Eleuterio Sánchez Rodríguez (* 15. April 1942 in Salamanca), genannt El Lute, ist ein spanischer Autor. In den 1960er- und 1970er-Jahren wurde er als mehrfach verurteilter Straftäter und durch zwei spektakuläre Gefängnisausbrüche landesweit bekannt. Während seiner langjährigen Haft eignete er sich weitgehend autodidaktisch eine Schul- und Hochschulbildung an und veröffentlichte mehrere autobiografische Bücher. 1981 wurde er begnadigt.
Leben
Eleuterio Sánchez Rodríguez wurde 1942 im Salamancaner Stadtteil Pizarrales in eine arme Merchero-Familie geboren. Seine Familie lebte zeitweise nomadisch und verdiente ihren Lebensunterhalt unter anderem als fahrende Händler und Kesselflicker. Sánchez erhielt als Kind kaum Schulbildung und war als junger Erwachsener Analphabet. Bereits vor 1965 war er wegen Eigentumsdelikten inhaftiert worden.
Am 5. Mai 1965 beteiligte sich Sánchez mit zwei Komplizen an einem Überfall auf ein Juweliergeschäft in Madrid. Dabei wurde ein Wachmann erschossen. Sánchez bestritt später, den tödlichen Schuss abgegeben zu haben. Wenige Tage danach versuchte die Polizei, Sánchez und einen weiteren Tatverdächtigen festzunehmen. Bei dem dabei entstandenen Schusswechsel wurde ein siebenjähriges Mädchen tödlich getroffen.
Am 28. Mai 1965 wurden Sánchez und einer der Mittäter in einem summarischen Verfahren vor einem Militärgericht auf Grundlage der franquistischen Ley de Bandidaje y Terrorismo (Sondergesetz gegen Terrorismus und Banditentum) zum Tode verurteilt. Die Todesurteile wurden anschließend in jeweils 30 Jahre Haft (reclusión mayor) umgewandelt.
Sánchez wurde zunächst in das Gefängnis El Dueso bei Santoña gebracht. Dort begann er Lesen und Schreiben zu lernen und sich systematisch weiterzubilden. Der ebenfalls dort inhaftierte kommunistische Politiker Simón Sánchez Montero förderte nach späteren Berichten sein Interesse an Bildung und Literatur.
Am 2. Juni 1966 gelang Sánchez während eines Zugtransports von El Dueso nach Madrid die Flucht. Beim Sprung aus dem fahrenden Zug zog er sich erhebliche Verletzungen zu. Nach zwölf Tagen wurde er am 14. Juni in der Provinz Salamanca erneut festgenommen.
Anschließend kam Sánchez in das Gefängnis El Puerto de Santa María. In der Nacht vom 31. Dezember 1970 auf den 1. Januar 1971 gelang ihm dort eine zweite Flucht. Gemeinsam mit anderen Gefangenen durchbrach er eine Wand und erreichte mithilfe eines Seils die Außenseite der Gefängnismauer; als Einziger der beteiligten Häftlinge konnte er entkommen. In den folgenden rund zweieinhalb Jahren lebte er unter falscher Identität im Untergrund und wurde zu einem der meistgesuchten Männer Spaniens. Anfang Juni 1973 wurde er in Sevilla erneut festgenommen.
Während seiner erneuten Haft setzte Sánchez seine Ausbildung fort und nahm über die spanische Fernuniversität UNED ein Studium der Rechtswissenschaft auf. Zugleich begann er zu schreiben. 1977 erschien noch während seiner Haft sein autobiographisches Buch Camina o revienta, dem weitere autobiographische Werke folgten. Seine spektakulären Fluchten und die umfangreiche Berichterstattung über die Fahndung machten ihn bereits in den letzten Jahren der Franco-Diktatur zu einer weithin bekannten und zunehmend mythisierten Figur.
Von der allgemeinen Amnestie des Jahres 1977 wurde Sánchez nicht erfasst. 1978 wurde er jedoch in den offenen Strafvollzug nach Alcalá de Henares verlegt und durfte tagsüber außerhalb der Haftanstalt arbeiten. Ein späteres Verfahren, in dem zahlreiche während seiner Fluchtzeit begangene Straftaten zusammengefasst wurden, führte 1980 zu nominell sehr hohen Gesamtstrafen. Nach spanischem Strafrecht war deren tatsächlich zu verbüßende Dauer jedoch begrenzt. Ein zeitgenössischer Bericht von El País nennt 97 Raubdelikte, wegen derer Sánchez in diesem Verfahren verurteilt worden war.
Am 19. Juni 1981 beschloss der spanische Ministerrat seine Begnadigung; am folgenden Tag verließ Sánchez das Gefängnis.
Nach seiner Freilassung veröffentlichte Sánchez weitere Bücher und trat als Autor und Redner öffentlich auf. Seine Lebensgeschichte wurde unter anderem in den beiden von Vicente Aranda inszenierten Filmen El Lute – Camina o revienta (1987) und El Lute II: mañana seré libre (1988) verfilmt.
Seinen Lebensmittelpunkt hat Sánchez in Niebla in der Provinz Huelva; außerdem besitzt er ein Haus in Cabezabellosa in der Provinz Cáceres, wo er sich regelmäßig aufhält.
Filme Vicente Aranda: El Lute I – camina o revienta. 1987. Vicente Aranda: El Lute II – mañana seré libre. 1988.
Lieder Die Gruppe Boney M. veröffentlichte 1979 das englisch gesungene Lied El Lute, das die Geschichte des Spaniers erzählt. Es folgten diverse Coverversionen, darunter auch deutschsprachige etwa von Michael Holm, Roland Kaiser und Jonny Hill.
Werke Camina o revienta. Memorias de "El Lute". Cuadernos para el Diálogo, 1977. Mañana seré libre. Bruguera, 1979. Una pluma entre rejas. Bruguera, 1981. Entre Sombras Y Silencios. Lectorum Pubns, 1983.
Weblinks
Einzelnachweise
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