Die Beziehungen zwischen Deutschland und den Vereinigten Staaten haben sich seit dem 17. Jahrhundert durch Auswanderung von Deutschen in die „Neue Welt“ entwickelt. Sie betreffen eine Vielzahl von Kontakten im kulturellen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen, politischen und militärischen Bereich.
1683–1900 Einwanderung Die deutsche Einwanderung begann im 17. Jahrhundert, Deutsche waren bereits 1607 an der Gründung von Jamestown beteiligt. 1683 gründete Franz Daniel Pastorius zusammen mit dem englischen Quäker William Penn in der Nähe von Philadelphia „Germantown“. Damals kamen die deutschen Einwanderer hauptsächlich aus Baden, Württemberg, Hessen und aus der Pfalz sowie aus den Bistümern Köln, Osnabrück, Münster und Mainz.
18. Jahrhundert Zu Beginn des 18. Jahrhunderts führten wirtschaftliche Probleme in Deutschland zu einer neuen Einwanderungswelle in die USA. Allein 1709 fanden sich 13.000 Auswanderungswillige aus der verwüsteten Pfalz in der Hoffnung auf eine freie Überfahrt in London ein.Thomas Piltz (Hrsg.): Zweihundert Jahre deutsch-amerikanische Beziehungen. Two Hundred Years of German-American Relations. 1776–1976. Heinz Moos Verlag München 1975, S. 16. In den Jahren 1717 bis 1732 siedelten etwa 3000 Mennoniten nach Nordamerika über. Viele Nachfahren der ausgewanderten Pfälzer sprechen mit dem Pennsylvania Dutch noch heute eine vorwiegend auf pfälzischen Dialekten aufbauende Sprachvariante, die sie „Mudderschbrooch“, „Pennsilfaanisch Deitsch“ oder einfach „Deitsch“ nennen. Beim Ausbruch des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges 1775 lebten bereits 250.000 Deutsche zwischen Maine und Georgia.Thomas Piltz (Hrsg.): Zweihundert Jahre deutsch-amerikanische Beziehungen. Two Hundred Years of German-American Relations. 1776–1976. Heinz Moos Verlag München 1975, S. 17.
19. Jahrhundert Als nach den Koalitionskriegen die Grenzen und Häfen wieder frei waren, gelangten zwischen 1820 und 1920 über sechs Millionen deutsche Auswanderer nach Amerika.Thomas Piltz (Hrsg.): Zweihundert Jahre deutsch-amerikanische Beziehungen. Two Hundred Years of German-American Relations. 1776–1976. Heinz Moos Verlag München 1975, S. 33. Allein um 1850 kamen fast eine Million Deutsche in die Vereinigten Staaten, darunter Tausende von politischen Flüchtlingen als Folge der 1848er-Revolutionen in Europa. Sie wurden Forty-Eighters genannt. In dieser Phase der deutschen Einwanderung schlossen sich die Neuankömmlinge den bereits früher aus Deutschland emigrierten Siedlern an. Dieses Phänomen der „chain migration“ vergrößerte die bereits vorhandenen deutschen Siedlungsgebiete. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts bildeten die Deutschen die stärkste Einwanderergruppe.
20. Jahrhundert Die amerikanische Isolationspolitik nach dem Ersten Weltkrieg und die Wirtschaftskrise der 20er Jahre führten zu einer Beschränkung der Einwanderungserlaubnis. Auch als während der Zeit des Nationalsozialismus viele Deutsche ihre Hoffnungen auf die USA richteten, zwang die wirtschaftliche Depression zu dieser Beschränkung. So gelang es nur prominenten Auswanderern, besonders Künstlern und Wissenschaftlern, ohne große Probleme in die USA einzureisen.
21. Jahrhundert Heute bezeichnen sich etwa 58 Millionen Amerikaner als deutschstämmig. Zahlenmäßig sind die Deutschen am stärksten in Kalifornien vertreten, gefolgt von Pennsylvania, Ohio, Illinois und Texas. Die größte deutsch-amerikanische Bevölkerungsdichte findet sich im sogenannten „German Belt“, zu dem die Staaten Wisconsin, Minnesota, North Dakota, South Dakota, Nebraska und Iowa gehören.
Politik und Regierung Die Deutsch-Amerikaner waren im politischen Bereich mehr an der Entwicklung der Gewerkschaftsbewegung als an der eigentlichen Regierungsarbeit beteiligt. Sie waren für den Aufbau und die Organisation des Gewerkschaftswesens in den USA von entscheidender Bedeutung. Die Mitgliedschaft in Gewerkschaften ermöglichte es deutschen Einwanderern, ihre Arbeitsbedingungen zu verbessern und sich in der amerikanischen Gesellschaft insgesamt besser zu integrieren. Ursprünglich arbeiteten die Deutschen vor allem in den Traditionsberufen Bäcker, Schreiner und Brauer. Sie waren aber auch als einfache Arbeiter, Bauern, Musiker und Händler tätig.
