mini|Kirche St. Antonius, Außenansicht (2009) St. Antonius ist eine römisch-katholische Filialkirche innerhalb des Stadtviertels Grüngürtel in Düren, Nordrhein-Westfalen. Sie wurde zwischen 1973 und 1975 nach Plänen von Matthias Kleuters errichtet und ist dem hl. Antonius von Padua gewidmet.
Geschichte Die Siedlung Grüngürtel entstand in den 1910er Jahren bis in die 1930er Jahre. In den Planungen war bereits eine Kirche in der Mitte des neuen Viertels eingeplant. Pfarrlich gehörte die Siedlung zunächst zur Pfarre St. Bonifatius. 1933 wurde im Saal des Genossenschaftshauses in der Freiheitsstraße eine Kapelle sowie zugleich ein eigener Seelsorgebezirk unter dem Patrozinium Heilig Kreuz eingerichtet. Schon bald stellte sich heraus, dass die Kapelle im Genossenschaftshaus keine dauerhafte Lösung war.
1937 wurde der Bau einer Kirche beschlossen und der Kölner Architekt Hans Peter Fischer mit der Planung beauftragt. Als Bauplatz wurde ein Grundstück an der Ecke Scharnhorst-/Brückenstraße zur Verfügung gestellt, also am Rand der Siedlung, nach den ursprünglichen Plänen sollte eine Kirche in der Mitte der Siedlung entstehen. Die Gründe, weshalb dies nicht geschehen ist, sind nicht bekannt. Der erste Spatenstich wurde am Pfingstmontag, 6. Juni 1938, getan, die Grundsteinlegung folgte am 21. August 1938. Anfang 1939 war die neue Kirche fertiggestellt. Die Bauarbeiten nahm das Bauunternehmen Iven aus Birkesdorf vor. Die Benediktion verbunden mit der Feier der ersten Heiligen Messe erfolgte am 26. März 1939, die eigentliche Kirchweihe war schließlich am 16. Juli 1939 durch den Aachener Bischof Hermann Joseph Sträter. Die Kirche wurde unter das Patronat des hl. Antonius gestellt.
Entstanden war eine fünfachsige und zweischiffige Kirche aus Backsteinen mit Satteldach, eingezogenem, halbrund schließendem Chor, rundbogigen Fenstern und einem seitlich angebautem Glockenturm mit Zeltdach. Der Innenraum wurde von einer flachen Holzdecke überspannt.
Zum 1. April 1939 wurde St. Antonius Grüngürtel zum Rektorat erhoben und erhielt damit mehr Selbstständigkeit.
Durch die Kampfhandlungen im Zweiten Weltkrieg wurde St. Antonius durch Artillerietreffer insbesondere im Dachbereich stark beschädigt, blieb aber von einem direkten Bombentreffer verschont. Die Mauern waren von Einschusslöchern gezeichnet und die Fenster zerstört, im innern blieb die Ausstattung weitgehend unversehrt, lediglich die Orgel war stark beschädigt. Sämtliche Schäden konnten bis 1951 beseitigt werden.
Zum 1. März 1952 wurde St. Antonius endgültig von der Pfarre St. Bonifatius losgelöst und selbst eigenständige Pfarrei.
Mitte der 1960er Jahre wurde die Antoniuskirche zu klein, zudem wurden erhebliche Baumängel festgestellt, weshalb erste Überlegungen zu einem Kirchenneubau angestellt wurden. Im Mai 1966 gründete sich ein Kirchenbauverein, der fortan Gelder sammelte. 1970 stimmte das Generalvikariat einem Neubau zu, daraufhin wurde der Aachener Architekt Matthias Kleuters mit der Planung der neuen Kirche beauftragt. Nachdem sämtliche Genehmigungen vorlagen, erfolgte am 10. Dezember 1973 der Erste Spatenstich zum Bau der heutigen Kirche. Die Grundsteinlegung war am 8. Juni 1974. Nach zweijähriger Bauzeit war das neue Gotteshaus vollendet. Die feierliche Kirchweihe mit Konsekration des Altares nahm am 13. September 1975 Weihbischof Joseph Ludwig Buchkremer vor. Die alte Kirche wurde daraufhin abgerissen. Auf dem Gelände stehen heute Einfamilienhäuser.H. J. Domsta, H. Krebs, A. Krobb: Zeittafel zur Geschichte Dürens. S. 291.Pfarre St. Antonius (Hrsg.): 50 Jahre St. Antonius Düren. Düren 1989
Zum 1. Januar 2010 wurde die Pfarre St. Antonius aufgehoben und mit den ebenfalls aufgehobenen Pfarren St. Anna (Düren), St. Bonifatius (Düren), St. Cyriakus (Niederau), St. Josef (Düren) und St. Marien (Düren) zur Großpfarre St. Lukas/Düren fusioniert. Seitdem ist St. Antonius keine Pfarrkirche mehr, sondern wieder eine Filialkirche, wie bis 1952 auch. Pfarrkirche dieser neuen Großpfarre wurde die Annakirche.
