Berlinit ist ein selten vorkommendes Mineral aus der Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ mit der chemischen Zusammensetzung Al[PO4] und ist damit chemisch gesehen ein Aluminiumorthophosphat.

Berlinit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und entwickelt überwiegend faserige, radialstrahlige oder körnige bis massige Mineral-Aggregate mit glasähnlichem Glanz auf den Oberflächen. In reiner Form ist er farblos und durchsichtig. Durch vielfache Lichtbrechung aufgrund von Gitterbaufehlern oder polykristalliner Ausbildung kann er aber auch weiß erscheinen und durch Fremdbeimengungen eine graurosa bis hellrosa Farbe annehmen, wobei die Transparenz entsprechend abnimmt.

Etymologie und Geschichte mini|links|Nils Johan Berlin (1812–1891) Erstmals entdeckt wurde Berlinit in der Grube Västanå bei Näsum in der schwedischen Gemeinde Bromölla. Analysiert und erstbeschrieben wurde das Mineral durch Christian Wilhelm Blomstrand, der es nach dem schwedischen Professor der Chemie und Mineralogie in Lund und Uppsala Nils Johan Berlin (1812–1891) benannte. Seine Untersuchungsergebnisse und den gewählten Namen veröffentlichte Blomstrand 1868 in der schwedischen Fachzeitschrift Öfversigt af Kongliga Vetenskaps-Akademiens Förhandlingar.

Das Typmaterial des Minerals wird im Mineralogischen Museum der Harvard University (HMM) in Cambridge (USA) unter der Inventarnummer 101252 und im Mineralogischen Museum des Instituts für Geowissenschaften der Universität Breslau (MMUWr) in Breslau (, oder Wracłav, Polen) unter der Inventarnummer MMWr II-9574 aufbewahrt.

Da der Berlinit bereits lange vor der Gründung der International Mineralogical Association (IMA) bekannt und als eigenständige Mineralart anerkannt war, wurde dies von ihrer Commission on New Minerals, Nomenclature and Classification (CNMNC) übernommen und bezeichnet den Berlinit als sogenanntes „grandfathered“ (G) Mineral. Die seit 2021 ebenfalls von der IMA/CNMNC anerkannte Kurzbezeichnung (auch Mineral-Symbol) von Berlinit lautet „Ber“.

Klassifikation Bereits in der veralteten 8. Auflage der Mineralsystematik nach Strunz gehörte der Berlinit zur Mineralklasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort zur Abteilung „Wasserfreie Phosphate, Arsenate und Vanadate ohne fremde Anionen“, wo er gemeinsam mit Beryllonit, Hurlbutit und Lithiophosphat in der „Berlinit-Beryllonit-Hurlbutit-Gruppe“ mit der Systemnummer VII/A.01 steht.

In der zuletzt 2018 überarbeiteten Lapis-Systematik nach Stefan Weiß, die formal auf der alten Systematik von Karl Hugo Strunz in der 8. Auflage basiert, erhielt das Mineral die System- und Mineralnummer VII/A.01-010. Dies entspricht ebenfalls der Abteilung „Wasserfreie Phosphate [PO4]3−, ohne fremde Anionen“, wo Berlinit zusammen mit Alarsit, Beryllonit, Hurlbutit, Lithiophosphat, Minjiangit, Nalipoit, Olympit, Rodolicoit und Strontiohurlbutit die Gruppe „Kleine Kationen (Li-Be-Al-Fe3+)“ mit der Systemnummer VII/A.01 bildet.

Auch die von der International Mineralogical Association (IMA) zuletzt 2009 aktualisierte 9. Auflage der Strunz’schen Mineralsystematik ordnet den Berlinit in die Abteilung „Phosphate usw. ohne zusätzliche Anionen; ohne H2O“ ein. Diese ist allerdings weiter unterteilt nach der relativen Größe der beteiligten Kationen. Das Mineral ist hier entsprechend seiner Zusammensetzung in der Unterabteilung „Mit kleinen Kationen (einige zusätzlich mit größeren Kationen)“ zu finden, wo es zusammen mit Alarsit und Rodolicoit eine unbenannte Gruppe mit der Systemnummer 8.AA.05 bildet.

