mini|Logo des American Football Verband Deutschlandmini|Runningback der Hamburg Sea Devils bei einem Spiel gegen Frankfurt Galaxy mini|Wide Receiver der Kiel Baltic Hurricanes
American Football wird in Deutschland seit 1945 gespielt und wurde bis 1979 hauptsächlich von Besatzungssoldaten der US-Armee betrieben. Seitdem gibt es einen deutschen Verband und einen organisierten Spielbetrieb.
Der Dachverband „American Football Verband Deutschland“ (AFVD) betreibt die Bundesligen German Football League und German Football League 2 sowie alle anderen Football-Ligen auf nationaler Ebene. Mit seinen über 70.000 Mitgliedern ist der AFVD der sechstgrößte Mannschafts-Sportverband Deutschlands (Stand: 2020).
Sieben deutsche Mannschaften nehmen an der europaweiten semiprofessionellen European League of Football teil.
Die professionelle US-amerikanische National Football League trägt seit 2022 jährlich ein reguläres Saisonspiel in Deutschland aus.
Geschichte 1945 bis 1976 – Football in amerikanischen Kasernen Nach Ende des Zweiten Weltkriegs spielten viele in Deutschland stationierte US-amerikanische Soldaten Football in ihren Kasernen und Wohnsiedlungen. Das erste größere Footballspiel wurde zwischen zwei Kasernenmannschaften im Frankfurter Waldstadion ausgetragen, das von den Besatzungstruppen in Victory Stadium umbenannt wurde. Bis Juli 1946 fanden dort regelmäßig Footballspiele der US-Soldaten statt. Danach wurde das Stadion für deutsche Fußball-Mannschaften freigegeben und immer weniger für American Football genutzt. Geschichte der Commerzbank-Arena. Zugriff am 30. September 2009. Bis 1977 wurde der Sport fast ausschließlich durch stationierte US-Soldaten weitergeführt. Die meisten Spiele wurden in den Kasernen ausgetragen, zu denen nur die Soldaten Zutritt hatten. So wurde der Sport in Deutschland zwar ausgeübt, aber ohne Beteiligung der Einheimischen, die Football nur aus US-Medien kannten.
Dieses änderte sich im Frühjahr 1976, als durch die geplante Intercontinental Football League die College-Mannschaften Texas A&M–Kingsville Javelinas (damals NAIA-Meister, heute im NCAA Division II College Football, nicht zu verwechseln mit den bekannteren erstklassigen Aggies der Texas A&M University) und die Henderson State University Reddies nach Europa kamen. Sie spielten in Deutschland im ausverkauften Berliner Olympiastadion (17:8), im Mannheimer Stadion am Alsenweg (20:6), im Städtischen Stadion Nürnberg (heute Max-Morlock-Stadion) (17:15), sowie in Paris und Wien. Obwohl die meisten Zuschauer in Mannheim und Nürnberg stationierte Soldaten waren, machten die Spiele der Javelinas den American Football in Deutschland populärer.JavelinaAthletics.com Football Team 1976 (englischsprachig). Zugriff am 9. Oktober 2016.
1977 bis 1981 – Gründung der ersten deutschen Football-Vereine Der erste Football-Verein in Deutschland waren die Frankfurter Löwen, die 1977 von Alexander Sperber und Wolfgang Lehneis gegründet wurden. Footballgeschichte in Europa (englischsprachig). – Zugriff am 30. September 2009. Sperber studierte Architektur in Frankfurt, wo er an der Frankfurt Junior Highschool und der Frankfurt Highschool Football gespielt hatte. Danach studierte er Kunst in den USA. Lehneis konnte den Soldaten-Footballfernsehsender American Forces Network empfangen und auf diese Weise theoretische Football-Grundlagen sammeln. Die Mannschaft bestand zunächst im Wesentlichen aus US-Amerikanern und wenigen Deutschen und bestritt ausschließlich Spiele gegen Mannschaften anderer Militärstützpunkte aus der näheren Umgebung, die sie meist hoch verloren.American Football : … vom Kick-off zum Touchdown. S. 33. Am 1. Mai 1978 wurden die Düsseldorf Panther, der zweite deutsche Footballverein, gegründet. Es folgten die Munich Cowboys, die Ansbach Grizzlies, die Bremerhaven Seahawks und die Berlin Bären (heute