mini|300px|Lage der Babenhäuser Ortsteile

Babenhausen (im lokalen Dialekt: Bawehause) ist eine Stadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg im Rhein-Main-Gebiet. Die Stadt liegt circa 34 km südöstlich von Frankfurt am Main.

mini|Luftbild von Babenhausen mini|Fahrstraße, die Einkaufsstraße

Geographie Geographische Lage Die Stadt liegt in der Flugsandebene nördlich des Odenwaldes. Die Kernstadt liegt auf an der Gersprenz, die in mehreren Armen das Stadtgebiet durchfließt. Babenhausen ist eine der waldreichsten Gemeinden Südhessens. Das Umland wird zum Großteil ackerbaulich genutzt, u. a. werden Spargel und Mais angebaut. Um die Stadt verteilen sich mehrere Kiesgruben. Die Kernstadt besteht aus der Gemarkung Babenhausen. In dieser liegen die folgenden aktuellen bzw. historischen Siedlungsplätze: Wüstung Altdorf Konfurter Mühle Wüstung Langenbrücken Burg; Schloss Babenhausen Gewerbesiedlung Ziegelhütte

Babenhausen liegt an der Deutschen Fachwerkstraße.

Nachbargemeinden Babenhausen grenzt im Norden an die Städte Rodgau und Seligenstadt sowie die Gemeinde Mainhausen (alle Kreis Offenbach), im Osten an die Märkte Stockstadt am Main und Großostheim (beide Landkreis Aschaffenburg), im Süden an die Gemeinde Schaafheim und die Stadt Groß-Umstadt sowie im Westen an die Gemeinden Münster (Hessen) und Eppertshausen (alle im Landkreis Darmstadt-Dieburg).

Stadtgliederung Die Stadt hat folgende Stadtteile: Babenhausen (Kernstadt) Harpertshausen Harreshausen Hergershausen Langstadt Sickenhofen

In der Kernstadt werden zudem noch verschiedene Wohngebiete mit Namen bezeichnet. Diese Namen sind jedoch nicht offiziell und auch nicht streng abgegrenzt (z. B. Erloch, Ost I–III, Altstadt).

Geschichte Stadtentwicklung Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Babenhausen erfolgte unter dem Namen Babenhausense im Jahr 1236.In historischen Dokumenten ist der Ort im späten Mittelalter unter folgenden Ortsnamen belegt: Babenhausen (1236), Babenhusen (1254, 1295), Babenhosen (1314), Babinhusin (1345), Babynhusin (1348), Babinhusen (1353, 1374) und Bobinhusen (1357). [siehe LAGIS]

Adelheid von Münzenberg, Tochter Ulrichs I. von Münzenberg, heiratete noch vor 1245 (das genaue Jahr ist nicht überliefert) Reinhard I. von Hanau. Als Heiratsgut brachte sie unter anderem die Herrschaft Babenhausen mit, mit dem der Ort seitdem zur Herrschaft Hanau, später der Grafschaft Hanau und nach der Landesteilung von 1456 zur Grafschaft Hanau-Lichtenberg gehörte. Babenhausen war der Hauptort des Amtes Babenhausen.

Die Stadt wurde als Marktsiedlung planmäßig unmittelbar nördlich an die Burg Babenhausen als unregelmäßiges Viereck angelegt. Etwa in deren Mitte liegt der rechteckige Marktplatz, dessen Ostseite die (heute evangelische) Nikolauskirche bildet. Die Straßen zweigen rechtwinklig von der Hauptstraße ab und bilden westlich von ihr ein gitterförmiges Straßennetz.

mini|hochkant|Der Hexenturm ist das Wahrzeichen von Babenhausen

Die Stadt erhielt 1295 durch König Adolf von Nassau Stadtrechte mit einem Wochenmarkt. In dieser Zeit wurde der Bau einer Stadtmauer begonnen, die 1445 mit Mauer und Graben neu errichtet wurde und ursprünglich sieben Türme und zwei Tore aufwies. Ein großer Teil der Mauer ist bis heute erhalten, ebenso der Mühlturm oder Hexenturm und der Breschturm oder „Spitze Turm“. Die Stadtrechtsverleihung durch König Adolf von Nassau wurde 1351, 1401 und 1404 erneuert.