In der vorwiegend im englischen Sprachraum gebräuchlichen Systematik der Minerale nach Dana hat Berlinit die System- und Mineralnummer 38.04.02.01. Das entspricht der Klasse der „Phosphate, Arsenate und Vanadate“ und dort der Abteilung „Wasserfreie Phosphate etc.“. Hier findet er sich innerhalb der Unterabteilung „Wasserfreie Phosphate etc., A+XO4“ in der „Berlinitgruppe“, in der auch Alarsit und Rodolicoit eingeordnet sind.

Kristallstruktur mini|links|Synthetisch mithilfe des Hydrothermalverfahrens erzeugte Berlinitkristalle Berlinit kristallisiert im trigonalen Kristallsystem und bildet ähnlich wie Quarz spiegelbildliche Links- und Rechtsformen aus, wobei die Linksform mit der und die Rechtsform mit der Raumgruppe umschrieben wird. Beide Raumgruppen gehören zur gleichen Klasse, mit der zweizähligen Achse parallel .

Für die Linksform ergab die Messung der Gitterparameter für a = 4,9458 Å und c = 10,9526 Å und für die Rechtsform die Gitterparameter a = 4,9438 Å und c = 10,9498 Å bei drei Formeleinheiten pro Elementarzelle.

Berlinit ist homöotyp mit Quarz, das heißt beide kristallisieren zwar in derselben Raumgruppe jedoch mit unterschiedlichen Gitterparametern. siehe Kristallstruktur von Quarz.

Eigenschaften Unter UV-Licht zeigen manche Berlinite eine dunkelrote Fluoreszenz, ähnlich der von neonfarbenen Textmarkern.

Bildung und Fundorte Berlinit bildet sich bei hohen Temperaturen in hydrothermalen Lösungen oder durch Metasomatose und tritt in Paragenese mit Augelith und Attakolith sowie oft verwachsen mit Scorzalith oder Trolleit auf.

Als seltene Mineralbildung konnte Berlinit nur an wenigen Orten nachgewiesen werden, wobei weltweit bisher rund 35 Vorkommen dokumentiert sind (Stand: 2013). Neben seiner Typlokalität, der Grube Västanå bei Näsum trat das Mineral in Schweden noch am Steinbruch Hålsjöberg (Horrsjöberg) bei Torsby (Värmland) und in den komplexen Pegmatiten von Norrskogen in der Gemeinde Sigtuna (Stockholm) auf.

In Deutschland konnte Berlinit bisher nur in einem Basalt-Steinbruch bei Wiesau-Triebendorf in Bayern und in der Grube „Sauberg“ bei Ehrenfriedersdorf in Sachsen gefunden werden.

Der bisher einzige bekannte Fundort in der Schweiz ist Törbel im Kanton Wallis.

Weitere Fundorte sind unter anderem die „Paddy's River Cu Mine“ am Cotter River und der Mount Perry in der North Burnett Region in Australien, die „Sapucaia Mine“ bei Sapucaia do Norte und das Grubenfeld „Poço d'Antas“ im Piauí Valley im brasilianischen Bundesstaat Minas Gerais, im Itremo Massiv (Steinbruch Tsiambenana) im Distrikt Ambatofinandrahana auf Madagaskar, an mehreren Orten im Kreis Gatumba in der Westprovinz von Ruanda, in der Cioclovina-Höhle im rumänischen Kreis Hunedoara, am Cap de Creus in Spanien, bei Zlaté Hory (deutsch Zuckmantel) in Tschechien sowie die „Inspiration Mine“ im Bezirk Miami-Inspiration im Gila County (Arizona) und der Washington County (Maine) in den USA.

Siehe auch Liste der Minerale

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise Fundortliste für Berlinit beim Mineralienatlas (deutsch) und bei Mindat (englisch), abgerufen am 6. Dezember 2025.

Kategorie:Grandfathered Mineral Kategorie:Trigonales Kristallsystem Kategorie:Phosphate, Arsenate und Vanadate Kategorie:Aluminiummineral Kategorie:Phosphormineral