mini|Luftbild von Friedingen mit dem Untersee im Hintergrund
Friedingen liegt nordwestlich des Untersees, einem Teil des Bodensees, im mittleren Hegau in der Mitte des Landkreises Konstanz in Baden-Württemberg und ist seit 1971 ein Stadtteil von Singen (Hohentwiel). Friedingen liegt , verfügt über eine Gemarkungsfläche von 990 Hektar und hat 1.527 Einwohner (31. Dez. 2023Einwohner Singen Statistiken). Daraus ergibt sich eine Bevölkerungsdichte von 154,24 Einwohnern je km².
Geographie Geographische Lage Friedingen erstreckt sich auf einer eiszeitlichen Schotterterrasse über der feuchten Niederung der Radolfzeller Aach. Der Siedlungskörper reicht von den steilen Hängen des Buchbergs im Westen, am Egelsee entlang, bis zum Friedinger Schlossberg im Osten, der, als weithin sichtbaren Wahrzeichen, die höchste Erhebung der Gemarkung Friedingen darstellt. Im Nordwesten hat Friedingen Anteil an der nördlichen, im Südosten an der südlichen Hegauniederung, auch Singener Kiesfeld genannt, die beide, voneinander abgetrennt durch die Bergkette von Buchberg, Friedinger Schlossberg, Jöhlisberg und Fronholz, den westlichen Teil des Bodenseebeckens bilden. Der tiefste Punkt im nördlichen Becken der Gemarkung Friedingen liegt im Naturschutzgebiet Hausener Aachried mit einer Höhe von ca. . Der tiefste Punkt im südlichen Becken und damit tiefster Punkt Friedingens liegt am Ufer des 2009 begonnenen Baggersees und liegt, je nach Wasserstand im Friedinger See, bei etwa .
Klima Das Klima in Friedingen ist mild. Die etwas erhöhte Terrassenlage bewirkt in Strahlungsnächten den Abfluss kalter Luft, was zu einer geringeren Abkühlung führt, zur Senke des Egelsees und zum Aachtal hin. Dies wird im letzteren in Form von bodennahem Nebel, der teilweise von höheren Bäumen und Sträuchern überragt wird, deutlich. Frischluft gelangt aus den ausgedehnten Waldgebieten, die sich um den Friedinger Schlossberg und den Buchberg, der diesen Namen zu Recht trägt, direkt am Ortsrand erstrecken und damit auch optimal der Naherholung dienen, in den Ort.
Friedingen weist mit 728 Liter pro m² die geringste durchschnittliche Jahresniederschlagsmenge im Hegau auf.Berner (1987), S. 59
Gewässer Der Hauptfluss im Hegau ist die Radolfzeller Aach. Ab der Brücke am Ortseingang von Beuren an der Aach, die gleichzeitig den nördlichsten Punkt der Gemarkung bildet, hat Friedingen auf einer Länge von rund 2200 m Anteil an ihr. Daneben entwässern einige kleinere Bäche, wie Fallenwiesengraben, Krautländergraben oder Rebmannsweihergraben u. a., in Richtung Nordwesten und Westen zur Aach hin, wobei der Dauchenbergkanal, der künstlich zur Bewässerung des Dauchenberges angelegt wurde und annähernd parallel zur Aach verläuft, sein Wasser fast komplett aus der Aach bezieht.
Der Egelsee ist ein stark verlandetes Toteisloch, das noch einige offene Tümpel aufweist. Der Litzelsee hat sich zu früheren Zeiten nach Starkregen oder Schneeschmelze mit Wasser gefüllt. Zwei Fischweiher von beachtlicher Größe, wie sie auch heute noch in Oberschwaben anzutreffen sind, wurden abgelassen und werden durch den Krautländergraben und den Rebmannsweihergraben durchflossen und entwässert. Von diesen Fischenzen, die einst zur Burg gehörten, sind die Weiherdämme noch vorhanden. Gleichzeitig entsteht durch Kiesabbau seit 2009 im Südosten der Gemarkung ein neuer See, der Friedinger See, der einmal der zweitgrößte im Landkreis und der viertgrößte in Baden-Württemberg sein wird. Der größte Schwimmbagger in Deutschland sorgt in Phase 1 (bis 31. Dezember 2024) für eine Tiefe 60 m und eine Fläche von 20,6 ha.Planfeststellungsbeschluss Landratsamt Konstanz Im Endausbau soll dieser See einmal 112 ha groß werden. (PDF; 1,2 MB)
Nachbargemeinden und Nachbarorte Folgende Gemeinde und Singener Stadtteile grenzen an Friedingen: Steißlingen im Nordosten, Überlingen am Ried im Südosten, Singen am Hohentwiel im Südwesten, Hausen an der Aach im Nordwesten und Beuren an der Aach im Norden (alle Landkreis Konstanz).
