mini|Typisches Strukturbild vom Lausitzer Granodiorit mini|Der Gänsediebbrunnen in Dresden, Brunnenteile, Stufenpodest, graues Kleinpflaster und Gehwegplatten aus Lausitzer Granit, Plastiken aus Bronze mini|Granitbrunnen in Bautzen

Lausitzer Granit (im geologischen Sprachgebrauch Lausitzer Granodiorit) ist die Gruppenbezeichnung für ein Nutzgestein, das in vielen Steinbrüchen der Ober-, insbesondere der Westlausitz gewonnen wurde. In den meisten Fällen handelt es sich im geologischen Sinne um einen Granodiorit von grauer Farbe mit einer an Sprenkelung erinnernden Struktur.

Lagerstätte und Petrographie Der Lausitzer Granodiorit ist das wichtigste Nutzgestein im Lausitzer Granitoid-Komplex (Lausitzer Antiklinalzone) und bildete sich bei magmatischen Vorgängen. Dieses Massiv entstand im Präkambrium während der Cadomischen Orogenese und zählt deshalb zu den ältesten Gesteinsvorkommen Sachsens. In der geologischen Fachsprache wird in Hinsicht auf sein Vorkommen vom Westlausitzer Granodiorit gesprochen.Werner Pälchen, Harald Walter, Geologie, S. 44–48.

Der Haupttypus des als Werkstein gewonnenen Materials ist ein im frischen Zustand hellgraues mittelkörniges Gestein. Die Glimmersorte Biotit tritt in Form schwarzer Einsprenglinge deutlich hervor. Als weiteres typisches Strukturmerkmal treten in zahlreichen Steinbrüchen dunkle Einlagerungen auf, Xenolithe genannt, die oft eine schlierige Binnenstruktur haben. Ihre Größe schwankt zwischen wenigen Quadratdezimetern bis zu Dimensionen über einen halben Quadratmeter.

Zu den mineralischen Hauptbestandteilen zählen Quarz, Feldspäte (Orthoklas, Plagioklas, Mikroklinperthit) und der Glimmer Biotit. Ferner findet sich Pyrit, das für die spätere Gelbfärbung des Gesteins mitverantwortlich ist, wenn es der Witterung ausgesetzt wurde. Weiterhin sind in geringen Anteilen Magnetit und Apatit vertreten. Durch eingelagerte Xenolithe sind dunkle mafische Minerale partiell enthalten.

Bei den meisten abgebauten Sorten handelt es sich um einen biotithaltigen Granodiorit. Dieser Glimmer trägt durch fortschreitende Alteration (Zersetzung durch Witterungseinflüsse) ebenfalls zu Gelbfärbung des Gesteins bei. In wenigen Fällen, vorzugsweise in einigen Westlausitzer Lagerstätten, ist eine weitere Glimmersorte, der Muskovit, enthalten und das Gestein wird dann als Zweiglimmer-Granodiorit (Anatexit) bezeichnet.Werner Pälchen, Harald Walter, Geologie, S. 46–47.

Die gewonnenen sächsischen Sorten sind in der Hauptsache mittelkörnig. Grobkörnige Sorten treten östlich von Kamenz und Schwarzkollm auf.

Der Granit um Šluknov ist etwas gröber im Korn und farblich dunkler. Einen Teil dieser Vorkommen rechnet man zum Rumburker Granit, der nach seinem modalen Mineralbestand zwischen Syeno- und Monzogranit steht.Werner Pälchen, Harald Walter, Geologie, S. 47.

Gewinnung und Verarbeitung Der Lausitzer Granit wurde durch Abkeilen in Rohblöcken gewonnen. Bei dieser Arbeit kam den Arbeiten die natürliche Lagerstättensituation hilfreich entgegen. Die horizontalen Absonderungsklüfte ließen im günstigen Fall eine relativ gleichmäßige Höhe der Blöcke und eine gute Abtrennung vom Muttergestein zu. Senkrechte Klüfte sind in größeren Abständen vorhanden und ermöglichten die Gewinnung relativ langer Rohstücke.

Für die Bewegung der Blöcke im Steinbruch war in der Lausitz hauptsächlich der Kabelkran im Einsatz. Mehrere Seile überspannten den Steinbruch und waren an beiden Enden mittels Pylonen gespannt und befestigt. Auf diesen Seilen befanden sich Laufkatzen, die einen Seilzug hatten, mit denen die Blöcke gehoben werden konnten. Der Derrickkran wurde in den Lausitzer Steinbrüchen nur marginal genutzt.

Die so gewonnenen Werkstücke wurden entweder schon im Steinbruch durch Keile gespalten oder in den meist nahen Werkstätten gespalten. Hier kam die gute natürliche Spaltbarkeit an vielen Abbaustellen der Herstellung einfacher Produkte sehr entgegen. Das waren besonders einfache Mauer- oder Randsteine.

