Pritzwalk ist eine Kleinstadt im Landkreis Prignitz im Nordwesten des Landes Brandenburg.

Geographie Durch die Stadt fließt die Dömnitz, ein Nebenfluss der Stepenitz.

Stadtgliederung Ortsteile

Wohnplätze

Geschichte mini|links|hochkant=2|Pritzwalk um 1650

Slawische Besiedlung der terrae Pritzwalk Funde aus der Jungsteinzeit (3000 bis 1800 v. Chr.) deuten auf vorgeschichtliche Besiedlung zweier vorgermanischer Stämme (mit Groß-Steingräbern bzw. Einzelgräbern) hin.Albert Guthke: Pritzwalk – Vorzeit und deutsche Frühe. In: 700 Jahre Stadt Pritzwalk. Rat der Stadt Pritzwalk, 1956, S. 5–9. Germanische Stämme siedelten bis zur germanischen Völkerwanderung (4. bis 6. Jahrhundert) und danach slawische Stämme, insbesondere der Kleinstamm der Brizanen. Vor allem die schweren Böden der Grund- und Endmoränenlandschaft, die das Gesicht der terrae Pritzwalk prägen, führten zu einer geringen Besiedlungsdichte in slawischer Zeit. Die Missionierung der Slawen in der späteren terrae Pritzwalk erfolgte seit 948 durch das Bistum Havelberg, das dem Erzbistum Magdeburg unterstellt war. Das Gebiet zählte zur eher theoretisch als tatsächlich existierenden Nordmark. Im Ergebnis der deutsch-slawischen Kämpfe und schließlich des Wendenkreuzzuges im Jahr 1147 folgten deutsche Siedler nach, die von Lokatoren angeworben wurden. Der Widerstand war in dem politisch zersplitterten westlichen Lutizengebiet durch den Kreuzzug vollständig gebrochen, anders als nördlichen mecklenburgischen Abodritenland. Das spätere Pritzwalk lag an den Siedlungsrändern der nordwestlichen Linonen bei Lenzen und der südlicher siedelnden Brizanen um Havelberg und den östlicher lebenden Dossanen bei Wittstock. Die in der Prignitz ansässigen Häuptlinge waren umgekommen oder vertrieben. Die sehr dünne hörige slawische Unterschicht wurde tribut- und dienstpflichtig.Johannes Schultze: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte: Ausgewählte Aufsätze (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 13). Neuauflage, Walter de Gruyter, 2013, S. 56 f. Das Gebiet zwischen Elbe, Elde, Havel und Dosse, die heutige Prignitz wurde in elf Bezirke aufgegliedert – die sogenannten terrae – und von verschiedenen Herrschaftsträgern (die Edlen Gans, die Herren von Plotho, der Markgraf von Brandenburg und der Bischof von Havelberg) in Besitz genommen. Als Führer eines großen Gefolges tat sich das Adelsgeschlecht des aus der Altmark stammenden Familiengeschlechts „zu Gans“ bei der Eroberung der Prignitz hervor. Sie nahmen mehrere Terræ ein und verteilten das Land auf ihre Lehnsmänner. In ihren Ländern genossen die Herren zu Gans alle nutzbaren landesherrlichen Rechte. Sie konnten innerhalb ihrer Herrschaft beliebig über das Grundeigentum verfügen, es verleihen und vereignen, Städte, Klöster und Kirchen darauf gründen und damit bewidmen. Ein Johann Gans wurde 1180 in einer Urkunde als Baro, also Baron bezeichnet, der Beginn der Herrschaftsbildungen der Gans in der Prignitz wird auf 1150 zurückdatiert.Johannes Schultze: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte: Ausgewählte Aufsätze (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 13). Neuauflage, Walter de Gruyter, 2013, S. 49.

