Ein HIV-Test, umgangssprachlich auch AIDS-Test, ist ein Verfahren, mit dem festgestellt werden kann, ob eine Person oder eine Blutspende mit dem Humanen Immundefizienzvirus (HIV) infiziert ist. Mit Hilfe von HIV-Tests kann die Infektion in Serum, Plasma, Speichel oder Urin festgestellt werden. Sie detektieren Antigene oder RNA von HIV oder (bei den meisten Infizierten) vom Körper nach etwa drei Wochen bis sechs MonatenLudwig Demling: Tödliche Bedrohung AIDS. In Johannes Gründel (Hrsg.): AIDS. Herausforderung an Gesellschaft und Moral (= Schriften der Katholischen Akademie in Bayern. Band 125). Mit Beiträgen von Otto Braun-Falco, Ludwig Demling, Johannes Gründel, Gundolf Keil, Henrik Kreutz und Otfried Seewald. Mit einem Anhang Gesetzestexte, staatliche Maßnahmen, kirchliche Orientierungen. Patmos, Düsseldorf 1987, ISBN 3-491-77686-4, S. 24–30, hier: S. 25–27 (Klinische Erörterungen). gebildete Antikörper gegen HIV.

Bei HIV-Tests werden Suchtests und Bestätigungstests unterschieden. Ziel eines Suchtests (z. B. ELISA-Suchtest) ist es, möglichst alle infizierten Personen zu erkennen. Dabei wird in Kauf genommen, dass auch einige nichtinfizierte Personen fälschlicherweise positiv (Anti-HIV reaktiv) getestet werden. Dementsprechend brauchen Suchtests eine hohe Sensitivität, haben aber eine relativ niedrige Spezifität.

Wird eine Person im Suchtest positiv getestet, so ist in vielen Ländern ein Bestätigungstest (in Deutschland und den USA: Western-Blot-Bestätigungstest) vorgeschrieben, um eine falsch-positive Diagnose auszuschließen. Ein Bestätigungstest braucht daher eine höhere Spezifität als ein Suchtest.

HIV-Tests werden meist in einem Labor durchgeführt. Seit einigen Jahren existieren auch Point-of-Care-Tests („Schnelltests“), die nach Hinzugabe von Blut bereits nach einer halben Stunde ein Ergebnis anzeigen. Schnelltests werden in Entwicklungsländern eingesetzt, denen es an gut ausgestatteten Laboren fehlt, und in Situationen, bei denen es auf ein schnelles Ergebnis ankommt, z. B. für die Entscheidung einer Postexpositionsprophylaxe nach Nadelstichverletzungen.

Schnelltests mit Beratung und Ergebnis nach 30 Minuten bieten die Aidshilfen und Gesundheitsämter in vielen deutschen Großstädten an.hivandmore.de Bundesweite Übersicht anonymer HIV-Teststellen mit Adressen, Öffnungszeiten und Wartezeit zum Ergebnis Selbsttests auf HIV dürfen in Deutschland seit Oktober 2018 frei verkauft werden, etwa in Apotheken, Drogerien und über das Internet., Website des Paul-Ehrlich-Instituts, abgerufen am 25. November 2018. In Österreich sind solche Selbstests seit Juli 2018 in Apotheken erhältlich.Run auf HIV-Selbsttests in Apotheken, DAZ.online, 30. Juli 2018.

Häufigkeit Jedem wird empfohlen, jährlich einen HIV-Test machen zu lassen. Bei mehr als 10 verschiedenen Sexualpartnern in zwölf Monaten wird empfohlen, alle 2 bis 3 Monate einen Test machen zu lassen.macht-doch-jeder.de Tests auf andere sexuell übertragbare Krankheiten sollten entsprechend dem eigenen Risiko ebenfalls regelmäßig gemacht werden.Infomappe für die Beratung in Aidshilfen 2016

40 % der 16–65 Jahre alten Bevölkerung in Deutschland gibt an, jemals einen HIV-Test gemacht zu haben, 11 % in den letzten 12 Monaten. Ab 1999 lag der Anteil derer, die jemals einen Test gemacht hatten, bei über 20 %, seit 2002 bei/über 30 %. Der Anteil der in den letzten 12 Monaten getesteten wird seit 1994 erhoben und liegt jedes Jahr zwischen 8 und 11 Prozent.BZgA 2007

Etwa 2 Millionen Blut- und Blutplasmaspender werden bei jeder Spende routinemäßig einem HIV-Test unterzogen.

