mini|Musée Fabre mini|Hôtel de Cabrières-Sabatier d’Espeyran Das Musée Fabre ist das Kunstmuseum der südfranzösischen Stadt Montpellier und der Hauptstadt des Départements Hérault in der Region Okzitanien. Es gehört zu den bedeutendsten Museen Frankreichs und ist als Musée de France durch das französische Kulturministerium anerkannt.

Geschichte

Vorgeschichte und Gründung (1802–1828) Im Jahr 1802 erhielt die Stadt Montpellier dreißig Gemälde, die die Grundlage einer bescheidenen städtischen Sammlung im Ersten Kaiserreich bildeten. Diese wurde an verschiedenen Standorten untergebracht. Am 5. Januar 1825 schrieb der Maler François-Xavier Fabre einen Brief an den Bürgermeister von Montpellier, in dem er der Stadt seine persönliche Sammlung übertrug. Der Stadtrat nahm die Schenkung an, woraufhin das Museum im renovierten Hôtel de Massilian eingerichtet wurde. Es wurde am 3. Dezember 1828 offiziell eröffnet. Die ursprüngliche Schenkung umfasste 224 Gemälde, 40 Skulpturen, 72 Druckgrafiken und 26 Zeichnungen. Fabre ließ in den Räumlichkeiten gleichzeitig eine Bibliothek sowie eine Zeichenschule einrichten. Er wurde zum ersten Direktor des Museums ernannt. Bei seinem Tod im Jahr 1837 – Fabre war seit 1828 Baron – ergänzte ein Legat von mehr als hundert Gemälden und Zeichnungen die Sammlung. Das Legat umfasste außerdem eine Summe von 30.000 Francs für den Bau einer neuen Galerie.

Bedeutende Schenkungen und Erweiterungen (1836–1968) Antoine Valedau (1777–1836), ein in Paris tätiger Börsenmakler aus Montpellier, vermachte im Jahr 1836 seine Sammlung, die reich an niederländischen und flämischen Gemälden des 17. Jahrhunderts sowie an sieben Werken von Greuze und Zeichnungen aus den 1820er Jahren war. Im Jahr 1864 vermachte der Kunstsammler Jules Bonnet-Mel aus Pézenas 400 Zeichnungen und 28 Gemälde. Durch die Schenkung des Sammlers Alfred Bruyas (1821–1877) besitzt das Museum eines der vollständigsten Zeugnisse der Kunst seiner Epoche, darunter Werke der Romantik, des Naturalismus, der Schule von Barbizon und des Realismus. Im Jahr 1868 übergab Bruyas die Werke seiner Privatgalerie an die Stadt. 1877 ergänzte ein Legat von mehr als 200 Werken diese Schenkung. Im Jahr 1870 überließ Jules Canonge aus Nîmes eine Sammlung von mehr als 350 Zeichnungen. Zur Unterbringung der Bruyas-Sammlung wurde von 1875 bis 1878 die Galerie des Colonnes errichtet.

Die Familie des Malers Frédéric Bazille (1841–1870) stiftete Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts mehrere Werke des Künstlers. So schenkte Gaston Bazilles Mutter im Jahr 1898 die Werke Vue de village (1868) und Nature morte au héron (1867). Im Jahr 1918 folgte eine weitere Schenkung durch Marc Bazille. Im 20. Jahrhundert wandte sich das Museum der zeitgenössischen Kunst und der Abstraktion zu. Es erhielt illustre Spenden, darunter eine von Henri Matisse.

Renovierung und Erweiterung (2003–2007) Um die Jahrtausendwende waren die Räumlichkeiten zu beengt geworden. Im Zuge einer Sanierung des Museums wurde die Stadtbibliothek, die einen Teil des Gebäudekomplexes belegt hatte, verlegt. Ab 2003 wurde das Museum für 61,2 Millionen Euro renoviert, die Arbeiten wurden im Januar 2007 abgeschlossen. Am 24. Februar 2007 wurde das Museum wiedereröffnet. Mit der Durchführung der Restaurierung wurden die Architekten Lajus, Pueyo, Brochet (Bordeaux) sowie Nebout (Montpellier) beauftragt.

Die Schenkung von Pierre und Colette Soulages von neunzehn Gemälden aus den Jahren 1951 bis 2001 stammt aus dem Jahr 2005. Pierre Soulages lernte das Musée Fabre im Jahr 1941 kennen, als er sich in Montpellier auf das Zeichenlehrerexamen an der École supérieure des beaux-arts de Montpellier vorbereitete. Er beschrieb diese Begegnung mit den Worten: „Mehr als jedes andere Museum hat dieses für mich gezählt.“ Im Jahr 2007 ergänzte Soulages die Schenkung durch die Leihgabe von zehn weiteren Gemälden und trat ein zwanzigstes Werk ab. Für die Aufnahme dieser einzigartigen Werke schufen die Architekten einen neuen, zeitgenössischen Flügel mit zwei Sälen von insgesamt 600 m², die eigens für die Werke von Pierre Soulages konzipiert, beleuchtet und ausgestattet wurden.

