Rachelshausen (mundartlich Rachelshause) ist ein Dorf im Hessischen Hinterland und als solches der höchstgelegene Ortsteil der Stadtgemeinde Gladenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Geographie Geographische Lage Der Ort liegt nordwestlich von Gladenbach im Gladenbacher Bergland und damit im Naturpark Lahn-Dill-Bergland direkt am 552 m hohen Daubhaus. Durch den Ort verläuft die Landesstraße 3288.
Geologie Rachelshäuser Diabas
Ultrabasischer Typ des unterkarbonischen Magmatismus. Nicht durch Übergange mit den basischen Diabasen und Olivindiabasen verbunden. Intrustiv in devonischen Gesteinen vorhanden. mini|Geologische Karte der Dillmulde, Hörre-Zone, Lahnmulde und angrenzende Gebiete Charakteristische schwarzbraune, unregelmäßig genarbte Verwitterungsrinde (Farbe des frisch ausgegrabenen Gesteins: schwarzgrün). Die „Flammung“ oder Zeichnung wird durch Anreicherung von Plagioklasen (Kafka, Kalifeldspäten) bewirkt, die in diesen Partien bis zu 54 % betragen kann.
Mineralogische Zusammensetzung: 49 % Olivin (der zum großen Teil in Serpentin umgewandelt ist) 36 % Augit (der zum großen Teil in Chlorid umgewandelt ist) 10 % Plagioklas (Kalkalkalifeldspat) mit hohem Calcium-Anteil (Anorhit-Komponente 88 %) 5 % Picotit (Eisenchromspinell), Apatit, Granat, Kupferkies, Pentlandit (Nickel-Erz) Alter des Diabas: ca. 400 bis 450 Millionen Jahre
Entstehung des Rachelshäuser Diabas
Diabase entstanden im Lahn-Dill-Bergland im Devon und Unterkarbon. Sie drangen in die Schwächezonen der Erdrinde ein, die beim Beginn der Faltung des Rheinischen Schiefergebirges entstanden. Heute treten sie als Ganggestein auf, teilweise auch als Deck-Diabase, die bis zur Erdoberfläche vordrangen und sich dann als Deckenergüsse ausbreiteten. Teilweise traten die Diabase auch am Meeresgrund aus. Dadurch erstarrten sie als sogenannte Kissenlava in runden sack- oder kissenförmigen Formen. Die äußere Kruste dieser „Kissen“ erstarrte durch die Reaktion mit Meerwasser zu einem „Gals“, das wesentlich schneller verwitterte als der eigentliche Diabas. Dadurch finden sich in den höheren Partien des Diabasaufschlusses große, runde Blöcke mit unregelmäßiger narbiger Oberfläche, die von der Steinindustrie meist als Findlinge bezeichnet werden und als „Schmucksteine“ bei der Garten- und Landschaftsgestaltung Verwendung fanden.
Im frischen Bruch sind Diabase und verwandte Gesteine grün-schwarz, deswegen werden sie auch als Grünsteine (Hinterländer Grünstein) bezeichnet. Sie verwittern braun-rot.
Hämatit
In Spalten des Diabas findet sich ein hochwertiges Eisenerzvorkommen (Hämatit) mit bis zu 70 % Eisengehalt, was ehemals für die Waffenherstellung von Bedeutung gewesen sein dürfte.
Geschichte mini|hochkant|Evangelische Kapelle Rachelshausen von 1627
Historische Namensformen In erhaltenen Urkunden wurde Rachelshausen unter den folgenden Ortsnamen erwähnt (jeweils mit dem Jahr der Erwähnung): 1336: Racheboldishusin 1344: Rachwaldishausen um 1400: Racholtzhusen 1502: Racheltzhusen ab 1546: Rachelshausen
Ortsgeschichte Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Rachelshausen erfolgte unter dem Namen Racheboldishusin im Jahr 1336. Im Jahr 1354 verkauft Ruprecht von Rachelshausen sein Gut zu Hülshof dem Kloster Altenberg bei Wetzlar.
Die Evangelische Kapelle Rachelshausen wurde wahrscheinlich 1626/1627 errichtet.
Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Rachelshausen:
Hessische Gebietsreform (1970–1977) Zum 1. Juli 1974 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen kraft Landesgesetz der Zusammenschluss der Stadt Gladenbach mit den Gemeinden Bellnhausen, Diedenshausen, Erdhausen, Friebertshausen, Frohnhausen b. Gladenbach, Kehlnbach, Mornshausen a. S., Rachelshausen, Römershausen, Rüchenbach, Sinkershausen, Weidenhausen und Weitershausen zu heutigen Stadt Gladenbach. Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden und die Kernstadt Gladenbach wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.
Ringwallanlage Auf dem Daubhaus, im Norden des Ortes, befindet sich die Ringwallanlage Daubhaus.
