Der Nissan Leaf ( für „Blatt“; LEAF auch als Backronym Leading Environmentally-friendly Affordable Family car interpretiert) ist ein Elektroauto des japanischen Automobilherstellers Nissan, das im August 2009 in Yokohama der Öffentlichkeit vorgestellt wurde und seit Dezember 2010 verkauft wird. Der Leaf ist das erste Großserien-Elektroauto, das von Anfang an für diesen Antrieb konzipiert wurde.US-Markt: Nissan Leaf komplett ausverkauft. In: Green-Motors.de, 7. Dezember 2010. Er war zeitweise in 51 Ländern erhältlich und wurde bis September 2021 519.000 mal gebauthttps://ev-sales.blogspot.com/2020/10/milestone-of-month-100k-models.htmlhttps://global.nissannews.com/en/releases/nissan-all-electric-minivehicle-in-early-fy2022-in-japanhttps://insideevs.com/news/538005/us-nissan-leaf-sales-2021q3/https://insideevs.com/news/531359/nissan-sales-250000-evs-europe/, im Juli 2023 wurde die Marke von 650.000 überschrittenhttps://global.nissannews.com/en/releases/nissan-global-ev-sales-surpass-1-million-unit-milestone. Der Leaf war bis Ende 2019 das weltweit meistverkaufte Elektrofahrzeug und wurde vom Tesla Model 3 abgelöst.https://insideevs.com/news/393890/nissan-leaf-sales-450000/ Das Fahrzeug wird in Japan und den USA produziert und wurde zwischen 2015 und 2018 als Venucia e30 in China hergestellt und vermarktet. Für den europäischen Markt endete die Produktion in Großbritannien im März 2024.
Hauptabsatzmärkte waren Stand September 2021 Europa mit über 208.000, die Vereinigten Staaten mit über 161.000, Japan mit 150.000 Stück.
Erste Generation (ZE0, 2010–2017)
Sterne im Euro-NCAP-Crashtest 105px mini|Heckansicht
Vorgeschichte Das Elektroauto hat in der Geschichte Nissans eine lange Tradition. Ihren Ursprung hat diese Tradition in einer Vorläuferfirma des von Nissan aufgekauften Herstellers Prince, die 1947 aufgrund der nach dem Zweiten Weltkrieg herrschenden Benzinknappheit einen elektrisch betriebenen Kleinwagen namens Tama entwickelte und 1948 zwei weitere elektrische Pkw-Modelle nachlegte. Nachdem sich die Kraftstoffversorgung zu Beginn der 1950er-Jahre wieder stabilisierte, wurde die Produktion dieser Fahrzeuge eingestellt.Mehr als 60 Jahre E-Autos von Nissan. motor-klassik.de vom 14. September 2009, abgerufen am 10. Dezember 2010The history of Nissan EV development. In: Modern Racer, 5. August 2009, abgerufen am 10. Dezember 2010.
Ab 1970 stellte Nissan einige elektrisch betriebene Konzeptfahrzeuge vor, bis es zu Beginn der 1990er-Jahre zur Kooperation mit Sony kam. Diese hatte zum Ziel, das Elektroauto (klein-)serienreif zu machen und führte drei Jahre später zum Prairie EV, einem Van, der auf dem Prairie-Serienmodell basierte und auf Elektroantrieb umgerüstet wurde. An Bord befand sich eine Weltpremiere: Neuartige Lithium-Ionen-Akkus dienten als Energiequelle; bis zu diesem Zeitpunkt wurden für den Einsatz in elektrisch betriebenen Fahrzeugen hauptsächlich Nickel-Metallhydrid-Akkumulatoren verwendet. Rund 30 Exemplare entstanden vom Prairie EV. 1997 wurden vom Mittelklasse-Kombi R’nessa EV 200 Elektro-Exemplare hergestellt, der ebenfalls ein umgebautes Serienmodell war. Der nächste Schritt folgte 1999 mit der Kleinserienproduktion des zweisitzigen Hypermini, der von vorneherein als reines Elektroauto konstruiert wurde.
In der darauffolgenden Zeit wurde die Forschung an der Akku-Technik vorangetrieben und in Zusammenarbeit mit NEC gelang es, die Li-Ion-Akkus in einer neuen Bauform herzustellen. Ein kompakter laminierter Typ wurde entwickelt, der die doppelte Menge an Energie bei gleicher Größe speichern konnte und die bis dato verwendete zylindrische Form ersetzte. Die sehr schnelle Weiterentwicklung der Akkus ist den Elektrogeräten und insbesondere dem Handy-Boom zu verdanken, da immer kleinere Geräte mit längerer Laufzeit verlangt wurden. Die daraus gewonnenen Erfahrungen wurden aber auch auf den Automobilbau angewandt und flossen in Konzeptfahrzeuge wie den Pivo (2005) und Pivo 2 (2007), den Mixim (2007) und den Nuvu (2008) ein, die als Technologieträger für die durch den Elektroantrieb neu eröffneten Konstruktionsmöglichkeiten dienten. Im Jahr 2009 folgte schließlich die Vorstellung des Serienmodells Leaf.
