mini|Tölzer Straße in Holzkirchen mini|Altes und neues Rathaus mit Brunnen

Holzkirchen ist ein Markt mit zirka 16.000 Einwohnern im oberbayerischen Landkreis Miesbach. Die Marktgemeinde ist die bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Kommune des Landkreises.

Geographie Lage Die Gemeinde liegt circa 30 Kilometer südlich der Landeshauptstadt München und jeweils circa 20 Kilometer nördlich des Tegernsees sowie der Kurstadt Bad Tölz.

Gemeindegliederung

Es gibt 36 Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):

Es gibt die Gemarkungen Hartpenning, Holzkirchen und Föching.

Klima

Natur Das folgende Schutzgebiet berührt das Gemeindegebiet: Fauna-Flora-Habitat-Gebiet Ellbach- und Kirchseemoor (8235-301)

Geschichte Bis zum 19. Jahrhundert mini|Ansicht des Markts Holzkirchen von Michael Wening, um 1700 Die Holzkirchner Gegend war schon zur frühen Bronzezeit (1800–150 v. Chr.) besiedelt, wie einige Funde von Kupferringbarren zeigen. Während der Römerzeit kreuzten sich zwei Römerstraßen (Augsburg – Salzburg und Freising – Achensee). 1286 wurde Holzkirchen das erste Mal als Markt bezeichnet. 1857 wurde die erste Eisenbahnlinie (München – Holzkirchen – Rosenheim) eröffnet.

20. Jahrhundert alternativtext=Gedenktafeln für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, Alter Friedhof|mini|hochkant|Gedenktafeln für Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, Alter Friedhof Während des Zweiten Weltkriegs erlitt Holzkirchen trotz seiner Bedeutung für den Schienenverkehr nur geringe Schäden. Auch ein Kampf um den Ort gegen die vorrückenden Alliierten 1945 konnte durch umsichtiges Handeln einiger Gemeindebürger verhindert werden. Dagegen fielen kurz nach Kriegsende 16 überwiegend osteuropäische Zwangsarbeiter einer Methanolvergiftung zum Opfer.

Eingemeindungen Am 1. Mai 1978 wurden im Zuge der Gemeindegebietsreform die Gemeinde Hartpenning und Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Föching eingegliedert.

Einwohnerentwicklung Zwischen 1988 und 2018 wuchs der Markt von 11.395 auf 16.581 um 5.186 Einwohner bzw. um 45,5 %.

Religion Römisch-katholisch Im Pfarrverband Holzkirchen (Holzkirchen – Föching – Hartpenning) befinden sich 4 Kirchengemeinden: St. Laurentius (Holzkirchen, Marktplatz) St. Josef (Holzkirchen, St.-Josef-Straße): Der 1962 erbaute Vorgängerbau musste wegen statischer Mängel der Dachkonstruktion im November 2011 geschlossen werden, die Kirche wurde am 24. Juni 2012 profaniertMünchner Merkur vom 25. Juni 2012 und im Spätsommer 2014 abgerissen – nur der separat stehende Glockenturm blieb erhalten. Für den Nachfolgebau (Holzbauwerk) mit 400 Sitzplätzen wurde ein Architektenwettbewerb durchgeführt, der Gewinner war Eberhard Wimmer. Der Baubeginn erfolgte im Oktober 2015, die Grundsteinlegung war am 18. März 2016, Ende 2017 wurde der Bau fertiggestellt. Die Kosten für den Neubau belaufen sich auf 10,63 Millionen Euro. Die Einweihung durch Reinhard Kardinal Marx war am 18. März 2018. St. Johann Baptist (Föching) Mariä Heimsuchung (Hartpenning)

Evangelisch-lutherisch Nach bescheidenen Anfängen in der Reformationszeit fand 1878 der erste evangelische Gottesdienst auf Holzkirchener Gebiet auf dem Aberghof in Föching statt. Im Dezember 1898 wurde der Betsaal an der Haidstraße eingeweiht, die spätere Apostel-Thomas-Kirche. Genau 100 Jahre diente sie der Evang.-Luth. Kirchengemeinde als Gottesdienstraum. Am 20. Dezember 1998 wurde die neue Segenskirche eingeweiht, 2008 dann das aus den ehemaligen Gebäuden Pfarrhaus und Apostel-Thomas-Kirche neu geschaffene Thomashaus. Damit war das Ensemble aus Kirche, Gemeinderäumen und Kindergarten vollständig. Die Evang.-Luth. Kirchengemeinde umfasst außer dem Hauptort und Namensgeber Holzkirchen noch die politischen Gemeinden Otterfing, Sauerlach, Valley, Warngau sowie Teile von Dietramszell und Egling. Sie hat rund 4900 Mitglieder, davon rund 2500 in Holzkirchen. Die Kirchengemeinde hat die Betriebsträgerschaft des evangelischen Integrationskindergartens Hollerbusch.100 Jahre Apostel-Thomas-Kirche; Einweihung Segenskirche; Hrsg. Evang.-Luth. Kirchengemeinde Holzkirchen; 1998