Leipzig-Kölner-Fernhandelsstraße miniatur|400px|Blick von der „Hohen Straße“ direkt oberhalb des Steinbruchs in Richtung mittleres Salzbödetal, im Hintergrund der Dünsberg
Durch Rachelshausen verlief die Trasse der einst sehr bedeutenden hochmittelalterlichen Fernhandelsstraße, der Leipzig-Kölner-Straße, auch Hohe Straße oder Brabanter Straße genannt, weil sie bis nach Antwerpen im Herzogtum Brabant führte. Bereits 1255 wurde sie als strada publica (öffentliche Straße) genannt. Sie führte von Marburg auf der Allna-Salzböde-Wasserscheide über Rachelshausen zum Kreuzungspunkt der alten Fernstraßen bei der Angelburg (Berg) und zog dort weiter in Richtung Siegen. Rachelshausen war Rastplatz vor dem steilen Anstieg zur Bottenhorner Hochfläche. Dort gab es Frischwasser aus einer Quelle und zusätzliche Zugtiere für den Vorspann. Nordwestlich von Rachelshausen, oberhalb des Steinbruchs, querte die Handelsstraße den nördlichen älteren Teilstrang der Mittelhessische Landheege, die Innenheege. Dort befand sich ehemals eine mit Wällen (noch sichtbar) und Schlagbaum gesicherte Kontroll- und Zollstelle.
Steinbruch Rachelshausen miniatur|Der große 1996 stillgelegte Diabas-Steinbruch „Kuhwald“ Rachelshausen
Ab ca. 1880 wurde in den nahegelegenen SteinbrüchenRobert Müller: „Rachelshausen und sein Steinbruch“, Das Vorkommen von Diabas macht den Ort in ganz Deutschland bekannt, Hinterländer Geschichtsblätter, Nr. 4, Dezember 2009, S. 93, 94, 95; Geschichtsbeilage des Hinterländer Anzeigers, Biedenkopf bis 1995 Diabas gebrochen und verarbeitetStefan Debus: Der Steinbruch Kuhwald Rachelshausen, Hrsg. Festausschuß 675 Jahre Rachelshausen, Bad Endbach, Oktober 2017, 301 S., zahlreiche Fotos. Seit Anfang des 17. Jahrhunderts suchte und förderte man Roteisenstein in der Gemarkung. In Spalten des Diabas findet sich auch Hämatit in geringen Mengen.Robert Müller: „Bergbau in Rachelshausen“, Die Gruben Wiederhoffnung und Ritschtal, Hinterländer Geschichtsblätter, Nr. 4, Dezember 2008, S. 57, 58, 59; Geschichtsbeilage des Hinterländer Anzeigers, Biedenkopf
DiabasRobert Müller: Diabasvorkommen Rachelshausen, unveröffentlichte persönliche Mitteilung ist ein Gestein vulkanischen Ursprungs, das im Rheinischen Schiefergebirge weit verbreitet auftritt. In seiner chemischen Zusammensetzung ähnelt es dem Basalt, der im Vogelsberg und im Westerwald vorkommt. Allerdings ist Diabas wegen seines Alters, seiner besonderen Entstehung und seiner Mineralzusammensetzung doch viel anders.
Der Steinbruch ist heute als Naturdenkmal ein Geschützter Landschaftsbestandteil. Pressemeldung 76/2005 vom 8. März 2005 auf marburg-biedenkopf.de
Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Rachelshausen angehört(e):
vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Blankenstein, Untergericht Gladenbach ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Blankenstein, Untergericht GladenbachDie Zugehörigkeit des Amtes Blankenstein anhand von Karten aus dem Geschichtlicher Atlas von Hessen: , und 1604–1648: strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg) ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Blankenstein ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Untergericht Gladenbach ab 1806: Großherzogtum Hessen,Infolge der Rheinbundakte. Fürstentum Oberhessen, Amt Blankenstein Amt Blankenstein, Land- und Rügengericht ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Blankenstein ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk GladenbachTrennung von Justiz (Landgericht Gladenbach) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf ab 1867: Norddeutscher BundDer Norddeutsche Bund war der erste deutsche Bundesstaat unter der Führung Preußens. Er war die geschichtliche Vorstufe des Deutschen Reichs., Königreich Preußen,Infolge des Deutschen Krieges. Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis) ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Biedenkopf ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde GladenbachAm 1. Juli 1974 als Ortsbezirk zur Gemeinde Gladenbach. ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Gemeinde Gladenbach
Gerichte seit 1821 Die Rechtsprechung gibt 1821 im Rahmen der Trennung von Justiz und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte über. „Landgericht Gladenbach“ war daher von 1821 bis zur Abtretung an Preußen 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Gladenbach. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Nach der Abtretung des Kreises Biedenkopf an Preußen infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde der Landgerichtsbezirk Gladenbach preußisch.Art. 14 des Friedensvertrages zwischen dem Großherzogthum Hessen und dem Königreiche Preußen vom 3. September 1866 () Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden sollten aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.Verordnung über die Gerichtsverfassung in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim vom 26. Juni 1867. (PrGS 1867, S. 1094–1103) Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.Verfügung vom 7. August 1867, betreffend die Einrichtung der nach der Allerhöchsten Verordnung vom 26. Juni d. J. in dem vormaligen Herzogthum Nassau und den vormals Großherzoglich Hessischen Gebietstheilen, mit Ausschluß des Oberamtsbezirks Meisenheim, zu bildenden Gerichte ()