mini|Prinz Eitel Friedrich von Preußen als Hauptmann im 1. Garde-Regiment zu Fuß
Das 1. Garde-Regiment zu Fuß war ein Infanterieverband der Preußischen Armee, dessen Tradition bis zum Regiment Kurfürst zu Fuß von 1675 zurückreicht.
Geschichte Das Regiment wurde 1806 nach der Niederlage Preußens gegen Napoleon in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt aus den Resten der früheren Garden zu Fuß neu aufgestellt und war von Anfang an das Leibregiment der Könige von Preußen. Bis auf Wilhelm II., der auch die Uniformen anderer Regimenter trug, trugen seit 1806 alle preußischen Könige und die meisten Prinzen von Preußen die Uniform des 1. Garde-Regiments zu Fuß. Der König von Preußen war jeweils zugleich Regimentschef, Chef des I. Bataillons und Chef der 1. Kompanie dieses Regiments. Daher hatte dieses Regiment auch den höchsten Rang innerhalb der Armee, was sich unter anderem darin zeigte, dass das Offizierskorps des 1. Garde-Regiments zu Fuß beim traditionellen Neujahrsempfang noch vor den Reichsfürsten und dem Diplomatischen Corps am Thron vorbei defilieren durfte. Inoffiziell wurde auch vom „Ersten Regiment der Christenheit“ gesprochen.
Das Regiment lag mit der Masse seiner Soldaten in der Kaserne in der Priesterstraße in Potsdam gegenüber der Potsdamer Garnisonkirche und schräg gegenüber dem Stadtschloss. Die enge Verbundenheit des Regiments mit seinen königlichen Chefs fußte neben der persönlichen Führung durch den König und der Tatsache, dass alle Prinzen von Preußen jeweils an ihrem zehnten Geburtstag als Leutnant in dieses Regiment in die Armee eingestellt wurden, um dort ihre militärische Ausbildung zu erhalten, auch darauf, dass der größte Teil des praktischen Dienstes im Lustgarten unmittelbar vor dem Schloss stattfand.
Neben den für Gardeformationen typischen Wach- und Repräsentationsaufgaben nahm das 1. Garde-Regiment zu Fuß in Friedenszeiten auch die Funktion einer Lehr- und Versuchstruppe wahr. Hier wurden nicht nur neue Bekleidung, Ausrüstung und Waffen vor der Einführung für die gesamte Infanterie erprobt und geprüft, sondern auch neue Vorschriften schulmäßig angewendet und gegebenenfalls nachgebessert, bevor sie für die Armee erlassen wurden. In diesem Zusammenhang ist auch zu verstehen, dass das Lehr-Infanterie Bataillon in Potsdam dem 1. Garde-Regiment zu Fuß angegliedert war, zu dessen Offizieren die des Bataillons zählten.
Wie alle Regimenter der Alten Armee (bis 1871 Preußische Armee, danach Deutsches Heer) wurde auch das 1. Garde-Regiment zu Fuß nach dem Ersten Weltkrieg aufgelöst und ging in der Reichswehr auf. Dort wurde die Tradition von der 1. Kompanie des Infanterie-Regiments 9 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs weitergeführt. Seit 1961 führt das Wachbataillon beim Bundesministerium der Verteidigung (zunächst nur mit der 2. Kompanie, seit 1991 als Bataillon) die Tradition fort. Bereits 1921 wurde jedoch von den ehemaligen Soldaten des 1. Garde-Regiments zu Fuß ein Verein zur Pflege der Tradition und Kameradschaft gegründet, dem sich auch die nachfolgenden Truppenteile anschlossen. Nach dem Wahlspruch des Regiments und seiner Traditionsfolger „semper talis“, was zugleich auch der Schlachtruf dieser Truppenteile war und ist, heißt dieser bis heute bestehende Verein „Semper talis Bund“.
Entwicklung des Regiments
Vorläufer mini|Zinnsoldaten des Infanterieregiments Nr. 15 von der Goltz bzw. Kronprinz; 1720–1730 mini|Zinnsoldaten des Regiments des Königs Nr. 15; 1799–1807
Vor der Neuaufstellung und Neuordnung der Armee nach 1806 hatten zwei Regimenter der preußischen Infanterie Garderang, die auch als unmittelbare Stammtruppen des 1. Garde-Regiments zu Fuß gelten. Es waren dies die Regimenter, die der Soldatenkönig Friedrich Wilhelm I. und sein Sohn Friedrich der Große jeweils als Kronprinzen geführt hatten, um sie nach ihrer Krönung zu ihrem jeweiligen Leibregiment zu erheben. Friedrich der Große erhielt dabei dem Regiment seines Vaters den Garderang. Die beiden Regimenter sind in eigenen Artikeln dargestellt.
