Delaugère & Clayette war ein französischer Hersteller von Kutschen, Dampfkesseln, Automobilen, Nutzfahrzeugen, Voituretten, motorisierten Drei- und Vierrädern sowie Werkskarosserien für den Automobilhersteller Panhard & Levassor. Die Fahrzeugherstellung endete 1926, das Unternehmen schloss 1933.
Unternehmensgeschichte Kutschenbau (1840–1890) Jean-Pierre Delaugère (1810–1868), ein Stellmacher aus Nogent sur Vernisson (Département Loiret), machte sich in den 1840er Jahren selbständig. 1864 nahm er seinen Sohn Henri (1839–1908) in seinen Betrieb auf, der darauf als Delaugère, Père et Fils eingetragen wurde mit dem Zweck, Kutschenbau und -handel zu betreiben. Der Geschäftssitz war an der Rue d'Illiers im Zentrum von Orléans. Nach dem Tod des Gründers kam es 1872 zu einer Partnerschaft mit Henris jüngerem Bruder Emile (1849–1917) und zur Etablierung als Société Delaugère Frères. In dieser Form bestand das Unternehmen bis 1890, als mit dem Neffen Félix (1864–1934) ein weiteres Familienmitglied in das Unternehmen kam. Dieses wurde in die Kollektivgesellschaft Delaugère et Cie umgewandelt.
Bis dahin hatte sich das Unternehmen in der Region einen guten Ruf als Kutschenbauer erworben. Spezialgebiet waren leichte Fiaker, Break, Dos-à-dos und Wagonnettes.Club Delaugère & Clayette; Firmengeschichte ("Hier")motorsnaps.com: Delaugère & Clayette Firmengeschichte
Dampfmaschinen und Automobile (1890–1902) Nun begann sich das Unternehmen auch für Dampfmaschinen und Dampfkessel zu interessieren, wofür eine Werkstätte an der nahen Rue des Bons Etats eingerichtet wurde. Zudem begannen Emile und Félix mit einer „Benzinkutsche“ zu experimentieren. Das Ergebnis, ein Tricycle mit einem Einzylindermotor eigener ProduktionNach anderen Quellen war der Motor von De Dion-Bouton zugekauft, zeigten sie an der ersten Automobilausstellung in Paris, welche 1898 durchgeführt wurde. An einem internationalen Salon im Jahr 1900 gewann ein Delaugère-Quadricycle mit De Dion-Bouton-Motor eine Silbermedaille. Die reguläre Produktion wurde 1901 mit einem Zweizylindermotor eigener Konstruktion aufgenommen. Die Ausführung mit automatischem Einlassventil ähnelte jener von Panhard & Levassor, welche ihrerseits auf Lizenzen von Daimler zurückgingen. Auch wenn bald auf manuelle Einlassventile umgestellt wurde, sollte das Unternehmen bis 1922 seine Motoren selber bauen. Bereits im folgenden Jahr kam der Vierzylinder 20 CV"CV" bezieht sich auf französische Steuer-PS; deren Berechnung änderte sich während der Produktionszeit. Bei Leistungsangaben mit / (z. B. 25/35 CV) bezieht sich der erste Wert auf die Steuer-PS, der zweite auf die Leistung. dazu.
Straßenfahrzeuge als Industrieprodukt (1903–1914) mini|Delaugère & Clayette 24 CV Type 4A, Fahrgestell Nr. 205 (1904) mini|Delaugère & Clayette 24 CV Type 4A Auf Empfehlung eines Freundes der Familie, Dr. Léon Petit, wandte sich das Unternehmen der Entwicklung größerer Fahrzeuge zu, weil das bessere Absatzchancen versprach. Fachliche Unterstützung holte sich das Unternehmen 1903 mit Maurice Clayette aus Meung-sur-Loire, einem Ingenieur mit abgeschlossenem Studium am Conservatoire national des arts et métiers (CNAM). Auf einem Areal von 22.000 m² an der Faubourg Madeleine N° 16 in Orléans begann dieser bald mit dem Bau einer modernen Fabrik mit 10.000 m² Fläche. Bereits im folgenden Jahr wurde Clayette Teilhaber des Unternehmens, das darauf zu E. et F. Delaugère et M. Clayette wurde, dotiert mit einem Firmenkapital von FF 450.000. Bis etwa 1904 wurden die Fahrzeuge als Delaugère vermarktet, danach als Delaugère & Clayette.
1906 stieg Maurice' Bruder Henry Clayette, ein Generalist mit einem Abschluss als Ingénieur des Arts et Manufacture in das Unternehmen ein, das darauf seine letzte Umwandlung zur Kommanditgesellschaft SA des Établissements Delaugère, Clayette, Frères et Cie. erfuhr. Dies ging einher mit einer Aufstockung des Kapitals auf 1,5 Millionen FF. Bei Delaugère & Clayette als ehemaligem Kutschenbauer wurde stets Wert auf gepflegte Karosserien in möglichst breiter Auswahl gelegt, die untypischerweise selber hergestellt wurden.
