mini|Blatt eines der ältesten Codices des Samaritanischen Pentateuchs: Lev 13,56–15,15, Schreiber Ab Hasta, Sohn des Abnef Uscha, im Jahr 1189 (Schøyen Collection, MS 201)The Schøyen Collection: Samaritan Bible.

Der Samaritanische Pentateuch oder Samaritanus () ist die von den Samaritanern überlieferte hebräische Version der Tora (des Pentateuch). Die Samaritaner sehen nur die fünf Bücher der Tora als Heilige Schrift an, nicht die weiteren Schriften des Tanach. Äußerlich unterscheiden sich die Handschriften des Samaritanischen Pentateuch von jüdischen Handschriften durch die verwendete samaritanische Schrift, eine Variante der althebräischen Schrift.

Der Samaritanische Pentateuch repräsentiert neben dem Masoretischen Text und der Septuaginta den dritten Texttyp, in dem die Tora bis in die Gegenwart tradiert wurde. Die griechische Übersetzung des Samaritanus, das so genannte Samareitikon, liegt eventuell in Fragmenten eines Codex vor, die von Paul Glaue und Alfred Rahlfs publiziert wurden. Ansonsten ist er nur in Randnotizen und Zitaten nachgewiesen. Aus zahlreichen mittelalterlichen Handschriften bekannt ist der Samaritanische Targum, die Übersetzung ins Aramäische. Weiterhin existiert eine arabische Übersetzung des Samaritanus.

Handschriften mini|Samaritanischer Hohepriester mit Torarolle, 1905 Die ältesten bislang bekannten Handschriftenfragmente des Samaritanischen Pentateuch stammen aus dem 11. Jahrhundert.Stefan Schorch: Leviticus, Berlin/Boston 2018, S. xvii.

Dass der Text des Samaritanischen Pentateuch tatsächlich jedoch viel älter ist, ist durch Inschriften mit Texten aus dem Samaritanischen Pentateuch (insbesondere dem Dekalog) aus dem 3. bis 6. Jahrhundert sowie die verschiedenen Fassungen des samaritanischen Targum erwiesen.

In der samaritanischen Glaubensgemeinschaft wird, ebenso wie im Judentum, die Tora in Form eines Codex zum Studium verwendet und in Form einer Schriftrolle für liturgische Anlässe. Eine Besonderheit der liturgischen Verwendung bei Samaritanern besteht darin, dass eine Torarolle mehrmals im Jahr bei Pilgerzügen zum Gipfel des Garizim mitgeführt wird. In Nablus werden dabei drei alte Rollen gebraucht, die 1860 Edward VII., damals Prince of Wales, bei seinem Besuch in Nablus gezeigt wurden:Alan D. Crown: The Abisha Scroll – 3000 Years Old? In: Bible Review 7, 5 (1991), online: Center for Online Judaic Studies.

eine 1441 n. Chr. geschriebene Rolle, die Besuchern oft als „Abischa-Rolle“ vorgeführt wurde und wird (Foto) – an Jom Kippur und Sukkot; eine undatierte Rolle – für die Sabbatlesung; die (echte) Abischa-Rolle – am Sabbat in der Sukkot-Festwoche.

In der Samaritanergemeinde von Nablus, dem biblischen Sichem, gilt die Abischa-Rolle als Prototyp aller Torarollen, weil sie laut einem Kryptogramm im Buch Deuteronomium von Abischua, dem Urenkel Aarons (vgl. ), 13 Jahre nach der Landnahme der Israeliten geschrieben worden sein soll. Alle anderen Torarollen seien Kopien dieses Exemplars. In den samaritanischen Quellen wird die Abischa-Rolle erstmals im 14. Jahrhundert durch den Chronisten Abu’l Fath erwähnt. In einer Glosse der samaritanischen Chronik (Tulida) heißt es, dass die Abischa-Rolle durch ein Erdbeben schwer beschädigt wurde, das gerade dann eintrat, als sie bei einem Pilgerfest auf dem Gipfel des Garizim genutzt wurde. Federico Pérez Castro erhielt in den 1950er Jahren die seltene Gelegenheit, die echte Abischa-Rolle komplett zu fotografieren. Es handelt sich um eine stark beschädigte Schriftrolle, die aus Teilen unterschiedlicher Rollen sekundär zusammengefügt wurde. Nach gründlicher Untersuchung entschied sich Castro, nur den hinteren Teil der Rolle zu publizieren ( – ),F. Pérez Castro: Séfer Abišaʿ: Edición del fragmento antiguo del rollo sagrado del Pentateuco hebreo samaritano de Nablus: Estudio, transcripción, aparato crítico y facsimiles, Textos y Estudios del Seminario Filológico Cardenal Cisneros. Madrid 1959. da der vordere Teil der Rolle aus zumeist jungen Handschriften zusammengefügt war, mit nur kleinen Teilen alter Schriftrollenfragmente. Der Teil Num 35 – Dtn 34 ist allerdings, wie Castro erkannte, ebenfalls nicht einheitlich; er stammt von mehreren Schreibern aus dem 12. bis 14. Jahrhundert

