The Fellowship Foundation oder The Family oder auch Prayer Breakfast Movement (zu Deutsch etwa: „Gebetsfrühstücks-Bewegung“) ist ein im Jahr 1935 in den Vereinigten Staaten von Abraham Vereide gegründetes, evangelikal-religiöses und politisches Netzwerk.

Das Netzwerk ist eine internationale Bewegung und orientiert sich nach Eigenaussage am Leben und den Lehren Jesu Christi. Das im Hintergrund wirkende Netzwerk tritt nur als Organisator des National Prayer Breakfast in den USA öffentlich in Erscheinung; ein Ereignis, auf dem seit Dwight D. Eisenhower jeder amerikanische Präsident auftrat, und das seit 1953 jährlich am ersten Donnerstag im Februar stattfindet.Tobias Utter (MdL) als Mitglied der deutschen Delegation beim National Prayer Breakfast (NPB) in Washington, cdu-bad-vilbel.de, Meldung vom 11. Februar 2010. Bedeutendste Führungspersönlichkeiten waren neben dem Gründer Vereide der US-Senatskaplan Richard C. Halverson und Douglas Coe,D. Michael Lindsay: Is the National Prayer Breakfast Surrounded by a “Christian Mafia”? Religious Publicity and Secrecy Within the Corridors of Power. In: Journal of the American Academy of Religion. June 2006, Vol. 74, No. 2, S. 390–419. der früher auch für die Missionsgemeinschaft Navigatoren arbeitete.Emily Belz, Edward Lee Pitts: All in the family. In: World magazine.

The Fellowship Foundation tritt oder trat nach außen hin auch durch Unterorganisationen wie National Fellowship Council, Fellowship House, The International Foundation, National Committee for Christian Leadership, International Christian Leadership (ICL) und als National Leadership Council auf. Ein deutscher Ableger nannte sich Christen in Verantwortung.Gustav-Adolf Gedat im Vorwort zu Norman Grubb, Abraham Vereide – ein Wiking unserer Zeit, Konstanz 1964, S. 6.

Geschichte Gründung Das Netzwerk wurde 1935 von Abraham Vereide, einem norwegischen Immigranten und methodistischen Wanderprediger, in Seattle (USA) gegründet.Eine Übersicht über die Entwicklung des Netzwerkes von 1934 bis 1995 gibt Initiatoren waren neben Vereide eine Gruppe einflussreicher Geschäftsleute, welche die Politik des New Deals von Franklin D. Roosevelt strikt ablehnten und Roosevelts Politik eine sozialistische oder gar kommunistische Zielrichtung unterstellten. Konkreter Auslöser waren vorangehende Streiks in San Francisco und Seattle, welche in den Augen von Abraham Vereide und seiner Gruppe von „gottlosen linken Kräften“ initiiert wurden.The group was begun by Abraham Vereide, a Methodist evangelist who feared that Socialists were corrupting municipal government in Seattle in the mid-1930s. He thought he could bring about change by organizing regular prayer groups with local business and government leaders... , Los Angeles Times vom 27. September 2002. Vereide, beeinflusst durch Frank Buchmans Idee der "Moralischen Wiederaufrüstung" (engl.: Moral re-armament), die er in zugespitzter Form vertrat, sah in einer von der Regierung unterstützten Neuerweckung der christlichen Religion anstelle des "New Deals" eine Lösung für die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Probleme der USA. Als Ziel schwebte ihm ein Elite-Fundamentalismus vor, bei dem die Gesellschaft durch in Gebetszellen organisierte, "gott-geführte" Männer kontrolliert wird, die nicht demokratisch die Massen konsultieren würden, sondern durch Jesus, so wie er sich ihnen offenbart, geleitet werden.Jeff Sharlet: The Family: The Secret Fundamentalism at the Heart of American Power. HarperCollins, New York 2008, ISBN 978-0-06-055979-3, S. 128/129. Dieser Elite-Fundamentalismus beinhaltete einen biblisch begründeten Glauben an den freien Markt und den Kapitalismus, der darauf ausgerichtet war, besonders führende, antikommunistisch gesinnte und gewerkschaftsfeindliche Personen aus der Geschäftswelt anzusprechen.Jeff Sharlet: The Family: The Secret Fundamentalism at the Heart of American Power. 2008, S. 190/191.

