mini|hochkant|Der Webb Ellis Cup
Die Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2015 (; ) fand vom 18. September bis zum 31. Oktober 2015 in England und Wales statt. Es war die achte Weltmeisterschaft im vierjährlichen Turnierzyklus, der vom Weltverband World Rugby organisiert wird, und die vierte in der nördlichen Hemisphäre. England war bei den Weltmeisterschaften 1991 und 1999 Mitgastgeber; beide Turniere wurden zusammen mit den anderen damaligen Five Nations Frankreich, Irland, Schottland und Wales ausgetragen.
Das Turnierformat von 2003, 2007 und 2011 blieb unverändert und 20 Rugby-Union-Nationalmannschaften nahmen an der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2015 teil: die zwölf direkt qualifizierten Mannschaften der Weltmeisterschaft 2011 (Argentinien, Australien, England, Frankreich, Irland, Italien, Neuseeland, Samoa, Schottland, Südafrika, Tonga und Wales), zusammen mit den acht besten Mannschaften der Qualifikation (Fidschi, Georgien, Japan, Kanada, Namibia, Rumänien, Uruguay und die Vereinigten Staaten). Erstmals in der Turniergeschichte gab es keinen Debütanten.
Während der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2015 wurden 48 Spiele absolviert, darunter 40 in der Vorrunde und acht in der Finalrunde, einschließlich des Finales. Die Mannschaften wurden in vier Gruppen zu je fünf Teams eingeteilt, wobei jedes einmal gegen die anderen der Gruppe antrat. Die beiden besten Mannschaften jeder Gruppe erreichten hiernach das Viertelfinale, während sich die besten drei Mannschaften jeder Gruppe – insgesamt zwölf Mannschaften – direkt für die darauf folgende Weltmeisterschaft 2019 in Japan qualifizierten.
Vor Beginn der Weltmeisterschaft galten Neuseeland, Australien, Südafrika und Irland als Favoriten auf den Titelgewinn. Im Finale, das im Twickenham Stadium in London stattfand, setzte sich Titelverteidiger Neuseeland mit 34:17 gegen Australien durch und errang als erstes Team zum dritten Mal den Weltmeistertitel. Außerdem gelang den Neuseeländern als erstem Team die Titelverteidigung. Zudem war es nach der Weltmeisterschaft in Südafrika das zweite Finale, in dem zwei Mannschaften der südlichen Hemisphäre aufeinandertrafen, und erstmals erreichte keine Mannschaft der Nordhemisphäre das Halbfinale. Twickenham wurde nach dem Eden Park in Auckland das zweite Rugbystadion das mehr als ein Finale – nach 1991 – austrug. Südafrika wurde Dritter und Argentinien Vierter.
Das Spiel zwischen Japan und Südafrika am Eröffnungswochenende, bei dem Japan den entscheidenden Versuch in der Verlängerung gegen den Favoriten Südafrika legte, gilt als die „größte Überraschung“ der Rugbygeschichte. Entsprechend generierte das Turnier von Beginn an große Aufmerksamkeit der Medien. Der Gastgeber England schied nach Niederlagen gegen Wales und Australien bereits in der Vorrunde aus; damit erreichte erstmals in der Turniergeschichte ein nomineller Gastgeber nicht die Finalrunde. Außerdem war Japan das erste Team, das trotz dreier Siege nicht das Viertelfinale erreichte aufgrund weniger Bonuspunkte.
Mit über vier Milliarden Fernsehzuschauern weltweit war die Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2015 die meistgesehene Rugbyweltmeisterschaft bisher. Insgesamt wurden etwa 2,47 Millionen Eintrittskarten für die 48 Spiele verkauft, was einem Zuschauerschnitt von 51.621 entspricht.
Vergabe mini|400px|Bewerbungen für die Ausrichtung der Weltmeisterschaft 2015 Der Weltverband World Rugby (bis 2014: International Rugby Board) wünschte, dass alle interessierten Verbände bis zum 15. August 2008 ihre Absicht für die Ausrichtung der Weltmeisterschaften 2015 und 2019 bekanntgaben. Erforderlich war zu diesem Zeitpunkt lediglich eine Absichtserklärung ohne detaillierte Planungen. Zehn Verbände, so viele wie nie zuvor, bekundeten formell ihr Interesse: Australien, England, Irland, Italien, Jamaika, Japan, Russland, Schottland, Südafrika und Wales. Von diesen zehn Verbänden zogen sechs in der ersten Hälfte des Jahres 2009 ihre Kandidatur zurück. Übrig blieben England, Italien, Japan und Südafrika, wobei England und Japan als Favoriten galten.
Auf seiner Sitzung am 28. Juli 2009 in Dublin erteilte der Weltverband der englischen Kandidatur den Zuschlag, während Japan die Weltmeisterschaft 2019 zugesprochen bekam.