Infanterieregiment No. 6 Infanterieregiment No. 15
Durch die Vorgänger-Regimenter lässt sich die Traditionslinie auf den 10. Juni 1675, den Errichtungstag des Infanterieregiments No. 6 Kurprinz, zurückführen.Chronik des Ersten Garde-Regiments zu Fuß und dessen Stamm-Truppen 1675–1900. Berlin 1902.
Aufstellung In der Schlacht von Jena und Auerstedt waren am 14. Oktober 1806 auch die beiden alten preußischen Garde Infanterieregimenter No. 6 und 15 mit dem Rest der Armee untergegangen. Lediglich ein Zug der Leibkompanie des I. Bataillons Leibgarde No. 15 unter Führung des Secondelieutenants Julius Ludwig von Pogwisch war als Wache beim Gepäck der königlichen Familie und zur Bedeckung des Königlichen Hauptquartiers auf dem Weg nach Memel. Am 4. November 1806 traf das Königliche Hauptquartier und mit ihm dieser Zug in Graudenz ein.
Die Keimzelle des künftigen 1. Garde-Regiments zu Fuß wurde unter der Bezeichnung Garde-Depot aufgestellt.
Es war als eine Art Auffanglager für aus der Kriegsgefangenschaft Entlassene, aus der Kriegsgefangenschaft Entflohene und alle weiteren geeigneten Männer, die den Stamm der neuen Garde zu Fuß bilden sollten, gedacht. Demnach beabsichtigte der König schon im Zusammenbruch eine Neuformierung seiner Fußgarden und damit auch der gesamten Armee.
mini|hochkant|Wilhelm II. reitet die Front des 1. Garde-Regiments zu Fuß ab (Gemälde von Carl Röchling)
Aufbau Nachdem Sekondeleutnant von Pogwisch zunächst nur 25 Mann aus der Leibkompanie der ehemaligen Garde hatte, verdoppelte sich dieser kleine Bestand bereits innerhalb von zwei Wochen durch Angehörige der alten Garden, die sich nach der Kapitulation ihrer geschlagenen Armeen auf teilweise abenteuerlichsten Wegen zum königlichen Hauptquartier durchschlugen. Das wurde diesen noch dadurch erschwert, dass sich dieses Hauptquartier ständig bewegte. Innerhalb von eineinhalb weiteren Wochen trafen die ersten Ersatzmannschaften aus West- und Ostpreußen ein, die aus den dort liegenden Regimentern für die Garde ausgewählt, zu ihr versetzt und in Marsch gesetzt worden waren. Am 24. November 1806 zählte das Garde-Depot etwa 80 Mann. Für Kampfeinsätze war es damit ungeeignet und auch nicht gedacht. Vielmehr diente es nicht nur dem Namen nach als Depot für die nach und nach aber ständig ankommenden Soldaten der alten Garden. Zum Teil waren diese in den Gefechten gegen die französischen Truppen verwundet worden und mussten erst ihre Wunden auskurieren, bevor sie sich auf den langen, gefahrvollen und beschwerlichen Weg machen konnten, oder ihnen musste die Flucht aus der Gefangenschaft gelingen. Innerhalb von weiteren zwei Monaten hatten sich genügend Mannschaften und Unteroffiziere in Memel eingefunden, dass am 24. Januar 1807 das Garde-Depot in zwei Kompanien formiert werden konnte. Pogwisch führte einerseits das Kommando über das gesamte Garde-Depot weiter, hatte aber dazu noch die unmittelbare Führung der 1. Kompanie, der späteren Leibkompanie, bekommen. Die 2. Kompanie erhielt Secondelieutenant Heinrich Werner Friedrich von Below. Durch den anhaltenden Zulauf sah sich der König bereits im April veranlasst, Secondelieutenant von Pogwisch von der Gesamtführung zu entlasten, ihm aber die Führung der 1. Kompanie zu belassen. Anstelle des noch unerfahrenen, jungen Offiziers, übertrug er am 16. April 1807 das Kommando dem Major Gustav von Kessel.A. Mila: Geschichte der Bekleidung und Ausrüstung der königlich Preußischen Armee in den Jahren 1808 bis 1878, Berlin 1878, unveränderter Nachdruck Krefeld 1970, S. 89f. Währenddessen fanden immer noch Kämpfe der mit Russland verbündeten Preußen gegen Napoleon statt. Die Niederlage der verbündeten Truppen in der Schlacht bei Friedland und die Besetzung der preußischen Krönungsstadt Königsberg durch die Franzosen führte schließlich zum Waffenstillstand, der dem Friede von Tilsit vorausging. Anlässlich dieses Waffenstillstandes erließ Friedrich Wilhelm III. am 27. Juni 1807 in Piktupöhnen bei Tilsit eine Allerhöchste Kabinettsordre (A.K.O.):
Um den inneren Zusammenhalt der Truppe zu stärken, wurden die bisherigen Kompanien aufgelöst und die Soldaten so verteilt, dass zur 1. Kompanie die Leute vom ehemaligen I. Bataillon Leibgarde Nr. 15, zur 2. Kompanie die Leute vom Bataillon Grenadiergarde Nr. 6 und zur 3. und 4. Kompanie die Leute vom Regiment Garde Nr. 15 kamen. Die Mannschaften von anderen Regimentern wurden so auf die Kompanien verteilt, dass diese etwa gleich stark waren. Zwischenzeitlich hatte der musikalisch begabte König die Zeit gefunden, für seine neue Garde einen Marsch zu komponieren. Dieser findet sich bis heute als Marsch I. Bataillon Garde in der Armeemarschsammlung (AM I, 23) und war der Präsentiermarsch dieses Bataillons.