Pfingstgemeinde Seit 2007 gibt es in Holzkirchen eine Freikirchliche Pfingstgemeinde des Bundes Freikirchlicher Pfingstgemeinden. Im Dezember 2009 konnten die Geschäftsräume der früheren Löwen-Apotheke in der Tölzer Straße nach umfangreichen Renovierungsarbeiten in Betrieb genommen werden. Die Pfingstgemeinde bietet neben einem wöchentlichen Gottesdienst die Teilnahme an Hauskreisen und Jugendtreffen an.Hrsg. Freie Christengemeinde Holzkirchen; 2011

Politik Gemeinderat Die vergangenen Kommunalwahlen führten zu folgenden Sitzverteilungen im Marktgemeinderat:

+ Partei 2014 2020 2026 CSU 9 8 10 Bündnis 90/Die Grünen 4 6 6 Freie Wähler/FWG 6 5 5 SPD 5 4 3 FDP – 1 – Gesamt 24 24 24

Erster Bürgermeister Joseph Marxbauer (1888–1889 und 1906–1916) Franz Obermayer (1952–1960), SPD Otto Mair (1960–1978), CSU Albert Seiler (1978–1990), SPD Manfred Glanz (1990–2002), CSU Josef Höß (2002–2014), CSU Olaf von Löwis of Menar (2014–2020), CSU Christoph Schmid (seit 2020) CSU

Wappen

Sehenswürdigkeiten Baudenkmäler

Altes Rathaus (Holzkirchen)

Bodendenkmäler

Wirtschaft und Infrastruktur Wirtschaft In Holzkirchen sind ca. 1600 Gewerbetreibende ansässig. Im Landkreis Miesbach ist Holzkirchen ein großer Einkaufsstandort mit zahlreichen Geschäften und Stores. mini|Einkaufsparadies HEP in Holzkirchen Neben zahlreichen mittelständischen Betrieben haben sich auch Sandoz (Hexal und 1 A Pharma), Panasonic Electric Works Europe und Panasonic Electric Works Deutschland (jetzt nach Ottobrunn disloziert) sowie der Etikettenhersteller CCL Label GmbH, eine Tochtergesellschaft von CCL Industries, mit ihren Hauptfirmensitzen hier niedergelassen. Veolia Verkehr hat in dem Markt ihre süddeutsche Zentrale. Eine bedeutende Niederlassung besitzt auch die Bosch Engineering, die am Standort Holzkirchen im Gemeindeteil Föching ab 2013 ein Entwicklungszentrums errichtet hat. Eine Erweiterung für 900 Mitarbeiter wurde Mitte 2022 eröffnet.bosch.de

Holzkirchner Oberbräu ist die letzte noch verbliebene der einstmals fünf Brauereien Holzkirchens und gehört heute zur König Ludwig GmbH & Co. KG der Schlossbrauerei Kaltenberg. 2017 wurde 'Sappl Bräu' gegründet.

Zwischen 1958 und 1988 betrieb die Friedrich Deckel AG in Holzkirchen eine Fabrik für Werkzeugmaschinen. Nach dem Abriss der Werkhallen entstand an ihrer Stelle das Einkaufszentrum „Holzkirchner Einkaufsparadies“ mit etwa 7000 Quadratmetern Verkaufsfläche.Homepage des HEP

Im Jahr 2005 entschied der Gemeinderat, den Gewerbesteuersatz um ein Drittel zu senken; dies wurde überregional rezipiert. Bürgermeister Höß und der bayerische Ministerpräsident Stoiber bezeichneten Holzkirchen in einer Pressekonferenz als „das Monaco Bayerns“. Die Steuersenkung solle den Pharmakonzern Sandoz nach dem Kauf von Hexal dazu zu bewegen, seine neue Zentrale in der Gemeinde anzusiedeln. Der Unternehmenssitz wurde in Holzkirchen angesiedelt, weil dies eine Bedingung der Hexal-Eigentümer (Brüder Strüngmann) im Verkaufsvertrag an Sandoz war.

Überregional bekannt ist das Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP, das eine Außenstelle am Ort hat, obwohl es bereits im Gemeindegebiet Valley liegt.

Ansässige Unternehmen Holzkirchner Oberbräu Hexal Gemeindewerke Holzkirchen Panasonic Electric Works Deutschland Veolia Verkehr Bosch Engineering

Grünes Zentrum Holzkirchen mini|Grünes Zentrum Das vom Bayerischen Bauernverband (BBV) für 13 Millionen Euro errichtete Grüne Zentrum Holzkirchen wurde im März 2015 eingeweiht. Das Gebäude ist ein energiesparendes Passivhaus. Beheizt wird es über eine Wärmepumpenheizung, die als Wärmequelle Geothermie nutzt. Die Erdwärme wird dabei über 22 Erdsonden mit bis zu 100 Metern Tiefe gewonnen. Im Gebäude sind vertreten: Bayerischer Bauernverband (BBV) Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Landwirtschaftsschule Akademie für Alm- und Landwirtschaft Almwirtschaftlicher Verein Oberbayern (AVO) Kreishandwerkerschaft (Miesbach-Bad Tölz-Wolfratshausen) Waldbesitzervereinigung Holzkirchen w. V. (WBV)