Wichtige frühe Handschriften des Samaritanus, ungefähre Daten kursiv:Stefan Schorch: Leviticus, Berlin/Boston 2018, S. xxi f. +NameDatum BeschreibungAufbewahrungsortMs. Washington, Museum of the Bible, SCR.0048211160Stefan Schorch: Genesis, Berlin/Boston 2021, S. xxii.Die Buchrolle enthält den gesamten Pentateuch. Schreiber: Shalmah Ben Abraham. In der britischen Mandatszeit von David Solomon Sassoon erworben; 1984 bei einer Auktion für die Valmadonna Trust Library erworben; 2015 für die Green Collection, Oklahoma City erworben.Museum of the Bible: Samaritan Torah Scroll.WashingtonMs. Dublin, Chester Beatty Library, 7511225Dieser von Abi Barakatah geschriebene Codex ist ein (fast) vollständig erhaltenes Exemplar des Samaritanischen Pentateuch. Der hochwertig geschriebene Text ist sehr gut erhalten, auch Interpunktions- und Vokalzeichen sind gut lesbar.Chester Beatty Digital Collections: Samaritan Pentateuch.Reinhard Pummer: The Samaritan Manuscripts of the Chester Beatty Library. In: An Irish Quarterly Review 68, 269/270 (Spring/Summer 1979), S. 66–68.Stefan Schorch: Der Pentateuch der Samaritaner, Berlin/Boston 2012, S. 18 f.DublinMs. Nablus, Synagogue, A1336Die Handschrift enthält den gesamten Pentateuch. Einzelne Blätter wurden vom Manuskript getrennt und befinden sich in der Russischen Nationalbibliothek und der Bodleian Library.NablusMs. Dublin, Chester Beatty Library, 7521339Die Handschrift enthält den gesamten Pentateuch.Reinhard Pummer: The Samaritan Manuscripts of the Chester Beatty Library. In: An Irish Quarterly Review 68, 269/270 (Spring/Summer 1979), S. 68–71.DublinMs. London, British Library, Or. 64611339Die Handschrift enthält den gesamten Pentateuch. Der Schreiber war Abraham ben Jacob ben Tabya ben Sa’adiah ben Abraham aus der Schreiber-Familie Pijma.British Library, Sacred texts Collection: Samaritan Pentateuch. Der Codex (199 Blätter) wurde 1902 für das Britische Museum erworben.August von Gall: Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Band 1, Gießen 1914, S. xxii.LondonMs. Paris, Bibliothèque nationale, Samaritain 21345Die von Pietro della Valle 1616 in Damaskus erworbene Handschrift, Grundlage der Pariser und Londoner Polyglotte.Stefan Schorch: Leviticus, Berlin/Boston 2018, S. xxxi. Sie wurde um 1623 dem Oratorium in Paris geschenkt. Vollständiger Codex (254 Blätter).August von Gall: Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Band 1, Gießen 1914, S. iii.ParisMs. London, British Library, Cotton Claudius B. viii1362Ein Codex des 14. Jahrhunderts, aus der Sammlung von Robert Bruce Cotton (1571–1631). Die erste Hälfte der Handschrift wurde von Ithamar ben Aaron ben Ithamar, dem samaritanischen Hohenpriester in Damaskus, und Joseph ben Abi Ozzi geschrieben, die zweite Hälfte von Abraham ben Ab Nessan ben Abi Saʿadia ben Ab Hasda von Gerar (= Gaza).British Library, Digitized Manuscripts: . Der Codex (254 Blätter) umfasst den kompletten Pentateuch. Er wurde 1620/30 im Orient erworben.August von Gall: Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Band 1, Gießen 1914, S. xvii.LondonMs. Cambridge, University Library, Add. 184612. Jh.Die Handschrift ist bekannt unter dem Namen Codex Zurbil, benannt nach einem Scholion am Ende des Buchs Numeri, in dem behauptet wird, dass dieses Manuskript zur Zeit des Serubbabel (= Zurbil) aus dem Feuer gerettet worden sei. Der Text wurde von fünf Schreibern angefertigt.University of Cambridge Digital Library: Samaritan Pentateuch (MS Add.1846).CambridgeMs. Nablus, Synagogue, 61204Dieses Manuskript hat wegen seines Alters (1204 n. Chr.) einen hohen Wert, weist allerdings zahlreiche Schreibfehler auf und ist teilweise schlecht lesbar oder beschädigt.Stefan Schorch: Der Pentateuch der Samaritaner, Berlin/Boston 2012, S. 15 f.NablusMs. Cambridge, University Library, Add. 713frühes 13. Jh.Codex (244 Blätter, davon einige modern ergänzt).August von