Wiedikon ist ein Stadtkreis der Stadt Zürich.
Die ehemals selbständige Gemeinde Wiedikon wurde 1893 eingemeindet und bildet den heutigen Kreis 3. Administrativ wird Wiedikon vom Statistischen Amt seit 1971 in die drei Verwaltungseinheiten (Quartiere) Alt-Wiedikon, Sihlfeld und Friesenberg geteilt.
Wappen Blasonierung In Blau ein von Rot und Silber geteilter, goldgefasster Reichsapfel mit goldenem Kreuz
Geographie mini|Wiedikon um 1898 bei der Zweierstrasse. In der Mitte die ehemalige Gemeindekanzlei. Hier steht heute das Amtshaus, erbaut 1910.
Wiedikon beansprucht 894,9 ha für sich, was 9,4 % der Gesamtfläche der Stadt Zürich entspricht. Das Quartier erstreckt sich von der Allmend bis zum Letzigraben. Die Nachbarquartiere sind Wollishofen, Leimbach, Enge, Albisrieden und Aussersihl-Hard. Auf dem Uetliberg ist die Quartiergrenze zugleich die Stadtgrenze.
Lage
Kern des Quartiers ist der Bühl, ein Moränenhügel. Gekrönt wird dieser von der neugotischen Bühlkirche (erbaut 1896) sowie der Kantonsschule Wiedikon mit ihrem Altbau (früher Töchternschule 5) und dem Neubau. Zu Füssen des Bühl liegt das historische und heute noch aktive Quartierzentrum. Um 1930 erfasste ein Bauboom den Friesenberg, die Hangterrasse am Fusse des Uetlibergs. Im Laufe der Jahre wurde das ganze Quartier nach und nach mit Wohnsiedlungen überbaut. Die letzte grosse Landreserve in Wiedikon, das Gelände der ehemaligen Lehmgruben in den Arealen Gehrenholz, Tiergarten, Binz und Friesenberg wurde vor einigen Jahren ebenfalls überbaut.
Geschichte Urzeitlicher Wald im Quartier Binz
Im April 2013 stellte die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL) im Quartierteil Binz etwa 14'000 Jahre alte Baumstrünke eines subfossilen Walds sicher, wobei es sich um die ältesten erhaltenen Überreste eines Waldes weltweit handeln könnte. Ähnliche Funde im Umfeld des Uetlibergs wurden schon früher gemacht, beim Bau des Uetlibergtunnels, im Dättnauer Tal bei Winterthur und im Auenlehm der Reppisch, die an die 12'000 Jahre alt waren. In vier bis sechs Meter Tiefe entdeckte ein Mitarbeiter der WSL in einer Baugrube zahlreiche Baumstrünke samt Wurzelwerk – sie «standen aufrecht, mit den Wurzeln nach unten, als ob sie jederzeit wieder ausschlagen könnten». Drei Holzproben aus der mehrere Meter dicken Lehmschicht datierte die ETH Zürich mithilfe der Radiokarbonmethode auf ein Alter von fast 14'000 Jahren: «Das sind die ersten nachgewiesenen Bäume, die nach der letzten Eiszeit aus dem Mittelmeerraum wieder bei uns eingewandert sind ... solche Funde sind weltweit einzigartig», kommentierte Daniel Nievergelt, Entdecker und Mitarbeiter der WSL.Helene Arnet: Der älteste Wald der Welt. In: Tages-Anzeiger. 21. Mai 2013, abgerufen am 22. Mai 2013.
Besiedlungsgeschichte mini|Schmiede Wiedikon um 1908. mini|Ortsmuseum Wiedikon, ehemalige Armenstube, um 1400 als 'Eselschreis Hofstatt' erwähnt. Das Ortsmuseum steht unter Denkmalschutz und liegt an der Steinstrasse. Die ältesten Siedlungsspuren gehen schätzungsweise auf die Jahre 3000 bis 2000 v. Chr. zurück und umfassen ein Steinbeil, Überreste von Gräbern, welche den Helvetiern zugeschrieben werden und einzelne römische Münzen.
Nach 500 besiedelten Alemannen das Gebiet der heutigen Deutschschweiz. Am Bühlhügel – geschützt vor den Hochwassern der Sihl – liess sich Wiedo mit seiner alemannischen Sippe, den Wiedingen nieder und gab dem Gebiet indirekt den Namen. Eine Urkunde vom 27. Juni 889 verwendet erstmals die Ortsbezeichnung Wiedinc hova («Höfe der Wiedinge»), woraus im Laufe der Zeit Wiedikon wurde.
1259 wurde Wiedikon in einer zweiten Urkunde erwähnt, diesmal als königlicher Reichshof. Die Vogtei Wiedikon wechselte durch die verschiedenen Adelsgeschlechter, die in der Stadt Zürich ein Bürgerrecht hatten, ehe sie nach 1490 von der freien Reichsstadt Zürich gekauft wurde. Die Obervogtei Wiedikon wurde damit zu einer inneren Vogtei, deren Vogt in der Stadt Zürich ansässig war. Der Obervogtei Wiedikon wurde auch Albisrieden zugeschlagen.
