Die Siemens PCD-Familie war eine Produktlinie AT-kompatibler Personal Computer, die Siemens ab 1986 fertigte und verkaufte, bevor sie schließlich 1996 von der Scenic Pro-Produktlinie abgelöst wurde.

Während der Produktionszeit der ersten Generation fusionierte die Büro-PC-Abteilung von Siemens mit Nixdorf zu Siemens-Nixdorf.

Namensgebung Der Name leitet sich vom “Urvater” Siemens PC-D ab, welcher jedoch nicht vollständig AT-kompatibel war. Folglich begannen die Namen fast aller Modelle mit PCD; eine Ausnahme bildeten lediglich die 1990/91 eingeführten Modelle mit EISA-Bus und MCA-Bus, deren Modellbezeichnungen mit PCE bzw. PCM begannen, während PCD ausschließlich für Modelle mit ISA-Bus verwendet wurde. Mit dem Verschwinden dieser Busarchitekturen wurde auch die namentliche Unterscheidung aufgegeben, und Geräte mit den später eingeführten VESA- bzw. PCI-Bussystemen trugen ebenfalls die Bezeichnung PCD.

Die Ziffer nach dem Bindestrich bezeichnet die Prozessorgeneration: 2 für Modelle mit Intel 80286-Prozessor, 3 für Modelle mit Intel 80386-Prozessor, 4 für Modelle mit Intel 80486-Prozessor, 5 für Modelle mit Pentium-Prozessor und 6 für Modelle mit Pentium-Pro-Prozessor.

Der folgende Buchstabe bezeichnete, außer beim “Urmodell” PCD-2 und dessen Nachfolger PCD-3, den Formfaktor. Bei den mobilen Geräten lautet dieser Buchstabe meist “N” (Notebook), mit Ausnahme von “P” (Portable) bei PCD-2P bzw. PCD-3Psx.

Danach folgten, jeweils optional:

Kennbuchstaben für Untervarianten, etwa “C” für Laptops mit Farbbildschirm eine genauere Bezeichnung der Prozessorvariante, etwa “sx” oder “sl” abgetrennt durch einen Schrägstrich: die Taktfrequenz des Prozessors (in der Typenbezeichnung auf der Gehäusefront fehlte dieser Teil jedoch), oder PCI für PCI-Systeme

Zur Bezeichnung von Geräten des gleichen Formfaktors, aber unterschiedlicher Prozessorgenerationen wurde in den ersten Generationen die Prozessorgeneration durch “x” ersetzt (etwa: PCD-xM), in der dritten Generation ausgelassen (etwa: PCD-H).

Erste Generation Die erste Generation der Linie setzte auf das Slot-CPU-Konzept: Hierbei waren der Prozessor und sämtliche Mainboard-Kernkomponenten auf einer einzelnen ISA-Karte in Form eines Einplatinencomputers verbaut. Diese wurde in eine Platterbaugruppe gesteckt, welche an die Stromversorgung angeschlossen war und den Kontakt zu den restlichen Steckkarten herstellte. Dies ermöglichte sehr kompakte Gehäuseformen und vereinfachte Prozessorupgrades. Parallele und serielle Schnittstellen waren bei den ersten Modellen noch auf separaten Erweiterungsboards untergebracht, auf späteren 80286-CPU-Boards sowie allen CPU-Boards nachfolgender Prozessorgenerationen waren eine parallele Schnittstelle sowie zwei serielle Schnittstellen integriert. Diese Boards hatten außerdem Steckverbinder für eine Piggyback-Baugruppe, auf die ein Festplatten-Controller oder Grakfikcontroller gesteckt werden konnte, ohne einen Steckplatz zu belegen.

In den ersten Modellen wurde der Grafikcontroller D391 verbaut, welcher in zwei Modi betrieben werden konnte: im Hercules-Modus war eine Auflösung von 720×350 Pixeln möglich, im CGA-Modus wurden die üblichen CGA-Auflösungen 640×200 monochrom oder 320×200 4-farbig unterstützt. Wie bereits beim PC-D konnte dieser über die mitgelieferte Software in einen Positivmodus geschaltet werden, in dem schwarze Schrift auf weißem Hintergrund angezeigt wurde.

Spätere Modelle waren auch mit EGA-Grafikcontroller lieferbar.

Ab 1990 wurde ausschließlich eine VGA-Grafikkarte angeboten.

PCD-2 und PCD-3 Der PCD-2 war der erste vollständig AT-kompatible Rechner aus dem Hause Siemens. Er wurde ab 1986 bei Siemens und ab 1990 mit fremder Hilfe der Computerelektronik Dresden GmbH (ehemals Robotron) bis 1990 gefertigt und verkauft. Bei Produkteinführung war er ausgestattet mit einem 286er Prozessor mit zwölf Megahertz und später auch einem 80287-Coprozessor.

