Die Kit-Klasse (, für Wal) war eine Klasse russischer Torpedobootszerstörer der Baltischen und Pazifischen Flotte des zaristischen Russland, die vor und während des Russisch-Japanischen Krieges bei der Schichauwerft in Elbing bzw. in Danzig in zwei Losen zwischen 1898 und 1900 beziehungsweise 1905 und 1907 gebaut wurden.
Entwurf Für die Bedürfnisse des Fernen Osten mini|links|Der bei Laird gebaute Zerstörer Boevoy , anfangs Som mini|links|Der in Frankreich gebaute Zerstörer Vnimatelnyi , anfangs Forel Die ersten vier Boote der Klasse, die für sich auch hin und wieder als Kit-Klasse bezeichnet werden, wurden bereits im Rahmen des Programms Für die Bedürfnisse des Fernen Osten von 1898 im August 1898 bei der Schichauwerft bestellt. Alle vier wurden bis zum August 1900 abgeliefert. Die Boote gehörten nach Größe und Kampfkraft zu den ersten „Zerstörern“ der russischen Marine, müssen aber ob ihrer Größe und Kampfkraft eigentlich als Hochseetorpedoboote bezeichnet werden. Hervorstechendstes Merkmal der Klasse war der ausgeprägte Rammsteven, das abgerundete Kreuzerheck und die zwei Schornsteine mit stark achterlichem Fall. Der ursprüngliche Entwurf sah nur ein 75-mm- und fünf 47-mm-Geschütze vor, wobei keine Minenlegeeinrichtung vorgesehen war.
Neben den vier in Deutschland bestellten Booten orderte die Kaiserlich Russische Marine im Fern-Ost-Programm noch einen Zerstörer in Großbritannien (Som, 1900 ausgeliefert) und fünf in Frankreich (Forel-Klasse, 1901/1902 ausgeliefert), die auch bei Beginn des Russisch-Japanischen Krieges dort stationiert waren. In Russland selbst wurden gleichzeitig dreizehn Zerstörer der Buiny- und Groznyi-Klasse gebaut, von denen auch zwei vor dem Krieg in Port Arthur stationiert wurden und neun mit dem Zweiten Pazifischen Geschwader während des Krieges in den Fernen Osten marschierten.
Unmittelbar nach dem Abschluss der Erprobungen verlegten die vier Zerstörer des ersten Auftrages vom Oktober 1900 bis zum Mai 1901 in den Fernen Osten zum Pazifikgeschwader und wurden in Port Arthur stationiert. Nach der Seeschlacht im Gelben Meer wurden drei der Zerstörer (Besposchtschadni, Besschumni, Besstraschni) am 12. August 1904 in der deutschen Kolonie Tsingtao interniert. Die Bditelny war wegen Kesselschäden nicht einsatzbereit. Ende Oktober 1904 erhielt sie noch einen Minentreffer, konnte nicht repariert werden und wurde vor der Kapitulation Port Arthurs gesprengt.
Verlastbar mit der Eisenbahn mini|links|Die Zerstörer Ingenieur-mechanik Swerew und Burny Die restlichen zehn Boote wurden im Dezember 1904 als Vermehrungs- und Ersatzbauten bestellt und waren einfache Nachbauten des Typs Kit, um keine Risiken einzugehen. Es wurden lediglich veränderte Kessel gefordert und die Bewaffnung auf zwei 75-mm-Geschütze verstärkt. Auch wurde neue 45-cm-Torpedorohre eingebaut. Bei Vertragsschluss war die russische Regierung noch der Hoffnung, die Boote während des Russisch-Japanischen Krieges zum Einsatz bringen zu können. Bei Vertragsunterzeichnung musste die Bauwerft daher garantieren, die Boote so zu erstellen, dass der Transport in Teilen nach Wladiwostok auch auf dem Landweg möglich sein würde. Tatsächlich wurde nur bei zwei Booten (Kapitan Jurassowski, Leitenant Sergejew) von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Zum einen verlief der Krieg schnell zu Ungunsten der Russen, zum anderen erwies sich die Eisenbahn nach Fernost als total überlastet, um auch die notwendigen Bauvorrichtungen nach Fernost transportieren zu können. Die anderen acht Schiffe wurden darauf in Deutschland komplett fertiggebaut und kamen in der Ostsee zum Einsatz.
Aufgrund der Kriegserfahrungen von 1904/05 wurde die Bewaffnung umgehend auf zwei 75-mm-Geschütze verstärkt und vereinheitlicht. Die Boote werden auch als eigenständige Klasse unter der Bezeichnung Ingenieur-mechanik-Swerew-Klasse in der russischen Literatur bzw. in der deutschen als Bojewoi-Klasse und der englischen als Bditelny-Klasse benannt.
Ihre kontinuierliche Fortsetzung erfuhren sie in den auch noch 1904 bestellten vier Booten der Emir-Bucharski-Klasse, die von der Schichau-Werft entworfen auf russischen Ostseewerften gebaut wurden.
Boote und Schicksale