Architektur Das Musée Fabre ist in einem komplexen, historisch gewachsenen Gebäudeensemble untergebracht, das verschiedene Bauepochen vereint. Ein natürlicher und kohärenter Rundgang führt durch die Räume des Jesuitenkollegs aus dem 17. Jahrhundert und vorbei am Hôtel de Massilian, in dem das Museum im Jahr 1828 eingerichtet wurde. Die spektakuläre Galerie des Griffons wurde in ihrem ursprünglichen Raumvolumen wiederhergestellt. Der Rundgang setzt sich durch die Erweiterungen des 19. Jahrhunderts fort, insbesondere durch die von 1875 bis 1878 erbaute Galerie des Colonnes für die Bruyas-Sammlung. Ein zeitgenössischer Glaspavillon ist dem Werk des 20. Jahrhunderts gewidmet, darunter den Werken von Pierre Soulages, Simon Hantaï und der Gruppe Supports/Surfaces. Nach der Renovierung beherbergt das Museum auf einer Ausstellungsfläche von 9200 m² mehr als 800 Gemälde, 900 Druckgrafiken und 3500 Zeichnungen.

Hôtel de Cabrières-Sabatier d'Espeyran Das Hôtel particulier wurde von 1873 bis 1874 für den Grafen Charles Despous de Paul erbaut und beherbergt heute das Département des Arts Décoratifs des Musée Fabre. Es beherbergt die Abteilung für angewandte Kunst des Musée Fabre. Neben den Sammlungen, die Möbel, Kunstobjekte, Fayencen und Goldschmiedearbeiten als Zeugnisse des aristokratischen und bürgerlichen Lebens des 18. und 19. Jahrhunderts umfassen, vermitteln die aufwendig restaurierten Repräsentationsräume im ersten Obergeschoss die Atmosphäre vergangener Epochen. Das Hôtel Sabatier d'Espeyran wurde am 1. Januar 2003 an die Communauté d'Agglomération de Montpellier übertragen. Für die Restaurierung und Sanierung wurden 3,6 Millionen Euro aufgewendet.

Sammlung Im Jahr 2007 umfasste der Bestand des Musée Fabre nahezu 1800 Gemälde, 4000 Zeichnungen und 1500 Druckgrafiken sowie eine Sammlung von mehreren hundert Skulpturen.

Altmeister (14.–18. Jahrhundert) Zu den Schwerpunkten zählen flämische und holländische Malerei (Rubens, Dou, Teniers), die Renaissance (Veronese, Cousin, de Kempeneer), das 17. Jahrhundert (Poussin, Zurbarán, Guercino) sowie das 18. Jahrhundert (Raoux, Natoire, Guardi).

Unter den vertretenen Künstlerinnen und Künstlern befinden sich außerdem Jacopo Bassano, Annibale Carracci, Alessandro Allori, Federico Zuccari, Salvator Rosa, Luca Giordano, Mattia Preti, Giovanni Pannini, Pieter Brueghel der Jüngere, Jacob van Ruisdael, Gabriel Metsu, Frans van Mieris der Ältere, Gerard ter Borch, Jan Steen, Adriaen van Ostade, Jusepe de Ribera und weitere.

Aus dem Bestand der französischen Malerei sind vertreten: Sébastien Bourdon, Simon Vouet, Gaspard Dughet, Charles Le Brun, Nicolas de Largillière, Hyacinthe Rigaud, Jean-Baptiste Oudry, Carle Vanloo, Claude Joseph Vernet und Hubert Robert. Den Neoklassizismus und das 19. Jahrhundert repräsentieren Werke von Jean-Antoine Houdon sowie François-Xavier Fabre.

Das 19. Jahrhundert ist besonders stark durch die Donation Bruyas vertreten. Ergänzt wird dieses Ensemble durch Werke der beiden in Montpellier geborenen Maler Alexandre Cabanel (1823–1889) und Frédéric Bazille (1841–1870). Das Museum besitzt 15 Gemälde von Gustave Courbet, darunter Les Baigneuses und La Rencontre (auch bekannt als Bonjour Monsieur Courbet, 1854), sowie Werke von Eugène Delacroix, Jean-Auguste-Dominique Ingres und Théodore Géricault. Im Jahr 1888 besuchten Vincent van Gogh und Paul Gauguin das Museum und waren tief beeindruckt von dem Porträt Alfred Bruyas von Eugène Delacroix.

Moderne und zeitgenössische Kunst (20.–21. Jahrhundert) Der moderne Sammlungsbereich lässt sich als eine Geschichte des Lichts in der Malerei interpretieren: von den impressionistischen Forschungen über die chromatische Freiheit der fauvistischen und expressionistischen Avantgarden bis hin zu Pierre Soulages' 1979 entwickeltem Konzept des „Outrenoir“. Vertreten sind außerdem Kees van Dongen, Raoul Dufy, Albert Marquet, Nicolas de Staël, Maria Helena Vieira da Silva sowie die Gruppe Supports/Surfaces (Claude Viallat u. a.). Im Bereich der Skulptur befinden sich Werke von Antoine Bourdelle, Aristide Maillol, Germaine Richier und René Iché. Die grafische Sammlung umfasst mehr als 4000 Blätter, darunter Zeichnungen von Raffael und Charles Le Brun.

Werke (Auswahl)

Weblinks

Website des Museums (französisch) Das musée Fabre in Montpellier: Soulages, Courbet, Houdon und … Hauptwerke des Museums

Einzelnachweise

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