Der Feuersalamander (Salamandra salamandra) ist eine europäische Amphibienart aus der Familie der Echten Salamander. Die Spezies wurde erstmals 1758 von dem schwedischen Naturforscher Carl von Linné beschrieben. Je nach regionaler Mundart wird sie unter anderem auch als Feuermolch, Erdmolch, Erdsalamander, Regenmolch, Regenmännchen, Gelber Schneider, Bergnarr, Wegnarr, RegenmolliRobert Lücke: Von Regenmollis und Feuermolchen. In: Naturgucker-Magazin, abgerufen am 29. Dezember 2016. oder Tattermandl (bayerisch) bezeichnet. Diese volkstümlichen Namen unterscheiden allerdings nicht immer eindeutig zwischen Feuer- und Alpensalamander.
Die Schwanzlurche leben in größeren Laub- und Mischwaldgebieten mit naturnahen Bachläufen. Sie sind überwiegend nachtaktiv. Anders als bei vielen anderen mitteleuropäischen Lurchen werden keine Eier, sondern in der Regel weit entwickelte, kiementragende Larven ins Wasser abgesetzt (Larviparie). Die Hauptlaichzeit erstreckt sich witterungsbedingt von Anfang März bis in den Mai.
Wie andere Salamander sind sie seit den 1980er Jahren bedroht durch den Chytridpilz und seit 2015 auch durch die verwandte Salamanderpest (Bsal).
Der Feuersalamander war Lurch des Jahres 2016.Deutsche Gesellschaft für Herpetologie und Terrarienkunde , abgerufen am 3. Oktober 2021. Aufgrund seiner Vorliebe für unterirdische Verstecke wurde er für das Jahr 2023 zum Höhlentier des Jahres in Deutschland und der Schweiz ernannt.
Verbreitung in Europa mini|Verbreitung des Feuersalamanders in Europa Der Feuersalamander ist über weite Teile Mittel- und Südeuropas verbreitet. Er hat das größte Verbreitungsgebiet unter den europäischen Landsalamandern. Die Nordgrenze seines Areals verläuft durch Nord- und Mitteldeutschland, dann südostwärts entlang der Karpaten bis in die Ukraine und Rumänien und südwärts über Bulgarien nach Griechenland, wobei die Verbreitung maßgeblich durch die Gebirge Südosteuropas bestimmt wird. In Südwesteuropa, insbesondere auf der Iberischen Halbinsel, stellen die großen Gebirgszüge die Lebensräume für mehrere Feuersalamanderunterarten. Die großen subkontinental geprägten Hochebenen, beispielsweise die Iberische Meseta, werden aus klimatischen Gründen nicht besiedelt.
Nicht besiedelt sind auch Skandinavien, Großbritannien, Irland und Nordosteuropa. In Mitteleuropa unterscheidet man die Tiere je nach ihrem gelben Zeichnungsmuster auf dem Rücken als gebänderte Unterart (Salamandra salamandra terrestris) mit dem Hauptverbreitungsgebiet West- und Mitteleuropa sowie die Nominatform mit geflecktem Muster (Salamandra salamandra salamandra) mit dem Verbreitungsgebiet Mittel-/Osteuropa. In Deutschland gibt es Regionen, in denen sich die Areale dieser beiden Unterarten überschneiden, beispielsweise im Rhein-Main-Gebiet. Im Gesamtareal werden derzeit 14 Unterarten unterschieden, die meisten davon auf der Iberischen Halbinsel.Übersicht. In: biotropics.com.
Vier ehemalige Unterarten werden mittlerweile aufgrund genetischer Untersuchungsergebnisse als eigenständige Arten angesprochen:
Nordafrikanischer Feuersalamander – Salamandra algira Bedriaga, 1883: Disjunkt zwischen Nord-Marokko bis Tunesien Korsischer Feuersalamander – Salamandra corsica (Savi, 1838): lebt endemisch auf Korsika in den Bergwäldern mittlerer HochlagenThomas Mutz: Salamandra corsica (Savi, 1838) – Korsischer Feuersalamander. In: Burkhard Thiesmeier, Kurt Grossenbacher (Hrsg.): Handbuch der Reptilien und Amphibien Europas, Schwanzlurche IIB. Aula Verlag, 2004, S. 1029–1046. Kleinasiatischer Feuersalamander – Salamandra infraimmaculata Martens, 1885: Türkei, Libanon, Nord-Israel und Iran
Der Südspanische Feuersalamander (Salamandra salamandra longirostris Joger & Steinfartz, 1994) kommt von der Sierra de Ronda südöstlich bis Marbella vor. Er wurde im Jahr 2009 als eigene Art anerkannt, aber aufgrund molekulargenetischer Untersuchungen wieder zur Unterart zurückgestuft.
Noch nicht alle Publikationen haben diese taxonomischen Änderungen berücksichtigt. Die Vorkommen vor allem am südlichen Arealrand müssen ferner sämtlich als Refugialhabitate angesehen werden, die wohl weitgehend voneinander isoliert sind.