Ökobilanz Laut der Automotive Science Group ist der Nissan Leaf das Auto mit der besten ökologischen, sozialen und ökonomischen Gesamtbilanz aller 1400 in Nordamerika erhältlichen Fahrzeuge. Der Leaf ist zudem das Auto mit der besten CO2-Bilanz auf Basis einer Lebenszyklusanalyse.Automotive Science Group: vom 4. Februar 2014. Abgerufen am 27. Januar 2015.
Allgemeines mini|Der Lithium-Ionen-Akkupack unter dem Fahrzeugboden Der Nissan Leaf ist als Fahrzeug der Kompaktklasse konzipiert und bietet neben fünf Sitzplätzen ein Kofferraumvolumen von 355 bis 370 Litern (bis 2013 330 Liter). Die Ladekante ist 72 cm hoch.ADAC Autotest Nissan Leaf In: ADAC.de, Februar 2012, abgerufen am 15. Mai 2019. Das große Raumangebot wurde durch die Unterbringung der Akkus im Fahrzeugboden realisiert. Außerdem konnte durch diese Vorgehensweise der Schwerpunkt des Fahrzeugs tief gehalten werden.
Als besonderen Service bot Nissan im ersten Jahr an, das Fahrzeug abzuschleppen, auch wenn es wegen selbstverschuldet leerer Batterien liegenbleibt.
Technik Antriebe
Als Antrieb dient ein Wechselstrom-Synchronmotor, dessen maximales Drehmoment von 254 Nm, anders als bei Verbrennungsmotoren, bereits im Stand zur Verfügung steht. Der Motor leistet maximal 80 kW (109 PS).
Rekuperation
Der Leaf besitzt ein regeneratives Bremssystem. Der Elektromotor wird dabei als Generator genutzt, der das Fahrzeug mittels des bei der Stromproduktion entstehenden Widerstandes verlangsamt. So wird die kinetische Energie, die an herkömmlichen hydraulisch-mechanischen Bremssystemen in Reibungswärme verwandelt würde, hier – teilweise – in elektrische Energie umgewandelt und der Antriebsbatterie zugeführt. Die Rekuperation findet dabei sowohl bei Loslassen des Gaspedals statt, als auch bei moderatem Betätigen des Bremspedals. Bei stärkerem Bremsen wird die Verzögerung von einer herkömmlichen hydraulischen Bremse übernommen. Somit hängt der Verbrauch bei geeigneter Fahrweise in erster Linie von Luft- und Rollwiderstand ab.
Antriebsbatterie
Die Antriebsbatterie ist ein Lithium-Ionen-Akkumulator mit Lithium-Mangan-Akkumulator (LMO-Zellchemie, kobaltfrei), der aus 48 Modulen besteht und eine Nennspannung von 360 V hat. Sie wurde von Automotive Energy Supply (AESC), einem Joint Venture von Nissan und NEC entwickelt. Die Batterie des ursprünglichen Modells speichert bis zu 24 kWh Energie (Nennkapazität), von denen im Fahrbetrieb zugunsten der Haltbarkeit ein kleiner Teil nicht genutzt werden kann. Seit Herbst 2015 wurde im ZE0 zusätzlich eine Version mit 30 kWh Nennkapazität und entsprechend vergrößerter Reichweite angeboten.
Nissan gibt für die Antriebsbatterie mit 30 kWh Kapazität 8 Jahre oder bis 160.000 km und für die Batterie mit 24 kWh Kapazität 5 Jahre oder bis 100.000 km eine Herstellergarantie darauf, dass die Kapazität nicht unter 9 von 12 Balken nach der Kapazitätsanzeige absinkt. Beide Leaf-Versionen haben eine allgemeine Herstellergarantie für 3 Jahre oder bis 100.000 km und 5 Jahre bzw. 100.000 km auf elektrofahrzeugspezifische Bauteile.Preisliste (PDF) von Nissan Leaf, abgerufen am 31. Mai 2019
Der Nissan Leaf wurde ausführlich auch unter winterlichen Temperaturen erprobt. Eine Batterieheizung steht dabei für besonders kalte Länder zur Verfügung, um die Antriebsbatterie im minimal erlaubten Temperaturbereich zu halten. In: Autostromer.de, 31. Januar 2012, abgerufen am 12. April 2012. Eine aktive Kühlung der Batterie findet nicht statt, was sich nachteilig auf die Alterung des Akkus bei großer Hitze auswirkt.