Berlin Adler). Nach der Gründung des American Football Bund Deutschland (AFBD) im März 1979, nahmen die Mannschaften den geregelten Spielbetrieb auf. Das erste Spiel der neugegründeten Liga unter dem AFBD gewannen die Frankfurter Löwen am 4. August 1979 vor etwa 4.000 Zuschauern mit 38:0 gegen die Düsseldorf Panther.American Football : … vom Kick-off zum Touchdown. S. 34. Vor allem aufgrund der vielen erfahrenen US-Amerikaner im Kader der Löwen konnten diese die deutsche Meisterschaft, den Vorläufer des German Bowl, für sich entscheiden. Das in Frankfurt ausgetragene Spiel gewannen die Frankfurter vor etwa 400 Besuchern mit 14:8 gegen die Ansbach Grizzlies.Huddle-Verlag.de Footballgeschichte 1979. Zugriff am 30. September 2009. Der Zuschauerschnitt der Liga lag 1979 bei etwa 600, wobei die letztplatzierten Düsseldorf Panther mit zirka 2.000 Zuschauern pro Spiel den höchsten Schnitt aufweisen konnten. In der Hansestadt Hamburg, einer späteren Football-Hochburg in Deutschland, nahm mit den Hamburg Vikings im Jahr 1980 erstmals eine Mannschaft am geregelten Spielbetrieb (in der unterklassigen Nordliga) teil. Die Hamburger verloren ihr erstes Spiel gegen die Cologne Crocodiles mit 0:54.
Wegen des schlechten Abschneidens der NRW-Vereine wurde eine Initiative ins Leben gerufen, um die amerikanische Beteiligung zu reduzieren. Die Führung des AFBD war nicht damit einverstanden, da dies einen massiven Einschnitt in die Spielqualität darstellen würde. Meinhard Pfanner, der damalige Präsident der Düsseldorf Panther, gründete zusammen mit einigen anderen, hauptsächlich aus Nordrhein-Westfalen kommenden Mannschaften, einen eigenständigen, vom AFBD unabhängigen, Spielbetrieb mit amerikanischer Beschränkung. Daraus wurde der American Football Verband (AFV), der den Spielbetrieb in der Nordwestdeutschen Football Liga (NFL) parallel zur Liga des AFBD aufnahm. Das Endspiel des AFBD gewannen die Frankfurter Löwen erneut gegen die Ansbach Grizzlies, diesmal mit einem Endstand von 21:12 vor etwa 4.000 Zuschauern in Frankfurt. Deutsche Bowls. Zugriff am 30. September 2009. Die Düsseldorf Panther, die inzwischen auch amerikanische Spieler in ihren Reihen hatten, konnten sich im AFV-Endspiel gegen die vorher stark favorisierten Bremerhaven Seahawks durchsetzen. Vor etwa 8.000 Besuchern gewannen sie mit 15:6 im Essener Grugastadion. Im Jahr darauf versuchten die deutschen Vereine, den Konflikt zwischen den beiden Footballverbänden zu bereinigen und einen gemeinsamen Verband zu gründen. Diese Versuche scheiterten jedoch am AFBD und dessen Präsidenten Paolo Wölker. 1981 konnten sich in der AFBD-Meisterschaft erstmals die Ansbach Grizzlies gegen die Löwen durchsetzen. Sie gewannen das Endspiel am 25. Oktober 1981 mit 27:6 vor einem Publikum von 2.500 Zuschauern im Kölner Südstadion. AFV-Meister wurden wieder die Panther aus Düsseldorf. Sie setzten sich im Parkstadion in Gelsenkirchen vor 11.000 Zuschauern mit 34:18 gegen die Mannheim Redskins durch.American Football : … vom Kick-off zum Touchdown. S. 35. Das zunächst geplante Spiel zwischen den Meistermannschaften der beiden Verbände im Heimstadion der Mönchengladbach Mustangs entfiel wegen zu hoher finanzieller Forderungen des AFBD.
Im Jahr 1981 fand ebenfalls das erste Spiel einer deutschen Nationalmannschaft statt. Die Spieler stammten aus den Reihen der AFBD-Mannschaften, alle Mannschaften sollten vertreten sein. Bundestrainer war Wolfgang Lehneis, der später auch der erste deutsche Chef-Trainer der Frankfurter Löwen wurde. Das Premierenspiel wurde im italienischen Castel Giorgio gegen die Italienische Nationalmannschaft ausgetragen und konnte von den Deutschen mit 12:6 gewonnen werden. Geschichte der Nationalmannschaft. Zugriff am 30. September 2009. Das Rückspiel im Kölner Südstadion verlor das Auswahlteam gegen die hoch überlegenen Italiener.
