Bei den XV. Olympischen Spielen 1988 in Calgary fanden zehn Wettbewerbe im Alpinen Skisport statt. Austragungsort war der Mount Allen in Nakiska. Aufgrund der schwierigen Wetterlage zu dieser Jahreszeit hatten die Athleten mit schweren Windböen zu kämpfen. Erstmals auf dem olympischen Programm stand die Disziplin Super-G. Dazu kam auch die Kombination, welche zuletzt 1948 olympisch war und seitdem (ab 1954) nur mehr zu Weltmeisterschaften gezählt hatte.

Nominierungen Seitens des Österreichischen Skiverbandes nahm Alpinchef Mag. Werner Wörndle am 31. Januar die ersten Nominierungen vor.„Heute greift der Alpinchef zum Telefon, um die 18 ‚Glücklichen‘ zu informieren!“ in «Kronenzeitung» vom 31. Januar 1988; Beilage „Olympia-Extra“, Seite 4

Bilanz Medaillenspiegel Platz Land 20px|Gold 20px|Silber 20px|Bronze Gesamt 1 3 4 4 11 2 3 3 – 6 3 2 – – 2 4 1 2 1 4 5 1 – 1 2 6 – 1 – 1 7 – – 2 2 8 – – 1 1 – – 1 1

Medaillengewinner Männer Konkurrenz Gold Silber Bronze Abfahrt Pirmin Zurbriggen Peter Müller Franck Piccard Super-G Franck Piccard Helmut Mayer Lars-Börje Eriksson Riesenslalom Alberto Tomba Hubert Strolz Pirmin Zurbriggen Slalom Alberto Tomba Frank Wörndl Paul Frommelt Kombination Hubert Strolz Bernhard Gstrein Paul Accola Frauen Konkurrenz Gold Silber Bronze Abfahrt Marina Kiehl Brigitte Oertli Karen Percy Super-G Sigrid Wolf Michela Figini Karen Percy Riesenslalom Vreni Schneider Christa Kinshofer Maria Walliser Slalom Vreni Schneider Mateja Svet Christa Kinshofer Kombination Anita Wachter Brigitte Oertli Maria Walliser

Ergebnisse Männer Abfahrt Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Pirmin Zurbriggen 1:59,63 2 Peter Müller 2:00,14 3 Franck Piccard 2:01,24 4 Leonhard Stock 2:01,56 5 Gerhard Pfaffenbichler 2:02,02 6 Markus Wasmeier 2:02,03 7 Anton Steiner 2:02,19 8 Martin Bell 2:02,49 9 Marc Girardelli 2:02,57 10 Danilo Sbardellotto 2:02,69 12 Daniel Mahrer 2:03,18 13 Hannes Zehentner 2:03,23 17 Franz Heinzer 2:03,36 19 Günther Mader 2:03,96 20 Hansjörg Tauscher 2:04,31 21 Peter Dürr 2:04,32 36 Silvio Wille 2:07,77 38 Gregor Hoop 2:08,50 39 Robert Büchel 2:08,66 Datum: 15. Februar, 11:30 Uhr Start: 2412 m, Ziel: 1538 m Höhendifferenz: 874 m, Streckenlänge: 3147 m Tore: 40; Kurssetzer: Stohl (CAN)

51 Teilnehmer, davon 45 in der Wertung. Ausgeschieden u. a.: Luc Alphand (FRA), Michael Mair (ITA), Brian Stemmle (CAN).

Die Strecke war von Bernhard Russi gebaut worden. Die am 14. Februar mit Start um 11:30 h angesetzte Abfahrt wurde wegen zu starker Winde vorerst zweimal verschoben und um 12:35 h abgesagt. Da der 15. Februar der neue Termin war, ergab es sich, dass die für diesen Tag geplante Kombinations-Abfahrt der Herren auf den 16. Februar verlegt werden musste. Für die verschobene Spezial-Abfahrt wurde reglementgerecht eine neue Startnummernauslosung vorgenommen, ebenso präventiv auch gleich die Auslosung der Nummern für die Kombi-Abfahrt, sollte diese vorgezogen werden.