Ortsgliederung Friedingen besteht aus dem Ort selbst und aus den folgenden fünf Wohnplätzen: Burg Hohenfriedingen, auf dem Friedinger Schlossberg. Leprosenhaus, steht seit 1720 am nördlichen Hangfuß des Friedinger Schlossberg. Das alte Leprosenhaus soll bei der Sebastianskapelle gestanden haben und wurde 1623 im Testament des Hans Werner von Reischach zu Hohenstoffeln und Homboll erwähnt.Hubenschmid (1986), S. 66 Neuhaus, an der Kreisstraße K6164 zwischen Steißlingen und Singen am Hohentwiel, ein ehemaliges Forsthaus. Riedmühle, direkt an der Radolfzeller Aach gelegen, wurde bereits 1240Hubenschmid (1986), S. 204 urkundlich erwähnt und beherbergt heute einen Pferdehof. Schlosshof, auf dem Friedinger Schlossberg. Eine Ziegelhütte, die sich etwa 400 m nordwestlich des Neuhauses am Waldrand befand, wurde 1559 genannt und um 1850 abgebrochen.Hubenschmid (1986), S. 206 Auf der Gemarkung Friedingen befinden sich außerdem die beiden abgegangenen Ortschaften Dirishofen und Hondorf, das an der vorgeschichtlichen Wegverbindung, zwischen Eschenz und Laiz, liegt.Berner (1990), S. 25
Geschichte Zu Zeiten der Römer führte eine Römerstraße entlang der rätischen Westgrenze, die rätische Grenzstraße (PDF; 4,5 MB), S. 5, von Eschenz über Stein am Rhein, Rielasingen nach Friedingen und weiter über Wiechs und Orsingen nach Laiz. Diese Straße war kein neuer Verbindungsweg, vielmehr folgte er dem Verlauf eines Handelsweges aus der Hallstatt-La-Tène-Zeit, die an Gruppen von Grabhügeln aus der Hallstattzeit vorbeiführten.Dobler (1986), S. 2 Im Wald südwestlich Friedingen sind über 50 dieser Grabhügel mit bis zu einer Höhe von 1,5 m zu finden. 1877 fand man im Gewann „Römerziel“ einen Ziegel mit dem Stempel der Legion XI,Graf (1911), S. 2 der sich 1911 im Rosgartenmuseum in Konstanz befunden haben soll. In der Mitte des 5. Jahrhunderts beginnt nun die friedliche Ansiedlung der Alemannen, deren ältesten Orte im Hegau alle auf “-ingen” enden, und die Angehörigen des Fridos lassen sich auf der Terrasse vor dem Friedinger Schlossberg nieder. Seit dem Ende des 7. Jahrhunderts wird damit begonnen, die großen Freiräume zwischen den „ingen-Orten“, so auch das Gebiet um die Urgemarkung Friedingen, mit den auf “-hausen”, “-hofen” und “-beuren” endenden Orten zu füllen. Von Friedingen aus wird im 9. Jahrhundert, als so genannte Binnenkolonisation, beispielsweise Beuren an der Aach gegründet.Berner (1990), S. 24–26. Um 1931 stieß man auf ein merowingerzeitliches Grab. 1952 und 1982 wurden weitere Gräber gefunden. Bei der letzten Entdeckung in der Schlossbergstraße kam eine Franziska, die ins 6. Jahrhundert datiert wurde, die erste ihrer Art im Hegau gefundene, zu Tage. Diese Grabfunde wurden als Gräberfeld gedeutet, dessen frühmittelalterliche Siedlung etwas weiter westlich, an einem kleinen Bach, der zur Radolfzeller Aach hin entwässert, gelegen haben soll.Theune (1999), S. 109–110. Außerdem befinden sich am Buchberg und an den Ufern des Egelsees Gruben von Siedlungsplätzen, deren Alter noch nicht bestimmt werden konnte. Friedingen, 1809 Friedingen an der Aach genannt Königlich-Württembergisches Hof- und Staatshandbuch, 1809 und 1810 S. 394, wurde 1090 als in villa, que dicitur Fridinga, in pago Hegouva erstmals urkundlich erwähnt. Friedingen gehörte lange Zeit zur Landgrafschaft Nellenburg und damit zu Österreich. Am 2. Juni 1806 fiel Friedingen an Württemberg und nach dem Grenzvertrag zwischen Württemberg und Baden schließlich am 2. Oktober 1810 an das Großherzogtum Baden.Graf (1911), S. 115, 118 Am 1. Dezember 1971 wurde Friedingen im Zuge der Gebietsreform in Baden-Württemberg zusammen mit anderen Gemeinden, die zuvor selbständig waren, als sowohl nach Fläche als auch nach Einwohnern größter Stadtteil in die Stadt Singen eingemeindet.
