Die Tomatenminiermotte (Tuta absoluta), ein Schädling hauptsächlich an Tomaten, ist eine Schmetterlingsart aus der Familie der Palpenmotten (Gelechiidae). Sie wird auch Südamerikanische Tomatenmotte oder Tomatenblattminierer genannt.A. Korycinska und H. Moran: South American tomato moth in: Plant Pest Notice, No. 56, 2009, Fera - The Food and Environment Research Agency, UK, S. 1–4 Synonyme für den wissenschaftlichen Namen Tuta absoluta sind: Scrobipalpuloides absoluta (Povolny, 1987), Scrobipalpula absoluta (Povolny, 1964), Gnorimoschema absoluta (Clarke, 1962), Phthorimaea absoluta Meyrick, 1917. Der EPPO-Code ist GNORAB.EPPO: Tuta absoluta in: EPPO Bulletin, Nr. 35, 2005, S. 434–435
Beschreibung Merkmale Der auf der Tomatenpflanze lebende Falter ist sechs bis sieben Millimeter lang und hat eine Flügelspannweite von acht bis zehn Millimetern.J.-M Ramel und E. Oudard: Tuta absoluta (Meyrick, 1917) Éléments de reconnaissance, L.N.P.V. station d’entomologie, Avignon, République Francaise, Dezember 2008, 2008, S. 1–2 Das Weibchen legt seine Eier meist auf die Unterseite der Blätter, auf die Knospen oder auf die grünen Früchte. Der überwiegende Teil der Eier (75 %) wird an Blättern abgelegt, ein weiterer Teil am Spross oder Stängel (21 %) und etwa 6 % an den Blütenknospen, an den Kelchblättern.Frias 1994 in Estay (2001)Primer Curso "Manejo Integrado de plagas y enfermedades en tomate. Serie actas N°12. . Centro Regional de Investigacion La Platina. Werden Eier an Früchten abgelegt, so geschieht dieses fast ausschließlich an unreifen, grünen Früchten (< 3 cm Durchmesser) bzw. Knospen, sehr nah an den Kelchblättern (Sepalen).Estay P P (2001): Primer Curso "Manejo Integrado de plagas y enfermedades en tomate. Serie actas N°12. . Centro Regional de Investigacion La Platina.Montserrat Delgado(2009): La polilla del tomate "Tuta absoluta" en la region de Murcia: bases para su control. Consejería de Agricultura y Agua, Región de Murcia, 74p. Auf größeren Früchten werden gemäß Literatur keine Eier abgelegt. Frasßöcher entstehen, wenn spätere Larvenstadien dort eindringen. Die Eier sind cremefarben, 0,4 Millimeter lang und haben einen Durchmesser von 0,2 Millimetern.
Die Larven des ersten Stadiums (L1) sind nur etwa 0,6 bis 0,8 Millimeter groß. Die Larven des dritten Larvenstadiums (L3) sind etwa 4,5 Millimeter lang und die des vierten Larvenstadiums (L4) erreichen eine Länge von bis zu acht Millimetern. Die Larve hat einen schwarzen Kopf. Ältere Larven haben ein variabel hell geflecktes Halsschild (Pronotum).
Die Puppen sind braun und vier bis sechs Millimeter lang. Die Imagines sind braun bis silbrig gefärbt mit schwarzer Fleckung auf den schmalen Flügeln. Ihre Beine sind braun und schwarz geringelt. Ihre Antennen knapp sechs Millimeter lang und bestehen aus fünf oder sechs Gliedern. Die adulten Tiere können am männlichen Geschlecht unter dem Mikroskop identifiziert werden.