England trug somit zum zweiten Mal nach 1991 (nominell) eine Weltmeisterschaft aus. Die Bewerbung war Teil einer breit angelegten Strategie Großbritanniens, die vorsah, in der „Dekade des Sports“ möglichst viele sportlich hochkarätige Wettbewerbe der 2010er Jahre auszurichten. Dazu gehörten auch die Olympischen Sommerspiele 2012, die Rugby-League-Weltmeisterschaft 2013, die Commonwealth Games 2014, die Fußball-Weltmeisterschaft 2018 (die allerdings nach Russland vergeben wurde) und die Cricket-Weltmeisterschaft 2019.
Qualifikation
Neben Gastgeber England, das sich auch sportlich durch das Erreichen des Viertelfinales der Weltmeisterschaft 2011 qualifiziert hatte, waren vorab die sieben weiteren Viertelfinalisten der letzten WM-Endrunde sowie die vier Drittplatzierten der Vorrundengruppen für das Turnier qualifiziert. So waren noch acht Plätze für das insgesamt zwanzig Nationen umfassende Turnier in der Qualifikation zu vergeben. Die Qualifikation bestand aus fünf kontinentalen Gruppen: Afrika, Nordamerika zusammen mit Südamerika, Asien, Europa und Ozeanien. Jeweils zwei Plätze waren für die Kontinentalverbände Europas und Amerikas und einer für Afrika, Asien und Ozeanien reserviert. Der letzte Startplatz wurde in einer interkontinentalen Qualifikationsrunde ausgespielt. Zusammen mit den automatischen Qualifikanten nahmen 96 Nationalmannschaften an der Qualifikation zur Endrunde in England und Wales teil.
Die automatisch qualifizierten Mannschaften waren England als Gastgeber und Viertelfinalist 2011, Neuseeland als Titelverteidiger, Frankreich als Zweit- und Australien als Drittplatzierter 2011, Wales als Halbfinalist, die Viertelfinalisten Irland, Südafrika und Argentinien, sowie die Gruppendritten Schottland, Samoa, Tonga und Italien. Im August 2013 qualifizierte sich Kanada als Amerikas 1 nach zwei Siegen gegen die Vereinigten Staaten mit einem Gesamtergebnis von 40–20. Im März des folgenden Jahres sicherten sich die Vereinigten Staaten den Startplatz Amerika 2 mit zwei Erfolgen gegen Uruguay. Im selben Monat qualifizierten sich Georgien als Europa 1 und Rumänien als Europa 2. Zwei Monate später wurde Japan der einzige asiatische Qualifikant. Im Juni 2014 qualifizierte sich Fidschi als Ozeanien 1. Einen Monat später qualifizierte sich Namibia für seine fünfte aufeinanderfolgende Endrunde, nachdem es die Afrikameisterschaft 2014 mit einer besseren Punktedifferenz für sich entschied. Uruguay sicherte sich in der Repechage nach einem Gesamtergebnis von 57:49 gegen Russland den letzten Endrundenplatz. Die teilnehmenden Nationen waren fast die gleichen wie bei der WM vor vier Jahren. Anstelle von Russland hatte sich diesmal Uruguay qualifiziert. Dieselben 20 Teams nahmen an der Weltmeisterschaft 2003 teil.
mini|400px|An der Qualifikation beteiligte Länder nach Kontinentalverbänden; insgesamt 96 Teams nahmen teil. mini|400px|Teilnehmende Länder der Rugby-Union-Weltmeisterschaft 2015: Land Qualifikationsgrundlage WM-Teilnahme Letztmalige WM-Teilnahme Bestes Ergebnis GruppeNomineller GastgeberAchte2011Weltmeister (2003)AAutomatischAchte2011Dritter (2007)CAchte2011Weltmeister (1991, 1999)AAchte2011Finalist (1987, 1999, 2011)DAchte2011Viertelfinale (1987, 1991, 1995, 2003, 2011)DAchte2011Vorrunde (1987, 1991, 1995, 1999, 2003, 2007, 2011)DAchte2011Weltmeister (1987, 2011)CSiebente2011Viertelfinale (1991, 1995)BAchte2011Vierter (1991)BSechste2011Weltmeister (1995, 2007)BSiebente2011Vorrunde (1987, 1995, 1999, 2003, 2007, 2011)CAchte2011Dritter (1987)AOzeanien 1Siebente2011Viertelfinale (1987, 2007)AEuropa 1Vierte2011Vorrunde (2003, 2007, 2011)CAsien 1Achte2011Vorrunde (1987, 1991, 1995, 1999, 2003, 2007, 2011)BAmerika 1Achte2011Viertelfinale (1991)DAfrika 1Fünfte2011Vorrunde (1999, 2003, 2007, 2011)CEuropa 2Achte2011Vorrunde (1987, 1991, 1995, 1999, 2003, 2007, 2011)DRepechageDritte2003Vorrunde (1999, 2003)AAmerika 2Siebente2011Vorrunde (1987, 1991, 1999, 2003, 2007, 2011)B
Austragungsorte mini|Entgegen den ursprünglichen Plänen konnte Manchesters Old Trafford während der Weltmeisterschaft 2015 nicht verwendet werden Am 28. Juli 2009, dem Tag der Bekanntgabe, dass England das WM-Turnier 2015 ausrichten wird, wurden provisorisch auch Stadien vorgestellt, in denen die Spiele ausgetragen werden sollen. Die offizielle Bekanntgabe der Stadien mitsamt dem Turnierplan erfolgte am 2. März 2013. Von diesen sind zwölf in England, während sich das Millennium Stadium in Wales befindet. Bereits 2011 hatte der Weltverband aufgrund seiner hohen Kapazität und der strategischen Lage die Nutzung des Millennium Stadium genehmigt, obschon es sich außerhalb des Gastgeberlandes befindet. Von den dreizehn Stadien sind zwei im Besitz von Rugbyvereinen (Kingsholm Stadium und Sandy Park), zwei sind Rugby-Nationalstadien (Twickenham Stadium und Millennium Stadium), zwei sind Mehrzweckstadien (Wembley-Stadion und Olympiastadion London) und die übrigen sieben sind Stadien von Fußballvereinen.