Einwohnerentwicklung mini|400px|Einwohnerentwicklung von 1800 bis 2017 nach nebenstehender Tabelle
Die folgenden Tabellen zeigen die Einwohnerentwicklung von Friedingen von 1800 bis 1994 und von 2002 bis heute. Die Zahlen stammen bis 1994 aus verschiedenen Quellen, die unter Literatur angegeben sind. Ab 2002 handelt es sich um die Einwohnerstatistik der Stadt Singen.
Jahr 1800 1809 1820 1836 1850 1871 1880 1900 1910 1933 1950 1961 1970 1973 1989 1994 Einwohner 306Philipp Ludwig Hermann Röder: Geographisches statistisch-topographisches Lexikon von Schwaben, Band 1 (1800), S. 625 366Königlich-Württembergisches Hof- und Staatshandbuch (1809), S. 394 377F. Hoffmeister: Geographie und Statistik des Grossherzogthums Baden (1820), S. 165 480 535 533 503 490 500 564 687 963 989 1198 1233 1333
Jahr 2002 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Einwohnerzahl (am 31. Dez.) 1366 1395 1391 1394 1415 1419 1426 1423 1431 1414 1435 1449 1436 1454 1466 1471 1475 1502 1502 1513 1539 1527
Die Einwohnerzahl steigt langsamer als es für einen Ort mit vergleichbarer Attraktivität, aufgrund der guten Infrastruktur, der günstigen Lage und der traumhaften Landschaft, die den Ort umgibt, üblich wäre. Dies liegt vor allem am seit Jahrzehnten anhaltenden Mangel an auf dem Markt verfügbaren freien Bauplätzen, hervorgerufen durch die Stadt Singen, die hier Neubaugebiete verhindert und in anderen Ortsteilen vorzieht, und durch Grundstückseigentümer, die ihre Grundstücke nicht zur Bebauung zur Verfügung stellen. Viele Bauherren, die eigentlich in Friedingen leben wollten, mussten zwangsweise auf Nachbarorte und Nachbargemeinden auszuweichen, obwohl die Stadt Singen eigentlich wachsen möchte. Dennoch kann langfristig eine steigende Einwohnerzahl verzeichnet werden, obwohl es in den letzten Jahren keine Siedlungserweiterungen gab, im Gegensatz zu anderen Orten, die über ausgedehnte Neubaugebiete verfügen und kurioserweise trotzdem schrumpfen. Zuletzt wurde das sehr kleine Wohngebiet „Unterm Einsatz 2“, das etwa 1,5 ha umfasst und seit Jahren komplett bebaut ist, Ende des letzten Jahrtausends erschlossen.
In den 1970er Jahren sah die Planung noch ganz anders aus. Damals sollten in dem der Kernstadt am nächsten gelegenen Stadtteil 10.000 Bürger leben. Genügend Platz wäre sicher vorhanden, dennoch ist es glücklicherweise nicht so weit gekommen. So konnte Friedingen seinen ländlichen Charakter und seinen Charme bewahren.
Familiengeschichte Die Friedinger Familiengeschichte wurde von Franz Werkmeister für die Zeit von 1650 bis 1950 auf der Grundlage der Kirchenbücher der Pfarrei St. Leodegar erforscht und aufbereitet. Ergebnisse aus diesen Nachforschungen berichtete er am 23. November 1990 in einem Festvortrag in der Schlossberghalle anlässlich der 900-Jahr-Feier von Friedingen. Die gesamten Ergebnisse wurden im Jahrbuch 63/2006 des Hegau-Geschichtsvereins Singen / Hohentwiel veröffentlicht. Die Untersuchungen der genealogischen und soziologischen Verhältnisse der Einwohner von Friedingen basieren auf 4476 Geburten, 895 Vermählungen und 2861 Sterbefällen im Zeitraum von rund 300 Jahren. Hierbei handelt es sich um 45 Geschlechter, die über mindestens zwei Generationen in Friedingen ansässig waren. Auf der Grundlage dieses Datenmaterials ist es möglich, die Ahnentafel und Verwandtschaftsverhältnisse der Friedinger Familien vollständig zusammenzustellen.
Politik Ortsvorsteher Florian Neurohr ist seit 2024 Ortsvorsteher von Friedingen.
Wappen mini|hochkant|Wappen der Herren von Friedingen, Zürcher Wappenrolle, ca. 1340
Das Wappen zeigt einen goldenen Löwen mit roter Zunge, der auf einem silbernen, erniedrigten Schrägrechtsbalken schreitet, auf blauem Grund.Dobler (1986), S. 25 Dieses Wappen diente seit 1904 als Gemeindewappen und war ursprünglich das Wappen der Herren von Friedingen zu Friedingen und der Herren von Friedingen zu Krähen. Gleichzeitig findet der Friedinger Löwe noch Verwendung in den Wappen von Mühlhausen, Mühlhausen-Ehingen und im Wappen von Böhringen.
Kultur und Sehenswürdigkeiten Bauwerke Burg Hohenfriedingen