Sieger Zurbriggen, der bereits die Trainings beherrscht hatte, war bei allen Zwischenzeitmessungen voran. Sein Siegerski war ein »Lochski« und hatte ihn in der aktuellen Saison die Ränge eins und zwei in Val-d’Isère und auch Rang zwei in Bad Kleinkirchheim gebracht. Wie schon 1984 gewann Peter Müller die Silbermedaille. In der Schweiz sahen 1,249 Mio. Fernsehzuschauer Zurbriggens Sieg.«Keine Windlotterie – Abfahrt verschoben» und «2,5 Sekunden Vorsprung», Sport Zürich, 15. Februar 1988, beide S. 3.«Olympia-Grafik» und «Zurbriggen gewann ein einsames Gold-Duell» sowie «Unser Kaiser Pirmin I.», und «1,249 Millionen sahen Pirmin», alle Sport Zürich, 17. Februar 1988, S. 1, 3 und 13.

Super-G Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Franck Piccard 1:39,66 2 Helmut Mayer 1:40,96 3 Lars-Börje Eriksson 1:41,08 4 Hubert Strolz 1:41,11 5 Pirmin Zurbriggen 1:41,96 Günther Mader 7 Luc Alphand 1:42,27 8 Leonhard Stock 1:42,36 9 Tomaž Čižman 1:42,47 10 Ivano Camozzi 1:42,66 12 Andreas Wenzel 1:43,00 15 Franz Heinzer 1:43,32 17 Günther Marxer 1:44,16 28 Silvio Wille 1:46,08 Datum: 21. Februar, 10:00 Uhr Start: 2179 m, Ziel: 1532 m Höhendifferenz: 647 m, Streckenlänge: 2377 m Tore: 50

Piccard wurde der erste französische Ski-Olympiasieger seit Jean-Claude Killy im Jahr 1968. Martin Hangl schied nach viertbester Zwischenzeit aus, Markus Wasmeier fädelte bereits beim ersten Tor ein. Alberto Tomba, der sich für die 2,10-m-Skier (statt 2,12 m) entschieden hatte, blieb mit der Kante am Kunstschnee hängen.«Olympia-Wochenende in Calgary», Sport Zürich, 19. Februar 1988, S. 3.«Favoritenstürze – aber kein Zufallstrio» und «OLYMPIA TOTAL», Sport Zürich, 22. Februar 1988, S. 3 und 15.

94 Teilnehmer, davon 57 in der Wertung. Ausgeschieden u. a.: Marc Girardelli (LUX), Martin Hangl (SUI), Finn Christian Jagge (NOR), Daniel Mahrer (SUI), Peter Roth (FRG), Atle Skårdal (NOR), Jan Einar Thorsen (NOR), Alberto Tomba (ITA), Markus Wasmeier (FRG), Frank Wörndl (FRG).

Riesenslalom Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Alberto Tomba 2:06,37 2 Hubert Strolz 2:07,41 3 Pirmin Zurbriggen 2:08,39 4 Ivano Camozzi 2:08,77 5 Rudolf Nierlich 2:08,92 6 Andreas Wenzel 2:09,03 7 Helmut Mayer 2:09,09 8 Frank Wörndl 2:09,22 9 Rok Petrovič 2:09,32 10 Joël Gaspoz 2:09,57 11 Günther Mader 2:10,04 14 Hans Pieren 2:10,68 19 Markus Wasmeier 2:11,69 25 Günther Marxer 2:12,72 26 Armin Bittner 2:13,27 29 Silvio Wille 2:15,08 Datum: 25. Februar, 10:30 Uhr (1. Lauf), 14:00 Uhr (2. Lauf) Start: 2243 m, Ziel: 1874 m Höhendifferenz: 369 m, Streckenlänge: 1175 m Tore: 47 (1. Lauf), 48 (2. Lauf)

117 Teilnehmer, davon 69 in der Wertung. Ausgeschieden u. a.: Peter Roth (FRG) (im ersten Lauf); Tomaž Čižman (YUG), Finn Christian Jagge (NOR), Ingemar Stenmark (SWE) (im zweiten Lauf).

Martin Hangl war beim Einfahren zum zweiten Lauf Zeuge des tödlichen Unfalls des österreichischen Teamarztes Oberhammer geworden und erlitt einen Schock. Er nahm am Rennen daraufhin nicht teil. 19 Läufer, darunter alle vier Kanadier, wurden noch vor dem zweiten Lauf wegen nicht geprüfter und plombierter Rennanzüge disqualifiziert; allerdings war keiner besser als auf Rang 32 platziert gewesen. Durch diese Maßnahme verzögerte sich der für 13:30 h geplante Beginn des zweiten Laufes.«Tomba widerstand dem Druck» und «Kanadier, Exoten: Ungetestete Kombis!», Sport Zürich, 26. Februar 1988, S. 7.