Internationale Ausstrahlung mini|Camion Delaugère & Clayette an einer vom Militär für Nutzfahrzeuge ausgeschriebenen Zuverlässigkeitsfahrt von Paris nach Marseille und zurück, die vom 19. November bis 5. Dezember 1906 stattfand.
Das Unternehmen war zwar regional ausgerichtet, bemühte sich aber auch um den Export. Einige Fahrzeuge gelangten neu nach Rumänien, Mexiko und in die USA. Das Unternehmen stellte 1907 am Automobilsalon von Madrid aus; das dortige Hotel Ritz benützte einen Delaugère & Clayette Omnibus. Delaugère & Clayette verkaufte LKW an spanische Bergwerkunternehmen. Zu weiterer internationaler Beachtung trug der Gewinn einer Goldmedaille an der Automobilausstellung von London 1908 bei. Eine Vertretung fand sich in Australien, und für jene in Argentinien wurde der Katalog angepasst.
1912Gemäß den meisten Quellen; der Club Delaugère & Clayette nennt 1913 erschien ein Personenwagen mit Schiebermotor Lizenz Mustad-Fischer.
LKW für die Armee Ein neues Geschäftsfeld eröffnete sich mit dem Bau von Nutzfahrzeugen, deren Entwicklung 1913 abgeschlossen wurde. Das Unternehmen richtete die Konstruktion von vornherein auf die Bedürfnisse der Armee aus und schaffte nach eingehender Prüfung den Ankauf des Typen LO2 durch das französische Kriegsministerium. Der LO2 war ein 3,5 t mit einem Vierzylindermotor mit einem Hubraum von 4398 cm³ (100 mm Bohrung und 140 mm Hub). Die Fahrzeuglänge betrug 4520 mm. Die Spurweite vorn betrug 1600 mm und hinten 1630 mm.
Kriegsjahre (1914–1918) Folgerichtig produzierte Delaugère & Clayette im Ersten Weltkrieg Lastkraftwagen für die französische Armee sowie Munition. Letztere ist mit dem eingestanzten Code „GQ“ gekennzeichnet.
Anpassung an neue Marktbedingungen (1919–1922) Der Automobilmarkt veränderte sich nach dem Krieg markant. In Frankreich führten mehrere Hersteller (etwa Citroën, Renault, Peugeot, Mathis) die Fließbandproduktion ein. Das führte zu einem Preisverfall bei Neuwagen, worunter insbesondere kleine, überwiegend regional bekannte Hersteller litten. Delaugère & Clayette reagierte einerseits mit einer Reduktion der Werkskarosserien; eine schmerzhafte Maßnahme, denn eine breite Auswahl an hochwertigen Aufbauten war eine der Stärken des Unternehmens. Weiter gehörte eine gestraffte Modellpalette zur Strategie.
Delaugère & Clayette verkaufte weiterhin auch Nutzfahrzeuge. Diese waren entweder von Personenwagen („Normande“-Kleinlaster) oder vom Militär-LKW abgeleitet. So verwendete die Stadt Toulouse LO2-LKW für kommunale Aufgaben und es gab einen Hotel-Bus im Angebot.
Für 1923 wurde auch die unwirtschaftlich gewordene Herstellung eigener Motoren aufgegeben, nachdem ein letztes Modell mit einem Sechszylinder von 4396 cm³ (21 CV) vorgestellt worden war; dieser blieb bis 1925 erhältlich. Die drei neuen Vierzylindermotoren kamen von Ballot.
Verkauf und Produktionsende (1923–1926) mini|Delaugere et Clayette Type V Conduite Intérieure (1923) Delaugère & Clayette baute nun hauptsächlich seinen neuen Type V mit Ballot-Motor, daneben sehr wenige 21 CV Type 6Z und Nutzfahrzeuge, darunter ein vom Type V abgeleiteter Kleintransporter, ein Hotel-Bus und LKW bis 3,5 Tonnen.
Um die Jahreswende 1924–1925 verließen die Brüder Clayette das Unternehmen, das Félix Delaugère 1926 an Panhard & Levassor verkaufte. Letzte Automobile des in der Herstellung viel zu teuren Type V entstanden in diesem Jahr, danach wurden Maschinen und Werkzeuge für die Automobilfabrikation demontiert und zu Panhard & Levassor geschafft.
