2,4-Dihydroxybenzoesäure (β-Resorcylsäure) ist eine aromatische Verbindung, die sich sowohl von der Benzoesäure als auch vom Resorcin (1,3-Dihydroxybenzol) ableitet. Die Struktur besteht aus einem Benzolring mit einer angefügten Carboxygruppe (–COOH) und zwei Hydroxygruppen (–OH) als Substituenten. Sie gehört zur Gruppe der Dihydroxybenzoesäuren.

Darstellung 2,4-Dihydroxybenzoesäure kann aus Resorcin und Kaliumhydrogencarbonat durch die Kolbe-Schmitt-Reaktion hergestellt werden.Autorengemeinschaft: Organikum, 19. Auflage, Johann Ambrosius Barth, Leipzig · Berlin · Heidelberg 1993, ISBN 3-335-00343-8, S. 351–352.S. v. Kostanecki: Zur Einführung der Carboxylgruppe in die Phenole in: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft, 18, 1885, S. 3202–3206.

rahmenlos|hochkant=2.2|zentriert|Herstellung von 2,4-Dihydroxybenzoesäure durch Kolbe-Synthese

Eigenschaften 2,4-Dihydroxybenzoesäure bildet weiße Kristalle, die bei 228,5 °C schmelzen.Vecchio, S.; Brunetti, B.: Thermochemical study of 2,4-, 2,6- and 3,4-dihydroxybenzoic acids in the liquid phase using a TG apparatus in Thermochim. Acta 515, 2011, S. 84–90, .Price, D.M.; Bashir, S.; Derrick, P.R.: Sublimation properties of x,y-dihydroxybenzoic acid isomers as model matrix assisted laser desorption ionisation (MALDI) matrices in Thermochim. Acta 327, 1999, S. 167–171, . Die Schmelzenthalpie beträgt 36 kJ·mol−1, die Sublimationsenthalpie 126 kJ·mol−1. Die Dampfdruckfunktion ergibt sich nach August entsprechend ln(P) = A/T+B (P in Pa, T in K) mit A = 14445 ±124 und B = 36,91 ±0,33 im Temperaturbereich von 264,2 K bis 390,1 K.

Reaktionen und Derivate Die Bromierung von 2,4-Dihydroxybenzoesäure mit elementarem Brom in Eisessig führt zunächst zur 5-Brom-2,4-dihydroxybenzoesäure, das durch Decarboxylierung in 4-Bromresorcin umgewandelt werden kann. Bei weiterer Zugabe von Brom bildet sich das 3,5-Dibromderivat. Wird letzteres mit Salpetersäure behandelt, entsteht unter Abspaltung der Carboxygruppe sowie eines Bromatoms 4,6-Dinitro-2-bromresorcin.F. v. Hemmelmayr: Über einige neue Derivate der Dioxybenzoesäuren. In: Monatshefte für Chemie, 33, 1912, S. 971–998. doi:10.1007/BF01552742.J. Zehenter: Über einige Derivate der α-Dioxybenzoesäure. In: Monatshefte für Chemie, 2, 1881, S. 468–483. doi:10.1007/BF01516530.

rahmenlos|hochkant=2.0|zentriert|Bromierung von 2,4-Dihydroxybenzoesäure

Die Nitrierung findet ebenfalls zunächst an der Position 5 statt. Wird dann mit rauchender Salpetersäure weiter nitriert, lagert sich eine zweite Nitrogruppe an der Position 3 an. Beim weiteren Behandeln mit Salpetersäure entsteht Styphninsäure.F. v. Hemmelmayr: Über die Einwirkung von Salpetersäure auf β-Resorcylsäure und einige Derivate der letzteren. In: Monatshefte für Chemie, 25 (1), 1904, S. 21–45. doi:10.1007/BF01540190. Sowohl beim Mononitro- als auch beim Dinitroderivat kann durch Erhitzen die Carboxygruppe entfernt werden, es entstehen 4-Nitroresorcin bzw. 2,4-Dinitroresorcin.F. v. Hemmelmayr: Über Nitroderivate der β-Resorcylsäure [2,4-Dioxybenzencarbonsäure]. In: Monatshefte für Chemie, 26 (2), 1905, S. 185–198. doi:10.1007/BF01532170. 5-Nitro-2,4-dihydroxybenzoesäure kann mit Zinn und Salzsäure zur entsprechenden Aminoverbindung reduziert werden.