Lebenszyklus Die erwachsenen Tiere verstecken sich tagsüber zwischen Blättern und sind meist nachtaktiv. Unter günstigen Bedingungen können sich in einem Jahr 10 bis 12 Generationen entwickeln. In Argentinien sind jedoch nur fünf Generationen bekannt. Tomaten werden in jedem Wachstumsstadium befallen. Für den vollständigen Lebenszyklus ist ein Temperaturbereich von 14 bis 30 °C nötig. Sind Wirtspflanzen, speziell Tomaten, vorhanden, gehen sie kaum in Diapause über. Die Motte kann als Ei überwintern, aber auch als Puppe oder adultes Tier. Außerhalb Südamerikas sind noch weniger Einzelheiten über die Entwicklungszeiten bekannt. Aus Studien in Chile geht hervor, dass die Dauer des Entwicklungszyklus bei 14 °C 76 Tage, bei 20 °C 40 Tage und bei 27 °C nur 24 Tage lang ist (auf ganze Zahlen gerundet).Z.R. Barrientos, H.J. Apablaza, S.A. Norero und P.P. Estay: Threshold temperature and thermal constant for development of the South American tomato moth, Tuta absoluta (Lepidoptera, Gelechiidae), in: Ciencia e Investigacion Agraria, Nr. 25, 1998, S. 133–137 Die weibliche Motte legt in ihrem Leben 250 bis 260 Eier, vornehmlich auf die Unterseite der Blätter. Damit legt sie etwa dreimal so viel Eier wie Thrips.E. Langen: Meer 'kleintjes’ van Tuta verwacht. In: Groenten & Fruit, 8. Juli 2009, abgerufen am 1. August 2009, Online Die Larve schlüpft nach 4 bis 5 Tagen und ernährt sich im Blatt nur vom Mesophyll. Sie beschädigt die Epidermis nur beim Austreten zur Verpuppung oder auf Suche nach mehr Nahrung. Es werden vier Larvenstadien gebildet. Das erste Larvenstadium misst 0,9 Millimeter und wird bis zum vierten 7,5 mm lang. Die Entwicklung vom Schlüpfen bis zur Verpuppung dauert 13 bis 15 Tage. Die Larven können sich in den Fraßgängen, auf der Blattoberfläche und im Boden verpuppen. Findet die Verpuppung nicht im Boden statt, wird zum Schutz ein Cocon gebildet. Das Stadium als Puppe dauert 9 bis 11 Tage. In Mitteleuropa sind die Temperaturen im Winter im Freien zu tief; so kann die Motte im Freiland nicht überwintern. Gewächshäuser bieten jedoch mit Ganzjahreskulturen und weil sie den Winter über frostfrei gehalten werden gleichmäßig warme Bedingungen, in denen die Tiere den Winter überstehen können.S. Fischer: Die Tomatenminiermotte (Tuta absoluta) in: Gemüsebau Info, No. 13/09, 9. Juni, ACW - Forschungsanstalt Agroscope Changins-Wädenswil Schweiz, 2009, S. 4–6 Deshalb kommt in Südamerika ab 1000 Meter über dem Meer keine Tomatenminiermotte mehr vor, weil dort die Temperaturen zu niedrig sind.
Symptome Befall durch die Tomatenminiermotte ist leicht zu finden, weil sie sich hauptsächlich und zuerst im Kopf, dem jungen Teil der Pflanze, an Knospen und jungen Früchten aufhalten, wo dann schwarzer Kot zu finden ist. In Blättern werden flächige Miniergänge entwickelt, die der Form eines Eichenblatts ähneln. Hierbei bleibt die Blatthaut stehen, und nur die Zellen im Blattinnern werden gefressen. Der Zwischenraum verfärbt sich später dunkel. Danach werden auch die Triebe befallen. Hier frisst sich die Larve in den Trieb und höhlt ihn aus. Der Triebteil oberhalb welkt oder zeigt Wuchshemmungen. Werden Früchte der Tomate befallen, frisst sich die Larve in die Frucht. Diese wird später dort durch Pilze und Bakterien infiziert (Sekundärbefall). Früchte werden über alle Entwicklungsstadien hinweg befallen. Bevorzugt werden jedoch die grünen Früchte. Oft werden mehrere Früchte eines Wickels (oder Traube, Tross, Grappe) befallen.
Kulturschäden Die Tomatenproduktion in Südamerika kennt Tuta absoluta, im Freiland wie im Treibhaus, als einen der Hauptschädlinge. Negativ beeinträchtigt werden Ertrag und Fruchtqualität durch Fraßlöcher der Larve und Verschmutzung mit ausgeschiedenem Kot. Dabei kommt es ohne Bekämpfung zu Ausfällen von 50 bis 100 %. Der Befall ist jedoch von Sorte zu Sorte unterschiedlich. Auch bei sehr guter Schädlingsbekämpfung wird mit einem Ertragsverlust von 1 bis 5 % gerechnet. An Kartoffeln ist die Tomatenminiermotte in Lateinamerika eine der wichtigsten Schädlinge, der die oberirdische Pflanze frisst.CIP: Major Potato Diseases, Insects, and Nematodes, Centro Internacional de la Papa, Lima, 1996 Da die Tiere im mitteleuropäischen Klima im Freiland geringe Überlebensmöglichkeiten haben, wird in Freilandkulturen mit geringem Schaden gerechnet. Es werden 5 Schadstufen unterschieden: Niveau 0 (keine Symptome), Niveau 1 (gelegentliche Schäden, bis 5 % Pflanzen beschädigt), Niveau 2 (Befall niedrig aber leicht zu finden, 5–25 % Pflanzen beschädigt), Niveau 3 (25–50 % Pflanzen beschädigt), Niveau 4 (mehr als 50 % Pflanzen mit einer lebenden Larve) und Niveau 5 (mehr als 50 % Pflanzen beschädigt und mehr als eine lebende Larve).
