Die Borsbergstraße ist eine Straße im Dresdner Stadtteil Striesen. Sie gilt als Einkaufsstraße des Stadtteils und ist Bestandteil der Verkehrsachse Pillnitzer Straße/Striesener Straße/Borsbergstraße/Schandauer Straße/Wehlener Straße, die vom Rand der Altstadt östlich bis nach Tolkewitz führt.Beate Lüsch: Wohnkomplex Borsbergstraße. In: Heidrun Laudel, Ronald Franke (Hrsg.): Bauen in Dresden im 19. und 20. Jahrhundert. Ronald Franke-Eigenverlag, Dresden 1991, S. 131. Benannt ist die Straße nach dem Borsberg, einem Berg unweit des Dresdner Ortsteils Borsberg.

Geschichte Einst führte von der Residenz zur Pillnitzer Fähre die alte Pillnitzer Chaussee, die „Straße J“ genannt wurde. Später wurde diese Teil der Borsbergstraße und fand ihre Fortsetzung in der Schandauer Straße. Als 1874 in der Johannstadt ein neues Wohnviertel entstand, ließen sich eine Brauerei, Gärtnereien, die Ziegelei Friedrich und eine Chemische Fabrik an der Straße nieder. Um 1900 begann die großflächige Bebauung der Borsbergstraße mit Mietvillen und geschlossenen Wohnblocks.

Im Jahr 1884 wurde die Straße J ausgebaut und Straßenbahngleise verlegt. Die Straße wurde auf mehr als 22 Meter verbreitert und bepflastert. Im August des Jahres 1903 wurde die inzwischen nach dem Borsberg benannte Straße weiter ausgebaut und mit Grünsteinen zweiter Kategorie bepflastert. Am 22. August des Jahres 1904 wurde die Straße für den Verkehr freigegeben. Die Baukosten beliefen sich damals auf 107.000 Mark. Im Jahr 1905 erfolgte die Weihe der katholischen Herz-Jesu-Kirche auf der Borsbergstraße 15.

Am 13. Februar 1945 wurde die Borsbergstraße bei den Luftangriffen auf Dresden teilweise zerstört. Erhalten blieb ein Straßenabschnitt mit villenartiger Bebauung und ein Teil der Wohnblocks. Die neue Bebauung westlich davon entstand von 1955 bis 1958. Im Jahr 2013 wurde die Borsbergstraße grundlegend saniert. Dabei wurden die Fahrbahn, die Straßenbahngleise, Beleuchtung, Signalanlagen, Rad-/Gehwege und Haltestellen erneuert oder neu angelegt.

Bebauung mini|Blockbebauung der 1950er-Jahre

Die Bebauung der Borsbergstraße begann in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Von den frühen Bauten besteht heute nur noch ein teilerhaltenes Einzelgebäude des 1884 errichteten Pferdebahnhofs. Eine konzentriertere Bebauung der Borsbergstraße erfolgte schließlich um 1900, als zahlreiche Gebäude mit Jugendstilelementen entstanden. Während die westliche Bebauung villenartigen Charakter hatte und mit „Würfelhäusern“ typisch für die Bebauung des historischen Striesen ist, wurden die Gebäude ab der heutigen Borsbergstraße 19 in mehrgeschossiger geschlossener Bebauung realisiert. Während die Villen der Borsbergstraße 1–14 erhalten blieben, wurde der Großteil der Bauten in geschlossener Bauweise zerstört. Heute erinnert hier nur noch der Komplex Borsbergstraße 19–21 an die ursprüngliche Blockbebauung. Ein weiteres Beispiel erhaltener Wohnblocks mit Elementen des Jugendstils lässt sich in der Krenkelstraße, einer Nebenstraße der Borsbergstraße, finden. Die an der Borsbergstraße 15 befindliche, katholische Herz-Jesu-Kirche überstand die Bombardierung Dresdens ohne große Schäden.

Die Bebauung der Borsbergstraße 16–32 und 23–33 begann, nachdem 1955 in der DDR die Entscheidung getroffen wurde, das Bauwesen zu industrialisieren. Auf der Borsbergstraße wurde in den Jahren 1955 bis 1958 „erstmals in Dresden eine Großblockbauweise unter Verwendung von Ziegelschutt mit typisierten Elementen angewandt“.Gilbert Lupfer, Bernhard Sterra, Martin Wörner (Hrsg.): Architekturführer Dresden. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, S. 158, Nr. 238. Auf die vorhandene historische Bebauung wurde dabei Rücksicht genommen, so wurden die Baufluchten und die Höhe des Dachfirstes von der bereits vorgegebenen Bebauung übernommen, sodass die Neubebauung heute als „glückliche Synthese zwischen Alt und Neu“ bezeichnet wird.Beate Lüsch: Wohnkomplex Borsbergstraße. In: Heidrun Laudel, Ronald Franke (Hrsg.): Bauen in Dresden im 19. und 20. Jahrhundert. Ronald Franke-Eigenverlag, Dresden 1991, S. 136. Die Neubebauung der Borsbergstraße ab 1955 gilt als „gutes Beispiel für den Anfang der Industrialisierung des Bauwesens in der damaligen DDR“.Beate Lüsch: Wohnkomplex Borsbergstraße. In: Heidrun Laudel, Ronald Franke (Hrsg.): Bauen in Dresden im 19. und 20. Jahrhundert. Ronald Franke-Eigenverlag, Dresden 1991, S. 137.

