in ihre Häfen zurückkehrten. Entlang der Ausbruchsroute waren die Wetterbeobachtungsschiffe Fritz Homann (WBS 3), Hinrich Freese (WBS 4) und Adolf Vinnen (WBS 5) postiert, um die Atlantis mit Wetterinformationen zu unterstützen.
Nach dem geglückten Durchbruch in den Atlantik als angeblich sowjetische Kim konnte der Hilfskreuzer am 3. Mai 1940 mit der Versenkung des britischen Frachters Scientist vor Südwestafrika den ersten Erfolg seiner Kaperfahrt erzielen. Die 92 mitgeführten Minen wurden bereits im Mai 1940 vor dem südafrikanischen Kap Agulhas ausgelegt. Die Minensperre wurde allerdings frühzeitig erkannt und führte zu keinen Schiffsverlusten.Rohwer, S. 43.
Aufgrund der Besetzung Norwegens und Dänemarks durch das Deutsche Reich wurden die Pläne aber dahingehend geändert, dass Schiff 16 britische Kräfte im Indischen Ozean binden sollte. In der Zeit von Juni bis November 1940 wurden dort neun weitere Schiffe versenkt. Größtes versenktes Schiff war am 17. September der französische Passagierdampfer Commissaire Ramel in britischen Diensten mit 10.061 BRT.Rohwer, S. 73. Außerdem wurden drei Schiffe durch Prisenkommandos besetzt und nach Frankreich (Tirranna mit wertvoller Ladung und Gefangenen), Japan (Ole Jacob mit einer Ladung Flugbenzin und einigen Gefangenen) sowie nach Italienisch-Somaliland (Durmitor mit 312 Gefangenen) entlassen.
Unter den versenkten Schiffen war der Frachter Automedon, zu dessen Ladung wichtige britische Dokumente gehörten. Diese Beute war der größte Erfolg der Atlantis. Dem Kommandanten Rogge wurde dafür vom japanischen Kaiser Hirohito als Auszeichnung ein Samuraischwert geschenkt. Zwischenzeitlich erfolgte die erste komplette Überholung der Maschinen mit Bordmitteln. Allerdings fehlte es der Atlantis an Treibstoff, da die aufgebrachten Tanker nur bedingt geeigneten Treibstoff an Bord hatten und die Ausrüstung der Prisen ebenfalls den Bestand verringert hatte. Als das Schwesterschiff Pinguin die Kaperung des Tankers Storstad mit einer erheblichen Dieselladung meldete, entschloss sich Kapitän Rogge zu einem Treffen mit der Pinguin am 8. Dezember. Die Atlantis füllte ihre Tanks aus der Prise und gab an sie ihre Gefangenen ab, da die Storstad nach Frankreich durchbrechen sollte. Danach lief sie zu den Kerguelen, wo sie vom 14. Dezember bis zum 11. Januar 1941 verblieb. Der Hilfskreuzer beseitigte einen Rumpfschaden, den er beim Anlaufen der Inseln erlitten hatte, füllte seine Frischwasservorräte und vervollständigte seine Tarnung als norwegisches Motorschiff Tamesis, ein Schwesterschiff der Prise Tirranna. Nach der Tarnung als Knute Nelson und Kim hatte sich die Atlantis im Atlantik als japanische Kasii Maru ausgegeben, hatte die Tirranna anfangs als niederländische Abbekerk getäuscht und sich dann als norwegische Tarifa ausgeben. Den bei Dämmerung aufgebrachten norwegischen Tankern Teddy und Ole Jacob hatte sie sich sogar als angeblicher britischer Hilfskreuzer genähert.
Wieder im Einsatz gelang der Atlantis die Versenkung eines Frachters und die Kaperung des Motorschiffes Speybank und des norwegischen Tankers Ketty Brøvig mit einer großen Dieselladung. Am 10. Februar traf sie dann noch mit dem Schwesterschiff Tannenfels zusammen. Dieses hatte bei Kriegsausbruch in der damals noch neutralen italienischen Kolonie Somaliland Zuflucht gesucht. Vor der drohenden britischen Besetzung sollte sie in die Heimat zurückkehren, sie brachte aber auch der Atlantis ihre Prisenbesatzung der Durmitor zurück, die zum Teil auf der Speybank gleich wieder eingesetzt wurde. Am Treibstoffüberfluss der Gruppe sollte auch der in dem Seegebiet um Südafrika operierende Schwere Kreuzer Admiral Scheer teilhaben, mit dem sich die vier Schiffe am 14. Februar trafen. Die Scheer übernahm 1.200 t Diesel aus der Ketty Brøvig, und alle tauschten untereinander Versorgungsgüter. So gab die Scheer von ihrem Überfluss an frischen Eiern durch die Kaperung eines Kühlschiffes ab. Die Speybank blieb als Aufklärer bei der Atlantis, während die Ketty Brøvig Richtung Australien marschierte, wo sie den Versorger CoburgCoburg ex Havel (NDL), 1928, Umbau und Umbenennung 1938, 7.400 BRT, 17 kn, auch bei Annäherung der Canberra am 4. März selbstversenkt. treffen und weitere Hilfskreuzer betanken sollte. Dieser Plan war aber den Briten durch Funkentschlüsselung bekannt, und australische Kreuzer stellten den Tanker, der sich daraufhin selbst versenkte. Die Tannenfels war glücklicher. Nach Übernahme von Gefangenen der Admiral Scheer und anderen im Südatlantik operierenden Schiffen erreichte sie Bordeaux.
