mini | rechts Ein E-Portfolio (Elektronisches Portfolio) ist die digitale Form eines Portfolios, das die neuen Medien zur Umsetzung des Konzeptes der Sammelmappe nutzt. Das E-Portfolio besteht aus „digitalen Sammelmappen“, mit denen Menschen (z. B. Studierende) ihren Lernprozess dokumentieren, reflektieren und/oder präsentieren können. Das E-Portfolio ist ein bewusst zusammengestelltes Produkt, das verschiedene Materialien, Nachweise und Reflexionen enthält und somit als „Schaufenster des Lernens“ dient.Reinhard Bauer, Peter Baumgartner: Schaufenster des Lernens. Eine Sammlung von Mustern zur Arbeit mit E-Portfolios. Waxmann, Münster 2011, ISBN 3-8309-2643-X. Im Unterschied zu einem klassischen Lerntagebuch, das vor allem auf die reflexive Auseinandersetzung mit individuellen Lernerfahrungen durch Schreiben abzielt,Bertram Müller: Lerntagebuch führt zum Studien-Erfolg. In: Rheinische Post vom 22. Januar 2013, S. D7 (Hochschule). liegt der Fokus beim E-Portfolio – in Anlehnung an das Lernportfolio – stärker auf der Sammlung von Belegen für Lernleistungen. Dabei können unterschiedliche digitale Formate wie Blogs, Profilseiten oder multimediale Inhalte zum Einsatz kommen. Damit unterscheiden sich die E-Portfolios mehr durch ihre Form von „realen“ Portfolios als durch die Inhalte.
Definition Für den Begriff E-Portfolio gibt es mehrere Definitionen. Die Salzburg Research Forschungsgesellschaft definiert den Begriff in einer Studie wie folgt: „E-Portfolio ist eine digitale Sammlung von ‚mit Geschick gemachten Arbeiten‘ (=lat. Artefakte) einer Person, die dadurch das Produkt (Lernergebnisse) und den Prozess (Lernpfad/Wachstum) ihrer Kompetenzentwicklung in einer bestimmten Zeitspanne und für bestimmte Zwecke dokumentieren und veranschaulichen möchte. Die betreffende Person hat die Auswahl der Artefakte selbstständig getroffen, und diese in Bezug auf das Lernziel selbst organisiert. Sie (Er) hat als Eigentümer(in) die komplette Kontrolle darüber, wer, wann und wie viel Information aus dem Portfolio einsehen darf.“Hornung-Prähauser, V. et al. (2007). Didaktische, organisatorische und technologische Grundlagen von E-Portfolios und Analyse internationaler Beispiele und Erfahrungen mit E-Portfolio-Implementierungen an Hochschulen. Studie der Salzburg Research Forschungsgesellschaft im Auftrag des Forum Neue Medien in der Lehre Austria. Salzburg Research Forschungsgesellschaft. |url=https://www.fnma.at/content/download/1421/file/ePortfolio_Studie.pdf |sprache=de-DE |abruf=2025-10-21
Auch kann man das E-Portfolio als eine „digitale Sammlung von Informationen“ beschreiben. Diese Sammlung kann „das Lernen, die Karriere, die Erfahrungen und die Leistungen“ des Nutzers beschreiben und darstellen. E-Portfolios sind privat und nur der Ersteller hat die Kontrolle..
Nach einer Arbeitsdefinition von Brück-Hübner (2020, S. 103)Brück-Hübner, Annika (2020). ePortfolio und neue Lernkultur. Theoretische und empirische Studien zur Entwicklung von Schule. Hohengehren: Schneider-Verlag sind Lernenden-E-Portfolios „absichtsvoll durchgeführte Sammlungen von vom Lernenden (mehr oder weniger) selbstständig ausgewählten Arbeiten, welche nicht nur dessen Können und Leistung (Kompetenzen), sondern auch dessen Fortschritte und damit seine individuelle Entwicklung über einen bestimmten Zeitraum und in einem bestimmten Bereich widerspiegeln können. Die Produkte werden meist durch (Selbst-)Reflexionen ergänzt, in welchen der Lernende sein Lernen kritisch reflektiert. Das ePortfolio dient als Basis für einen dialogischen, entwicklungsförderlichen und kommunikativen Austausch zwischen Lernenden und Lehrenden (Entwicklungsinstrument), kann aber auch zur Leistungsbewertung herangezogen werden (Methode der Leistungsbewertung). Letzteres erfolgt gelegentlich anhand gemeinsam ausgehandelter Bewertungskriterien. Im Vergleich zur papierbasierten Variante zeichnet sich ein ePortfolio zudem durch die Merkmale der Multimedialität, Interaktivität und Konnektivität aus.“
Einsatz Einsatz findet das E-Portfolio an Schulen und an Hochschulen. Unter anderem werden sie als Lern- und Bewertungsmethoden genutzt. Weiterhin dienen sie als Dokumentation für das lebenslange Lernen und als Möglichkeit, sich und seine Leistungen zu präsentieren.