Sowohl die Mietvillen als auch die Wiederbebauung aus den 1950er-Jahren stehen unter Denkmalschutz. Dies trifft nicht auf Bauten der Borsbergstraße 34 bis 48 zu, unter denen sich zum Beispiel ein Supermarkt befindet.

Die Borsbergstraße war als Open-Air-Mall konzipiert.

Borsbergstraße 1–21 und 2–14 mini|Mietvilla Borsbergstraße 1 mini|Mietvilla Borsbergstraße 11 mini|Borsbergstraße 19 bis 21

Die Mietvilla Borsbergstraße 1 wurde 1901 im Übergangsstil vom Späthistorismus zum Jugendstil erbaut. Die Fassade ist mit Sandstein gegliedert und weist unter anderem Reliefbilder, wie Masken und Baumdarstellungen auf.Volker Helas, Gudrun Peltz: Jugendstilarchitektur in Dresden. KNOP Verlag, Dresden 1999, ISBN 3-934363-00-8, S. 183. Das Haus wurde 1995 saniert. Im Jahr 1903 entstand die Doppelvilla Borsbergstraße 2/4, die spiegelverkehrt aufgebaut, aber in sich asymmetrisch ist. Eckerker und Fensterbekrönungen zeigen Jugendstil-typische Pflanzenmotive, die jedoch sparsam verwendet wurden.

Für Baumeister Hermann Otto Schurig wurde 1901 das dreigeschossige Haus auf der Borsbergstraße 7 errichtet. Das Eckhaus zur Anton-Graff-Straße zeichnet sich durch sein „[s]päthistoristisch-malerisches Äußeres“ aus und verbindet unter anderem Elemente des Jugendstils mit Anklängen an den Fachwerkbau. Im Inneren ornamental ausgeschmückt zeigt das Treppenhaus unter anderem ein Deckengemälde im Jugendstil mit sitzender Frau, Pfau und Mädchen. Die gegenüberliegende Mietvilla Borsbergstraße 11 entstand ebenfalls als Eckhaus zur Anton-Graff-Straße und wurde 1901 für den Bildhauer Ernst Becher errichtet. Der „[m]alerisch-vielgestaltige… Bau“ hat Ecktürmchen, Runderker, Holzbalkone und mit Klinkern gestaltete Fensterbekrönungen. Die Dachgiebel wurden sowohl geschwungen im Jugendstil, als auch in Fachwerk gestaltet. Bis zu ihrem Tod 1977 wohnte die für ihre Tierdarstellungen bekannte Bildhauerin Etha Richter im Gebäude.

In der ersten Etage der Mietvilla Borsbergstraße 14 praktizierte nach Ende des Ersten Weltkriegs der Mediziner Willy Katz, den sein Freund Victor Klemperer in seinen Tagebüchern erwähnt. Katz war Jude und praktizierte ab 1938 im Erdgeschoss des Hauses als einziger Arzt der Stadt, der jüdische Mitbürger behandeln durfte. Nach 1945 entstand hier die vermutlich erste Poliklinik der Stadt, die Katz bis zu seinem Tod 1947 leitete.

Die letzten erhaltenen Gebäude geschlossener Blockbebauung stellen die Wohn- und Geschäftshäuser Borsbergstraße 19, 19 b und 21 dar. Sie entstanden von 1899 bis 1900 und sind viergeschossig mit Ladenzeile und ausgebautem Mansarddach konzipiert. Der Eckbau Nummer 19 zur Krenkelstraße hat einen Erker mit seitlichen Giebeln und abschließendem Turmhelm. Die Eckfassade ist unter anderem mit einem Relief von apfelessenden Knaben mit Apfelbaum geschmückt. Haus 19 und 19 b weisen Elemente der Neugotik und des Jugendstils auf, während Haus Nummer 21 neobarocke Elemente zeigt, unter anderem Pilaster und Dreiecksgiebel als Fensterverdachung.Volker Helas, Gudrun Peltz: Jugendstilarchitektur in Dresden. KNOP Verlag, Dresden 1999, ISBN 3-934363-00-8, S. 184.

