mini|Kirche St. Jakob mini|Denkmal für General Laudon mini|Kellergasse

Želetice (deutsch Selletitz) ist eine Gemeinde in Südmähren (Tschechien). Der Ort liegt 20 km nördlich der österreichischen Grenze. Der Ort selbst ist als ein Längsangerdorf angelegt.

Geographie Želetice befindet sich am Bach Křepička in der Thaya-Schwarza-Talsenke.

Nachbardörfer sind Horní Dunajovice (Oberdannowitz) im Norden, Vítonice (Wainitz) im Süden, Václavov im Osten und Chlupice (Chlupitz) im Nordosten.

Geschichte Die erste urkundliche Erwähnung Želetices war im Jahre 1351 unter dem Namen Zeletycz. Doch bereits im Jahre 1320 scheint der Ort unter den Lehensgütern des Olmützer Bistums auf. Aufgrund häufiger Herrschaftswechsel gab es im Laufe der Jahre mehrere Schreibweisen der Ortschaft. So schrieb man 1384 Selaticz, 1751 Seeletiz, 1846 Sellatitz und schließlich 1848 Selletitz.

Im 14. Jahrhundert wird im Dorf ein befestigtes Haus bezeugt, auf dessen Stelle später im Jahre 1770 ein kleines Schlösschen errichtet wurde.Codex diplomaticus et epistolaris Moraviae, Band XI, S. 308 1548 wurde Selletitz durch Heinrich von Náchod mit Wainitz vereinigt.Gregor Wolny: Die Markgrafschaft Mähren, 1836, S. 505

Während des Dreißigjährigen Krieges wird der Ort von den Schweden unter Lennart Torstensson geplündert. Nach dem Abzug der Schweden lebten nur noch drei Bewohner im Ort. Im Jahre 1680 wurde ein Brauhaus in Selletitz errichtet. Ab 1825 werden die Grafen Corynski Herren von Selletitz. Bereits 1838 verkauften diese den Ort an Carl Friedrich Kammel von Hardegger. Im Ort kam es zu einem wirtschaftlichen Aufschwung, als im Jahre 1870 eine Zuckerfabrik eröffnet wurde.

Nach dem Zerfall Österreich-Ungarns kam der Ort 1918 wie ganz Mähren zur neu gegründeten Tschechoslowakei. Der Bevölkerungsanteil der Deutschen sank zwischen 1910 und 1930 von 73 % auf 11,7 %. Aufgrund der Trennung zu den österreichischen Absatzmärkten musste im Jahre 1922 die Zuckerfabrik schließen. Die Elektrifizierung fand im Jahre 1926 statt. Nach dem Münchner Abkommen musste die Tschechoslowakei die deutschsprachigen Randgebiete an das Deutsche Reich abtreten. Somit wurde Želetice mit 1. Oktober 1938 ein Teil des deutschen Reichsgaus Niederdonau.Walfried Blaschka, Gerald Frodl: Der Kreis Znaim von A bis Z, 2009

Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges kam die Gemeinde am 8. Mai 1945 wieder zur Tschechoslowakei zurück. Wegen der schweren Nachkriegsexzesse durch militante Tschechen flohen viele deutsche Einwohner über die nahe Grenze nach Österreich. Der Bürgermeister von Selletitz kam im Kreisgerichtsgefängnis in Znaim zu Tode. Zwischen dem 9. Juli und dem 18. September 1946 erfolgte die Vollstreckung der Potsdamer Beschlüsse und die Zwangsaussiedlung der letzten 106 deutschen Ortsbewohner nach Deutschland. Ihr Vermögen wurde konfisziert.Milan Churaň: Potsdam und die Tschechoslowakei, 2007. Herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Sudetendeutscher Lehrer und Erzieher E.V. ISBN 978-3-9810491-7-6

Wappen und Siegel Bis zum Dreißigjährigen Krieg wurden alle rechtlichen Angelegenheiten von Selletitz vom benachbarten Markt Ober-Dannowitz bearbeitet und gesiegelt. Danach übernahm dies die Selletitzer Grundherrschaft für den Ort. Erst in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts erhielt der Ort einen bildlosen Gemeindestempel.Bruno Kaukal: Die Wappen und Siegel der südmährischen Gemeinden (1992), Selletitz S. 220

Bevölkerungsentwicklung Matriken werden seit 1640 geführt. Alle Geburts-, Trauungs- und Sterbematriken bis zum Jahre 1949 befinden sich im Landesarchiv Brünn.Acta Publica Registrierungspflichtige Online-Recherche in den historischen Matriken des Mährischen Landesarchivs Brünn (cz, dt). Abgerufen am 14. März 2011. Volkszählung Einwohner gesamt Volkszugehörigkeit der Einwohner Jahr Deutsche Tschechen Andere 1880 577 117 460 0 1890 624 207 414 3 1900 658 492 165 1 1910 768 557 192 19 1921 640 140 474 26 1930 572 67 502 3 Josef Bartoš, Jindřich Schulz, Miloš Trapl: Historický místopis Moravy a Slezska v letech 1848–1960. Band 9: Okresy Znojmo, Moravský Krumlov, Hustopeče, Mikulov. Profil, Ostrava 1984.

Sehenswürdigkeiten Filialkirche des hl. Jakob des Älteren Schloss (erbaut 1770, abgerissen 1862), erhalten blieben Teile des Schlossparks Laudon-Denkmal im SchlossparkFelix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren (1990), Selletitz s.35 Statue des hl. Johannes von Nepomuk

Söhne und Töchter des Ortes Ludwig Eckhart (1890–1938), Professor an der Technischen Hochschule in Wien.

Literatur und Quellen Anton Schwetter, Siegfried Kern: Der politische Bezirk Nikolsburg in historischer, statistischer und topographischer Beziehung (1884) Leopold Kleindienst: Die Siedlungsformen, bäuerliche Bau- und Sachkultur Südmährens, 1989, ISBN 3-927498-09-2 Ilse Tielsch-Felzmann: Südmährische Sagen. 1969, München, Verlag Heimatwerk Wenzel Max (Hrsg.): Thayaland. Volkslieder und Tänze aus Südmähren. 2. Auflage. Südmährischer Landschaftsrat, Geislingen/Steige 1984. Felix Bornemann: Kunst und Kunsthandwerk in Südmähren. Maurer, Geislingen/Steige 1990, ISBN 3-927498-13-0. Emilia Hrabovec: Vertreibung und Abschub. Deutsche in Mähren 1945–1947, Frankfurt am Main / Bern / New York / Wien (=Wiener Osteuropastudien. Schriftenreihe des österreichischen Ost- und Südosteuropa Instituts), 1995 und 1996

Weblinks

Kulturdatenbank der Heimatvertriebenen

Einzelnachweise

Kategorie:Ersterwähnung 1351