In den Sägewerken befanden sich Einrichtungen zur Herstellung von Massivteilen und Rohplatten. Dabei wurden Gattersägen und später Diamantsägen verwendet. In Hinsicht auf zu erzielende Oberflächengestaltungen wird der Lausitzer Granit sägerauh, geschliffen in verschiedenen Stufen und poliert verwendet. Zur Erzeugung gezielter Rauhigkeit kann man ihn stocken, sandstrahlen, bossieren, spitzen oder flammen. Säulen, Kugeln, Becken und ähnliche Teile werden gedreht.

Gewinnung Das Vorkommen der abgebauten Sorten von Lausitzer Granit befinden sich vorwiegend auf sächsischen Gebiet und in geringeren Umfang auf tschechischer Seite zwischen Rumburk und Šluknov.

mini|Demitz-Thumitzer Steinbruchsgebiet Neben der allgemeinen Gruppenbezeichnung Lausitzer Granit waren und sind unter den Anwendern auch konkretere Herkunftsbezeichnungen, wie beispielsweise Demitzer Granit oder Kamenzer Granit und weitere Namen üblich. Welcher Werkstein schließlich unter dem Hauptgruppennamen Lausitzer Granit in den Handel kam, ist bei der langen Steinarbeitertradition von zeitgenössischen Einflüssen und Sichtweisen abhängig, da parallel auch genauere geographische Herkunftsbezeichnungen üblich waren. Trotzdem hat sich der allgemeine Begriff in der Fachsprache der Anwender, Architektur- und Regionalhistoriker sowie in der damit verbundenen Literatur eingebürgert. Die Schwierigkeiten einer genauen Unterscheidung nach optischen und petrographisch-mineralogischen Merkmalen zwischen vielen Abbaustellen rechtfertigen diesen Oberbegriff.

Die wichtigsten Abbaustellen befinden sich in folgenden Regionen.

Sachsen Region um Bautzen Region um Bischofswerda Region um Demitz-Thumitz und Tröbigau (rund um den Klosterberg) Region um Kamenz Region um Königsbrück Region um Löbau Region um Neusalza-Spremberg

Nordböhmen bei Mikulášovice / Nixdorf bei Šluknov / Schluckenau bei Velký Šenov / Groß Schönau

Geschichte des Abbaus mini|Schichtförmige Absonderung des Granodiorits an den Schmiedesteinen mini|Distanzsäule in Bautzen

Die frühesten Anwendung von Granodiorit in der Lausitz ist durch Funde von kleinen Mahlsteinen aus der späten Bronzezeit dokumentiert (Funde von Niederkaina). Für den Zeitraum zwischen dem 3. und 6. Jahrhundert sind durch einen Fund bei Radeberg ein Mühlstein überliefert, dessen Herkunft dem Rödertal zugeordnet wurde.

Bei der frühen Granitgewinnung konzentrierte man sich auf die frei liegenden Gerölle und plattigen Absonderungen aus den oberflächennahen Bereichen. Diese Gewinnungsmethode hielt bis in das 19. Jahrhundert an. Die Steinbrecher spalteten die Werkstücke unter Verwendung von Steinspaltwerkzeugen mittels linear angesetzter Eisenkeile unter Einsatz von Setzhammer und Vorschlaghammer in schwerer manueller Arbeit. Die Winkligkeit und Glättung der noch unebenen Oberflächen an den Rohblöcken war die Aufgabe weiterer spezialisierter Steinbruchsarbeiter.

Ab dem 13. Jahrhundert ist in der Lausitz Granodiorit für Grabsteine, Taufbecken, Steinkreuze, Architekturteile verwendet worden und als solche teilweise erhalten geblieben. Die frühen Steinbrüche werden in der Nähe der ältesten Städte vermutet und sind heute nicht mehr auffindbar. Seit dem 14. Jahrhundert wurde das Gestein bei wichtigen Bauten der Region von Steinmetzen verbaut. Die Beispiele in der Kamenzer Stadtkirche St. Marien und am Bautzner Dom St. Petri zeugen von einer hohen Fähigkeit der Steinmetze im Umgang mit diesem vergleichsweise festen Material.Beeger, S. 29.

Um 1730 ist der Steinabbau in der Umgebung von Demitz-Thumitz feststellbar. Man gewann hier Bausteine für Häuser und Kirchen in der Westlausitz. Im 18. Jahrhundert sind weitere Abbaustellen bei Bautzen, Kamenz und vom Keulenberg bekannt.

Im Zeitraum 1845–1846 intensivierte sich der Gesteinsabbau in der Region um Bischofswerda, weil durch die neue Eisenbahnlinie Dresden-Bautzen der Abtransport des gewonnenen Materials vorteilhafter zu organisieren war.