Babenhausen hatte ein eigenes Stadtgericht, das das Stadtrecht von Frankfurt am Main anwandte. Darüber hinaus gehörte es zum Land- und Zentgericht Altdorf, das für größere Streitigkeiten zuständig war und ebenfalls Stadtrecht von Frankfurt und später das Solmser Landrecht anwandte. Im 16. Jahrhundert wurde dieses Gericht durch den Landesherren in die Stadt Babenhausen verlegt, wobei die Stadt selbst nicht mehr in die örtliche Zuständigkeit des Gerichts fallen sollte. Es wurde zudem zum Teil mit städtischen Schöffen besetzt und war zuständig für die wichtigeren Verfahren. Kleinere Verfahren verhandelte das Stadtgericht von Babenhausen.

Kaiser Karl IV. verlieh am 22. Februar 1368 Ulrich III. von Hanau das Recht, in Babenhausen eine Münzstätte zu errichten und dort Münzen mit eigenem Wappen und den in Frankfurt oder Nürnberg üblichen Nominalen zu prägen. Zwar bestätigt König Ruprecht 1404 das Münzrecht, Gebrauch aber wurde davon nicht gemacht. Erst Graf Philipp Ludwig II. von Hanau-Münzenberg, der dieses eigentlich nur für Babenhausen geltende Privileg stillschweigend auf Hanau übertrug, prägte danach erstmals Münzen.Fried Lübbecke: Hanau. Stadt und Grafschaft. Köln, 1951, S. 279 ff. (282). Erst unter Graf Johann Reinhard arbeitet eine Münzstätte in Babenhausen in den Jahren 1607–1625 und prägte unter anderem Goldgulden.

Um 1430 wurde der Ort Langenbrücken infolge der Agrarkrise zur Wüstung und ging in der Gemarkung Babenhausen auf.

1503, unter Graf Philipp II. von Hanau-Lichtenberg, erhielt die Stadt ein Privileg des Kaisers, einen Jahrmarkt abhalten zu dürfen – den Nikolausmarkt.

Im Dreißigjährigen Krieg fruchtete die seitens der Grafen Johann Reinhard I. (* 1569; † 1625) und Philipp Wolfgang (* 1595; † 1641) zunächst verfolgte Politik der Neutralität nicht. Das Amt Babenhausen litt mit seiner Lage im Rhein-Main-Gebiet in der Nähe der Kurpfalz und an den Heerstraßen im Rheintal besonders intensiv. Mehrfach von unterschiedlichen Kriegsparteien besetzt, waren die umliegenden Dörfer schon in den ersten Kriegsjahren verwüstet, die Bewohner flohen, allein 2500 in die Stadt Babenhausen, wo daraufhin die Pest ausbrach. 1631 traf es die Stadt und das Schloss Babenhausen erneut, als sie durch kaiserliche Truppen besetzt und geplündert wurden. Ein Jahr später marschierten die Schweden unter General Graf Wolfgang Heinrich von Isenburg-Büdingen ein. Vom 23. Februar bis zum 28. März 1635 wurde die Stadt erneut von den Kaiserlichen unter Graf Philipp von Mansfeld,Vmtl.: Graf Philipp V. von Mansfeld-Vorderort (* 1589; † 8. April 1657, Raab/Győr): Familie von Mansfeld in GENEALOGY.EU. allerdings erfolglos, belagert, 1636 dann aber doch bis 1647 von Kurmainz besetzt. Innerhalb der heutigen Gemarkung Babenhausen wurde durch Kriegsfolgen und Pest die Ortschaft Altdorf nach 1635 aufgegeben.

gerahmt|Ehemaliges Logo der Stadt Babenhausen

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736 kam es um Stadt und Amt Babenhausen fast zu einer kriegerischen Auseinandersetzung zwischen den potentiellen Erben, der Landgrafschaft Hessen-Kassel und der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. Beide Seiten besetzten mit ihrem Militär jeweils einen Teil des Amtes. Die Stadt Babenhausen wurde durch hessen-kasselisches Militär besetzt. Die Auseinandersetzung konnte erst nach einem langjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Reichsgerichten 1771 durch einen Vergleich, den sogenannten Partifikationsrezess, beendet werden. Danach fiel Babenhausen an die Landgrafschaft Hessen-Kassel. Im Jahr 1807 kam das Amt Babenhausen infolge der Napoleonische Kriege unter französische Verwaltung. Durch einen Staatsvertrag mit Frankreich 1810 aber an das Großherzogtum Hessen-Darmstadt und gehörte dann zu folgenden Verwaltungseinheiten: bis 1821: Amt Babenhausen; 1821 bis 1832: Landratsbezirk Seligenstadt in der Provinz Starkenburg des Großherzogtums Hessen; 1832 bis 1848: Kreis Offenbach mit der Einführung von Kreisen im Großherzogtum Hessen; 1848 bis 1852: Regierungsbezirk Dieburg während der Einteilung der Provinz Starkenburg in Regierungsbezirke; 1852 bis 1938: Kreis Dieburg mit der Aufhebung der Regierungsbezirke bis zum Ende der Provinz Starkenburg; 1938 bis 1977: Landkreis Dieburg; ab 1977: Landkreis Darmstadt-Dieburg, in dem der Landkreis Dieburg im Zuge der Gebietsreform in Hessen aufgeht.