Nachdem am 7. Juli 1807 der Friedensvertrag in Tilsit unterschrieben worden war, erhielt die Garde bedeutenden Zuwachs aus dem im Zuge dieses Vertrages aufgelösten Freikorps von Krockow, das sich bei der Belagerung von Danzig hervorragend geschlagen hatte. Der aus dem Husaren-Regiment Blücher stammende Rittmeister Graf Krockow hatte dieses über 1000 Mann starke Freikorps Mitte Januar 1807 in Danzig aus Freiwilligen und Ranzionierten aller Waffen gebildet. Nach einem Parolebefehl vom 14. Juli 1807 sollte die neu formierte Garde nun nicht mehr, wie bisher häufig geschehen, „Königliche Leibgarde“ oder ähnlich genannt und geschrieben werden, sondern nur noch „Garde zu Fuß“.
Die folgenden eineinhalb Jahre vergingen weitgehend ruhig und waren der Formierung und Ausbildung des Bataillons gewidmet, bis zur A.K.O. vom 9. November 1808:
Major von Kessel halbierte dazu die vorhandenen Kompanien so, dass aus der bisherigen 1. Kompanie eine neue 1. und 2. Kompanie, aus der bisherigen 2. Kompanie die 3. und 4. Kompanie gebildet wurde. Dies war das neue I. Bataillon. Aus der bisherigen 3. Kompanie wurden die 5. und 6. Kompanie gebildet, aus der bisherigen 4. Kompanie die 7. und 8. Kompanie. Wenn man die Stamm-Mannschaften der einzelnen Kompanien betrachtet, so bildeten von nun ab die Mannschaften des alten I. Bataillons Leibgarde Nr. 15 die neue 1. und 2. Kompanie. Die Mannschaften des Bataillons Grenadiergarde Nr. 6 die neue 3. und 4. Kompanie, die des Regiments Garde Nr. 15 die neue 5., 6., 7. und 8. Kompanie, also das II. Bataillon. Diese Art des Ausbaus hatte als Vorteile, einerseits die innere Verbundenheit der Truppe zu erhalten, andererseits in allen Kompanien die Hälfte des Personals als erfahrenen Stamm zu besitzen, an den sich die Neueingereihten anpassen konnten. Durch A.K.O. vom 12. November 1808 erhielt das aus diesen beiden Grenadier-Bataillonen neu gebildete Regiment die Bezeichnung Regiment Garde zu Fuß. Der Kommandeur bekam nicht viel Zeit, sich auf den Aufbau des Regiments zu konzentrieren. Schon vier Monate später kam die nächste A.K.O. vom 17. März 1809, die befahl, die Grenadier-Bataillone auf je 600 Mann Stärke zu bringen, ein zusätzliches Garde-Depot zur Einstellung neuer Mannschaften in Königsberg unter der Leitung von drei Offizieren zu bilden und sich auf die Aufstellung eines weiteren leichten Bataillons von ebenfalls 600 Mann Stärke vorzubereiten. Dieses zusätzliche Bataillon sollte also aus Füsilieren gebildet werden, Grenadiere galten als schwere Infanterie.Chronik des Ersten Garde-Regiments zu Fuß und dessen Stamm-Truppen 1675–1900, Berlin 1902, S. 7 Die Idee die beiden Infanteriearten in einem Regiment zu mischen, befand sich auf der Höhe des damaligen taktischen Denkens. Dadurch wurde dieses Regiment in die Lage versetzt, ohne Beimischung fremder Truppen die Kolonnentaktik in jeder Form alleine anzuwenden. Mit A.K.O. vom 12. Juni 1809 erhielt dieses neue Bataillon die Bezeichnung Garde-Füsilier-Bataillon, jedoch im Verbande des Regiments Garde zu Fuß.
hochkant|mini|Garde-Infanterist des EGRzF 1825 (Stich von Friedrich Johann Gottlieb Lieder)