Ladetechnik mini|Ladesteckverbindungen beim Leaf mini|Ladekabel Typ 2, beim Nissan Leaf maximal 6,6 kW Ladeleistung mini|Ladekabel für 230-V-Schuko mit ICCB-Steuerteil, maximal 2,3 kW Ladeleistung mini|CHAdeMO-Ladestecker für Gleichstrom-Schnellladung mit typisch 50 kW Ladeleistung
An der Front unter dem Firmenlogo sitzen zwei Ladeanschlüsse: fünfpoliger Ladeanschluss Typ 1 für einphasige Ladung mit Wechselstrom. Dabei kann in Europa ein Adapter-Ladekabel mit Typ-2-Stecker für Ladung an Typ2-Ladepunkten mit 230 V Wechselstrom einphasig mit 14 A (3,3 kW) bzw. beim 2014er Leaf optional mit 28 A (6,6 kW) oder ein ICCB-Ladekabel 230 Volt Wechselstrom mit maximal 10 A (2,3 kW) mit (an der Haushalt-Steckdose) genutzt werden.Nissan Leaf Deutschland: Preisliste, gültig ab 1. Dezember 2011, Abschnitt: Wesentliche Serienausstattung CHAdeMO-Gleichstrom-Anschluss für Schnellladung mit typisch 50 kWCHadeMo-Prospekt: (PDF; 213 kB), aufgerufen am 19. Mai 2012, mit dem ein Ladezustand von 80 % in 20–30 Minuten erreicht wird.
Mit dem autoseitigen „Ladeanschluss Typ1“ kann der Nissan Leaf einphasig an 230 V, 16 A („Lichtstrom“) aufgeladen werden. Dabei wird für das Ladekabel mit Typ-2-Anschluss und IEC-Lademode 3 an einer Ladestation oder Wandladestation eine Ladezeit von acht Stunden angegeben. Durch die Regelbarkeit der Ladeleistung des Bordladers über das Steuersignal ist eine nachgeführte Aufladung aus schwankenden Energiequellen (beispielsweise Überschussladung aus Photovoltaik) möglich. Die Ladedauer richtet sich dann nach dem Energieangebot der Quelle.Sun-Watch.net: Elektroauto mit Überschuss laden. aufgerufen am 10. Oktober 2013
Auch eine Aufladung an üblichen Haushaltssteckdosen nach IEC-Lademode 1 ist möglich. Da allerdings das in Deutschland übliche Schuko-Stecksystem nicht verpolsicher ist, wird hier mit einem ICCB-Steuerteil im speziellen Ladekabel der ordnungsgemäße Anschluss sichergestellt und die Ladeleistung begrenzt. Für den deutschen Markt wird die Ladeleistung auf 2,3 kW (10 A), für den Schweizer Markt auf 1,8 kW (8 A) begrenzt. Damit verlängert sich allerdings die notwendige Ladedauer auf rund 10 (Deutschland) bzw. 13 (Schweiz) Stunden.Nissan Deutschland, Firmenwebseite: Den Leaf aufladen. aufgerufen am 7. Oktober 2013Nissan Schweiz, Firmenwebseite: Reichweite & Aufladen. Abgerufen am 6. September 2017
Die (Gleichstrom-)Schnellladung von leer auf 80 % der Kapazität an DC-Ladestationen des CHAdeMO-Standards dauert nur 30 Minuten. abgerufen am 18. Dezember 2010 Um große Entfernungen mit dem Leaf zurücklegen zu können, will Nissan in Kooperation mit Energieunternehmen eine ausreichende Infrastruktur von Ladesäulen in jedem Land schaffen. In Deutschland engagiert sich RWE, die mit Renault und Nissan eine Partnerschaft zum Ausbau des öffentlichen Netzes von Ladestationen gründetenRWE und Nissan kooperieren bei E-Mobilität. Abgerufen am 18. Dezember 2010 und vor allem Ladesäulen und Wand-Ladestationen mit 11 kW/22 kW Ladeleistung und Typ-2-Anschluss aufstellen bzw. installieren. Schnellladestationen nach CHAdeMO-Standard werden derzeit bei Nissan-Händlern installiert.LEMnet: internationales, interaktives Stromtankstellenverzeichnis. eingefügt am 12. April 2012
Seit 2012 bietet Nissan in Japan eine „EV Power Station“ an, mit der das Auto nicht nur schneller geladen werden kann, sondern auch Energie aus der Antriebsbatterie ins Hausnetz zurückspeisen kann.GoingElectric, 30. Mai 2012: Leaf to Home – mit dem Elektroauto das Haus versorgen. aufgerufen am 8. Oktober 2013 Diese Form der Speichernutzung lässt sich im Konzept Vehicle to Grid einordnen.
Reichweite und Verbrauch