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1829 über Babenhausen:

Anfang des 19. Jahrhunderts begannen die Durchbrüche durch den Festungsgürtel. Das Bachtor im Süden wurde 1819, das Hanauer Tor („Kühtor“) im Norden 1823 und der Bachtorturm 1840 niedergelegt. Aber es wurde auch neu gebaut: Ein neuer südwestlicher Stadtteil („Neue Welt“) wurde errichtet und die Stadt seit 1870 nach Norden erweitert. Das Spessartviertel kam 1925 dazu, die Siedlung an der Seligenstädter Landstraße 1936/37.

Während des Zweiten Weltkriegs bestand in Babenhausen ein Lager für sowjetische Kriegsgefangene, das nach Kriegsende als DP-Lager für jüdische, baltische und tschechische Displaced Persons diente. Das DP-Lager, in dem bis zu 3000 Personen untergebracht waren, wurde Ende 1950 aufgelöst.

Ab Januar 1951 wurde Babenhausen bis 2006 eine bedeutende Garnison der US-Army, die mit den Artillerieeinheiten MLRS und Patriot belegt war. Das genutzte Gelände lag im Südosten der Stadt. Die Nachfolgenutzung wird diskutiert, auch durch ein gemeinsames Projekt von Stadt und TU Darmstadt.

Verwaltungsgeschichte im Überblick Die folgende Liste zeigt die Staaten und deren Verwaltungseinheiten,Bis zur Trennung der Rechtsprechung von der Verwaltung waren die Ämter und frühen Gerichte sowohl Gericht als auch Verwaltungsorgan. denen Babenhausen angehört(e):

vor 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau, Amt Babenhausen ab 1458: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Lichtenberg, Amt Babenhausen ab 1691: Heiliges Römisches Reich, Grafschaft Hanau-Münzenberg, Amt Babenhausen 1736–1773: Strittig zwischen Landgrafschaft Hessen-Darmstadt und Landgrafschaft Hessen-Kassel ab 1773: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel (durch Vergleich mit Landgrafschaft Hessen-Darmstadt), Amt Babenhausen ab 1803: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Fürstentum Hanau, Amt BabenhausenDurch den Reichsdeputationshauptschluss. ab 1806: Kaiserreich Frankreich,Infolge der Napoleonische Kriege. Fürstentum Hanau, Amt Babenhausen (Militärverwaltung; 1810 an das Großherzogtum Frankfurt) ab 1810: Großherzogtum Hessen,Durch Staatsvertrag mit Frankreich. Fürstentum Starkenburg, Amt Babenhausen ab 1815: Großherzogtum HessenDas Großherzogtum Hessen war von 1815 bis 1866 Mitglied des Deutschen Bundes. Ein Staatenbund ehemaliger Territorien des Heiligen Römischen Reichs. Er gilt als gescheiterter Versuch einer erneuten Reichsgründung., Provinz Starkenburg, Amt Babenhausen ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Landratsbezirk SeligenstadtTrennung zwischen Justiz (Landgericht Steinheim) und Verwaltung. ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Offenbach ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Dieburg ab 1852: Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1871: Deutsches Reich,Infolge Bismarcks Politik. Großherzogtum Hessen, Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1918: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen,Infolge des Ersten Weltkriegs. Provinz Starkenburg, Kreis Dieburg ab 1938: Deutsches Reich, Volksstaat Hessen, Landkreis DieburgIm Zuge der Gebietsreform 1938 wurde die Provinz Starkenburg aufgelöst. ab 1945: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone,Infolge des Zweiten Weltkriegs. Groß-Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1946: Deutsches Reich, Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Dieburg ab 1977: Bundesrepublik Deutschland, Land Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg

Gerichtliche Zugehörigkeit Bis 1821 nahm das Amt Babenhausen Verwaltung und Rechtsprechung in Babenhausen wahr. Mit der Verwaltungsreform im Großherzogtum Hessen in diesem Jahr wurden auch hier auf unterer Ebene Rechtsprechung und Verwaltung getrennt.