rahmenlos|hochkant=2.0|zentriert|Nitrierung von 2,4-Dihydroxybenzoesäure

Beim Einleiten von Chlorgas in eine heiße Eisessiglösung der 2,4-Dihydroxybenzoesäure entstehen das 5-Chlor- (CAS-Nummer: , Schmelzpunkt 224–225 °C) bzw. im Überschuss von Chlor das 3,5-Dichlorderivat (Schmelzpunkt 229 °C).F. Hemmelmayr, T. Meyer: Über den Einfluß verschiedener Substituenten auf die Haftfestigkeit der Karboxylgruppen in substituierten aromatischen Säuren. Einfluß einer zweiten Karboxylgruppe und relative Wirkung von Chlor und Brom. In: Monatshefte für Chemie, 46, 1925, S. 143–156. doi:10.1007/BF01558962.R. B. Sandin, R. A. McKee: Orientation in the Benzene Ring. The Preparation of 5-Chloro-β-resorcylic Acid. In: J. Am. Chem. Soc., 57 (6), 1935, S. 1077–1078. doi:10.1021/ja01309a032. Diese 5-Chlor-2,4-dihydroxybenzoesäure kondensiert mit Resorcinen zu Tetrahydroxybenzophenonen, die unter Ringschluss zu den entsprechenden 7-Chlor-3,6-Dihydroxyxanthonen weiterreagieren. Wird anstelle der 5-Chlorsäure die 5-Nitrosäure verwendet, bleibt die Reaktion beim Keton stehen, der Ringschluss findet nicht statt.R. Kurduker, N. V. Subba Rao: Search for physiologically active compounds. In: Proceedings of the Indian Academy of Sciences – Section A 57(5), 1963, S. 280–287. doi:10.1007/BF03049025.

rahmenlos|hochkant=2.2|zentriert|Cyclisation Resorcinol 5-Chloro-2,4-Dihydroxybenzoic acid

Beim Umsetzen mit Methyliodid in Methanol wird zunächst nur die para-ständige Hydroxygruppe methyliert, es entsteht 2-Hydroxy-4-methoxybenzoesäure. Die Methylierung der zweiten Hydroxygruppe ist schwierig.F. Tiemann, A. Parrisius: Ueber Abkömmlinge des Resorcins. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 13, 1880, S. 2354–2381. (Volltext). Ebenso kann mit Ethyliodid der p-Monoethylether erhalten werden.S. v. Kostanecki, J. Tambor: Ueber die Constitution des Fisotins. In: Berichte der deutschen chemischen Gesellschaft 28, 1895, S. 2302–2309. (Volltext).

rahmenlos|hochkant=1.6|zentriert|Methylierung von 2,4-Dihydroxybenzoesäure

Beim längeren Erhitzen einer wässrigen Lösung des Natriumsalzes der 2,4-Dihydroxybenzoesäure (β-Resorcylsäure) findet eine teilweise Isomerisierung zur 2,6-Dihydroxybenzoesäure (γ-Resorcylsäure) statt.D. K. Hale, A. R. Hawdon, J. I. Jones and D. I. Packham: The carboxylation of resorcinol and the separation of β-and γ-resorcylic acid by ion-exchange chromatography. In: J. Chem. Soc., 1952, S. 3503–3509. doi:10.1039/JR9520003503.

Ein naher Verwandter ist die Orsellinsäure, sie unterscheidet sich konkret von der 2,4-Dihydroxybenzoesäure durch eine 6-Methylgruppe.

Weblinks Beilstein (Syst.Nr. 1105), Bd. 10: H 377, EI 176, EII 251

Einzelnachweise

Kategorie:Hydroxybenzoesäure Kategorie:Aromastoff (EU)