Unterscheidung mini|Miniergang der Minierfliege Die Identifikation der Larven, die in Blättern fressen, ist einfach, denn nur sehr wenige Larven der Palpenmotten (Gelechniidae) befallen Tomatenblätter. Die Larve frisst flächige Miniergänge, die eher einem Eichenblatt gleichen und von beiden Blattseiten her zu sehen sind. Dagegen gibt es viele Arten dieser Familie, die auch Gänge in die Früchte fressen, jedoch nur als Adulte bestimmbar sind. Dies sind unter anderen Scrobipalpopsis solanivora an Kartoffeln, die nicht in Frankreich vorkommt und Phthorimea operculella, die auch auf Nachtschattengewächsen lebt. Letztere hat ein größeres schwarzes Band auf dem Halsschild (Pronotum). Die Minierfliege (Liriomyza ssp.) hingegen macht wellige zum Teil kreisende, feine Fraßgänge (Bild rechts). Die runde Eintrittsstelle zum Fraß in der Frucht ist beim Baumwollkapselwurm etwa 5 bis 10 Millimeter groß. Bei der Tomatenminiermotte ist die Eintrittsstelle mit 4 bis 6 Millimeter jedoch deutliche kleiner.
Vorkommen und Verbreitung Wirtspflanzen sind neben der Tomate (Blatt, Trieb, Frucht) auch die Kartoffel (Blätter, nicht Knolle)P.M. Caffarini, A.M. Folcia, S.R. Panzardi und A. Pérez: Incidence of low levels of foliar damage caused by Tuta absoluta (Meyrick) on tomato, in: Boletín de Sanidad Vegetal, Plagas, Nr. 25, 1999, S. 75–78A.P. Notz: Distribution of eggs and larvae of Scrobipalpula absoluta in potato plants, in: Revista de la Facultad de Agronomía, Nr. 18, Maracay, 1992, S. 425–432 und andere Nachtschattengewächse wie Aubergine, Pepino, Schwarzer Nachtschatten, Paprika, Stechapfel und Tabak. Diese werden jedoch weniger stark befallen als die Tomate. Für die Aubergine gibt es nur Befall unter Laborbedingungen, die im Freien bisher noch nicht bestätigt wurden.J. Galarza: Laboratory assessment of some solanaceous plants as possible food plants of the tomato moth Scrobipalpula absoluta, IDIA Nr. 421/424, 1984, S. 30–32 Die Tomatenminiermotte kommt in Südamerika nur bis auf Höhen von 1000 m über dem Meeresspiegel vor. Sie wird international über große Strecken mittels befallener Früchte verbreitet. Denn vieles deutet darauf hin, dass importierte befallene Früchte die Tiere mitbrachten und diese in Packstationen freikamen. Durch eigenes Fliegen verbreitet sie sich nur sehr regional.
Geschichte Die Tomatenminiermotte stammt aus Mittelamerika und hat sich von dort aus nach Südamerika verbreitet. Sie verursacht in Südamerika sehr große Schäden. 1962 wurden schon aus Japan Funde berichtet, wo sie Solanum lyratum befiel. Heute ist dieser Schädling dort nicht mehr bekannt.J.F. Clarke: New species of microlepidoptera from Japan, Entomological News, Nr. 73, 1962, S. 102 1964 wurde sie von Chile nach Argentinien eingeschleppt.M.F. García und J.C. Espul: Bioecology of the tomato moth (Scrobipalpula absoluta) in Mendoza, Argentine Republic, in: Revista de Investigaciones Agropecuarias, Nr. 17, S. 135–146 Sie verbreitete sich dort in den 1970er Jahren sehr stark.M.M.M. Lietti, E. Botto und R.A. Alzogaray: Resistência a inseticidas em populações argentinas de Tuta absoluta (Meyrick) (Lepidoptera: Gelechiidae), Neotropical Entomology, Vol. 34, No. 1, , 2005 1972 wurden Schäden an Tabak in Argentinien berichtet.A.R. Mallea, G.S. Macola, S.J.G. Gracia, L.A. Bahamodndes und J.H. Suarez: Nicotiana tabacum var. virginica, a new host of Scrobipalpula absoluta in: Revista de la Facultad de Ciencias Agrarias, Universidad Nacional de Cuyo, No. 18, 1972, S. 13–15 In Südamerika wurde sie in Bolivien, Brasilien, Chile, Kolumbien, Ecuador, Paraguay, Uruguay und Venezuela gefunden. Dort kommt sie nur bis in Höhen von 1000 m über dem Meeresspiegel vor. 2004 wurde sie bereits in die A1-Liste von EPPO (European and Mediterranean Plant Protection Organisation) aufgenommen. 2005 kam sie noch nicht in der EU vor. In den USA ist die Tomatenminiermotte ein Quarantäne-Schädling.Fepex: VS pakt Tuta absoluta aan. In: Groenten & Fruit, 11. März 2009, abgerufen am 1. August 2009, Online 2006 trat die Tomatenminiermotte erstmals in Spanien auf. Dort wurden im Jahr darauf Entschädigungen für das Vernichten von befallenen Kulturen bezahlt, um den Schädling einzudämmen.G. Boonenkamp: Nieuwe plaag bedreigt Mediterrane tomatenteelt. In: Groenten & Fruit, 2007, week 49, abgerufen am 1. August 2009, Online