Verbreitung in Deutschland mini|Feuersalamander im Tagesversteck, getarnt durch Vegetation Der Feuersalamander ist in Deutschland vor allem in bewaldeten Landschaften beheimatet. Verbreitungsschwerpunkte sind die Mittelgebirge im westlichen, mittleren und südwestlichen Deutschland. Dazu kommen zusammenhängende Bereiche unter anderem im Erzgebirge sowie in Nord- und Ostbayern. Im nordwestdeutschen Tiefland gibt es mehrere isolierte Vorkommen, insbesondere auch im Gebiet der Lüneburger Heide und im Münsterland. Im nordostdeutschen Tiefland fehlt die Art, die Elbe wird in östlicher Richtung nicht überschritten. Auch im südwestlichen Bayern, südlich der Donau, gibt es die so genannte „Allgäu-Lücke“.Walter Hellmich: Über eine merkwürdige Lücke in der Verbreitung unserer Ringelnattern, Glattnatter und des Feuersalamanders. In: Aqua. Terrar. Z. (Stuttgart). Band 17, Nr. 10, 1964, S. 312–315. Dieser Raum ist weitgehend unbesiedelt von Feuersalamandern. In Sachsen-Anhalt befindet sich der Verbreitungsschwerpunkt im Harz. Daneben existiert ein isoliertes Vorkommen im Süden, im Bereich des Zeitzer Forsts (FFH-Gebiet), das Anschluss an die Vorkommen in Thüringen hat.B. Thiesmeier: Der Feuersalamander. (= Zeitschrift für Feldherpetologie. Suppl. 4). Laurenti Verlag 2004, ISBN 3-933066-21-2.
Im Saarland und in Rheinland-Pfalz ist die Art in fast allen Lebensräumen oberhalb 200 m gut verbreitet. Die Tieflagen (Nördliche Oberrheinebene, Rheinhessen) dagegen sind fundfrei. In Hessen sind die Mittelgebirge Odenwald, Spessart, Taunus und Westerwald fast flächendeckend besiedelt. Niedersachsen besitzt Verbreitungsschwerpunkte im Osnabrücker Hügelland sowie im Weser- und Leinebergland. Isolierte Fundpunkte liegen bei Delmenhorst, Vechta und südlich von Nordhorn. In Nordrhein-Westfalen finden sich Feuersalamander im Bergischen Land sowie in der Nordeifel.M. Schlüpmann, A. Geiger: Arbeitsatlas zur Herpetofauna von Nordrheinwestfalen. Eigenverlag, Recklinghausen 1998. Im Ruhrgebiet (Bochum) dringen kleine Populationen sogar bis in den Siedlungsbereich (Parks und Hausgärten) vor.B. Thiesmeier: Die Amphibien und ihre Lebensräume in Bochum. Beitrag zum Amphibienschutz in der Großstadt. In: Dortmunder Beiträge zur Landeskunde, naturwissenschaftliche Mitteilungen. Heft 18, 1984, S. 17–46. Baden-Württemberg ist innerhalb Deutschlands ein wichtiges Verbreitungszentrum. Hier sind Feuersalamander bis auf die Naturräume Oberrheinebene und Oberschwaben nahezu flächenhaft vorhanden. Im Bereich des Kleinen Odenwalds in Nordbaden überschneiden sich die Vorkommen von S. salamandra salamandra und S. salamandra terrestris. Im Freistaat Bayern liegen die meisten Vorkommen im Südosten. In den bayerischen Alpenregionen ist die Art selten; ebenso im Chiemgau. Im Bayerischen Wald, Oberpfälzer Wald, Frankenwald, in der Südrhön sowie im Spessart ist der Feuersalamander fast flächendeckend verbreitet (z. B. NSG Amphibienfreistätte Sommergrund im Landkreis Aschaffenburg).
Die Höhenlage ist nicht unbedingt maßgeblich für die Verbreitung des Feuersalamanders in Mitteleuropa. Wichtig ist die Existenz alter, naturnaher Laubwälder, dem Lebensraum heimischer Feuersalamander. Diese liegen etwa zwischen 200 und 600 Metern über Normalhöhennull; darüber hinaus werden auch Höhen zwischen 650 Meter ü. NHN im Harz und 900 Meter ü. NHN im Südschwarzwald und in den Alpen erreicht.B. Thiesmeier, R. Günther: Feuersalamander - Salamandra salamandra (Linneaus, 1758). In: R. Günther (Hrsg.): Die Amphibien und Reptilien Deutschlands. Fischer Verlag, Jena 1996, Kap. 6.2, S. 82–104. In Niedersachsen und in Nordrhein-Westfalen finden sich auch Vorkommen deutlich unter 100 Meter ü. NHN, wie beispielsweise in der Umgebung von Münster und im Nordwesten des Kreises Warendorf (beide etwa 60 m ü. NHN), im Hasbruch bei Oldenburg (25 Meter ü. NHN).