Ein weiteres Einsatzgebiet des E-Portfolios ergibt sich an der Schnittstelle von Studium und Beruf. Das E-Portfolio wird in diesem Zusammenhang nicht allein als didaktisches Arrangement oder elektronisches Tool innerhalb der Hochschullehre verstanden, sondern als inhaltliches Bindeglied zwischen Studium und den anschließenden Berufsfeldern. Das E-Portfolio kann unter einer solchen Perspektive als Instrument zur Begleitung des lebenslangen Lernens gezielt genutzt werden. E-Portfolios leisten mehr als bisherige Vernetzungsplattformen, weil sie einen tieferen und breiteren Einblick in die Leistungen und Kompetenzen der Verfasser erlauben. Die Fokussierung des Einsatzes von E-Portfolios allein auf das Studium rechtfertigt sich angesichts des Aufwandes in seltenen Fällen – außer beispielsweise in der Form eines Reflexionsportfolios. In der Funktion des Schnittstellenmanagements kann das E-Portfolio weitreichende Dienste über den Studienabschluss hinaus leisten. Verschiedene Perspektiven – Hochschullehre, Studierende, Personalvermittlung usw. helfen, das Potential von E-Portfolios einzuschätzen und auszuschöpfen.Damian Miller, Benno Volk (Hrsg.) (2013). E-Portfolio an der Schnittstelle von Studium und Beruf. GMW Medien in der Wissenschaft. Münster: Waxmann ISBN 978-3-8309-2818-8
Mehrwert Zum einen besteht der Mehrwert darin, dass auch andere Kompetenzen gefördert werden. Das Verwenden von Tools kann die Motivation heben und/oder die Medien- und/oder IT-Kompetenz fördern. Der Lernprozess kann mit Hilfe von IT und Querverbindungen ausgebreitet werden. Man kann Kontakt mit dem Tutor, Schulkollegen oder Kommilitonen herstellen. Ein weiterer Mehrwert besteht in der Speicherung und Verwaltung der Artefakte. Eine automatische Dokumentation ist möglich. Auch andere Funktionen wie Tagging oder Suchfunktionen erscheinen in diesem Zusammenhang interessant. Man kann Hyperlinks verwenden, die auf Referenzmaterial hinweisen können. Die Möglichkeit Feedback von außerhalb und zu jeder Zeit geben zu können, erscheint als ein weiterer positiver Aspekt. Auch die Verteilung der Dokumente ist einfacher, da diese allen Leseberechtigten zugänglich sind und so nicht mehr vervielfältigt und verteilt werden müssen.Salzburg Research: Didaktische, organisatorische und technologische Grundlagen von E-Portfolios und Analyse internationaler Beispiele und Erfahrungen mit E-Portfolio-Implementierungen an Hochschulen. Studie der Salzburg Research Forschungsgesellschaft im Auftrag des Forum Neue Medien in der Lehre Austria, fnm-austria, Juli 2007, S. 27.
Medienpädagogische Aspekte Mit der E-Portfolio-Arbeit soll unter anderem die Fachkompetenz gefördert und der Lernprozess dokumentiert werden.