Herz-Jesu-Kirche Die katholische Herz-Jesu-Kirche wurde von 1903 bis 1905 nach Plänen von August Menken auf der Borsbergstraße 15 errichtet. Die Gemeinde hatte das Grundstück bereits 1900 erworben. Es entstand ein neogotisches Gebäude mit wenigen floralen Jugendstil-Elementen unter anderem im Portalbereich. An und in der Kirche befinden sich insgesamt 149 Tierdarstellungen.Jürgen Helfricht: Dresden und seine Kirche. Evangelische Verlagsanstalt, Leipzig 2005, S. 43. Die Kirche mit dem rund 70 Meter hohen Turm bietet Platz für 580 Gläubige. Bei der Bombardierung Dresdens diente die Kirche als Zufluchtsstätte für zahlreiche Anwohner der Gegend. Im Gegensatz zur unweit gelegenen Erlöserkirche wurde die Herz-Jesu-Kirche kaum beschädigt. Lediglich die Fenster gingen zu Bruch und wurden durch Glasfenster ersetzt, die Bruno Seener (1893–1952) entworfen hatte. Im heutigen Geläut befindet sich auch eine 1986 gegossene Glocke, die ursprünglich für den Französischen Dom in Berlin bestimmt war.

Borsbergstraße 16–32 und 23–33 mini|Achtgeschossiges Appartementhochhaus auf der Borsbergstraße 32 mini|hochkant|Café Borsberg

Die Wohn- und Geschäftshäuser Borsbergstraße 16–32 sowie 23–33 wurden von 1955 bis 1958 unter der städtebaulichen Leitung des Architekten Herbert Schneider und Kollektiv errichtet. Die Projektleitung hatten die Architekten Wolfgang Hänsch, Gottfried Kintzer und Gerd Dettmar inne. Der Bau dieser Gebäude stellte zugleich den „Beginn der Großblockweise“ in Dresden dar.Walter May, Werner Pampel, Hans Konrad: Architekturführer DDR, Bezirk Dresden. Verlag für Bauwesen, Berlin 1979, S. 62, Nr. 96.

Die Bebauung besteht aus langen fünfgeschossigen Wohngebäuden mit Satteldächern. Die Fassaden der Gebäude sind mit farbigem Edelputz und Latexanstrich, einem geometrischen, farblich abgesetztem Muster und einer reliefartigen Paneelkonstruktion versehen worden. Farben waren Gelb und Blau, die dem Gebäudekomplex eine „eigene, heitere Note“ geben sollten.Projektierung von Wohnbauten in Großblockbauweise. In: Deutsche Architektur. Nr. 2, 1956 (und 1958). Dennoch wurde die Farbgebung der Baukörper und die Technologie der Bauweise kritisiert. Aufgrund ihres technischen Charakters wurden die Bauten sogar mit „kapitalistischer Architektur“ verglichen. Im Erdgeschoss der Wohngebäude befinden sich vorgestellte Läden.

Ein achtgeschossiges Appartementhochhaus mit Flachdach und dreieckig herausragenden Balkonen befindet sich an der Borsbergstraße 32Holger Gantz: 100 Bauwerke in Dresden: Ein Wegweiser zu Bauwerken von historischem und baukünstlerischem Rang. Schnell und Steiner, Regensburg 1997, S. 75f., Nr. 77. und wurde quer zu den fünfgeschossigen Wohngebäuden errichtet. Es bildet damit den optischen und räumlichen Abschluss des Wohnkomplexes Borsbergstraße und wirkt neben der Herz-Jesu-Kirche als bauliche Dominante der Straße.Beate Lüsch: Wohnkomplex Borsbergstraße. In: Heidrun Laudel, Ronald Franke (Hrsg.): Bauen in Dresden im 19. und 20. Jahrhundert. Ronald Franke-Eigenverlag, Dresden 1991, S. 133. Das Appartementhaus wurde als „Wiederverwendungsprojekt“ zum Beispiel in der Dresdner Johannstadt an der Striesener Straße 2 (Ecke Hans-Grundig-Straße) reproduziert.Beate Lüsch: Wohnkomplex Borsbergstraße. In: Heidrun Laudel, Ronald Franke (Hrsg.): Bauen in Dresden im 19. und 20. Jahrhundert. Ronald Franke-Eigenverlag, Dresden 1991, S. 133–135.

Sowohl am östlichen als auch am südwestlichen und nordwestlichen Teil des Wohnkomplexes Borsbergstraße „erweitert sich die Fußgängerzone durch das Zurücksetzen eines Häuserblockes“. Auf den so geschaffenen kleinen Plätzen entstanden Ruhezonen mit Bänken und Grünanlagen. Auf der Erweiterung im östlichen Teil schräg gegenüber der Herz-Jesu-Kirche wurde nach 2000 ein Wasserspiel installiert.

Die platzartige Erweiterung im nordwestlichen Bereich der Borsbergstraße wurde unter anderem vom 1959 eröffneten Café Borsberg für die Bestuhlung genutzt. Das Café befand sich in einem dem Gebäude Borsbergstraße 29 c bis 31 b vorgelagerten, eingeschossigen Gebäudeteil. Das Café Borsberg wurde zu einem beliebten Café in Striesen, schloss jedoch nach der Wende in den 1990er-Jahren. Heute befindet sich hier eine Drogerie und ein Eiscafé, das die Bezeichnung „Café Borsberg“ im Namen trägt. Auf der Freifläche vor dem Café befinden sich eine Plastik von Magdalene Kreßner, die zwei Balletttänzer zeigt, sowie verschiedene Gründflächen, wie eine wellig gestaltete Rasenfläche.

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