Ein 5¼"-Laufwerk von TEAC für Disketten mit 1,2 MB stand als Wechselmedium zur Verfügung. Verbaut war eine Winchester-Festplatte mit 20 MB oder 40 MB, auf welcher das Betriebssystem MS-DOS installiert war. Außerdem wurde MS-Windows und GW-Basic vorinstalliert mit ausgeliefert. Der Arbeitsspeicher war mit 1 MB RAM bemessen.

Über einen Schlüsselschalter an der Frontblende konnte die Tastatur gesperrt und ein Start des Systems verhindert werden.

Das Gehäuse war vom PC-D übernommen und angepasst worden, was einige Nachteile mit sich brachte. So waren die Steckkarten in zwei Käfigen verbaut, welche ausgebaut werden mussten, um die jeweilige Karte zu tauschen.

Der Preis für dieses Gerät lag zur Einführung bei 11.680 DM, fünf Jahre später immer noch bei 7.390 DM.

Das Nachfolgemodell Siemens PCD-3 wurde 1989 vorgestellt. Dieses verfügte über einen Intel 80386-Prozessor.

PCD-2T/3T/4T, PCE-4T Das T-Modell war ein Big Tower, welcher auf maximale Ausbaufähigkeit ausgelegt war. Er bot acht Steckplätze für Erweiterungskarten sowie sieben Schächte für 5¼″-Laufwerke, davon vier bedienbar. Wie bereits im PCD-2 konnte mit einem Schlüsselschalter die Tastatur gesperrt und ein Systemstart verhindert werden; bei den T-Systemen wurde zusätzlich noch das Gehäuse, einschließlich der Laufwerksblende, mechanisch verriegelt.

Auch die T-Systeme nutzten den Slot-CPU-Standard; die Platterbaugruppe war jedoch mit dem Baby-AT-Formfaktor so weit kompatibel, dass die Geräte auch mit handelsüblichen Mainboards von Drittherstellern aufgerüstet werden konnten.

PCD-2L/2M/3M/4M Das M-Modell war ein kompakter Desktop-PC. Er bot drei freie Steckplätze für Erweiterungskarten sowie drei Einbauplätze für 3,5″-Laufwerke, davon zwei bedienbar. Auch die M-Systeme verfügten über einen Schlüsselschalter mit Tastatur- und Bootsperre sowie mechanischer Verriegelung des Gehäuses, aber keine Laufwerksblende. Ein externes 5¼″-Laufwerk wurde als Zubehör angeboten.

Der PCD-2L war eine kostengünstige Variante des PCD-2M ohne Festplatte, aber mit sonst gleichen technischen Daten.

Erste Generation (Mobil)

PCD-2P/3Psx Die „portable“ Variante des PCD-2 brachte Siemens 1988 als sein erstes Notebook auf den Markt. Es hat ein 10,5" großes monochrom-LCD bei einer Auflösung von 640 × 200 Pixeln. Der Bildschirm besaß ein doppeltes Gelenk, um ihn die gewünschte Arbeitsposition zu bringen. Verbaut war der Intel 16-bit Prozessor 80C286 mit 12 MHz; der Koprozessor 80C287 konnte nachgerüstet werden. Die Grafikhardware entspricht dem CGA-Standard. Weiterhin wurden 1 MB RAM (erweiterbar bis 5 MB) und eine Festplatte mit wahlweise 20 oder 40 MB verbaut. Das Gerät hatte ein internes 3½"-Diskettenlaufwerk und eine AT-Tastatur mit 79 Tasten. An Schnittstellen standen ein paralleler Ausgang (Centronics), ein serieller Ausgang mit dem RS-232C Standard, ein neunpoliger CRT-RGB-Farbmonitoranschluss, ein Anschluss für ein externes Diskettenlaufwerk, der Systembus und ein Tastaturanschluss zur Verfügung. Ausgeliefert wurde es vorinstalliert anfangs mit MS-DOS 3.21, ab 1989 mit MS-DOS 3.3. Das Gerät wog knapp 5 kg und hatte einen eingebauten Tragegriff. Optional wurde ein Batteriepack angeboten, welcher hinten an das Gerät angesteckt werden konnte.

Hergestellt wurde das Gerät in den USA von Zenith und war baugleich zum Zenith SupersPORT 286.

Eine spätere, äußerlich ähnliche Variante war der PCD-3Psx. Dieser verfügte über einen Intel 80386 SX-Prozessor mit 16 MHz Taktfrequenz, 2 MB Arbeitsspeicher und eine Festplatte mit wahlweise 40 oder 100 MB. Auch hier handelt es sich um ein Lizenzgerät von Zenith – den Zenith SupersPORT SX.

Beide Geräte wurden Ende 1990 durch die Modelle PCD-2N/PCD-3Nsx abgelöst.