Carl Schurz war der erste Deutsche, der eine herausragende Rolle in der amerikanischen Politik spielte. Er unterstützte Abraham Lincoln im Wahlkampf, war amerikanischer Gesandter in Spanien, brachte es im Bürgerkrieg bis zum Brigadegeneral, wurde später zum Senator des Staates Missouri gewählt und schließlich von Präsident Rutherford Hayes zum Innenminister ernannt.
Außenpolitische Beziehungen Die deutsche Beteiligung am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurde von verschiedenen Interessen geleitet. Mehrere Landesfürsten vermieteten ihre Soldaten an die britische Armee. Besonderes Aufsehen fand der Soldatenhandel unter Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel. Das Bürgertum hingegen zeigte Sympathien für die Aufständischen. Schon 1775 ergriff Christian Friedrich Daniel Schubart in seinem Freiheitslied eines Nordamerikanischen Kolonisten Partei für die Amerikaner. 1781 feierte Friedrich Gottlieb Klopstock die neue Nation in seinem Gedicht Der jetzige Krieg. Johann Wolfgang von Goethe schrieb rückblickend in seinen Lebenserinnerungen Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit, man habe den Amerikanern Glück gewünscht.
Bereits 1785 schloss Preußen als erster deutscher Staat einen Freundschafts- und Handelsvertrag mit der jungen Republik ab. Zur Aufnahme diplomatischer Beziehungen kam es erstmals im Jahre 1797, als John Quincy Adams Botschafter der USA in Preußen wurde. Nach dessen Demission 1801 versandete diese Entwicklung zunächst. Erst seit im Jahre 1835 Henry Wheaton Botschafter der USA in Preußen wurde, gibt es eine fast ununterbrochene diplomatische Beziehung (seit 1871 mit Deutschland), die lediglich 1917–1921 und 1941 bis 1955 unterbrochen wurde.
Im 19. Jahrhundert konzentrierten sich die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und Deutschland vornehmlich auf Einwanderung und Handel. Alles in allem galt das Hauptinteresse der Vereinigten Staaten dem europäischen Gleichgewicht, politische Beziehungen waren zweitrangig. Die Vereinigten Staaten waren meist nur indirekt durch England und Frankreich diplomatisch vertreten. Erster amerikanischer Missionschef beim Deutschen Bund war kurzzeitig im Jahr 1848 Andrew Jackson Donelson, der bei der Frankfurter Nationalversammlung akkreditiert war.Daneben bestanden seit 1838 mit dem ersten Gesandten Henry A. P. Muhlenberg diplomatische Beziehungen mit Österreich. 1867 wurde George Bancroft Gesandter in Preußen und ab 1871 Gesandter beim Deutschen Reich.siehe Liste der Botschafter der Vereinigten Staaten in Deutschland Als nach 1871 das geeinte Deutsche Reich mehr Gewicht in der europäischen Politik erlangte, kam es zwischen den beiden Ländern Ende der 1880er Jahre zu wirtschaftlichen und flottenpolitischen Konflikten, die 1889 zur Berliner Samoa-Konferenz führten.
Zunächst kam es noch, nicht zuletzt unter dem Einfluss von Politikern wie Carl Schurz und Otto von Bismarck, zu einem intensiven Austausch von Studenten und Wissenschaftlern. Nach ca. 1900 wurde in den USA das intensive Machtstreben, wie es besonders von Kaiser Wilhelm II. ausgeübt wurde, mit wachsendem Misstrauen gesehen.
1901–1939 Erster Weltkrieg Zu Beginn des 20. Jahrhunderts umfassten die deutsch-amerikanischen Beziehungen hauptsächlich die Bereiche Einwanderung und Wirtschaft. Mit der Reichsgründung 1871 gewann das geeinte Deutsche Reich an Einfluss in der europäischen Politik. Daraus resultierende Rivalitäten in Handel und Ökonomie führten zu Reibungen zwischen beiden Ländern. Kleinere Zwischenfälle, so in der Manila-Bucht, Peking, Samoa und Venezuela, mündeten schließlich in den deutschen U-Boot-Krieg gegen Handelsschiffe, der letztendlich den Kriegseintritt der USA veranlasste.