Durch ihre versteckte Lebensweise sowie durch ihre nächtliche Aktivität können Feuersalamander trotz ihrer auffälligen Färbung jahrzehntelang einen Lebensraum besiedeln, ohne dass der Mensch sie bemerkt.
Bedrohung in Deutschland und Österreich
Seit etwa 2015 sind in Nordrhein-WestfalenL. Dalbeck, H. Düssel-Siebert, A. Kerres, K. Kirst, A. Koch, S. Lötters, D. Ohlhof, J. Sabino-Pinto, K. Preißler, U. Schulte, V. Schulz, S. Steinfartz, M. Veith, M. Vences, N. Wagner, J. Wegge, J.: Die Salamanderpest und ihr Erreger Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal), aktueller Stand in Deutschland. In: Zeitschrift für Feldherpetologie. Band 25, 2018, S. 1–22. und Rheinland-PfalzN. Wagner, S. Lötters, S. Feldmeier, J. Beninde, K. Bredimus, D.C Christiansen, J. Ewen, L. Feiler, G Fichera, B. Fontaine, C. Kolwelter, W. Harms, F. Hildebrandt, F. Keltsch, L.F. Marin da Fonte, A. Martens, S.L Ong, L. Schmitz, U. Schulte, U., V. Schulz, S. Steinfartz, M. Vences, J. Viebahn, M. Wagner, K. Wallrich, & M. Veith: Aktueller Kenntnisstand zur Verbreitung des Erregers der Salamanderpest (Batrachochytrium salamandrivorans) in Rheinland-Pfalz. In: Dendrocopos. Band 46, 2019, S. 35–66. die Auswirkungen der aus Asien eingeschleppten Bsal-Krankheit erkennbar.A. Martel u. a.: Recent introduction of a chytrid fungus endangers western palearctic salamanders. In: Science. Band 346, 2014, S. 630. Im Ruhrgebiet und der Eifel wurden Massensterben beobachtet. Die tödliche Infektion greift seitdem auch auf andere Bundesländer über.S. Lötters, N. Wagner, G. Albaladejo u. a.: The amphibian pathogen Batrachochytrium salamandrivorans in the hotspot of its European invasive range; past-present-future. In: Salamandra. Band 56, 2020, S. 173–188.Pressemitteilung des Landesamts für Umweltschutz Bayern. (lfu.bayern.de, abgerufen am 21. November 2021) Auch in Österreich droht Bsal ganze Salamanderpopulationen auszurotten.
Lebensraum Unter den einheimischen Amphibien ist der Feuersalamander die Art mit der engsten Bindung an den Lebensraum Wald (silvicol). Bevorzugt werden heterogen strukturierte, grundwassernahe Laub- und Mischwälder.H. Schiemenz, R. Günther: Verbreitungsatlas der Amphibien und Reptilien Ostdeutschlands. Verlag Natur & Text, Rangsdorf 1994, ISBN 3-9803856-0-4. Reine Nadelwaldbestände dagegen werden gemieden; allenfalls noch akzeptiert werden lückenhafte Bereiche von Fichtenwäldern mit aufkommender Moos- und Krautvegetation. Wo der Wald verschwunden ist, kann der Feuersalamander sich als Faunenrelikt für längere Zeit noch halten, wenn die klimatischen Bedingungen günstig sind.
Habitate Feuersalamander sind als erwachsene Tiere weitgehend unabhängig von Oberflächengewässern und führen ein verborgenes Dasein in Nischen von Höhlen, unter Totholz und Baumstümpfen, zwischen Felsen und Blockhalden sowie im Lückensystem des Bodens, zum Beispiel in Kleinsäugergängen. Bei den Weibchen spielt die Nähe zu einem Laichgewässer bei der Wahl des Habitats neben dem Vorhandensein von Tagesverstecken eine wichtige Rolle. Auch Bauwerke wie Brunnenstuben, Stolleneingänge und stillgelegte, verschlossene Eisenbahntunnel bieten guten Unterschlupf. Die stäbchenreiche Netzhaut der Feuersalamanderaugen ist für die visuelle Orientierung in lichtarmen Habitaten wie stillgelegte BergwerkeR. Feldmann: Winterquartiere des Feuersalamanders „Salamandra salamandra terrestris“ Lacépede, 1788 in Bergwerksstollen des südlichen Westfalen. In: Salamandra. (Rheinbach). Nr. 3, 1967, S. 1–3. besonders hilfreich. In Regionen mit weichen bzw. lockeren Böden graben sich die Lurche auch selbst eigene kleine Gänge mit einer Tiefe bis zu 16 cm, in die sie sich zurückziehen. Da adulte Feuersalamander sehr ortstreu sein können, behalten sie ihre Rückzugsgebiete und Laichplätze über lange Zeiträume bei.