mini|hochkant|Lage der Schlosskirche im Schloss mini|Innenansicht Die Schlosskirche im Schweriner Schloss ist heute die Kirche einer Gemeinde der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland. Sie vereinigt Bauelemente aus Renaissance und Neugotik.
Lage und Gestalt mini|hochkant=1.5|Grundriss (1898) Die Schlosskirche ist ein der Nordseite des Schweriner Schlosses eingefügter Bau, der als solcher nur mit seinem seitlich stehenden Glockenturm mit vergoldeter Zwiebelhaube und dem erst in der Mitte des 19. Jahrhunderts hinzugefügten Chor mit Fünfachtelschluss nach außen hin hervortritt. Der Innenraum ist auf beiden Langseiten und ebenso auf der westlichen Schmalseite mit steinernen Emporen ausgestattet, die sich an kräftige Säulen aus Sandstein anlehnen und mit flachen Netzgewölben über- und unterwölbt sind. Dadurch erhält der Raum den Eindruck einer dreischiffigen Hallenkirche. Das Hauptschiff wird von einem ebenfalls flachen und im Stile der Spätgotik reich entwickelten Sterngewölbe überspannt. Der neugotische Chor dagegen ist mit zwei steiler aufsteigenden Gewölben im Stil der Hochgotik, einem sechsteiligen Chorscheitelgewölbe und davor einem einfachen Kreuzgratgewölbe gedeckt. Er hat auf der Südseite eine kleinere steinerne Empore.
Baugeschichte Die ältere Burg- oder Schlosskapelle lag auf der Südwestseite des Schlosses nach dem heutigen Schlossgarten hin und wurde 1503 unter Herzog Heinrich V. erneuert. 1514 stürzte ihr Gewölbe ein. Die Folge davon ist der gänzliche Abbruch der alten Kapelle und die Errichtung einer völlig neuen Kapelle von 1515 bis 1520 durch Andreas Techel, der damals bei der Kirche zu Wilsnack als Baumeister tätig war. Diese Kapelle diente dem Hof bis in die 1560er Jahre.
Der Renaissancebau und seine Ausstattung mini|Innenansicht der Schlosskirche vor dem Umbau, 1839, Gemälde von Friedrich Schnelle mini|hochkant|Renaissance-Altar der Schlosskirche, heute im Staatlichen Museum Schwerin Herzog Johann Albrecht I. beschloss 1560 den jetzigen Bau, der 1563 im Wesentlichen vollendet wurde.
Baumeister dieses ersten protestantischen Kirchenbaus in Mecklenburg war Christoph Haubitz unter Entwurfsbeteiligung von Franz Parr. Der Bau lehnte sich eng an die Querkirchen-Vorbilder der Torgauer Schlosskapelle, dem ersten neu für den lutherischen Gottesdienst konzipierten Kirchenbau, und der Schlosskapelle in Dresden an. Die Gewölberippen aus Ton und weitere Verzierungen stammen vermutlich aus der Werkstatt von Statius von Düren. Die Werksteine aus Sandstein kamen aus Pirna. Das Portal der Schlosskirche fertigte der Dresdner Bildhauer Hans Walther.
Raumbestimmend waren im Sinne der lutherischen Konzentration auf Wort und Sakrament die Kanzel und der Altar.
Die Kanzel ist im Wesentlichen eine Kopie der Torgauer Kanzel und wurde von deren Schöpfer Simon Schröter in Torgau angefertigt. Sie bildet mit dem an der Nordseite stellenden Pfeiler, aus welchem sie hervortritt, einen einzigen Steinblock, so dass die zu der Kanzel führende Treppe durch den Pfeiler gehauen ist. Den auf Putten aufbauenden zylindrischen Kanzelkorb schmücken drei Marmor-Reliefs. Sie zeigen Christus und die Ehebrecherin, den zwölfjährigen Jesus im Tempel und die Tempelreinigung als Sinnbilder für den gnädigen, lehrenden und strafenden Christus. Die Reliefs werden Simon Schröters Sohn Georg Schröter zugeschrieben. mini|hochkant|Altar und Taufbecken Von ihm stammt auch der Altar, der im 19. Jahrhundert im Zuge der neugotischen Umgestaltung und Erweiterung in das großherzogliche Museum gebracht wurde. Das Triptychon aus Marmor orientiert sich am Altar der Dresdner Schlosskapelle. Im linken Flügel zeigt der Altar die Erhöhung der Schlange in der Wüste, in der Mitte eine figurenreiche Kreuzigung, und im rechten Flügel die Auferstehung Christi. Unter der Mensa des Altartisches sind die vier Evangelisten dargestellt, durch dorische Pilaster voneinander getrennt – auf der Vorderseite zwei, auf den Schmalseiten je einer. Über dem zentralen Feld im Aufsatz ist die Halbfigur von Gott Vater zu sehen, und zwischen den vorgesetzten korinthischen Säulenpaaren links die Figur des Glaubens (Fides), rechts die der Gerechtigkeit (Iusticia). Die Jahreszahl 1562 wiederholt sich mehrfach, im Aufsatz oben rechts das Monogramm Schröters, das aus den Buchstaben G und S verschlungen ist.