Etwa 90 % aller Schwangeren in Deutschland werden auf HIV untersucht, was etwa 550.000 HIV-Tests pro Jahr ausmacht (Stand 2009, Rate und Anzahl seit 2001 kontinuierlich steigend).hivandmore

In einer 2010 in Deutschland durchgeführten Studie unter 50.000 Männern, die Sex mit Männern haben, (MSM) gaben 70 % an, jemals einen HIV-Test gemacht zu haben, davon hatte die Hälfte einen in den letzten 12 Monaten gemacht. Unter den unter 25 Jahre alten MSM gaben 47 % an, jemals einen Test gemacht zu haben, davon 67 % innerhalb der letzten 12 Monate.

Etwa der Hälfte derer, bei denen HIV festgestellt wird, hätte besser geholfen werden können, wenn die Infektion eher erkannt worden wäre.

In Deutschland werden jährlich etwa 2 Millionen HIV-Tests vorgenommen, meist in Verbindung mit dem Spenden von Blut oder Blutplasma. 130.000 Tests/Jahr finden bei Gesundheitsämtern oder Aidshilfen statt.Gesundheitsberater Berlin 1988 sollen es drei Millionen Tests gewesen sein.Medical Tribune laut Spiegel 17/1988 vom 25. April 1988

Suchtest mittels Immunassay Funktionsweise des Immunassays Automatisierte Immunassays (z. B. CMIA, ECLIA, FPIA) oder vereinzelt noch der klassische Enzyme Linked Immuno Sorbent Assay (ELISA) sind die gängigsten Screeningverfahren, um HIV im menschlichen Körper nachweisen zu können. Patienten, die in Deutschland um Abklärung bezüglich einer HIV-Infektion bitten, werden – sofern sie nicht auf einer anderen Untersuchungsmethode bestehen – mittels Immunassay untersucht. Überwiegend werden HIV-Tests in Routinelaboratorien am Tag des Eintreffens der Probe fertiggestellt. Vom Zeitpunkt der Blutabnahme bis zum Vorliegen eines negativen Ergebnisses beim Hausarzt vergehen durch die inzwischen verbreitete Automatisierung nur 1 bis 2 Arbeitstage. Geht der Patient direkt zu einem medizinischen Labor, kann das Ergebnis oft noch am gleichen Tag abgeholt werden. Lediglich bei auffälligen Ergebnissen im Screeningtest verlängert sich die Bearbeitung, da dann Bestätigungstests erforderlich sind.

Die Immunassays bis einschließlich der 3. Generation können nur Antikörper gegen HIV-1 und HIV-2 nachweisen, nicht jedoch das Virus selbst. Da der Körper für die Produktion dieser Antikörper im Rahmen einer Immunantwort jedoch mehrere Wochen braucht, kann man erst zwölf Wochen nach einer möglichen Infektion mit HIV davon ausgehen, dass der Test bei fast allen Infizierten positiv ausfällt. Diesen Zeitraum zwischen möglicher Ansteckung und sicherem Nachweis der Antikörper nennt man „diagnostische Lücke“. Diese Testgeneration ist daher kaum noch im Routineeinsatz.

Immunassays der 4. Generation (seit 1999) können auch das sogenannte p24-Antigen im Blut nachweisen, ein Protein, das sich in der Umhüllung (Kapsid) von HIV-1 befindet. Dieses findet sich schon vor Bildung der HIV-Antikörper im Blut, wodurch sich die diagnostische Lücke in Hinsicht auf HIV-1 verkürzt.

Immunassays besitzen eine eingeschränkte Spezifität, das heißt, dass bei einigen Probanden falsch-positive Ergebnisse ermittelt werden. Deswegen wird bei einem positiven Ergebnis im Immunassay anschließend ein Bestätigungstest mittels der aufwendigeren Western-Blot-Methode (genauer gesagt Immunoblot) durchgeführt. Nur wenn auch dieser positiv ist, wird dem Patienten das Ergebnis „HIV-positiv“ mitgeteilt.

