Das Blaue Sofa ist ein Literaturformat, bei dem Autoren auf einem blauen Sofa Gespräche über ihre Bücher führen. Das Format wurde von Bertelsmann ins Leben gerufen und später gemeinsam mit dem ZDF, Deutschlandfunk Kultur und 3sat veranstaltet. Seit 2023 führt Bertelsmann das Format in Alleinverantwortung im Rahmen der culture@bertelsmann-Initiative.
Bis 2026 nahmen mehr als 3.100 Autoren auf dem Blauen Sofa Platz, um auf Buchmessen und bei weiteren Veranstaltungen neue Bücher vorzustellen.
Geschichte miniatur|Florence Gaub auf dem Blauen Sofa mit den Nominierten des Deutschen Sachbuchpreises 2026 in der Berliner Bertelsmann- Repräsentanz. miniatur|Konstantin Richter auf dem Blauen Sofa mit den Nominierten des Deutschen Sachbuchpreises 2026 in der Berliner Bertelsmann-Repräsentanz. Die Reihe wurde 1999 vom Club Bertelsmann ins Leben gerufen, um „Lese- und Autorenförderung zu betreiben und um Gespräche zwischen ausgewählten Autoren und ausgewiesenen Kulturjournalisten einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen“. Das Blaue Sofa hatte im selben Jahr auf der Frankfurter Buchmesse Premiere. Zu den langjährigen Verantwortlichen bei Bertelsmann gehörte Christiane Munsberg, die von Anfang an für den Ablauf des Formats zuständig war.
Von Beginn an wurde das Format durch das ZDF-Kulturmagazin aspekte und dessen damaligen Redaktionsleiter Wolfgang Herles begleitet. Ab März 2000 war Das Blaue Sofa regelmäßig auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt vertreten. Dort wurden Autoren von Journalisten des ZDF, ab 2008 auch von Deutschlandfunk Kultur und ab 2018 von 3sat interviewt. Die beteiligten Veranstalter bezeichneten das Format als „gemeinsames Autorenforum“, das neben den Buchmessen auch im Berliner Kulturleben stattfand. Zwischen 2011 und 2015 entstand daraus auch die monatliche Literatur-Sendung Das blaue Sofa.
Neben den Buchmessen fanden bereits früh Sonderveranstaltungen statt. Vier Tage vor der Bundestagswahl im September 2005 feierte Das Blaue Sofa Berlin anlässlich des Internationalen Literaturfestivals Berlin Premiere. Zwei Monate später gastierte das Format mit Paulo Coelho erstmals im Berliner Ensemble. 2008 folgte bei den Salzburger Festspielen eine Talkrunde zum Thema „1968 und die Künste“. Im Dezember desselben Jahres, dem 60. Gründungsjahr des Staates Israel, fand ein Gespräch zwischen dem israelischen Schriftsteller Amos Oz und Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier statt.
Die Zusammenarbeit von Bertelsmann, ZDF, Deutschlandfunk Kultur und 3sat endete zum Jahresende 2022. Seit 2023 führt Bertelsmann Das Blaue Sofa mit einem neuen Konzept in Alleinverantwortung weiter. Die Projektleitung übernahm im Dezember 2022 Laura Austen. Zu ihren Aufgaben gehören die Programmgestaltung, die Auswahl der Gäste und Moderatoren sowie die Weiterentwicklung des Formats. ARD, ZDF, 3sat und Deutschlandfunk Kultur veranstalten seitdem zusammen eine eigene Literaturbühne.
Konzept Das Grundkonzept des Blauen Sofas besteht in moderierten Gesprächen mit Autoren über ihre Neuerscheinungen. Die Gespräche finden häufig vor Publikum auf einem blauen Sofa statt und wurden traditionell vor allem auf den Buchmessen in Leipzig und Frankfurt geführt. Die Redaktionskonferenz des Blauen Sofas lud dabei etwa 60 Autoren zur Leipziger und etwa 80 Autoren zur Frankfurter Buchmesse ein, um deren Bücher in halbstündigen Gesprächen vorzustellen. Der Spiegel bezeichnete die Reihe 2003 als „Ruhmesrampe der Buchmessen“.