Slalom Platz Land Sportler Zeit (min) 1 Alberto Tomba 1:39,47 2 Frank Wörndl 1:39,53 3 Paul Frommelt 1:39,84 4 Bernhard Gstrein 1:40,08 5 Ingemar Stenmark 1:40,22 6 Jonas Nilsson 1:40,23 7 Pirmin Zurbriggen 1:40,48 8 Oswald Tötsch 1:40,55 9 Grega Benedik 1:41,38 10 Florian Beck 1:41,44 Datum: 27. Februar, 10:00 Uhr (1. Lauf), 13:30 Uhr (2. Lauf) Start: 2074 m, Ziel: 1876 m Höhendifferenz: 198 m, Streckenlänge: 530 m Tore: 63 (1. Lauf), 61 (2. Lauf) Kurssetzer im 1. Durchgang: Tino Pietrogiovanna (ITA), 63 Tore Kurssetzer im 2. Durchgang: Reinhard Gattermann (BRD), 63 Tore

109 Teilnehmer, davon 54 in der Wertung. Ausgeschieden u. a.: Joël Gaspoz (SUI), Hans Pieren (SUI), Armin Bittner (FRG), Rudolf Nierlich (AUT); disqualifiziert: Paul Accola (SUI) (alle erster Durchgang); Didier Bouvet (FRA), Jean-Luc Crétier (FRA), Finn Christian Jagge (NOR), Günther Mader (AUT), Peter Roth (FRG), Thomas Stangassinger (AUT) (alle zweiter Durchgang).

Der Slalom war bei den herrschenden heiklen Schneeverhältnissen – Neuschnee auf pickelhartem Kunstschnee – weitgehend eine Sache der Routine, weshalb sich unter den ersten Sechs vier frühere WM- oder Olympia-Medaillengewinner befanden. Von den Schweizern schied Gaspoz aus; Accola wurde zwar Zwölfter, aber er hatte eingefädelt. Paul Frommelt, vor zehn Jahren schon WM-Bronzegewinner, war zum Saisonauftakt in Sestriere Vierter geworden, doch nach einer Oberschenkelzerrung kam er aus dem Rhythmus. So fuhr er bei Olympia die Kombination eher zu Trainingszwecken und kam hier erst wieder auf Touren. Alberto Tomba, der keine Laufbestzeit erzielen konnte, war im ersten Durchgang über die Kurssetzung seines Trainers verärgert.«Tomba zum zweiten – und starke Altstars» und «Bronze: Paul Frommelt drehte Rad der Zeit um 10 Jahre zurück», Sport Zürich, 29. Februar 1988, S. 7.«OLYMPIA TOTAL», Sport Zürich, 29. Februar 1988, S. 12.

Kombination Platz Land Sportler Zeit A Zeit S Punkte 1 Hubert Strolz 1:48,51 (5.) 1:27,31 (7.) 36,55 2 Bernhard Gstrein 1:50,20 (15.) 1:25,82 (3.) 43,45 3 Paul Accola 1:51,27 (24.) 1:24,93 (1.) 48,24 4 Luc Alphand 1:49,60 (13.) 1:28,47 (10.) 57,73 5 Peter Jurko 1:50,29 (19.) 1:27,61 (8.) 58,56 6 Jean-Luc Crétier 1:50,04 (14.) 1:28,52 (11.) 62,98 7 Markus Wasmeier 1:49,32 (8.) 1:29,84 (13.) 65,44 8 Adrián Bíreš 1:50,24 (16.) 1:28,94 (12.) 68,50 11 Armin Bittner 1:55,42 (35.) 1:25,64 (2.) 99,65 13 Thomas Stangassinger 1:54,70 (34.) 1:27,69 (9.) 107,87 14 Gregor Hoop 1:53,21 (29.) 1:30,63 (14.) 114,62 15 Bernhard Fahner 1:51,78 (26.) 1:33,37 (17.) 120,45 16 Paul Frommelt 1:56,82 (40.) 1:26,53 (5.) 122,12 17 Peter Dürr 1:48,30 (4.) 1:38,68 (23.) 123,92 20 Robert Büchel 1:53,96 (32.) 1:32,38 (16.) 136,70 22 Hannes Zehentner 1:49,16 (7.) 1:46,85 (25.) 197,87 Datum: 16. Februar, 11:30 Uhr (Abfahrt)17. Februar, 10:30 Uhr / 13:30 Uhr (Slalom)