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Innenpolitisches Anliegen der Organisation ist es, die USA als ein christliches Land zu etablieren, das auf der Basis christlicher Prinzipien regiert wird. Dieses Ziel fand nach dem Zweiten Weltkrieg zum Beispiel dadurch seinen Ausdruck, dass 1954 auf Initiative des republikanischen Senators Homer Ferguson und Clement Stone, beide Mitglieder von The Fellowship Foundation, die Phrase "Under God" in den Pledge of Allegiance eingefügt wurde. Auf Initiative der zum inneren Zirkel von The Family gehörenden Clement Stone und des Kongressabgeordneten Charles E. Bennet wurde die Aufschrift "In God We Trust" auf der US-Währung eingeführt. Ein im Jahr 1954 vom republikanischen Senator R. E. Flanders, der ebenfalls Mitglied des Netzwerks war, eingebrachter Verfassungszusatz "This nation devoutly recognizes the authority and law of Jesus Christ." (deutsch in etwa: "Diese Nation erkennt andächtig die Autorität und das Gesetz Jesu Christi an.") mit dem Ziel, die USA offiziell als ein christliches Land zu etablieren, konnte sich jedoch im US-Kongress nicht durchsetzen.Jeff Sharlet: The Family: The Secret Fundamentalism at the Heart of American Power. 2008, S. 57, 198–201.

Als ein für die weitere Entwicklung bedeutender Erfolg gilt, dass es Abraham Vereide in Zusammenarbeit mit Billy Graham gelang, nach Eisenhowers Inauguration das Presidential Prayer Breakfast (später National Prayer Breakfast) zu etablieren. Eisenhower hatte ursprünglich abgelehnt, dort zu erscheinen, da er wegen der Trennung von Kirche und Staat keinen Präzedenzfall schaffen wollte, willigte aber schließlich doch ein, dort aufzutreten, solange keine TV und Radio erscheinen würde. Als erster republikanischer Präsident seit 1933 war Eisenhower bei seiner Wahl auf die Hilfe der Evangelikalen, geführt durch Billy Graham, und den von Abraham Vereide verkörperten Elite-Fundamentalismus angewiesen; dies umso mehr, als Eisenhower zum Zeitpunkt seiner Kandidatur selbst keiner Kirche angehörte und deshalb in diesem Punkt angreifbar war. Neben der Etablierung eines religiösen Rituals im politischen Bereich konnte The Family durch die Organisation des Prayer Breakfast Zugang zu hochrangigen nationalen wie internationalen Persönlichkeiten erlangen, was besonders bei der Internationalisierung des Netzwerkes und der Rolle, welche The Family im Kalten Krieg spielte, von immenser Bedeutung sein sollte.Jeff Sharlet: The Family: The Secret Fundamentalism at the Heart of American Power. 2008, S. 195–198.