Atéliers Delaugère mini|Panhard & Levassor CS RL (Type X72) mit Werkskarosserie der Atéliers Delaugère (1932–1936) mini|Auch die Karosserie des Panhard & Levassor Dynamic entstand bei Delaugère & Clayette (1936–1939: Abb.: 1937). Die Einstellung des Automobilbaus war für Panhard & Levassor folgerichtig, bedienten beide Hersteller doch den gleichen Nischenmarkt. Damit endete aber Delaugère & Clayette's Tätigkeit in der Automobilbranche keineswegs, Panhard & Levassor ließ vielmehr in Orléans verschiedene eigene Werkskarosserien fertigen, darunter die eleganten Panoramique. Pierre DelaugèreVerwandtschaftsgrad mit der Familie unklar unterhielt im Werk zusammen mit acht Mitarbeitern die Ersatzteilversorgung der ehemaligen Kunden noch bis 1931. Das Unternehmen wurde 1933 aufgelöst; Félix Delaugère verstarb 1934. Der Karosseriebau für Panhard wurde aber als Abteilung von Panhard & Levassor und später Panhard weitergeführt; Werkskarosserien tragen eine Plakette, die einen stilisierten Panhard zeigt und dazu die Schrift Carosserie Panhard - Atéliers Delaugère Orléans.Club Delaugère & Clayette; "Avis aux Panhardistes" Somit entstanden hier auch die Karosserien des futuristischen Dynamic und nach dem Krieg des Panhard Dyna X und seiner Nachfolger. 1948 baute Panhard-Chefdesigner Louis Bionier hier den Prototyp Dynavia, der heute in der Cité de l’Automobile im elsässischen Mülhausen ausgestellt ist. Sogar als Panhard 1967 von Citroën übernommen wurde, ging die Produktion in den alten Anlagen in Orléans einige Jahre lang weiter.
Modellgeschichte mini|Delaugère 2¾ CV Voiturette (2 Zylinder, 474 cm³) von 1902 mini|Delaugère & Clayette 24 CV Type 4A (4 Zylinder, 6300 cm³) mit einer nicht originalen Karosserie im Renn-Trim (1904). Delaugère & Clayette war nicht im Rennsport aktiv. mini|Delaugère & Clayette Type 4G Doppelphaeton von 1907 mini|Delaugère & Clayette 10 CV Type 4M Torpédo mit „Victoria“-Verdeck von 1911 mit Monobloc-Motor Die reguläre Produktion wurde 1901 mit einem Zweizylindermotor eigener Konstruktion aufgenommen. Die Ausführung mit automatischem Einlassventil ähnelte jener von Panhard & Levassor (welche ihrerseits auf Lizenzen von Daimler zurückgingen). Auch wenn bald auf manuelle Einlassventile umgestellt wurde, sollte das Unternehmen bis 1922 seine Motoren selber bauen. Bereits im folgenden Jahr kam der Vierzylinder 20 CV.
1901–1903 Zuerst stellte Delaugère nur ein einziges Modell vor, ein verbessertes Tricycle mit dem eigenen Zweizylindermotor mit automatischem Einlassventil. Bis 1903 folgten eine vierrädrige Variante, eine Voiturette und ein Automobil. Auch Kutschen waren noch erhältlich.Moteur Romain: Delaugère & Cie.; Plakat (1902–1903) Bei letzterem handelte es sich entweder um einen weiteren Zweizylinder oder den Vierzylinder 20 CV, der offiziell allerdings erst 1904 vorgestellt wurde.
Dieser 20 CV war eine Konstruktion mit Vierganggetriebe und Doppelkettenantrieb auf die Hinterräder. Der Motor war der erste Vierzylinder der Marke und erhielt ein automatisches Einlassventil. Bis 1903 gab es Dreiräder, Quadricycles sowie eine Voiturette mit Einzylindermotor und 500 cm³ Hubraum. Ab 1903 wurden auch größere Modelle mit Zweizylinder- und Vierzylindermotoren hergestellt.
Frühe Delaugère hatten Fahrgestelle aus eisenarmiertem Hartholz, ähnlich den zeitgenössischen Panhard & Levassor.Bonhams: Delaugère & Clayette 24 CV Typ 4A im Renn-Trim
1904 Mit dem Type 4A führte Delaugère & Clayette das Ganzmetall-Fahrgestell ein. Der Motor war ein seitengesteuerter Vierzylinder mit übereinanderliegenden Ein- und Auslassventilen („F-head“) von 6,3 Litern Hubraum und 24 CV.
1905–1906 Das Angebot reichte von der 8/10 CV Voiturette mit zwei Zylindern bis zu einem riesigen 80/100 CV Vierzylinder mit 15 Litern Hubraum. Daneben wurden auch Taxis und Nutzfahrzeuge hergestellt. Der Typ 4CCA 16 CV hatte erstmals eine Kraftübertragung mittels Kardanwelle.
1907–1908 Delaugère & Clayette bot 1907 nur noch drei Baureihen an: Die 10 CV Voiturette und die großen Vierzylinder 18/22 CV mit 4,4 Liter Hubraum und 25/35 CV mit 8 Litern und 80 bhp.