Saint-Jean-de-Luz (, baskisch Donibane Lohizune) ist eine französische Gemeinde mit Einwohnern (Stand ) im Département Pyrénées-Atlantiques in der Region Nouvelle-Aquitaine. Sie liegt im Arrondissement Bayonne und ist Hauptort (frz.: chef-lieu) des gleichnamigen Kantons. Saint-Jean-de-Luz ist Teil der historischen baskischen Provinz Labourd. Die baskische Sprache ist hier an der Küste im Gegensatz zum Hinterland heute kaum noch präsent.
Geografie mini|Der alte Pier von Saint-Jean-de-Luz mit Häusern im baskischen Stil mini|Die Kirche Saint-Jean Baptiste mit prächtigem vergoldeten Retabel im Zentrum und hölzernen baskischen Galerien an den Seitenwänden Die Bucht von Saint-Jean-de-Luz liegt am Golf von Biskaya (französisch Golfe de Gascogne) und ist der einzige geschützte Hafen zwischen Arcachon und der spanischen Grenze. Dank der künstlich angelegten Dämme, die die Stadt vor den wuchtigen Wellen des Atlantiks schützen, hat sich Saint-Jean-de-Luz seit dem 19. Jahrhundert zu einem berühmten Badeort entwickelt. Der Hafen selbst ist älter. In unmittelbarer Nähe der Stadt mündet der Fluss Nivelle ins Meer.
Kultur Aufgrund seiner Lage im französischen Baskenland ist in Saint-Jean-de-Luz die baskische Kultur sichtbar ausgeprägt. Besonders entlang des Meeresufers ist eine ortstypische traditionelle Architektur erkennbar; außerdem sind einige Restaurants baskisch benannt und entsprechend eingerichtet.
Das Festival du Film International de Saint-Jean-de-Luz findet jährlich im Oktober statt.
Geschichte Saint-Jean-de-Luz war zunächst ein bescheidenes Fischerdorf mit kleinem Hafen, das zu den Pfründen des Bischofs von Bayonne gehörte. Von den Anfängen der Siedlung zeugen keinerlei schriftliche Quellen.
Im 15. Jahrhundert brachen von Saint-Jean-de-Luz baskische Seeleute als erste über den Atlantik auf und entdeckten die Fischgründe vor den Küsten Neufundlands. Kabeljau- und Walfang trugen zum wachsenden Wohlstand der Siedlung und ihrem steten Wachstum bei, obwohl sie sich wegen der nahen Grenze immer wieder Überfällen spanischer Truppen ausgesetzt sah. Vom 16. bis 18. Jahrhundert diente Saint-Jean-de-Luz auch Korsaren, die im Dienste der französischen Krone ausländische Schiffe kaperten, als Stützpunkt.
Einen glanzvollen Höhepunkt seiner Geschichte erlebte es im Jahr 1660, als der französische Monarch Ludwig XIV. in der örtlichen Kirche Saint-Jean Baptiste Maria Teresa von Spanien (Marie Thérèse d’Autriche) ehelichte und so der Friedensschluss zwischen beiden Reichen, der Pyrenäenfriede von 1659, bekräftigt wurde. 1680 zerstörte ein Tsunami die Stadt. Nachdem Neufundland im Vertrag von Utrecht (1713) Großbritannien zugesprochen wurde, zudem der Wal aus der Biskaya ganz verschwunden und Schutzdeiche vor der Stadt gebrochen waren, begann in Saint-Jean-de-Luz eine Zeit des Niedergangs; die Bevölkerungszahl sank von 13.000 auf 2.000 Einwohner.
Erst im 19. Jahrhundert wurden die Deiche wiedererrichtet, und die häufigen Besuche Napoleons III. an der baskischen Küste zogen Adelige und Angehörige des Großbürgertums aus dem In- und Ausland an, die hier ihr Winterquartier nahmen. Derweil lebte ein wesentlicher Teil der Bevölkerung weiterhin vom Fischfang, dessen Erträge durch die Motorisierung und Vergrößerung der Schiffe wuchsen. Im 20. Jahrhundert siedelten sich Fischfabriken an, in deren Gefolge vor allem Spanier und Bretonen in die Stadt kamen, um darin Arbeit zu finden. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde mit dem Einsetzen des Massentourismus (der bezahlte Urlaub war in Frankreich 1936 eingeführt worden) der Fremdenverkehr der wichtigste Erwerbszweig der Stadt und ist es bis heute geblieben.
Sehenswürdigkeiten Das Schloss Château d’Urtubie in Urrugne, erbaut 1341 und im 16. und 19. Jahrhundert erweitert, wird heute als Hotel betrieben, in dem geführte Besichtigungen angeboten werden. In der Kirche Saint-Jean Baptiste heiratete König Ludwig XIV. am 9. Juni 1660 die Infantin Maria Teresa von Spanien. Mit dem Eheschluss wurde der Pyrenäenfriede zwischen Frankreich und Spanien, der am 7. November 1659 an einem neutralen Ort, der Fasaneninsel im Fluss Bidasoa in der Nähe von Hendaye, geschlossen worden war, symbolhaft besiegelt.
Städtepartnerschaften Seit 2014 bestehen partnerschaftliche Beziehungen zu der US-amerikanischen Stadt Bakersfield in Kalifornien aufgrund einer dortigen baskischen Diaspora. Partnerschaftliche Beziehungen bestehen auch zu der Stadt Getxo an der Biskaya im spanischen Baskenland.
Persönlichkeiten Der Komponist Maurice Ravel wurde im Nachbarort Ciboure geboren. Heute erinnert die gleichnamige Musik-Akademie im Ort an den Komponisten.
Pierre Etchebaster (1893–1980), französischer Real-Tennis-Champion Franz Duboscq (1924–2012), französischer Politiker Miguel Boyer (1939–2014), spanischer Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Philippe Ogouz (1939–2019), französischer Schauspieler und Synchronsprecher Jean-Marie Ecay (* 1962), französischer Jazz- und Fusionmusiker Zacarias Moussaoui (* 1968), französischer Terrorist Bixente Lizarazu (* 1969), französischer Fußballspieler Anne-Sophie Lapix (* 1972), französische Fernsehjournalistin und Fernsehmoderatorin.
Der deutsche Schriftsteller Ernst von Salomon lebte hier in den Jahren 1930/31, über die er in dem Buch Boche in Frankreich berichtet (erstmals erschienen 1950, neu veröffentlicht 1985 unter dem Titel Glück in Frankreich).
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Einzelnachweise
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