mini|Heimannsberg (1931) mini|Heimannsberg (1. v. links) beim Trauerzug für die beiden Opfer der Polizistenmorde auf dem Bülowplatz in Berlin, mit (v. links nach rechts) Polizeipräsident Albert Grzesinski, Polizeivizepräsident Bernhard Weiß und Oberst der Schutzpolizei Willi Genz, genannt „langer Willi“ oder „Markisen-Willi“Seine beiden Spitznamen verdankte Willi Genz seiner die meisten Zeitgenossen überragenden Körpergröße sowie seiner Angewohnheit, die erlaubte Mindesthöhe von Markisen, die vor Geschäften über den Gehsteig reichten, zu überprüfen, indem er diese unterquerte. Gelang dies nicht, erließ Genz gegenüber dem verantwortlichen Ladenbesitzer eine Geldbuße. Laut Legende erreichte Genz mit aufgesetztem Tschako exakt das vorgeschriebene Mindestmaß; vgl. , August 1931

Magnus Heimannsberg (* 15. August 1881 in Neviges; † 10. Mai 1962 in Bad Driburg) war ein deutscher Polizeioffizier. Er wurde bekannt als Kommandeur der Berliner Schutzpolizei in der Zeit der Weimarer Republik. Leben Heimannsberg war zunächst als Ausbilder an der Polizeischule in Münster tätig. Nach Stationen als Oberleutnant in Potsdam stieg er unter Protektion durch den SPD-Innenminister Carl Severing zu einem der führenden Polizeioffiziere im Dienst des Freistaates Preußen im Dienstrang eines Obersten auf. Dabei verkörperte er als republikanischer Aufsteiger aus einfachen Verhältnissen im Gegensatz zu den früher überwiegend aus Kreisen des Adels gestellten Polizeiführern für viele innerhalb wie außerhalb der preußischen Landespolizei den Typus des neuen republikanischen Polizeibeamten.Hsi-Huey Liang: Die Berliner Polizei in der Weimarer Republik, S. 176 ff. Politisch war er ein Funktionär der Zentrumspartei.Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600–1947. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, ISBN 3-421-05392-8, S. 720

Von 1927 bis zu seiner Amtsenthebung im Jahr 1932 war Heimannsberg Kommandeur der Berliner Schutzpolizei. In dieser Eigenschaft oblag ihm die Umsetzung der von Staatssekretär Wilhelm Abegg im Zuge der Neuorganisation der preußischen Schutzpolizei eingeführten Deeskalationsstrategie in der Reichshauptstadt, die jedoch angesichts der ausufernden Gewaltbereitschaft politischer Gruppierungen nicht immer verfing. Insbesondere die Bewertung des Vorgehens der Berliner Schutzpolizei während der als Blutmai bekannt gewordenen Unruhen im Jahr 1929 ist in diesem Zusammenhang bis in die Gegenwart umstritten. Im unmittelbaren Nachgang der Ereignisse wurde Heimannsberg zusammen mit dem Polizeipräsidenten Karl Zörgiebel vor allem im Lager der politischen Linken für die Toten und Verletzten dieser Tage scharf kritisiert. So attackierte die KPD-Presse die beiden Polizeiführer als die „vom kapitalistischen System gedungenen Henker“.

Am 20. Juli 1932 wurde Heimannsberg im Zuge der gewaltsamen Absetzung der preußischen Regierung durch die Reichsregierung im Rahmen des sogenannten Preußenschlages als Kommandeur der Schutzpolizei abgesetzt. In diesem Zusammenhang wurde er zusammen mit seinen Vorgesetzten, dem Berliner Polizeipräsidenten Albert Grzesinski und dessen Stellvertreter Bernhard Weiß, am Morgen des 20. Juli 1932 in Haft genommen und in die Offizier-Arrestanstalt in Moabit verbracht, aber bereits am nächsten Tag entlassen, nachdem sich alle drei per Unterschrift verpflichtet hatten, keinerlei Amtshandlungen mehr vorzunehmen.Christopher Clark: Preußen. Aufstieg und Niedergang. 1600–1947. Deutsche Verlags-Anstalt, München 2007, S. 733. Zu Heimannsbergs Nachfolger als Kommandeur der Schutzpolizei wurde der Kommandeur der Höheren Polizeischule Potsdam-Eiche Georg Poten bestellt. Am 25. Januar 1933 wurde Heimannsberg zum Vorsitzenden des Verbandes Preußischer Polizeibeamter gewählt. Während der NS-Herrschaft wurde Heimannsberg 1933 und erneut 1944 in Haft genommen.Magnus Heimannsberg im Bundesarchiv: Akten der Reichskanzlei Abgerufen am 4. Februar 2018.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Heimannsberg von der US-Militärregierung von 1945 bis 1948 zum Chef der deutschen Polizei in Groß-Hessen bestellt. Der Rang eines Polizeigeneral a. D. wurde ihm nachträglich verliehen.Ulrich Braun, in WAZ vom 9. März 2012: Er amtierte von 1948 bis zu seiner Pensionierung als Polizeipräsident der hessischen Landeshauptstadt Wiesbaden.

Ehrungen 1952: Verdienstkreuz (Steckkreuz) der Bundesrepublik Deutschland

Veröffentlichungen Die Polizei als Erzieher des Volkes!, in: Germania vom 5. Januar 1927. Schutzmannschaft – Sicherheitswehr – Sicherheitspolizei – Schutzpolizei, in: Die Polizei, Bd. XXV, Nr. 7 (10. April 1928), S. 200–201. Die Bedeutung der Polizeiberufsschule für die Schutzpolizei, in: Die Polizei, Bd. XXVI, Nr. 14 (20. Juli 1929), S. 343–347. Bericht des ehemaligen Berliner Polizeikommandeurs, Magnus Heimannsberg, in: Karl Dietrich Bracher: Die Auflösung der Weimarer Republik, 1955, S. 735–737.

Literatur Hsi-Huey Liang: Die Berliner Polizei in der Weimarer Republik. Berlin 1977 Henri Schmidt: Ein Nevigeser in Berlin (Heimannsberg-Biographie) , Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins, erschienen in Ausgabe Historische Beiträge Nr. 23

Weblinks

Anmerkungen

Einzelnachweise

Kategorie:Polizeipräsident (Wiesbaden) Kategorie:Träger des Bundesverdienstkreuzes 1. Klasse Kategorie:Zentrum-Mitglied Kategorie:Polizist (Deutsches Reich) Kategorie:Person (Preußen) Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1881 Kategorie:Gestorben 1962 Kategorie:Mann