In vorreformatorischer Zeit gab es im Bubental ein Bruderhaus und die beliebte Wallfahrtskapelle Unserer lieben Frau im Gnadental.Felix Marbach: Zürich-Wollishofen. In: Bischöfliches Ordinariat Chur (Hrsg.): Schematismus des Bistums Chur. 1980, S. 273.
Das genaue Alter des heutigen Quartierwappens mit dem mittelalterlichen Reichsapfel ist unbekannt, erstmals nachweislich festgehalten wurde es 1674 in einem Wappenbuch.
Die ganze Obervogtei Wiedikon war bäuerlich geprägt und bestand aus den beiden Siedlungsschwerpunkten Wiedikon und Albisrieden sowie einer Vielzahl verstreuter Bauernhöfe. In Wiedikon etablierte sich auch das Baugewerbe, da reichlich Lehm vorhanden war, wie die ehemaligen Lehmgruben Binz und Heuried heute noch erahnen lassen. Das Holz für die Ziegelbrennereien wurde auf der Sihl aus dem Sihlwald herangeschafft; der Name Schmiede Wiedikon erinnert heute noch an die Fuhrwerke, die damals für den Transport unabdingbar waren.
Nachdem Wiedikon Bewohnern der Hard das Bürgerrecht verweigerte, ersuchten diese 1784 um eine eigene Gemeinde. Dem Gesuch wurde nachgekommen und die neue Gemeinde Aussersihl wurde innerhalb der Obervogtei Wiedikon formiert. Aussersihl wurde 1787 in die Selbständigkeit entlassen, womit Wiedikon den unteren Teil der Gemeinde respektive des Sihlfelds verlor, welches ursprünglich bis zur Limmat reichte. Nach der Abtrennung von Aussersihl erhielt 1791 Wiedikon mit dem Bethaus erstmals seit der Reformation wieder eine erste eigene Kirche. Das inzwischen denkmalgeschützte Bethaus gehört zu den ältesten Gebäuden in Wiedikon. Mit der französischen Invasion fiel 1798 das alte System zusammen und die Obervogtei Wiedikon wurde aufgelöst. Wiedikon und Albisrieden wurden damit zu selbständigen Gemeinden. Von Aussersihl erhielt Wiedikon 1852 die Bauernhöfe auf seinem Gemeindegebiet zurück, die bei der Teilung an Aussersihl gegangen waren.
Wiedikon erhielt 1875 seinen ersten Bahnhof; er wurde 1927 verlegt, dessen Neubau ist der einzige Reiterbahnhof der Schweiz geblieben. Bereits 1892 erhielt Wiedikon mit dem Bahnhof Giesshübel einen zweiten Bahnhof, welcher vor allem für den Güterverkehr bedeutend war, welchen die Sihltalbahn in ihrem Einzugsgebiet abwickelte.
Bevölkerungsentwicklung des Stadtkreises Quelle: Statistik & Daten: Wiedikon
Eingemeindung mini|300px|Die Gemeinde innerhalb des Bezirks Zürich vor der Eingemeindung 1893 Die schlechte wirtschaftliche Lage zwang Ende des 19. Jahrhunderts auch die Gemeinde Wiedikon, die Stadt Zürich um die Eingemeindung zu bitten. Nebst Wiedikon wurden 1893 zehn weitere selbständige Gemeinden Teil der Stadt. Die Stadt Zürich und die neuen elf Gemeinden wurden in fünf Stadtkreise (I bis V) eingeteilt. Wiedikon bildete den Stadtkreis III, zu welchem auch das gut 100 Jahre zuvor abgespaltene Aussersihl (und dessen Industriequartier) wieder zugeschlagen wurde.
Die Einteilung der ursprünglichen fünf Stadtkreise wurde 1913 revidiert und es wurden durch die Dreiteilung des Stadtkreises III und die Zweiteilung des Stadtkreises V, neu acht Stadtkreise (1 bis 8) gebildet. Damit wurde das Gebiet der ehemaligen Gemeinde Wiedikon zum heutigen Stadtkreis 3, während die ehemalige Gemeinde Aussersihl zum Stadtkreis 4 und deren bereits 1875 abgespaltener Teil, das Industriequartier, zum Stadtkreis 5 wurden.
Die zweite Eingemeindung von 1934 hatte auf Wiedikon keinen Einfluss, allerdings wurde bei einer weiteren Revision der Stadtkreise im Jahre 1971, unter anderem Wiedikon vom Statistischen Amt der Stadt Zürich, in die drei Quartiere Alt-Wiedikon, Sihlfeld und Friesenberg unterteilt, die fast ausschliesslich eine statistische Bedeutung haben.
An die Eingemeindung von 1893 erinnert seit 1993 der Löwenbrunnen auf dem Schmiedeplatz.Brunnenguide Kreis 3, 4, 5 und 9 der Stadt Zürich.