Abfahrtsstrecke Start: 2342 m, Ziel: 1538 m Höhendifferenz: 804 m, Streckenlänge: 2967 m Tore: 36

Slalomstrecke Start: 2051 m, Ziel: 1875 m Höhendifferenz: 176 m Tore: 55 (1. Lauf), 57 (2. Lauf)

56 Teilnehmer, davon 26 in der Wertung. Ausgeschieden u. a.: Rob Boyd (CAN), Lars-Börje Eriksson (USA), Martin Hangl (SUI), AJ Kitt (USA), Günther Mader (AUT), Franck Piccard (FRA), Atle Skårdal (NOR), Jan Einar Thorsen (NOR), Pirmin Zurbriggen (SUI).

Zurbriggen hatte die Abfahrt in 1:46,90 min und damit mit 1,51 s Vorsprung auf Strolz, 3,20 s auf Gstrein und 4,37 s auf Accola gewonnen. Piccard war Abfahrts-Zweiter (+ 0,38 s), Skårdal lag auf Rang 18 (+ 3,37 s), Hangl auf Rang 25 (+ 4,58 s). Nach seinem Sturz in der Spezialabfahrt trat Michael Mair zur Abfahrt nicht an. Auch Marc Girardelli fehlte; sein Vater Helmut gab im ZDF-Studio am 16. Februar an, dass eine Ellbogenverletzung vorliege, Marc habe sich in der Abfahrt in Leukerbad bei einem Sturz auf die Stahlkanten des eigenen Ski die Sehnen am Ellbogen halb durchgeschnitten. Allerdings wurden die wirklichen Gründe für den Rückzug in einem handfesten Krach zwischen den Girardellis und der Skifirma Atomic vermutet.«Marc verletzt – oder Krach mit Skifirma», Sport Zürich, 17. Februar 1988, S. 7.

Ergebnisse Frauen Abfahrt Platz Land Sportlerin Zeit (min) 1 Marina Kiehl 1:25,86 2 Brigitte Oertli 1:26,61 3 Karen Percy 1:26,62 4 Maria Walliser 1:26,89 5 Laurie Graham 1:26,99 6 Petra Kronberger 1:27,03 7 Regine Mösenlechner 1:27,16 8 Elisabeth Kirchler 1:27,19 9 Michela Figini 1:27,26 10 Lucia Medzihradská 1:27,28 11 Chantal Bournissen 1:27,46 13 Michaela Gerg 1:27,83 21 Christina Meier-Höck 1:29,30 26 Jolanda Kindle 1:32,88 Datum: 19. Februar, 10:00 Uhr Start: 2179 m, Ziel: 1532 m Höhendifferenz: 647 m, Streckenlänge: 2238 m Tore: 37

35 Teilnehmerinnen, davon 28 in der Wertung. Ausgeschieden u. a.: Hilary Lindh (USA), Jacqueline Vogt (LIE), Anita Wachter (AUT), Sigrid Wolf (AUT).

Kurssetzer war Markus Murmann (SUI). 5000 Zuseher verfolgten das Rennen. Die Abfahrt hätte bereits am 18. Februar stattfinden sollen. Sie wurde auch um 11:30 Uhr gestartet, wobei die ausgeloste Nr. 1, Pam Fletcher, zwar anwesend war, dies aber mit Gips und Krücken, denn sie war Stunden vorher beim Einfahren mit einem Pistenordner zusammengestoßen und hatte sich einen Bruch am obersten Knochen des Unterschenkels zugezogen. So startete als erste die Nr. 2, Brigitte Oertli. Schon zu diesem Zeitpunkt wurde offenbar, dass es keine Fortsetzung geben würde. Oertli berichtete, dass sie die Piste nicht mehr sehen konnte, weil der böige Wind den Schnee wirbelte. Vorerst entschied die Jury auf einen Neustart ab 13 Uhr, doch danach kam die Absage.«Oertli: „Sah nichts“». Sport Zürich, 19. Februar 1988, S. 2.