Ab dem 19. Jahrhundert und bis in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts hatte der Gesteinsabbau in der gesamten Region seinen wirtschaftlichen Höhepunkt. Dabei war die von C. G. Kunath gegründete und später durch andere Eigentümer fortgeführte Firma schrittmachend. 1901 setzte dieses Unternehmen als erstes in Deutschland eine mechanische Steinspaltmaschine mit einem Friktionsspalthammer ein, die der Direktor Ferdinand Weiller der dänischen Aktiengesellschaft Bornholm erfand und patentiert hatte.Paul Praxl: Eine Haupternährungsquelle in dieser Gegend. Die Geschichte des Granitgewerbes in Ostbayern. In: Winfried Helm (Hrsg.): Granit. Tute Druck, Salzweg 2007, ISBN 978-3-00-023087-5, S. 159. In dieser Periode wurde Lausitzer Granit in erheblichen Ausmaß als Werkstein in viele sächsische Städte der Regionen Dresden, Chemnitz und Leipzig und durch die Elbschifffahrt in andere Regionen geliefert. Als Lausitzer Granit hatte sich der Werkstein aus den unzähligen Steinbrüchen zu einem anerkannten Material entwickelt. Trotzdem behielt er seine regionale architekturprägende Wirkung. Im Erzgebirge haben dagegen lokal gewonnene Granite und andere Gesteine das Stadtbild beeinflusst, zum Beispiel aus dem Eibenstocker, Kirchberger und Bergener Granitmassiv. Einzelne von ihnen zeigen große Ähnlichkeit mit dem Lausitzer Granit. Er konnte ihre Dominanz trotz relativer Nähe und großer Leistungsfähigkeit der Lausitzer Granitindustrie nicht verdrängen.

Im Ort Häslich bei Kamenz betreibt ein Verein seit 1998 eine Schauanlage und Museum der Granitindustrie. Damit wird der Abbau und die Bearbeitung des Lausitzer Granits modellhaft erklärt.

Die Produktion von Werksteinerzeugnissen in den Brüchen der Basalt AG in Demitz-Thumitz wurde am 31. Januar 2003 eingestellt. Diese und andere Lagerstätten sind nicht erschöpft. Kleinere Betriebe fördern an verschiedenen Stellen weiterhin ihr Gestein.

Verwendungsformen Lausitzer Granit ist ein Werkstein, der eine sehr breite Anwendungsgeschichte besitzt und mit der Siedlungskultur in der Oberlausitz eng verbunden ist. Im Vordergrund stehen dabei architektonische Zwecke und der Straßenbau. mini|Denkmal für Friedrich August II. (zweistufiges Podest aus Lausitzer Granit)

Bodenbeläge Pflaster, Bordsteine, Rinnsteine und Gehwegplatten in Dresden und in vielen ostsächsischen Städten sind aus diesem Gestein gefertigt worden. Das Gestein wurde zu diesem Zweck auch weit über die Grenzen Sachsens geliefert. Bereits in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bezog Berlin eine große Menge seiner Trottoirplatten aus Steinbrüchen bei Bischofswerda. Eine natürliche Eigenschaft der oberen Bereiche mancher Vorkommen begünstigten diesen Einsatzzweck. Hier ist das Gestein in dünnen Platten abgesondert, die eine Stärke von etwa 5 bis 10 Zentimeter haben. An anderer Stelle tritt der Granodiorit in Wollsackformen auf und ergab keine solchen Platten. Später hat man die beim Anschnitt der aus dem Steinbruch gebrachten Rohblöcke anfallenden Krustenplatten (eine Seite rau und bauchig, eine glatte Schnittfläche) formatiert und in gleicher Weise für den Wegebau geliefert.Naumann, Cotta: Geognost. Charte, Section VI. 1839, S. 8.

Architekturteile und Treppenanlagen In der Oberlausitz bestehen viele ältere Tür- und Fenstergewände aus Lausitzer Granit. Allmählich verbreitete sich diese Anwendung über die Region hinaus. Die rasante Entwicklung des sächsischen Eisenbahnwesens förderte sprunghaft die Absatzmöglichkeiten der Steinbetriebe.

Für Treppenanlagen in Gebäuden und im Freien ist das Gestein sehr häufig verwendet worden. Seine günstigen Werte der Biegezugfestigkeit ermöglichten große Längen bei Treppenstufen. Typisch ist eine gestockte Oberfläche auf den begehbaren Flächen. Repräsentative Anwendungsbeispiele finden sich in und an vielen öffentlichen Gebäuden von Dresden.

Brunnen mini|Rathausbrunnen von Georg Wrba in Dresden