Sehenswürdigkeiten (Auswahl)
Die Bühlkirche (oder Kirche Bühl) ist eine evangelisch-reformierte Kirche, steht unter Denkmalschutz und befindet sich in Alt-Wiedikon, an der Goldbrunnenstrasse 54.
mini|Bühlkirche
Das Schul- und Bethaus Wiedikon ist eine evangelisch-reformierte, kleine Kirche und befindet sich an der Schlossgasse 10, unweit der Schmiede Wiedikon. Das Gebäude steht in der Tradition der zu dieser Zeit entstandenen Bethäuser mit angebautem Schulhaus und steht unter Denkmalschutz. Als einer der letzten Zeugen des alten Wiedikons gilt es als Wahrzeichen des ehemaligen Dorfkerns.
mini|Schul- und Bethaus Wiedikon
Das Ortsmuseum Wiedikon ist ein kleines Museum mit Ausstellungen von Kunstschaffenden aus Wiedikon, der Stadt Zürich und dem Kanton Zürich, quartierbezogenen Ausstellungen sowie Ausstellungen mit speziellen Themen. Das Ortsmuseum ist nur bei Ausstellungen oder Veranstaltungen regelmässig geöffnet. Es steht unter Denkmalschutz und liegt an der Steinstrasse 8.
mini|Ortsmuseum Wiedikon
Die Thomaskirche Im Gut ist ein evangelisch-reformiertes Kirchengebäude und liegt an der Burstwiesenstrasse 44. Das Kirchengebäude besitzt eine auffällige, dreieckige Eingangsfassade aus rotem Backstein und einen freistehenden Glockenturm. Der Glockenturm birgt ein fünfstimmiges Geläut; die Tonfolge entspricht dem des Westminstergeläuts. Die Thomaskirche ist die einzige Kirche der Stadt Zürich, welche ein solches Geläut besitzt. Die Kirche mit ihren streng geordneten Baukuben, dem nordisch anmutenden Backstein und den weit herunterreichenden Satteldächern ist im reformierten Kirchenbau der Stadt Zürich einzigartig.
mini|Thomaskirche: Dreieckige Eingangsfassade mit Vorplatz
Der Friedhof Sihlfeld ist der grösste Friedhof und die grösste Parkanlage der Stadt Zürich und liegt an der Aemtlerstrasse 149/151. Hier wurde 1889 das erste Krematorium der Schweiz gebaut. Das längst stillgelegte Krematorium ist als Baudenkmal erhalten. Auf dem Friedhof Sihlfeld befinden sich Gräber bedeutender Persönlichkeiten wie Gottfried Keller, Johanna Spyri oder Henry Dunant.
mini|Eingangsportal, Friedhof Sihlfeld
mini|Zypressenallee, Friedhof Sihlfeld
Religionen und Kirchen Christentum mini|hochkant|Die katholische Kirche Herz Jesu Wiedikon Folgende christliche Kirchen sind in Wiedikon vertreten:Vgl. zum Folgenden: Robert Schönbächler: Kirchen und Gotteshäuser der Stadt Zürich. In: Neujahrsblatt Industriequartier/Aussersihl. Zürich 2013, S. 54–64. Die Evangelisch-reformierte Kirche besitzt in Wiedikon (inkl. Quartiere Sihlfeld und Friesenberg) sechs Gotteshäuser: Die Andreaskirche (Sihlfeld) aus den Jahren 1965–1966 steht an der Brahmsstrasse und wurde nach Plänen des Architekten Jakob Padrutt erbaut. Die Kirche besteht aus einem Kubus, der mit Granitplatten verkleidet ist und gehört zum Kirchenkreis drei der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich. Die Thomaskirche im Gut befindet sich an der Burstwiesenstrasse und wurde in den Jahren 1959–1961 nach Plänen des Architekten Hans Hoffmann erbaut. Die Kirche besitzt weit herunterreichende Eternit-Dächer und eine Eingangsfassade aus rotem Backstein. Der frei stehende Turm ist auf die Mittelachse der Kirche ausgerichtet und weist eine Höhe von 53 Metern auf. Die Orgel der Kirche ist ein Instrument von Orgelbau Kuhn aus dem Jahr 1961. Die Kirche und das zugehörige Zentrum gehören zum Kirchenkreis drei der evangelisch-reformierten Kirchgemeinde Zürich. Die Zwinglikirche wurde in den Jahren 1922–1925 nach Plänen der Architekten Adolf Bräm und Heinrich Bräm als turm- und glockenlose Kirche im neuromanisch-neuklassizistischen Stil erbaut. Rechtwinklig an die Kirche wurde ein Wohn- und Unterrichtstrakt erbaut. Die Kirche befindet sich im ersten und zweiten Stock des Gebäudes und wird seit 2001 vom Zentrum Chiesa Evangelica di Lingua italiana (Waldenser) genutzt.