Technische Durchführung eines Immunassays (im Labor) Für häufig angeforderte Tests, wie auf HIV oder Hepatitis, werden inzwischen überwiegend Laborvollautomaten eingesetzt (sog. Random access analyzer), um über den gesamten Tag hinweg Einzelproben messen zu können. Der klassische ELISA unter Verwendung von Mikrotiterplatten, der auf die Durchführung von Mess-Serien ausgelegt ist, wird in der HIV-Diagnostik wegen der Dringlichkeit für den Patienten nur noch vereinzelt eingesetzt.

Von der zu testenden Blutprobe werden die Blutzellen mittels Zentrifugation abgetrennt und die verbleibende gelblich-klare Flüssigkeit, das so genannte Blutserum, barcodiert in den Laborautomaten gestellt, welcher die Untersuchung vollautomatisiert durchführt und das Ergebnis an die Labor-EDV überträgt. Der reine Messvorgang liegt im Bereich von Minuten (Laborautomat) bis Stunden (ELISA).

Wenn Antikörper im Serum vorliegen, die vom Immunsystem eines HIV-Infizierten gebildet wurden, heften diese sich an die im Testkit enthaltenen, inaktivierten HIV-Proteine. Je nach Detektionsprinzip des verwendeten Immunassays erfolgt die anschließende Auswertung des Messsignals, z. B. durch Fluoreszenz, Chemolumineszenz oder enzymatisch. Der Test wird immer im Vergleich zu HIV-positiven und HIV-negativen Kontrollproben ausgewertet.

Vorteile des Immunassays Immunassays sind eine relativ kostengünstige, einfache und vor allem schnelle Möglichkeit, das HI-Virus nachzuweisen. Der Test kostet beim Hausarzt als Selbstzahlerleistung ca. 20–25 Euro (Gebührenordnung für Ärzte 2010), wobei viele Gesundheitsämter solche Tests auch kostengünstiger oder kostenlos anbieten (dies meist aber erst 12 Wochen nach Risikokontakt). Wird der Immunassay mit ausreichendem zeitlichem Abstand nach dem letzten Risikokontakt durchgeführt, sind die Ergebnisse äußerst genau.

Nachteile des Immunassays mini|350px|Zeitlicher Verlauf der Serokonversionsraten bei bestehender HIV-Infektion (Anteil infizierter Patienten, die schon Antikörper gebildet haben)Der größte Nachteil des Immunassays liegt darin, dass eine nahezu hundertprozentige Ausschlusswahrscheinlichkeit einer HIV-Infektion im Regelfall erst nach zwölf Wochen gegeben ist. Dies bedeutet, dass Immunassays, die vor Ablauf der Zwölf-Wochen-Frist durchgeführt werden, eine ggf. vorhandene HIV-Infektion nicht erkennen, da noch nicht genügend HIV-Antikörper im menschlichen Organismus produziert worden sind. Beim Immunassay ist die „diagnostische Lücke“ (Zeitraum vom Infektionszeitpunkt bis zum sicheren Nachweis der Infektion) also relativ groß. Dies gilt insbesondere bei HIV-2, da bei dieser Spezies statt des p24-Antigens (welches mit Immunassays der 4. Generation nachgewiesen werden könnte) das p26-Antigen auftritt (welches mit Immunassays der 4. Generation nicht nachgewiesen werden kann). Allerdings ist HIV-2 überwiegend auf Westafrika beschränkt und kommt in Deutschland nur extrem selten vor (durchschnittlich 1–2 Fälle pro Jahr).

Es gelten bei Nutzung von Immunassays (bei Infizierten) folgende Nachweiswahrscheinlichkeiten:

Nach 4 Wochen liefert der Test in 60 bis 65 % der Fälle ein korrektes Ergebnis, nach 6 Wochen in 80 %, nach 8 Wochen in 90 %, nach 12 Wochen in 95 % (andere Quellen sprechen von 99 %). Laut Robert Koch-Institut kann mit einem negativen Antikörpertest nach drei Monaten eine Infektion mit großer Sicherheit ausgeschlossen werden.

Zweite diagnostische Lücke bei Immunassays der 4. Generation möglich