Seit der Neuausrichtung 2023 findet das Format neben den Buchmessen verstärkt bei Lesefesten, Festivals, Kulturinstitutionen und internationalen Veranstaltungen statt. Bertelsmann kündigte zudem an, die Veranstaltungen digital zugänglich zu machen und häufiger mit Festivals und Institutionen zusammenzuarbeiten.
Das namensgebende Möbelstück wurde 1994 von dem Architekten und Designer Wulf Schneider entworfen. Es war Teil eines modularen Möbelsets und nicht ursprünglich für Literaturveranstaltungen geplant. Die später verwendete blaue Ausführung war ein Dreisitzer mit Armlehnen aus dem Programm des Herstellers COR.
Kooperationen und Veranstaltungsreihen Buchmessen und Lesefeste miniatur|Mareice Kaiser auf dem Blauen Sofa in der Alten Börse im Rahmen von Leipzig liest 2025. miniatur|Maja Lunde auf dem Blauen Sofa zur Begrüßung Norwegens als Gastland der Leipziger Buchmesse 2025. miniatur|Miguel Syjuco auf dem Blauen Sofa zur Begrüßung der Philippinen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2025. miniatur|Katharina Köller auf dem Blauen Sofa in der Alten Börse im Rahmen von Leipzig liest 2025. Das Blaue Sofa gehört seit 2000 zum Programm der Buchmessen in Leipzig und Frankfurt. Nach der Neuausrichtung Ende 2022 war es während der Leipziger Buchmesse zunächst ausschließlich im Rahmen des Lesefests „Leipzig liest“ vertreten. Dazu gehörte unter anderem der gemeinsam mit dem Verein Kunst & Justiz veranstaltete KrimiClub im Landgericht Leipzig. 2026 kehrte Das Blaue Sofa mit einer eigenen Bühne auf das Leipziger Messegelände zurück. Am 20. und 21. März fanden dort Gespräche mit Hannah Häffner, Jochen-Martin Gutsch, Miriam Davoudvandi, Lilli Tollkien, Markus Orths und Esther Schüttpelz statt. Die Gespräche moderierte Marie-Christine Knop. Am 5. März 2026 veranstaltete Das Blaue Sofa außerdem in Berlin einen Abend zum neuen Fokusthema der Leipziger Buchmesse „Donau – Unter Strom und zwischen Welten“. Gäste waren Dana Grigorcea und Ena Katarina Haler, die Moderation übernahm Shelly Kupferberg.
Seit der Neuausrichtung werden zudem die Gastländer beziehungsweise Ehrengäste der Buchmessen in eigenen Veranstaltungen vorgestellt. 2023 begrüßte Das Blaue Sofa das Gastland Slowenien der Frankfurter Buchmesse. 2024 folgten die Niederlande und Flandern als Gastland der Leipziger Buchmesse sowie Italien als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse, 2025 dann Norwegen als Gastland der Leipziger Buchmesse und die Philippinen als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse.
Seit 2011 eröffnet Das Blaue Sofa das vom Kulturamt der Stadt Frankfurt veranstaltete Lesefest „Open Books“ am Vorabend der Frankfurter Buchmesse. Bei der Eröffnung 2025 in der Deutschen Nationalbibliothek wurde ein neues blaues Sofa vorgestellt, das das ursprüngliche Sitzmöbel nach 25 Jahren und rund 3000 Lesungen ersetzte. An dem Abend wurden unter anderem Dorothee Elmiger, Kaleb Erdmann, Katerina Poladjan und Natalie Amiri interviewt. Elmiger sprach über ihren kurz zuvor mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichneten Roman „Die Holländerinnen“, Erdmann über „Die Ausweichschule“, Poladjan über „Goldstrand“ und Amiri über „Der Nahost-Komplex“.