Geothermie mini|hochkant=1.2|Bohrplatz im April 2016 Im Osten des Marktes (an der B 318) wurde durch die kommunalen Gemeindewerke Holzkirchen ein Geothermiekraftwerk errichtet. Am 30. April 2015 hat sich der Gemeinderat mit einer Mehrheit von 17 zu 8 Stimmen für die Realisierung des seit dem Jahr 2006 entwickelten Projekts entschieden. Nach der Rodung des Bauplatzes wurden an den Ausgangspunkten für die beiden Tiefbohrungen der geothermischen Dublette zunächst zwei Führungsrohre (je 50 m lang, 66 cm Durchmesser, 10 Tonnen schwer) im Abstand von 7,5 Metern einbetoniert.Holzkirchner Gemeindeblatt Dezember 2015 Am Barbaratag (4. Dezember 2015) wurde der Bohrplatz mit einem ökumenischen Gottesdienst eingeweiht. Am 14. Januar 2016 wurde der 57 Meter hohe Bohrturm aufgerichtet. Bohrbeginn mit Meißelweihe fand am 28. Januar 2016 in Anwesenheit der Staatsministerin Ilse Aigner statt. Die Tiefbohrarbeiten erfolgten rund um die Uhr. Jede Bohrung wurde in fünf Sektionen niedergebracht, die sich mit zunehmender Tiefe von 58,4 cm (Oberfläche) auf 15,5 cm (ab ca. 4800 m Tiefe) verjüngen. Der Bohrmeißel wurde durch ein Richtbohrsystem in der ersten Bohrung nach Nordosten bzw. in der zweiten Bohrung nach Westen abgelenkt. Durch geologisch-technische Probleme (Anbohren einer Gasblase / verklemmte Verrohrung und feststeckendes Bohrgestänge) kam es zu einer Verzögerung der Bohrarbeiten um mehrere Monate. Anfang April 2017 waren die Bohr- und Testarbeiten beider Tiefbohrungen abgeschlossen und der Bohrturm wurde demontiert. Die zweite Bohrung ist mit einer Bohrstrecke von 6084 m bis in ca. 5100 m Tiefe die tiefste und längste Geothermiebohrung Deutschlands, die zudem mit deutlich über 150 °C das heißeste Thermalwasser im Voralpenland liefert. Zunächst wurde im Dezember 2018 die neu errichtete Heizzentrale und das Fernwärmenetz an die Geothermie angeschlossen. Die Inbetriebnahme des Kraftwerks zur Stromerzeugung erfolgte dann im Juli 2019, die offizielle Einweihung der gesamten Geothermieanlage schließlich am 16. November 2019. Ca. 3,5 MW elektrische Leistung werden in dem Kraftwerk geothermisch generiert.

Verkehr Straße mini|Autobahn A8 bei Holzkirchen

Der Hauptort liegt nahe der Autobahn A8 (Anschlussstelle Holzkirchen/AS-Nr. 97). Die Bundesstraßen 13 und 318 kreuzen sich in Holzkirchen. Der Markt befindet sich rund 42 Kilometer westlich von Rosenheim, jeweils 18 Kilometer von Bad Tölz und Miesbach entfernt sowie 30 Kilometer südlich der Landeshauptstadt München.

Eine nördliche Umgehungsstraße zwischen B 13 und B 318 wurde am 18. Dezember 2009 für den Verkehr freigegeben. Der westliche Abschnitt dieser neuen Kreisstraße war bereits im Oktober 2007 fertiggestellt worden.

Bahn Der Verkehrsknotenpunkt Holzkirchen verfügt mit der Bahnstrecke München–Lenggries und der Bahnstrecke München Ost–Deisenhofen über eine gute Verkehrsanbindung nach München (u. a. S-Bahn-Anschluss (Linie S 3 im 20-Minuten-Takt)). Die Bahnstrecke München–Lenggries und die Bahnstrecke Holzkirchen–Schliersee werden von der Bayerischen Regiobahn (BRB) mit den Linien RB 55, RB 56 und RB 57 jeweils im 30- bis 60-Minuten-Takt befahren und bieten Direktverbindungen nach Tegernsee (RB 57), Lenggries (RB 56) und Bayrischzell (RB 55). Auf der Mangfallbahn über Bad Aibling nach Rosenheim verkehrt im Stundentakt die Linie RB 58 der BRB. Werktags bestehen einige durchgehende Verbindungen der RB 58 zwischen Rosenheim, Holzkirchen und München Hbf.

20-Minuten-Takt

Bus Es verkehren folgende Regional- und Ortsbuslinien des Münchner Verkehrs- und Tarifverbundes (MVV) am Bahnhof oder am Zentralen Omnibus-Bahnhof. Fahrpläne des MVV auf efa.mvv-muenchen.de (abgerufen am 3. September 2026)