Baubeschreibung St. Antonius ist eine nahezu quadratische Halle mit flacher Holzdecke in Formen der Moderne. Die West- und Ostecken sind abgerundet, in der Ostecke befindet sich der Altarraum. Über dem Altarraum ist die Decke erhöht, durch ein Oberlicht wird dieser indirekt belichtet. Der 25 m hohe Glockenturm ist freistehend.
Ausstattung St. Antonius besitzt eine moderne Ausstattung. Altar, Ambo, Tabernakelpostament, Taufstein, Kerzenleuchter, alle aus Marmor bestehend, sowie die Buntglasfenster sind Werke des Alsdorfer Künstlers Ludwig Schaffrath und entstanden zwischen 1974 und 1975. Den aus Bronze gegossenen Tabernakel und den Taufsteindeckel schuf Peter Bücken, Kohlscheid im Jahr 1975, das Altar- und Vortragekreuz aus selbem Jahr ist ein Werk Bonifatius Stirnbergs ebenfalls aus Bronze. Des große Kruzifixus im Altarraum stammt etwa aus der Zeit um 1750 und wurde in den 1970er Jahren angeschafft. Aus selber Zeit stammt auch eine Madonna mit Kind. Aus der Vorgängerkirche wurde die Figur des hl. Antonius sowie die Glocken übernommen.Pfarre St. Antonius (Hrsg.): 50 Jahre St. Antonius Düren. Düren 1989Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.): Handbuch des Bistums Aachen. 3. Ausg. Aachen 1994, S. 316.
Orgel Die mechanische Orgel ist ein Werk der Übach-Palenberger Orgelbauwerkstatt Heinz Wilbrand aus dem Jahr 1976. Ursprünglich stand das Instrument in der Kirche St. Peter Julian und wurde 2002 durch Wilbrand nach St. Antonius umgesetzt. Das Vorgängerinstrument war ein Werk der Orgelbauanstalt Georg Stahlhuth aus dem Jahr 1939, das 1972 durch Weimbs Orgelbau in die neue Kirche umgestellt und umgebaut worden war.
I Hauptwerk C–g3 Prinzipal 8′ Koppelflöte 4′ Oktave 4′ Flöte 4′ Waldflöte 2′ Mixtur IV-fach ′ Trompete 8′ II Schwellwerk C–g3 Holzgedeckt 8′ Rohrflöte 4′ Quinte ′ Prinzipal 2′ Zimbel II-fach ′′ Trichterregal 8′ Pedal C–f1 Subbass 16′ Oktavbass 8′ Gedecktbass 8′ Choralbass 4′ Bombarde 16′
Koppeln: II/I, I/P, II/P, Setzer
Glocken Nr. Name Durchmesser(mm) Masse(kg, ca.) Schlagton(HT-1/16) Gießer Gussjahr Sonstiges 1 - 880 390 a' +2 - 1618 Leihglocke aus der Pfarrkirche St. Laurentius, Göttkendorf (Ostpreußen) (polnisch: Gutkowo)2 - 890 420 h' +1 - ca. 1500 Leihglocke aus der Pfarrkirche St. Maria, Jägendorf (Niederschlesien) (polnisch: Myslinow)3 - 780 275 cis" +-0 - 1528 Leihglocke aus der Pfarrkirche St. Hedwig, Girlachsdorf (Niederschlesien) (polnisch: Gilów) Motiv: „Pater noster“.Norbert Jachtmann: Glockenmusik in der Region Düren.
Rektoren und Pfarrer Folgende Pfarrer wirkten an St. Antonius bis zur Auflösung der Pfarre 2010 (bis zur Pfarrerhebung 1952 trugen die Seelsorger den Titel Rektor und unterstanden dem Pfarrer von St. Bonifatius):Bischöfliches Generalvikariat (Hrsg.): Handbuch des Bistums Aachen. 3. Ausg. Aachen 1994, S. 316. 1938–1940: Nikolaus Pohen (Rektor) 1940–1942: Heinrich Selhorst (Rektor) 1942–1965: Josef Gillissen (seit 1952 Pfarrer) 1965–2003: Karl Haas 2004–2010: Josef Wolff
Weblinks
Kirche St. Antonius auf der Website der Pfarre St. Lukas
Einzelnachweise
Antonius Kategorie:Filialkirche des Bistums Aachen Kategorie:Bauwerk der Moderne in Nordrhein-Westfalen Kategorie:Erbaut in den 1970er Jahren Kategorie:Kirchengebäude der Moderne Kategorie:Antonius-von-Padua-Kirche Kategorie:Ehemalige Pfarrkirche Antonius Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Geläut