Beginnend nach dem Zweiten Weltkrieg hatte sich The Family internationalisiert und spielte wegen der antikommunistischen Ausrichtung eine wichtige Rolle während des Kalten Krieges. Diese Internationalisierung begann 1946 mit einer Reise A. Vereides nach Europa, wo er in dem Kirchenmann Otto Fricke eine Schlüsselperson für den Ableger des Netzwerks in Deutschland fand. Verstrickungen mit dem Nationalsozialismus vieler Mitglieder des "Christen in Verantwortung" genannten deutschen Ablegers waren kein Hinderungsgrund für ihre Aufnahme; A. Vereide war im Gegenteil kritisch gegenüber den Opfern und ausgesprochenen Gegnern des Nationalsozialismus und beschwerte sich, dass solche in seinen Augen "atheistic devotees" (deutsch etwa "Atheismusverehrer" oder "Atheismusgläubige") von der amerikanischen Militär-Regierung in wichtige Positionen befördert wurden. Auf der Suche nach zuverlässigen Leuten, die bereit waren, ihre Gefolgschaft von Hitler zu Christus und Amerika zu übertragen, besuchte er stattdessen alliierte Gefängnisse. Otto Fricke selbst hatte als nationalsozialistisch Begeisterter die Feuerrede bei der Frankfurter Bücherverbrennung gehalten, wechselte aber nach dem Skandal anlässlich der Rede von Reinhold Krause im Berliner Sportpalast im November 1933 von den regimefreundlichen Deutschen Christen zur Bekennenden Kirche, wo er weiterhin in Opposition zum NS-Regime stand. Eine weitere zentrale Figur des deutschen Netzwerks, Manfred Zapp, war von 1938 bis 1941 als überseeischer Gestapo-Mann in den USA abkommandiert und dort letztlich wegen Spionage und der Beschuldigung der Planung und Durchführung von Sabotageakten verhaftet worden. Zusammen mit anderen Spionen, etwa Ulrich von Gienanth, als deutscher Diplomat getarnter SS-Mann in den USA, der praktisch als Leiter der Gestapo in Amerika agierte und später ebenfalls Mitglied von Christen in Verantwortung wurde, wurde Zapp 1941 gegen zwei von der Gestapo in Deutschland verhaftete US-Reporter ausgetauscht. Der Vizepräsident von Christen in Verantwortung, Hermann Josef Abs, war wichtigster Bankier unter dem nationalsozialistischen Regime, nahm später in der Bundesrepublik als Vorstandssprecher der Deutschen Bank eine zentrale Position in der Finanzwirtschaft ein. Andere belastete Mitglieder des Netzwerks waren zum Beispiel der Geistliche und Ehrenpräsident der deutschen YMCA Gustav-Adolf Gedat, der Chemiewaffenfabrikant Gustav Schmelz, der Nationalist Paul Rohrbach. Weitere Mitglieder waren Baron von der Ropp, Hans von Eichen, Rudolf Decker und Hans Speidel; Letzterer einer der Mitverschwörer des Attentat vom 20. Juli 1944, welcher Hitlers rassistische Politik eine Ablenkung von seinen anderweitig guten Ideen hielt und später von 1957 bis 1963 Kommandeur der NATO-Grundstreitkräfte war. Kontakte zum deutschen Netzwerk hatte auch Ernst von Weizsäcker. Abram Vereide nutzte seine Beziehungen zur Militär-Regierung und nach Washington, um diesen Personen und weiteren als Kriegsverbrecher angeklagten christlichen Personen auf einer Liste, welche ihm aus diesen Kreisen überreicht wurde, zu helfen. Zu den zahlreichen Personen, für die A. Vereide sich einsetzte, gehören zum Beispiel der letzte SS-Kommandant der Konzentrationslager Oswald Pohl und Konstantin von Neurath, der erste Außenminister während der Herrschaft Hitlers. Beginnend 1949 veranstaltete das deutsche Netzwerk Versammlungen im Deutschordenschloss auf der Insel Mainau. Zu den Teilnehmern gehörten unter anderen Vertreter der großen deutschen Banken, der Firmen Bosch, Krupp und Standard Oil sowie auch Kabinettsmitglieder der Bundesregierung.Jeff Sharlet: The Family: The Secret Fundamentalism at the Heart of American Power. 2008, S. 147, 157–159, 163, 166–174.

Bei dieser Reise durch Europa gründete A.Vereide auch eine Gebetszelle Schweizer Banker. Der Schweizer Alfred Hirs, Generaldirektor des 3. Departments der Schweizerischen Nationalbank und während des Zweiten Weltkrieges mitverantwortlich für die Goldankäufe der Schweizerischen Nationalbank bei der deutschen Reichsbank, war eine der wichtigsten europäischen Schlüsselfiguren des Netzwerks. Andere Schlüsselpersonen in Europa waren der ehemalige belgische Premier und Außenminister Pierre Harmel und der Franzose Edmond Michelet, unter De Gaulle in mehreren Ministerposten Mitglied der französischen Regierung. In Franco-Spanien bildeten die dortige US-Botschaft und die Niederlassung von Standard Oil Zentren des elitär-fundamentalistischen Netzwerks.Jeff Sharlet: The Family: The Secret Fundamentalism at the Heart of American Power. 2008, S. 20 (Referenz 6), S. 169–171, S. 224.zu A. Hirs siehe auch

Diese Idee eines Gebetsfrühstückes für Politiker wurde weltweit mittlerweile in mehr als 180 Staaten aufgegriffen.Balkan: 300 Politiker treffen sich zum Gebetsfrühstück, idea.de, Meldung vom 2. Juni 2016.

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