Ein elektronisches Portfolio bietet die Möglichkeit, viele digitale Artefakte wie Bilder, Videos etc. einzubinden. Die Inhalte des E-Portfolios können leicht und flexibel ergänzt, ausgetauscht und verwendet werden. Außerdem ist eine Darstellung der Lernbiografie in chronologischer Reihenfolge möglich.Salzburg Research: Didaktische, organisatorische und technologische Grundlagen von E-Portfolios und Analyse internationaler Beispiele und Erfahrungen mit E-Portfolio-Implementierungen an Hochschulen. Studie der Salzburg Research Forschungsgesellschaft im Auftrag des Forum Neue Medien in der Lehre Austria, fnm-austria, Juli 2007, S. 19 ff. (siehe auch Lerntagebuch)
Was ist eine E-Portfolio-Software? Serge Ravet, ehem. Direktor des European Institute for E-Learning (ElfEL), führte zwei weitere Begriffe neben dem Begriff des E-Portfolios ein, ePortfolio Management System (ePMS) und ePortfolio Organiser (ePO). Beide sollen den Prozess der Entwicklung und Nutzung von E-Portfolios unterstützen. Das ePMS unterstützt E-Portfolio-Prozesse auf der Seite der Organisation, etwa die Herausbildung von Einsatzszenarien, ausgehend von den Zielen und Werten der Organisation. Der Organizer (ePO) soll demgegenüber bei individuellen Lernprozessen und deren Planung helfen sowie die persönliche Entwicklung der Nutzer unterstützen (Identitätsbildung). Beide Elemente (ePMS und ePO) sollen aufeinander bezogen sein.Ravet, Serge (2007). For an ePortfolio enabled architecture: ePortfolios, ePortfolio Management Systems and Organisers. In: ePortfolio 2007. Employability and lifelong learning in the knowledge society (Proceedings, ePortfolio 2007 Conference, 17.-19. Oktober 2007, Maastrich, The Netherlands). Champlost, France: European Institute for E-Learning (EIfEL), S. 119–229, ISBN 2-9524576-3-8 (; 8,8 MB), abgerufen: 26. März 2016
Der Einstieg in die E-Portfolio-Arbeit kann technisch sehr niedrigschwellig beispielsweise mit gängigen Anwendungen wie Textverarbeitungsprogrammen, Präsentationssoftware oder Autorenwerkzeugen erfolgen. Software-Produkte, die zum Erstellen von E-Portfolios genutzt werden können, sind vielfältig:Himpsl, Klaus & Baumgartner, Peter (2009). Evaluation von E-Portfolio-Software - Teil III des BMWF-Abschlussberichts “E-Portfolio an Hochschulen”: GZ 51.700/0064-VII/10/2006. Forschungsbericht. Krems: Department für Interaktive Medien und Bildungstechnologien, Donau-Universität Krems. S. 29–87. Drupal (Web-Content-Management-System mit E-Portfolio-Modulen) Elgg (Social Networking System mit Portfolio-Elementen) EPOS (E-Portfolio-System für kompetenz-orientiertes Lernen) Epsilen (umfangreiches Komplettsystem mit Portfoliomodul) Evernote (Elektronisches Notizbuch mit E-Portfolio-Funktionalitäten) Exabis (Moodle-Plugin mit E-Portfolio-Funktionalitäten) Factline (Integriertes System) Fronter (Lernplattform mit Portfolio-Elementen) H5P-Inhalttyp Portfolio (Moodle-Plugin für E-Portfolio-Arbeit) ILIAS (LMS mit E-Portfolio-Funktionalitäten) Mahara (E-Portfolio-Management-Software) Movable Type (Weblog-Publishing-System) OpenOLAT (LMS mit E-Portfolio-Funktionalitäten) OLAT (LMS mit E-Portfolio-Funktionalitäten) Pebblepad (E-Portfolio-Management-Software) Sakai (E-Portfolio-Management-Software) Taskstream (Lernplattform mit eigenständigem Portfolio-Builder) Wakelet (Digitale Sammelmappe) WordPress (Weblog-Software)
Grundtypen von E-Portfolio
Reflexionsportfolio Zu den ReflexionsportfoliosHochschulforum Digitalisierung 2024:Reflexionsportfolio „Zukunftsorientierte Lehre – Reflektieren, Gestalten, Inspirieren“|url= https://hochschulforumdigitalisierung.de/qualifizierungsangebote/reflexionsportfolio-zukunftsorientierte-lehre/|sprache=de-DE |abruf=2025-10-21 zählen zwei weitere Typen: das Lernportfolio und das Beurteilungsportfolio.
Beim Lernportfolio wird die Entwicklung des Portfolioherstellers betrachtet. Hierfür sind zwei wesentliche Eigenschaften ausschlaggebend: Der Eigentümer und Ersteller des Portfolios ist ein und dieselbe Person, außerdem führt er das E-Portfolio aus der eigenen Motivation heraus. Kennzeichnend für Lernportfolios sind Aufgabenstellungen und Übungen, die selbst generiert werden. Der Ersteller reflektiert über seine selbst erstellten Aufgaben.
Den zweiten Typ des Reflexionsportfolios stellt das Beurteilungsportfolio dar. Es unterscheidet sich in zwei wesentlichen Punkten vom Lernportfolio: Zum einen wird es zur Beurteilung genutzt, zum anderen sind die Lernaufgaben sowie die Bewertungskriterien von außen vorgegeben.P. Baumgartner; K. Himpsl; S. Zauchner: Einsatz von E-Portfolios an (österreichischen) Hochschulen: Zusammenfassung, S. 3.
Entwicklungsportfolio