Gall: Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Band 1, Gießen 1914, S. xxxii.CambridgeMs. Manchester, John Rylands Library, Sam 11211Von Abi Baraktah geschaffener, sehr gut erhaltener Codex. Der Text von Num 34 wurde so angeordnet, dass eine Karte des Gelobten Landes entsteht mit dem Garizim als Zentrum.Stefan Schorch: Samaritan Pentateuch, MS John Rylands Library Manchester 1.ManchesterMs. Jerusalem, National Library of Israel, Sam 2° 61215Aus der Sammlung von David Salomon Sassoon (London).The National Library of Israel: ארהותא קדישתא: תורה שומרונית.JerusalemMs. Cambridge, University Library, Add. 7141219Codex (312 Blätter), zweispaltig hebräisch-arabisch. Der Schreiber war Abu’l barakât ben Ab-Zehuta ben Ab-Nephuscha ben Abraham aus Ṣarpat.August von Gall: Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Band 1, Gießen 1914, S. xxxii.CambridgeMs. Rom, Bibliotheka Apostolica Vaticana, Barberini Or. 11226Sogenannte Barberinische Triglotte: drei Kolumnen hebräisch – arabisch – aramäisch, die von Nicolaus Claudius Fabricius de Peiresc 1631 im Orient erworben und Kardinal Francesco Barberini vererbt wurde. Von den 266 Blättern sind 182 alt.August von Gall: Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Band 1, Gießen 1914, S. xv. Die Barberinische Triglotte wurde im Gegensatz zu della Valles Exemplar zunächst nicht publiziert. VatikanstadtMs. New York, Public Library, Heb. 2281232Pergament-Codex, die ersten und letzten Blätter des Pentateuch sind modern auf Papier ergänzt. Schreiber war Abraham ben Israel ben Efraim ben Josef.August von Gall: Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Band 1, Gießen 1914, S. xxxiii.New YorkMs. Paris, Bibliothèque nationale, Sam. 113. Jh.Codex (258 Blätter), enthält den Text von Gen 18,2 bis Dtn 7,5 mit einer größeren Lücke im Buch Levitikus.August von Gall: Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Band 1, Gießen 1914, S. ix.ParisMs. London, British Library, Or. 75621300Einzelne Blätter wurden vom Manuskript getrennt und befinden sich im Institute for the Study of Ancient Cultures, West Asia & North Africa (bis 2023 Oriental Institute) der University of Chicago, in der John Rylands Library und in der Russischen Nationalbibliothek.LondonMs. Manchester, John Rylands Library, Sam 21328Pergament-Codex (220 Blätter), enthält Gen 1,14 bis Dtn 34,12; hebräisch-arabische Biglotte, geschrieben von Miššālēma ban Yāqob ban Miššālēma.Edward Robertson: Catalogue of the Samaritan Manuscripts in the John Rylands Library Manchester, Band 2. Manchester Univ. Press, Manchester 1938, S. 15–32.ManchesterMs. Leipzig, Universitätsbibliothek, Vollers 11201345August von Gall vermutete, dass dieser Codex mit der Sammlung Firkowitsch nach Leipzig gelangte. Er umfasst 160 Blätter mit dem Text von Gen 11,31 bis Dtn 4,37; bis auf die letzten Blätter gut erhalten.August von Gall: Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Band 1, Gießen 1914, S. i.LeipzigMs. London, British Library, Add. 14431350Pergament-Codex mit 223 Blättern (128 fol. des Originals + 95 fol. der Rekonstruktion von 1794); geschrieben von Ītāmar ban Ārron ban Ītāmar.Alan D. Crown: A Catalogue of the Samaritan Manuscripts in the British Library. British Library, London 1998, S.172–174, Nr. 129.LondonMs. Leiden, University Library, Or. 61350Codex (170 Blätter), der Manuskripte unterschiedlicher Herkunft und unterschiedlichen Alters vereint.August von Gall: Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Band 1, Gießen 1914, S. ix f.LeidenMs. London, British Library, Add. 223691360Codex (154 Blätter), nur Anfang und Schluss des Pentateuch fehlen. Der Schreiber war Abraham ben Ab-Nisan ben Ab-Chisda aus Gerar (= Aschkelon).August von Gall: Der hebräische Pentateuch der Samaritaner, Band 1, Gießen 1914, S. XX.Alan D. Crown: A Catalogue of the Samaritan Manuscripts in the British Library. British Library, London 1998, S. 169–171, Nr. 127.London