mini|hochkant|Statue der hl. Marcellina

Marcellina (* um 327; † um 398), war eine spätantike römische Adlige, frühchristliche geweihte Jungfrau und Heilige. Sie war die ältere Schwester des heiligen Satyrus und des Kirchenvaters Ambrosius von Mailand. Ihr Gedenktag ist der 17. Juli.

Leben

Marcellina wurde um das Jahr 327 vielleicht in Augusta Treverorum (heute Trier)Skeptisch zu Trier als Geburtsort als ältestes Kind des römischen Beamten (um 340 vermutlich Prätorianerpräfekten Galliens) Ambrosius oder Uranius geboren. Nach dem frühen Tod ihres Vaters (ca. 340) reiste die Mutter mit Marcellina und ihren beiden Söhnen Satyrus und Ambrosius nach Rom. Marcellina entschied sich sehr bald für ein Leben in der Nachfolge Christi und gelobte die ewige Jungfräulichkeit um des Himmelreiches willen. Am Weihnachtstag um das Jahr 353 empfing sie den Schleier der geweihten Jungfrau aus der Hand des Bischofs von Rom, Liberius. Die Homilie des Papstes bei der Jungfrauenweihe Marcellinas ist durch Ambrosius überliefert.Ambrosius von Mailand, De virginibus ad Marcellinam sororem (Über die Jungfrauen an die Schwester Marcellina), christlich-ethische Schrift über die Jungfräulichkeit in drei Büchern, um 377/378. Übersetzung von Johannes Evangelist Niederhuber: Über die Jungfrauen drei Bücher. In: Des heiligen Kirchenvaters Ambrosius ausgewählte Schriften. Band 3 (= Bibliothek der Kirchenväter, 1. Reihe, Band 32). Kempten/München 1917 (online).

Als Jungfrau führte sie ein asketisches Leben in Gebet und Abgeschiedenheit. Sie lebte im domus ihrer Mutter in Rom, das bald dank ihr zu einem beliebten Treffpunkt christlicher Priester und Bischöfe wurde.Paulinus von Mailand, vita Ambrosii 4. Umstritten ist, ob sie auch mit dem Kreis hochadliger christlicher Jungfrauen um Marcella und Hieronymus, der als Sekretär des Papstes Damasus I. in Rom weilte, verbunden war. Hieronymus lässt in einem Brief an Asella, die Schwester der Marcella, vom August 385 eine Marcellina grüßen.Hieronymus, epistula 45,7. Ob diese die Schwester des Ambrosius ist, wird in der Altertumswissenschaft zwar eifrig diskutiert,Dagegen: Neil Adkin: Is the Marcellina of Jerome Ep. 45.7 Ambrose’s Sister? In: Phoenix. Band 49, Nr. 1, 1995, S. 68–70 (doi:10.2307/1088362) mit den Belegen für und wider („vielleicht“, „wahrscheinlich“ etc.) aus der älteren Forschung. Dafür dennoch z. B.: Ariane Bodin: A New Approach to Ambrose of Milan’s Kinship. In: Carmen Angela Cvetković, Peter Gemeinhardt (Hrsg.): Episcopal Networks in Late Antiquity. Connection and Communication Across Boundaries. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2019, S. 43–62 (Digitalisat), hier S. 50 f. lässt sich aber mangels weiterer Quellen und „angesichts der Häufigkeit des Namens“ nicht mehr mit Sicherheit feststellen.Stefan Rebenich: Hieronymus und sein Kreis. Prosopographische und sozialgeschichtliche Untersuchungen. Steiner, Stuttgart 1992, ISBN 3-515-06086-3, S. 158, Nr. 90.

374 wurde Ambrosius zum Bischof von Mailand erhoben. Marcellina scheint weiter in Rom gelebt,Paulinus von Mailand, vita Ambrosii 3,9. Vgl. Ambrosius aber auch in Mailand besucht zu haben, als er wegen einer Krankheit Unterstützung brauchte.Ambrosius von Mailand, De excessu fratris Satyri 36.

Ambrosius widmete ihr sein Werk über die christliche Jungfräulichkeit (Libri III de virginibus ad Marcellinam), welches er im Jahr 377 vollendete. Es sind auch drei Briefe von ihm an sie erhalten.Ambrosius von Mailand, Briefe 20; 22; 41.

Marcellina überlebte ihren Bruder und starb um das Jahr 398. Sie war eine wichtige Quelle für die vita Ambrosii, die Lebensgeschichte des Ambrosius aus der Feder von dessen ehemaligem Sekretär Paulinus von Mailand.Paulinus von Mailand, vita Ambrosii 1,1. Sie wurde in der Krypta unter dem Altar der ambrosianischen Basilika in Mailand beigesetzt.

Literatur

Stefan Rebenich: Hieronymus und sein Kreis. Prosopographische und sozialgeschichtliche Untersuchungen. Steiner, Stuttgart 1992, ISBN 3-515-06086-3, S. 158, Nr. 90. Ariane Bodin: A New Approach to Ambrose of Milan’s Kinship. In: Carmen Angela Cvetković, Peter Gemeinhardt (Hrsg.): Episcopal Networks in Late Antiquity. Connection and Communication Across Boundaries. Walter de Gruyter, Berlin/Boston 2019, S. 43–62 (Digitalisat).

Weblinks

Marcellina auf Deutsche Biographie

Anmerkungen

Kategorie:Jungfrau Kategorie:Heiliger (4. Jahrhundert) Kategorie:Person der Spätantike Kategorie:Geboren im 4. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 4. Jahrhundert Kategorie:Frau