Zwei Marmortafeln der Kircheneinrichtung, von denen die eine Lot und Töchter und die andere das Gleichnis vom barmherzigen Samariter darstellt, befinden sich ebenfalls im Museum. Eine eichene Schnitztafel mit dem Relief der Anbetung der Hirten zwischen ionischen Pilastern und mit den beiden Wappen des Herzogs Johann Albrecht und seiner Frau Anna Sophie von Preußen ist inzwischen wieder in der Kirche an der Nordwand angebracht.
Auf der Empore sind sechs Reliefs (alabasterne Historien) erhalten geblieben. Als der Herzog im Jahr 1562 zur Krönung des Kaisers Maximilian nach Frankfurt am Main reiste, besuchte er am 8. Oktober den neu entdeckten Alabaster-Steinbruch in Uslar und kaufte dort Blöcke, aus denen ihm die niederländischen Steinmetzen Philipp Brandin und Cornelis Floris II. Bildwerke verfertigen sollten. Die Bildwerke zeigen den Sündenfall, die Erhöhung der Schlange in der Wüste (signiert von Willem van den Broeck), die Geburt, die Kreuzigung, die Auferstehung Christi sowie seine Wiederkunft zum Gericht. Als Umrahmung dient ihnen eine Art Tempelnische.
Zwei steinerne Tafeln mit einer Gründungsinschrift auf Latein und Altgriechisch in der Nordwand verweisen auf den humanistisch-reformatorischen Bildungsanspruch des Herzogs.
Neugotische Erweiterung mini|Der neugotische Chorraum von außen mini|Blick in den neugotischen Chorraum Als Teil der Arbeiten zur umfassenden Erneuerung des Schlosses im 19. Jahrhundert ließ Großherzog Friedrich Franz II. ab 1848 den Kölner Dombaumeister Ernst Friedrich Zwirner verschiedene Entwürfe zur Umgestaltung und Erweiterung der Schlosskirche im Stil der Neugotik anfertigen. Der letzte dieser Entwürfe wurde ab 1851 ausgeführt, verbunden mit Vorschlägen August Stülers zur inneren Gestaltung. Von Stüler stammt der Entwurf der Ausmalung, der bis heute durch die Gestaltung der Gewölbe als leuchtend blauer Sternenhimmel mit 8758 Sternen raumbestimmend ist.
Die im 18. Jahrhundert eingebaute zusätzliche Emporenreihe wurde entfernt. Die Kirche erhielt einen Chorraum mit Fünfachtelschluss, an dessen Südwand eine neue wappengeschmückte großherzogliche Empore eingerichtet wurde. Die Verbindung zum Renaissancebau übernahm ein in den Durchbruch eingebauter Triumphbogen, der mit Statuen der vier Evangelisten Johannes, Lukas, Markus und Matthäus vom in Dobbertin geborenen Bildhauer Gustav Willgohs geschmückt ist. Die Baldchine und Konsolen fertigte der Berliner Bildhauer Friedrich Wilhelm Dankberg.Susanne Klett: Ein Rundgang durch die Kirche. In: Schlosskirche Schwerin 2013, S. 28.
Im Westen wurde der Eingang in eine kleine Vorhalle verlegt, für die das Renaissance-Portal etwas weiter westwärts gerückt wurde. Die alte Orgel von 1602, die im Osten über dem Altar stand, kam schon 1846 nach Redefin; dafür wurde auf der West-Empore ein Neubau durch Friedrich Friese II aufgestellt; die künstlerische Gestaltung des Orgelprospekts übernahm Gustav Willgohs. Die Hinterwand der fürstlichen Empore schmückte nun ein Gemälde von Karl Gottfried Pfannschmidt: die Taufe des Fürsten Pribislaw. Nach Vorstellungen des einflussreichen Theologen Theodor Kliefoth schuf Pfannschmidt 1854–1856 als Hauptschmuck des Raumes zwölf Bilderpaare, die an Pfeilern des Kirchenschiffs paarweise Ereignisse der Kirchengeschichte von den urchristlichen Märtyrern bis zu Bischof Berno und Herzog Johann Albrecht zeigten.