Am 4. August 1914 hatte Präsident Wilson noch die Neutralität der Vereinigten Staaten proklamiert. Dies veränderte sich jedoch nachhaltig, nachdem am 7. Mai 1915 deutsche U-Boote das britische Passagierschiff Lusitania versenkt hatten, unter dessen 1198 Toten sich auch mehr als 100 US-Bürger befanden. Aus Sorge vor sich verschlechternden Beziehungen zu den USA wies die deutsche Reichsregierung die Marineleitung an, die Angriffe vor allem auf neutrale und zivile Schiffe wieder einzuschränken. Da jedoch Großbritannien andererseits die gegen Deutschland verhängte Seeblockade nicht aufhob, erklärte das Deutsche Reich am 31. Januar 1917 die Fortführung des uneingeschränkten U-Boot-Kriegs. Nun griffen deutsche U-Boote selbst unbewaffnete Handelsschiffe aus neutralen Staaten an. Daraufhin brachen die USA die diplomatischen Beziehungen zu Deutschland ab. Nachdem fünf US-Schiffe versenkt worden waren, erklärte Präsident Wilson Anfang April Deutschland den Krieg.
Der Erste Weltkrieg hatte auch auf die deutschstämmigen Amerikaner in den Vereinigten Staaten Auswirkungen. In vielen Bundesstaaten verschwand die deutsche Sprache vom Lehrplan öffentlicher Schulen. Es fanden keine Aufführungen deutscher Musik bzw. Opern mehr statt. Straßen, Gebäude oder auch Städte mit deutschen Namen wurden umbenannt, Sauerkraut hieß nun „liberty cabbage“ und Hamburger wurden zu „Salisbury steaks“.
Weimarer Republik Am 8. Januar 1918 verkündete Präsident Woodrow Wilson den sogenannten 14-Punkte-Plan, in dem er seine Vorstellungen eines künftigen Friedens darlegte. Der 14-Punkte-Plan forderte unter anderem offene Friedensverträge, keine geheimen Verhandlungen mehr, uneingeschränkte Freiheit der Schifffahrt, Beseitigung wirtschaftlicher Schranken, Selbstbestimmungsrecht der Völker sowie die Bildung eines Völkerbundes. Doch erst als das deutsche Heer praktisch am Boden lag, im Herbst 1918, wandte sich Deutschland an die kriegsführenden Länder, um auf der Grundlage des 14-Punkte-Plans über einen Waffenstillstand und Frieden zu verhandeln. Der amerikanische Präsident beriet mit den Alliierten, die dem deutschen Vorschlag zustimmten. Am 11. November 1918 wurde ein Waffenstillstand unterzeichnet. Jedoch konnten sich im weiteren Verlauf die Vorstellungen Wilsons nicht durchsetzen. Im Juni 1919 wurde der Versailler Vertrag unterzeichnet, der dem Deutschen Reich die alleinige Kriegsschuld zuschrieb. Deutschland verlor ein Siebtel seines Territoriums und wurde zu immensen Reparationszahlungen verurteilt. Außerdem blieb ihm der Beitritt zum Völkerbund bis 1926 verwehrt. Auch innenpolitisch scheiterte Wilson: der Senat lehnte den Beitritt der Vereinigten Staaten zum Völkerbund ab. Dennoch gestalteten sich die Beziehungen zwischen den USA und Deutschland im weiteren Verlauf positiv. Beide Länder unterzeichneten 1921 in Berlin einen separaten Friedensvertrag sowie 1923 einen Handelsvertrag. 1921 wurde in den USA ein neues Einwanderungsgesetz beschlossen. Es war das erste Quotengesetz, so wie es heute noch üblich ist.
Am 9. April 1924 trat der Dawes-Plan in Kraft. Ein internationaler Ausschuss unter der Leitung des amerikanischen Bankiers Charles Dawes legte einen neuen Finanzierungsplan für die Reparationen vor, der sich an der Wirtschaftskraft des Deutschen Reiches orientierte. Im Juni 1929 wurde der Dawes-Plan durch den Young-Plan ersetzt, der die finanziellen Verpflichtungen noch einmal herabsetzte. Das Deutsche Reich entwickelte sich zum wichtigsten europäischen Importland für amerikanische Produkte. 1928 wählten die Amerikaner mit Herbert Hoover den ersten deutschstämmigen Präsidenten der Vereinigten Staaten. Durch den Börsenkrach vom 24. Oktober 1929 wurde die positive Entwicklung zwischen beiden Staaten zunichtegemacht. Die Weltwirtschaftskrise riss Europa und die Vereinigten Staaten in einen Strudel von Massenarbeitslosigkeit und Verelendung. Internationale Wirtschaftsbeziehungen versiegten. Protektionismus und Nationalismus setzten sich wieder durch. Die Tage der Weimarer Republik waren gezählt.
1933–1939