Vorgeschlagene Stadien, die es nicht in die Endauswahl schafften, waren das Stadium of Light in Sunderland, die Ricoh Arena in Coventry, das St. Mary’s Stadium in Southampton, das Pride Park Stadium in Derby, Anfield in Liverpool und das Ashton Gate Stadium in Bristol. Der Fußballverein Manchester United, Besitzer des Old Trafford, zog seine Zusage im April 2013 zurück und begründete diesen Schritt mit der Verpflichtung, Rugby-League-Spiele auszutragen sowie mit Befürchtungen, dass der neue Hybridrasen beschädigt werden könnte. Die Organisatoren ersuchten daraufhin beim Stadtrivalen Manchester City um die Nutzung des Etihad Stadium. Der Verein gab seine Zustimmung, jedoch nur für ein einziges Spiel anstatt wie vorgesehen für drei.
Am 2. Mai 2013 wurden die Stadien für das Turnier genehmigt. Im Twickenham Stadium in London fanden vier Vorrundenspiele, darunter das Eröffnungsspiel der WM, zwei Viertel- und die Halbfinals und das Endspiel statt, im Cardiffer Millennium Stadium wurden sechs Vorrundenspiele und zwei Viertelfinals ausgetragen, im Londoner Wembley Stadium das vierte Viertelfinale, im Olympiastadion fand neben vier Vorrundenspielen das Spiel um Platz drei statt. Die weiteren Stadien waren Spielorte für Vorrundenspiele. London Cardiff London London Manchester Twickenham Stadium Millennium Stadium Olympiastadion London Wembley-Stadion Manchester City Stadium Kapazität: 81.605 Kapazität: 74.154 Kapazität: 54.000 Kapazität: 90.000 Kapazität: 55.097 Gesamtzuschauerzahl: 796.171 Gesamtzuschauerzahl: 564.524 Gesamtzuschauerzahl: 266.216 Gesamtzuschauerzahl: 178.286 Gesamtzuschauerzahl: 50.778 Schnitt: 79.617 Schnitt: 70.565 Schnitt: 53.243 Schnitt: 89.143 Schnitt: 50.778 200px 200px 200px 200px 200px Newcastle Birmingham Leeds St. James’ Park Villa Park Elland Road Kapazität: 52.409 Kapazität: 42.785 Kapazität: 37.914 Gesamtzuschauerzahl: 153.867 Gesamtzuschauerzahl: 79.131 Gesamtzuschauerzahl: 66.641 Schnitt: 51.289 Schnitt: 39.565 Schnitt: 33.320 200px 200px 200px Leicester Brighton Milton Keynes Gloucester Exeter Leicester City Stadium Brighton Community Stadium Stadium MK Kingsholm Stadium Sandy Park Kapazität: 32.312 Kapazität: 30.750 Kapazität: 30.717 Kapazität: 16.500 Kapazität: 12.300 * Gesamtzuschauerzahl: 86.475 Gesamtzuschauerzahl: 58.468 Gesamtzuschauerzahl: 80.212 Gesamtzuschauerzahl: 57.327 Gesamtzuschauerzahl: 32.709 Schnitt: 28.825 Schnitt: 29.234 Schnitt: 26.737 Schnitt: 14.332 Schnitt: 10.903 200px 200px 200px 200px 200px * Das Stadion wurde bis zum Zeitpunkt des Turniers ausgebaut.
Format mini|Calverley Street in Leeds, West Yorkshire, am Vorabend der Weltmeisterschaft 2015