Der Renaissance-Altar kam ins Museum. Der neue Altar erhielt ein schlichtes Marmorkreuz von Carl Steinhäuser und eine geschnitzte Rückwand mit Statuen der Apostel Petrus und Paulus. Hauptschmuck des Altarraums waren und sind bis heute die großen gotischen Fenster mit Glasmalerei. Ihre Entwürfe stammten von Gaston Lenthe, die Umsetzung in Glas von Ernst Gillmeister. Die Fenster zeigen eine heilsgeschichtliche Szenenfolge vom Sündenfall bis zur Auferstehung, mit Abendmahl und Kreuzigung im zentralen Chorscheitelfenster hinter dem Altar.
Die Wiedereinweihung der neu gestalteten Kirche fand am 14. Oktober 1855 statt. Die Frage, ob der neugotische Um- und Erweiterungsbau das bedeutendste Architekturdenkmal der Reformationszeit in Mecklenburg im Wesentlichen bewahrt oder zerstört hat, bleibt bis heute umstritten.Siehe Eva Börsch-Supan, in Schloss Schwerin (Lit), S. 105 mit Anm. 66.
Die Schlosskirche im 20. Jahrhundert mini|Blick auf den Kirchenflügel des Schweriner Schlosses 2009 1907 mussten die Glasfenster im Chor, deren Schmelzfarbentechnik sich als nicht dauerhaft erwiesen hatte, gegen neue von gleicher Thematik ausgetauscht werden. Die neuen Fenster lieferte die Tiroler Glasmalerei und Mosaik Anstalt in Innsbruck. Eine fehlerhafte Bemessung der Feldergrößen führte jedoch zu neuen Schäden, ebenso wie Vandalismus und Absetzungen, was 1976/77 eine komplette Neuverbleiung notwendig machte, die durch die Glaswerkstätten Lehmann aus Berlin-Weißensee erfolgte. Gleichzeitig erhielten die Fenster eine isothermische Schutzverglasung.
Die Friese-Orgel kam mitsamt dem von Gustav Willgohs dekorierten Prospekt 1912 in die Kirche von Groß Trebbow. An ihrer Stelle entstand ein Neubau von Marcus Runge.
Anfang der 1920er Jahre erhielt die Schlosskirche an der Südwand ein Gemälde zum Andenken an die Gefallenen des Ersten Weltkriegs, das von Rudolf Schäfer ausgeführt wurde. Es zeigt die Grablegung Jesu mit der Silhouette Schwerins im Hintergrund.
Seit 1990 ist die Landtagsverwaltung Mecklenburg-Vorpommern auch für die bauliche Unterhaltung und Restaurierung der Schlosskirche verantwortlich. Im Zuge der Gesamtrestaurierung der Fassaden und Dächer wurde die Zwiebelkuppel des Schlosskirchenturms neu vergoldet. 1992 wurde die Tragfähigkeit der Holzdecke über dem Gewölbe, die Durchbiegungen aufwies, einer eingehenden Untersuchung unterzogen. bei baufachinformation.de, abgerufen am 1. August 2009. Ab 2005 wirbt die Aktion Kauf dir einen Stern vom Himmel um Paten zur Restaurierung des Sterngewölbes.Kauf Dir Deinen Stern vom Himmel. 8758 Sterne suchen ihre Paten. Broschüre der Landtagsverwaltung, abgerufen am 1. August 2009.
Glocken mini|Turm der Schlosskirche mini|links|Glocke von 1464 Die Schlosskirche hatte seit 1857 vier Glocken, von denen drei im Nordturm auf der Vorderseite des Schlosses untergebracht waren.
Die älteste (0,56 m Durchmesser) hängt im alten Seitenturm der Kirche und hat die Inschrift: o rex glorie christe veni cum pace MCCCCLXIIII (lat.: O Christus, König der Herrlichkeit, komm in Frieden 1464). Sie wurde durch die Werkstatt des Rickert de Monkehagen gegossen und gilt als die letzte nachgewiesene Arbeit dieser Werkstatt. Auf der einen Seite ist die Figur der heiligen Maria, auf der anderen die der heiligen Barbara zu sehen.
Die zweitgrößte Glocke hatte die Inschrift: maria mater gracie mater misericordie tu nos ab hoste protege in hora mortis suscipe an[no] MDIII (lat.: Maria Mutter der Gnade, in Barmherzigkeit beschütze uns vor dem Feind [und] in der Stunde des Todes nimm [uns] an; im Jahre 1503) und wurde nach der Signatur von Heinrich von Kampen gegossen. Sie wurde im Zuge der Neugestaltung in der Mitte des 19. Jahrhunderts umgegossen.