Gambarogno, im lombardischen Ortsdialekt Gambarögn, ist eine politische Gemeinde im Schweizer Kanton Tessin. Er gehört zum Bezirk Locarno und innerhalb dessen zum Kreis Gambarogno.
Geographie mini|Lago Maggiore, Höhe Maggiadelta, Gambarogno. Historisches Luftbild von Walter Mittelholzer (1933) Die Gemeinde umfasst das ganze linke Ufer des Langensees von der Magadinoebene bis zur italienischen Grenze und vom See (193 m ü. M.) zum Gipfel des Monte Tamaro (1960 m ü. M.).
Geschichte Die Gemeinde Gambarogno entstand am 25. April 2010 durch die Fusion der Gemeinden des Kreises Gambarogno, nämlich Caviano, Contone, Gerra (Gambarogno), Indemini, Magadino, Piazzogna, San Nazzaro, Sant’Abbondio und Vira.Amtliches Gemeindeverzeichnis der Schweiz – Angekündigte Änderungen 2009 (Seite 3), Eidgenössisches Departement des Innern, Bundesamt für Statistik, Ausgabe vom 25. Oktober 2009
Die Fusion wurde am 25. November 2007 durch die Stimmberechtigten von acht Gemeinden gutgeheissen, wobei sich zustimmende Mehrheiten von 66 % bis 84 % ergaben. Einzig San Nazzaro sprach sich mit 60 % Nein-Stimmen gegen die Gemeindezusammenlegung aus. Das Kantonsparlament beschloss am 23. Juni 2008 trotzdem, alle neun Gemeinden zu fusionieren, wie es unter bestimmten Bedingungen vom Gesetz vorgesehen war – ein Ausscheren von San Nazzaro hätte die neue Gemeinde zweigeteilt.Botschaft des Staatsrates zur Fusion zu einer neuen Gemeinde Gambarogno (italienisch) Gegen diesen Parlamentsentscheid wurde Rekurs beim Bundesgericht eingelegt. Da dieser abgelehnt wurde, war der Weg zur Gemeindefusion frei.
Bevölkerung Seit der Fusion am 25. April 2010 entwickelte sich die Bevölkerung wie folgt:Die Bevölkerung der am 25. April 2010 fusionierten Gemeinden Caviano, Contone, Gerra (Gambarogno), Indemini, Magadino, Piazzogna, San Nazzaro, Sant'Abbondio und Vira (Gambarogno) entwickelte sich bis 2009 wie folgt:
Zersiedelung Die Gemeinde Gambarogno gilt als Beispiel für grossflächige Zersiedelung, wie sie an Schweizer Seen verbreitet ist. Im Gegensatz zur gegenüberliegenden Agglomeration Locarno handelt es sich bei der Gemeinde Gambarogno nicht um einen urbanen Raum, in dem ein starker Siedlungsdruck zu erwarten wäre, sondern um ein ländliches Gebiet mit geringer Bevölkerungsdichte. Auffällig ist an der Gemeinde Gambarogno, dass die Zersiedelung trotzdem zu einem unkontrollierten Zusammenwachsen von Orten geführt hat, die über drei Kilometer voneinander entfernt liegen, so beispielsweise die Strecke von Gerra bis Dirinella. Auch das Seeufer von Magadino bis nach San Nazzaro ist mit weit verstreuten Häusern überbaut. Die Zersiedelung im Gambarogno beschränkt sich nicht auf das Seeufer; auch die Dörfchen über dem Lago Maggiore sind weitgehend zusammengewachsen. Die einzige ehemalige Gemeinde, die von Zersiedelung kaum betroffen ist, ist das Bergdorf Indemini.
Kultur und Sport Circolo di Cultura del GambarognoCircolo di Cultura del Gambarogno Mostra Internazionale di Scultura all’Aperto del GambarognoMostra Internazionale di Scultura all'Aperto del Gambarogno Football Club Gambarogno-Contone (früher: Unione Sportiva Gambarogno)
Sehenswürdigkeiten
Pfarrkirche San CarloPfarrkirche San Carlo und PfarrhausSimona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0, S. 153–154. Grabmal Familie Meschini Villa Ghisler (1843/1844), Architekt: Giacomo Moraglia Oratorium Madonna della Neve Ehemaliges Hotel Belle-Vue et de la Poste (1909) Wohnhaus genannt Hostaria di San Carlo Kirche San Nicola di Bari (1953), Architekt: Giacomo Alberti Festungen Gambarogno-MagadinoFestungen Gambarogno-Magadino auf forti.ch Forte Olimpo Bolle di MagadinoBolle di Magadino Schalenstein im Ortsteil Strada romana (335 m ü. M.)Franco Binda: Il mistero delle incisioni. Armando Dadò editore, Locarno 2013, S. 68–69..
Persönlichkeiten Siehe die einschlägigen Kapitel in den Einzelartikeln über die früheren Gemeinden Caviano, Contone, Gerra (Gambarogno), Indemini, Magadino, Piazzogna, San Nazzaro, Sant’Abbondio und Vira.
Literatur Pierre Amsler: Vita di un paese nel Gambarogno (Leben in einem Dorf). Zwei Bände. Hrsg. von der Società Svizzera per le Tradizioni Popolari. Basel 2010. Federica Branca-Masa: Gambarogno (= Schweizerische Kunstführer. Nr. 514). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Bern 1993, ISBN 978-3-85782-514-9. Simona Martinoli u. a.: Guida d’arte della Svizzera italiana. Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte. Edizioni Casagrande, Bellinzona 2007, ISBN 978-88-7713-482-0.
Giuseppe Ritter: Kreuz und quer durch den Gambarogno. Ein Führer für Wanderer und Naturfreunde. Ente turistico del Gambarogno, Vira 1975. Elfi Rüsch: La Riviera del Gambarogno: «Région négligeable»? In: Bollettino della Società Storica Locarnese. Nr. 3, Tipografia Pedrazzini, Locarno 2000, S. 155–158.
Celestino Trezzini: Gambarogno oder Riviera di Gambarogno. In Historisch-Biographisches Lexikon der Schweiz. Band 3: Egolf – Güttingen. Attinger, Neuenburg 1926, S. 386 (Digitalisat [PDF; 28,6 MB]), abgerufen am 24. Oktober 2020.
Weblinks
Offizielle Website der Gemeinde Gambarogno Amt für Statistik des Kantons Tessin: Gambarogno (italienisch) Gambarogno: Kulturgüterinventar des Kantons Tessin
Einzelnachweise
Kategorie:Ort im Kanton Tessin Kategorie:Schweizer Gemeinde Kategorie:Gemeindegründung 2010