1982 bis 1989 – Anfänge des organisierten Spielbetriebes unter dem AFVD Der AFBD unter der Führung von Präsidenten Jürgen Grahmke löste sich aufgrund finanzieller Probleme am 16. Oktober 1982 auf und stellte den Spielbetrieb ein. Daraufhin gründete der AFV nach einer öffentlichen Abstimmung aller Verbände und Vereine den American Football Verband Deutschland (AFVD). So wurde erstmals eine Meisterschaft zwischen allen Mannschaften Deutschlands ausgetragen, deren Endspiel als 1. Deutscher Super Bowl bezeichnet und später in German Bowl umbenannt wurde. Das erste Endspiel gewannen die Ansbach Grizzlies, die vor rund 8.000 Besuchern im Grugastadion Essen gegen die Cologne Crocodiles antraten. Seit dem Zusammenschluss der beiden Ligen begannen deutsche Spieler eine wichtigere Rolle in den Spielen zu übernehmen, so wurde der Runningback der Düsseldorf Panther, Markus Becker, von 1983 bis 1986 jedes Mal zum German-Bowl-MVP, dem wertvollsten Spieler, gewählt. Im Laufe der Jahre stiegen die Zuschauerzahlen der Ligaspiele auf durchschnittlich mehr als 1.000 und der deutsche Footballsport erreichte seinen ersten Höhepunkt, was hauptsächlich an der Umorientierung vom reinen Sport zum „Sportevent“ mit Rahmenprogramm wie Musik und Verpflegung lag. German Football League. Zugriff am 30. September 2009. Aufgrund der guten Leistungen deutscher Spieler beschloss der AFVD, die Anzahl der einsetzbaren US-Amerikaner zu begrenzen, um dadurch die deutschen Spieler stärker zu fördern und zu fordern.
1983 fand der erste Vergleich zwischen Deutschland und dem Ursprungsland des Sports, den Vereinigten Staaten von Amerika, statt. Zwei deutsche Auswahlmannschaften traten gegen das College-Team der University of Missouri an. Die beiden Spiele in Essen und Stuttgart verloren die deutschen Mannschaften mit großem Rückstand.American Football : … vom Kick-off zum Touchdown. S. 36–37. In diesem Jahr gelang den Düsseldorf Panthern die erste Perfect Season in der Geschichte der Liga, nachdem sie alle zwölf Spiele bei einer Punktebilanz von 505:54 gewinnen konnten.Huddle-Verlag.de Jahresrückblick 1983. Zugriff am 30. September 2009. Bis ins Jahr 1986 dominierten die Panther gemeinsam mit den Ansbach Grizzlies die Liga. Letztere waren von 1979 bis 1986 in jedem German Bowl vertreten und konnten davon drei für sich entscheiden. Die Panther standen von 1983 bis 1986 im Endspiel um die Trophäe und siegten ebenfalls dreimal. Die Zuschauerzahlen stiegen vor allem in Ansbach und Düsseldorf noch weiter an, und die Endspiele wurden durchschnittlich vor einem Publikum von 10.000 Personen ausgetragen. 1987 begann die Hochphase der Berlin Adler unter Cheftrainer Billy Brooks, der vorher in der NFL gespielt hatte. Von 1987 bis 1994 konnten die Adler eine Bilanz von 85 Siegen bei lediglich 6 Niederlagen vorweisen. Sie dominierten im German Bowl 1987 vor 17.000 ZuschauernHuddle-Verlag.de Jahresrückblick 1987. Zugriff am 30. September 2009. im überfüllten Mommsenstadion und gewannen mit 37:12 gegen die Badener Greifs.
Das erste Frauenfootballspiel in Deutschland fand, nach Gründung diverser Teams im Jahr 1986, ebenfalls 1987 statt. Die Frauenmannschaft der Berlin Adler trat gegen eine gemeinsame Frauenauswahl der Mannschaften der Hannover Ambassadors und Cologne Crocodiles an. Am 27. September gewann die Auswahl der Crocodiles und Ambassadors mit 56:20 gegen die Berliner. Auf dieses Spiel folgten viele Freundschaftsspiele der damals etwa zehn Frauenmannschaften in ganz Deutschland. Von 1986 bis 1989. Zugriff am 30. September 2009.