Theater Gütersloh Seit 2017 findet Das Blaue Sofa auch im Theater Gütersloh statt. Bertelsmann veranstaltet die Reihe dort in Kooperation mit den Kulturräumen Gütersloh im Frühjahr und Herbst. Zu den Gästen seit 2023 gehörten unter anderem Dietrich Grönemeyer, Christine Westermann, Mona Ameziane, Peter Wohlleben, Melanie Raabe, Stefan Kaminski, Raphaela Gromes und Axel Petermann. Die Einnahmen der Veranstaltungen kommen dem Theater Gütersloh zugute.
Weitere Kooperationen mini|Lana Lux auf dem Blauen Sofa bei den Jüdischen Kulturtagen Berlin. In Luxemburg arbeitet Das Blaue Sofa mit dem Institut Pierre Werner zusammen. 2023 war dort der Historiker Christopher Clark zu Gast, 2024 Dana Grigorcea, 2025 der Literaturnobelpreisträger Abdulrazak Gurnah und 2026 die luxemburgische Schriftstellerin Elise Schmit.
Seit 2023 besteht außerdem eine Kooperation mit dem Internationalen Literaturfestival Berlin. Bei der ersten Veranstaltung waren unter anderem Sunjeev Sahota, Cheon Myeong-kwan, Laurie Halse Anderson und Sabaa Tahir zu Gast. 2024 fand im Rahmen des Festivals eine Veranstaltung mit Salman Rushdie statt, 2025 folgte ein Gespräch mit Geetanjali Shree und Jokha Alharthi.
Daneben war Das Blaue Sofa am 11. Mai 2023 im Rahmen des Kultursymposiums Weimar des Goethe-Instituts im Studienzentrum der Herzogin-Anna-Amalia-Bibliothek zu Gast.
2024 gastierte Das Blaue Sofa erstmals im Rahmen der Jüdischen Kulturtage Berlin. Gäste waren Stephan Abarbanell, Hannah Brinkmann, Sara Klatt, Lana Lux und Marko Martin. 2025 folgte eine Veranstaltung in der Staatsbibliothek zu Berlin mit Dmitrij Kapitelman, Assaf Gavron, Christiane Wirtz, Sarah Levy und Henrik Szántó.
2025 und 2026 stellten die Nominierten des Deutschen Sachbuchpreises ihre Bücher auf dem Blauen Sofa in der Berliner Bertelsmann-Repräsentanz vor.
Medienformate Fernsehsendung Die Interviews stellte das ZDF bis 2022 in seiner Mediathek online und sendete in aspekte-Sondersendungen mit dem Namen „Das Blaue Sofa“ Ausschnitte davon. Von 2011 bis 2015 moderierte Wolfgang Herles monatlich eine eigenständige Sendung unter diesem Namen, die mit seinem Ruhestand endete.
Podcast Im April 2026 startete Bertelsmann den Podcast „Das Blaue Sofa – Neue Bücher. Starke Stimmen.“ In dem Podcast sprechen etablierte Autoren mit weniger bekannten oder jüngeren Autoren über aktuelle Veröffentlichungen. Die erste Staffel wurde von Thomas Böhm moderiert und umfasste sechs Folgen. Zu den ersten Gästepaarungen gehörten Daniel Donskoy und Maya Rosa, Martin Suter und Christoph Peters sowie Annegret Liepold und Marie Menke.
Weitere Gastauftritte Zu den Gästen des Formats zählten unter anderem Swetlana Alexijewitsch, Michail Gorbatschow, Günter Grass, Abdulrazak Gurnah, Herta Müller, Christiane Nüsslein-Volhard, Orhan Pamuk, Joseph Stiglitz, Olga Tokarczuk, Mario Vargas Llosa und Mo Yan.
Weitere wichtige Auftritte waren die Buchpremiere des autobiografischen Romans „Beim Häuten der Zwiebel“ mit dem Literaturnobelpreisträger Günter Grass (2006) sowie das literarische Gipfeltreffen mit Grass, Joachim Kaiser und Martin Walser zum Thema „Gruppe 47 – sechzig Jahre danach“ (2007).
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Einzelnachweise
Kategorie:Künstlerische Veranstaltung in Deutschland Kategorie:Literarische Veranstaltung Kategorie:Erstveranstaltung 1999