Zweite Generation Die Geräte der zweiten Generation kamen ab 1990/91 auf den Markt und ergänzten die erste Generation, von der die meisten Modelle weiter auf dem Markt blieben. Die Geräte hatten einige Sicherheitsmerkmale, die in der ersten Generation nur zum Teil vorhanden war: alle verfügten über Laufwerksblenden, und der Schlüsselschalter verriegelte diese und das Gehäuse mechanisch. Zudem konnten Geräten Boot- und BIOS-Passwörter vergeben und die seriellen und parallelen Schnittstellen gesperrt werden. Diese Geräte wurden nur noch mit VGA-Grafikcontroller angeboten.

PCD-2B/3Bsx Bei den B-Systemen handelte es sich um kompakte Desktops, die in der Breite noch sechs Zentimeter weniger Platz einnahmen als die M-Systeme und außerdem über eine verriegelbare Laufwerksblende verfügten. Der Grafikcontroller war als Piggyback-Baugruppe auf dem CPU-Board ausgeführt, so dass zwei freie ISA-Steckplätze zur Verfügung standen. Für Laufwerke waren zwei 3,5″-Einbauplätze vorhanden.

PCD-3Rsx/4Rsx, PCM-3Dsx Die R-Systeme waren Minitower, die wahlweise auch als Desktops aufgestellt werden konnten. Hierfür konnte der Laufwerkskäfig um 90 Grad gedreht eingebaut werden. Es standen Einbauplätze für 5¼″-Laufwerke zur Verfügung.

Zweite Generation (Mobil)

PCD-2N/3Nsx Die beiden Geräte kamen Ende 1990 als Nachfolger des PCD-2P bzw. PCD-3Psx auf den Markt. Wie die jeweiligen Vorgänger verfügen die Geräte über einen 80286 (12 MHz) bzw. einen 80386SX (16 MHz, ab Ende 1991 auch 20 MHz). Hauptmerkmal war der deutlich verkleinerte Formfaktor. Darüber hinaus verfügten die Geräte nun über VGA-Grafik, wobei das interne Display nach wie vor ausschließlich monochrom ist.

Hersteller war das damals noch junge ODM-Unternehmen Quanta Computer. Identische Geräte wurden auch von anderen Firmen vertrieben. So waren zum PCD-2N identische Notebooks z. B. auch von Research Machines (Modell: NB200), Tulip (Modell: nb 286), Philips (Modelle: PCL20x, z. B. PCL203) und Magnavox (Modell: Metalis 286) erhältlich. Zum PCD-3Nsx identische Notebooks waren z. B. auch von Research Machines (Modell: NB300), Packard Bell (Modell: 386NB), Targa (Modell: Traveller TN-338), Tulip (Modell: nb 386sx), Philips (Modelle: PCL30x, z. B. PCL304) und ICL (Modell: NB386s) erhältlich.https://www.thenimbus.co.uk/range-of-nimbus-computers/nb300

PCD-4Nsx/4NCsx 1992 kamen die ersten Notebooks der PCD-Familie mit Intel 80486-Prozessor auf den Markt. Ausgestattet waren sie mit einem auf 25 MHz getakteten 80486SX-Prozessor, 4 MB Arbeitsspeicher und einer 80 MB-Festplatte. Während der PCD-4Nsx ein monochromes Display hat, verfügt der PCD-4NCsx erstmals über ein Farbdisplay. Bei beiden Geräten handelt es sich jedoch um ein Passiv-Matrix-Display.http://www.cc-computerarchiv.de/CC-Archiv/bc-aktuell/gb-fs-mp/gb-fs-mp-6_93.html

Auch diese Geräte wurden von Quanta produziert. Ein zum PCD-4Nsx identisches Notebook wurde auch von Research Machines (Modell: NB400) vertrieben.

PCD-3Nsl/3NCsl/4Nsl/4NCsl Diese ab 1992 erhältlichen Geräte waren – verglichen mit zeitgleich erhältlichen Notebooks der PCD-Familie – überwiegend im Hochpreissegment angesiedelt. Insbesondere die Geräte mit dem damals noch seltenen und hochmodernen Aktivmatrix-TFT-Farbdisplay kosteten mehr als 8000 DM.http://www.cc-computerarchiv.de/CC-Archiv/bc-aktuell/gb-fs-mp/gb-fs-mp-6_93.html Sie waren mit einem 80386sl (25 MHz, 64 KiB S-RAM Cache auf Hauptplatine) bzw. ab 1993 alternativ mit 80486sl-Prozessor (25 MHz, später auch 33 MHz) ausgestattet. Erstmals verfügten diese Geräte über einen Trackball, der oberhalb der Tastatur angebracht war. Die 80486-Modelle waren zusätzlich mit einem PCMCIA-Typ I/II-Steckplatz ausgestattet. Die PCD-xNC-Modelle hatten Aktivmatrix-TFT-Farbdisplays von Sharp, deren Diagonale allerdings mit 8,4″ etwas geringer war als die 10″ der Modelle mit monochromen Passiv-Matrix-Display.