Ein weiteres Treffen mit der Admiral Scheer kam nicht zustande, da der Kreuzer sich den suchenden britischen Einheiten wieder in den Atlantik entzogen hatte. Am vereinbarten Treffpunkt hatte er seine Prise British Advocate zurückgelassen. Der Tanker erhielt von der Atlantis 500 t Öl, um das besetzte Frankreich erreichen zu können. Der Hilfskreuzer verlegte dann befehlsgemäß in den Norden des Indischen Ozeans. Dort versorgte sie am 29. März das aus Massaua ausgebrochene italienische U-Boot Perla mit Treibstoff und Lebensmitteln.Rohwer, S. 107. Selten wurden einzelnfahrende Schiffe gesichtet, die oft neutralen Staaten angehörten und nicht gestoppt wurden. Darauf wurde die Speybank nach Europa entlassen, und auch die Atlantis ging ohne weiteren Erfolg Anfang April 1941 wieder in den Südatlantik.
Am 17. April 1941 wurde der ägyptische Passagierdampfer Zam Zam versenkt, der sich auf dem Weg von New York nach Kapstadt befandNew York Times, 20. Mai 1941., und 317 Personen an Besatzung und Passagieren wurden aufgenommen. Unter ihnen befanden sich 138 US-Bürger,Rohwer, S. 118. darunter der amerikanische Reporter David E. Scherman, der für die Zeitschriften Time und Life arbeitete. Während der kurzen Zeit, in der sich die Passagiere auf der Atlantis befanden, konnte er einige Fotos von dem Schiff machen. Nach der Übergabe der Gefangenen an das deutsche Versorgungsschiff DresdenDie Dresden (1937, 5.567 BRT, 15 kn) war ein Kombischiff des NDL im Südamerika-Westküstendienst; bei Kriegsbeginn 1939 befand sie sich in Chile und sollte dann das Panzerschiff Admiral Graf Spee versorgen. Sie verpasste den Treffpunkt und lief am 15. November 1939 in Santos ein. Am 28. März 1941 hatte sie den brasilianischen Hafen verlassen, um den Hilfskreuzer mit 2.500 t Diesel zu versorgen. ab 19. April im Planquadrat Andalusien gelang es ihm sogar, eine Seitenansicht der Atlantis zu fotografieren. Dieses Bild erschien Monate später und zeigte der Welt das Aussehen des deutschen „Raiders“.
An dem Treffpunkt trafen dann noch der Versorger Alsterufer und der Hilfskreuzer Kormoran ein. Die Alsterufer sollte die beiden Hilfskreuzer vor allem mit militärischen Versorgungsgütern versorgen. Die Atlantis füllte ihre Munitionsbestände auf und übernahm drei zerlegte und verpackte Schwimmerflugzeuge vom Typ Arado Ar 196, die die abgenutzten Heinkel He 114 ersetzen sollten. Die Kormoran sollte die Atlantis im Indischen Ozean ersetzen. Von der aus dem nahen Brasilien herangekommenen Dresden hatte die Atlantis vor allem die Auffüllung der Lebensmittelvorräte erwartet. Die hatte das Schiff nicht hinreichend und brauchte sie zudem für die neue Aufgabe als Gefangenenschiff selbst, da sie diese auf Weisung der Seekriegsleitung bis nach Frankreich bringen sollte.
Die Atlantis verblieb mit der Alsterufer am Versorgungspunkt, bis das Trossschiff Nordmark eintraf, aus dem sie ihre Treibstoffvorräte ergänzte. Mit der Nordmark kehrte auch der Navigationsoffizier des Hilfskreuzers, Kapitänleutnant Paul Kamenz, zurück an Bord. Er hatte als Prisenkommandant die Ole Jacob nach Japan gebracht und die Automedon-Papiere dort übergeben. Getarnt als deutscher Beamter war er mit der Transsibirischen Eisenbahn nach Deutschland zurückgekehrt und hatte auf dem U-Boot U 106 die Nordmark erreicht. Weitere Verstärkung des Offizierkorps waren zwei Leutnants der Admiral Graf Spee, die als einfache Matrosen der Dresden das Schiff erreicht hatten.