Gründung eines Marktfleckens (oppidum) Der Siedlungsplatz gehörte als Teil der terrae Pritzwalk zunächst zum Herrschaftsbereich des Adelsgeschlechts der Gans Edlen Herren zu Putlitz, die zugleich auch als mögliche adelige Gründer der Siedlung mittels einer vermuteten Befestigungsanlage genannt werden. Entsprechende Burghügel, in Form eines Kegelstumpfes, die aufgeschütteten Erdwällen entsprachen, gab in der ersten Besiedlungsphasen auch an anderen Orten in der Prignitz. Nach einem alten Lageplan aus dem Jahre 1727 lag die Befestigung im Nordwesten der Stadt an der Dömnitz in geringer Entfernung zum Kietz.Johannes Schultze: Forschungen zur brandenburgischen und preußischen Geschichte: Ausgewählte Aufsätze (= Veröffentlichungen der Historischen Kommission zu Berlin, Band 13). Neuauflage. Walter de Gruyter, 2013, S. 66.Schriften zur Ur- und Frühgeschichte, Bände 11–13. Akademie-Verlag, 1962, S. 79. Die alternative und wahrscheinlichere Gründungsgeschichte bildet die namen- und schriftenlose Entstehung der Siedlung durch deutsche Fernhändler, vornehmlich aus der Altmark, dem Stammland der adeligen Gänse, die sich hier an einer Handelskreuzung niederließen und einen Stapel- und Marktplatz begründeten. Die erste Ansiedlung erfolgte vermutlich einiges vor 1200 im ausgehenden 12. Jahrhundert. Zunächst entstand die erste Kaufleutesiedlung an der Nordseite der Grünstraße, also die nördliche Parallelstraße zur Marktstraße. Der Länge des Straßenabschnitts nach zu urteilen könnte es sich hierbei um rund 20 Gehöfte gehandelt haben. Die Grünstraße war die eigentliche ost-westliche Fernhandelsrute, auch wenn später das Perleberger Tor im westlichen Stadteingang südlich zur Marktstraße hin versetzt wurde und die Grünstraße damit in ihrer zentralen innerstädtischen Verkehrsfunktion beschränkt wurde. Die deutsche Siedlung entwickelte sich an einem Bestehenden, älteren slawischen Siedlungsplatz am Flüsschen Dömnitz. Mit Trinkwasser und hoher Fließgeschwindigkeit bot die Dömnitz einen günstigen Standort für eine Siedlungsgründung. Augenscheinlich wurde hier bewusst die Nähe zu der slawischen Siedlung gesucht. Es kann nach dem Auftreten von slawischen Siedlungsfunden nicht geschlossen werden, dass die slawische Siedlungsstelle zum Zeitpunkt der Siedlungsgründung noch existierte.geschichtsverein-prignitz.de (PDF; 2,3 MB) S. 30. Wahrscheinlich gaben dabei neben der Wasserversorgung auch die Nutzung des schon vorhandenen Offenlandes, sowie die verkehrsgünstige Lage den Ausschlag. Der Ortsname Pritzwalk ist zweifelsfrei slawischen Ursprungs, wenn auch seine Bedeutung umstritten ist.

Für die Gründung durch Adelige spricht die verbreitete These einer frühen Burggründung, ähnlich wie die Gänseburg im benachbarten Perleberg. Allerdings konnten bisher keine archäologischen Nachweise weder einer slawischen noch einer deutschen Burggründung gefunden werden, so dass die Möglichkeit einer allmählichen Ansiedlung neuer Siedler an der Wegkreuzung zweier Handelsrouten zurzeit eher in Betracht gezogen wird. Die in der geografischen Mitte der Terrae Pritzwalk gelegene Neusiedlung erfüllte damit die Funktion eines zentralen Marktortes für die umgebenden Siedlungen und Dorfneugründungen. Die Ursprünge der deutschen Stadt werden um das Jahr 1200 datiert. Ein Bauholz vom Grundstück Am Markt 1, dessen Holz um 1206 geschlagen wurde, liefert den frühesten Nachweis für den Ausbau der Stadt. Kurze Zeit später erfolgte die Befestigung einiger Straßen mit Bohlen- und Knüppeldämmen, so um 1225 in der Marktstraße. Im Zentrum des Ortes befanden sich hölzerne Stabbohlenbauten und traufständig, nebst Fachwerkgebäuden mit Lehmfußboden und Strohdach. Der Markt ist in seiner Breite typologisch als klassischer Straßenmarkt ausgebildet. Der ursprüngliche Siedlungsgrundriss des frühen Marktfleckens mag ein Zweistraßensystem gewesen sein, das sehr bald im 13. oder frühen 14. Jahrhundert im Norden und im Süden erweitert wurde. Die Anlage eines Wasserleitungsnetzes in den Straßen und wohl auch in der Marktstraße erfolgte ab 1239.geschichtsverein-prignitz.de (PDF; 2,3 MB) S. 37 f.

Für die Zeit um 1200 herrschte noch ein relatives Gleichgewicht zwischen den adeligen Herrschaften in der Prignitz, darunter auch die askanischen Markgrafen. Die kleinen unabhängigen Adelsherrschaften in der Prignitz bestanden nicht lange. Die Familie Gans zu Putlitz verlor ihre ursprüngliche Territorialhoheit über ausgedehnte Gebiete der Prignitz zu Beginn des 13. Jahrhunderts zugunsten der Markgrafen von Brandenburg. Diese strebten in der Prignitz und auch im Nordosten der Mark nach Ausdehnung ihrer landesherrlichen Gewalt. Die markgräflichen Positionen in der Prignitz waren in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts nicht die stärksten. Lediglich in Stadt und Terrae Havelberg hatten sie Fuß gefasst. Infolge dieser Entwicklung sowie der Ergebnisse der brandenburgisch-dänischen Kämpfe von 1214 um die Vorherrschaft im Ostseeraum geriet Johann Gans (damals Senior des Geschlechts) zwischen die Fronten der großen Mächte und suchte das Weiterbestehen seiner Herrschaft durch ein Bündnis mit Dänemark zu sichern. Er verlor im Ergebnis dieses Krieges die Terrae Pritzwalk und weitere Territorien an Markgraf Albrecht II. von Brandenburg.Uwe Czubatynski (Hrsg.): Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz, Band 4. Perleberg 2004, S. 146 f. Pritzwalk war damit seit etwa 1214 Teil der Mark Brandenburg und somit Teil des Heiligen Römischen Reiches. Der Pritzwalker Raum wurde fortan zentrale Herrschaftsbasis der Markgrafen. Im Unterschied zu anderen Räumen der Prignitz waren große Teile dieses Gebietes frei von slawischer Besiedlung und trug fruchtbare Böden. Die Rodung der größtenteils bewaldeten Fläche und die planvolle Aufsiedlung der terrae Pritzwalk erfolgte vermehrt unter den Markgrafen von Brandenburg. Im Unterschied zu ihren Konkurrenten gelang es den Markgrafen, die unbesiedelten Grundmoränenflächen aufzusiedeln. Nördlich von Pritzwalk auf dem Gebiet der Terrae Pritzwalk entstanden viele neue Dörfer in Folge der Rodungen, von denen viele die Namensendung -hagen (für Rodungsdorf) im Ortsnamen tragen. Geistlicher und integrativer Mittelpunkt der terrae Pritzwalk als auch der Stadt Pritzwalk wurde das 1280 gegründete Kloster Heiligengrabe, womit der Landesausbau nach den modernsten Formen des 13. Jahrhunderts durch die Markgrafen ihren Abschluss fand.Uwe Czubatynski (Hrsg.): Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz, Band 8. Perleberg 2008, S. 26.

Das Patronatsrecht über die 1230 begonnene noch hölzerne Pritzwalker Vorgängerkirche, also das Recht, die Pfarrer zu präsentieren und zu konfirmieren, ging ab 1436 von der Domina und dem Kapitel des Klosters zu Heiligengrabe aus. Das Kloster erhielt das Patronat vom Landesherren als Stadtherr. Im Spätmittelalter kam es vielerorts in Brandenburg zu gleichlautenden Rechtsabtretungen.Rolf Rehberg, Wolfgang Simon: Illustrierte Geschichte Pritzwalks. Stadtverwaltung Pritzwalk, 2006, S. 46.

Umgründung zur Rechtsstadt Zunächst hatte der neue Ort den Status einer Siedlung mit der möglichen Anwartschaft zur Aufwertung als Stadt, in der ihre Bürgerschaft ihre Angelegenheiten durch die aus ihren Reihen hervorgegangenen Organe, vorrangig den Rat, selbst regelte. Die Rechtsstadt galt als die damals modernste und hochentwickeltste Siedlungsform, die in großer Zahl zu der Zeit in dem neu besiedelten Gebiet östlich der Elbe gegründet wurden.Uwe Czubatynski (Hrsg.): Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Prignitz, Band 8. Perleberg 2008, S. 8.