mini|300px mini|Die Lager der Kastelle in Fischamend und Schwechat mit der sie verbindenden Limesstraße mini|Lage der Fundstellen in Fischamend nach den Befunden der Grabung im Jahr 1902 mini|Fundstelle Getreideplatz in Fischamend nach den Befunden der Grabung im Jahr 1902 mini|Fundauswahl der Grabung Enzersdorferstraße (Fingerring, gestempelte Keramik und Ziegelstempel der legio X) mini|Vexillum der Ala I Thracum victrix mini|Gräberfeld Fischamend nach den Befunden der Grabungen in den Jahren 1900–1901 mini|Der Marktturm in Fischamend beherbergt heute das Stadtmuseum Kastell Aequinoctium war Bestandteil des oberpannonischen Limes in Österreich. Es befindet sich im Bundesland Niederösterreich, Bezirk Bruck an der Leitha, auf dem Gemeindegebiet von Fischamend. Neben dem Kastell (Reiterlager) werden in diesem Artikel zusätzlich die Wachtürme von Fischamend, Maria Ellend und Regelsbrunn beschrieben.

Name Der antike Name des Kastells bedeutet „Nachtgleiche“. Damit wird in der Antike die Tagundnachtgleiche bezeichnet, also die Tage im Jahreszyklus, an denen die Tagesstunden und die Nachtstunden von gleicher Länge sind (Frühjahr- und Herbstäquinoktium) und die auch den Beginn der Jahreszeiten markieren. Eine plausible Erklärung dieser bemerkenswerten Namensgebung ist bisher nicht gelungen. Er wird in der Tabula Peutingeriana, im Itinerarium Antonini sowie in der Notitia DignitatumNotitia Dignitatum, Occ. XXXIV 8. (Aequinoctiae) erwähnt. Der österreichische Archäologe Friedrich von Kenner (1834–1922) vermutete zuerst einen Abschreibfehler des Kopisten, da er diesen Begriff (Aequinoctium anstatt Aequilancium)Vgl. dazu auch Plinius der Ältere, Naturalis historia 2, 213: aequinoctis tantam pares horarum mensurae. nicht unbedingt mit einem Militärstützpunkt der Donaugrenze in Zusammenhang bringen wollte. Dennoch ging auch für ihn der ungewöhnliche Name dieses Ortes auf die Entfernung zwischen Vindobona (Wien) und Carnuntum (Bad Deutsch-Altenburg) zurück, da er genau zwischen den beiden Legionslagern lag. Sein Vorschlag eines Kopistenfehlers ist jedoch schwer nachzuvollziehen, da doch drei unterschiedliche antike Quellen alle die Namensform Aequinoctium bezeugen. Sollte dieser Umstand aber nicht dem Ortsnamen zugrunde liegen, so „… zielt gewiss der Sinn des ersten Teiles des Namens (aequi-) auf die Lage dieses Postens auf halbem Wege zwischen Vindobona und Carnuntum ab.“Vgl. Johann Ableidinger: Chronik von Schwechat. 1929, Anm. 1.

Der Ansicht Kenners, dass der antike Name von Fischamend auf eine gleiche Entfernung von beiden Richtungen her hinweist, schlossen sich auch András Graf, Emil Höring und Wolf-Armin von Reitzenstein an. Wilhelm Kubitschek (1858–1936) hob in diesem Zusammenhang hervor, dass nach Eduard Polaschek „..der Name Aequinocto, wohl dem Soldatenwitze entsprungen und eine militärische Raststation zu bezeichnen scheint. Hier erreichten und überschritten die vom Stammlager Carnuntum bis nach Vindobona westwärts patrouillierenden Legionäre den Zenit ihrer täglichen oder in mehrtägigen Intervallen sich wiederholenden Ost-West-Bewegung“.Doneus/Gugl 2013, S. 205ff.

Lage Der historische Kern von Fischamend und seiner römerzeitlichen Fundstellen liegen auf einer Schotterterrasse, die durch die Fischa geteilt wird. Auch heute noch zeigt sich ein deutlicher Abfall der nördlichen Terrassenkante zum Schwemmland der Donau, der heutigen Schüttlau. Diese Art von großflächigen Schotterterrassen prägen die Landschaft von Wien bis Bad Deutsch-Altenburg. Die den Strom zufließenden Wasserläufe durchstoßen diese und bilden dabei kleine Täler mit steil ansteigenden Uferwänden. Auch die Fischa, die durch den Zusammenfluss des Fischerbaches mit dem Reisenbach entsteht, strömt auf dem Grund einer solchen – rund drei Kilometer breiten – Talsohle zur Donau.

Der Ort lag in der Antike ziemlich genau auf halber Strecke zwischen Carnuntum und Vindobona. Während die Tabula PeutingerianaTabula Peutingeriana, Segment V. Aequinoctium mit 14 Meilen von Carnuntum als auch von Vindobona angibt, geht aus dem Itinerarium Antonini248/I keine genaue Angabe der Entfernungen hervor (Aequinoctio et Ala Nova in media). Er lag offenbar an einem wichtigen Achsenkreuz, das durch zwei (postulierte) Vermessungslinien gebildet wurde, die ihren Ausgang in Savaria und Carnuntum nahmen. Für die Wahl des Siedlungsplatzes im Mündungsbereich der Fischa werden aber nicht diese großräumigen Lagebeziehungen, sondern sicherlich die lokale Topographie und die geomorphologischen Rahmenbedingungen vor Ort ausschlaggebend gewesen sein. Der Ortsname legt außerdem nahe, dass den römischen Landvermessern diese Zusammenhänge durchaus bekannt gewesen sind.Doneus/Gugl 2013, S. 208.

Forschungsgeschichte Frühe Beobachtungen Die ersten Erwähnungen von Mauerresten eines Kastells bei Fischamend stammen aus den Jahren 1736–1737, als die Engländer Jeremiah Milles und Richard Pococke Europa bereisten. Auf dem Weg von Wien nach Petronell gelangten sie auch nach Fischamend. Ungefähr eine Viertelmeile davor beobachteten sie an der rechten Straßenseite einen Graben und Mauerreste, die ein größeres Stück Land am Ufer der Fischa umgaben. Es wies in seiner Mitte kleine Schutthügel auf, genau so wie sie es schon in Petronell gesehen hatten. Diese Ruinenstätte war bereits von Luigi Ferdinando Marsigli beschrieben worden.Agger media inter vischa et elendt via, qui etsi temporis iniuria plurimum de altitudine sua et robore amisisse pyrisque silvestribus passim consitus videatur, satis tamen etiam nunc atollitur, suique reliquias ostendit evidentissimas. Prodentitur autem secundum flumen, ripa citeriori ad 600 usque passus, nimirum ex occidente in orientum; quas plagas utrinque duobus quasi brachiis respicientibus continuatus pene iungitur danubio. Fossam habet ante se, et ingressibus aliquot patet. Sed et alius minor, ac depressior, atque 20 passus ab eo remotus agger linea plane pararella procurrit ; quem illius quasi probugnaculum dixeris; ita ut hoc totum vallum duplex quasi munimentum constituat

Auch M. Klein berichtet von den Überresten eines ungewöhnlich großen Kastells, das auf halbem Weg zwischen Maria Ellend und Fischamend gelegen haben soll. Es soll 1589 Klafter von Fischamend und 944 Klafter von Maria Ellend entfernt gewesen sein und sich bis zu 256 Klafter am Donauufer entlang erstreckt haben. Johann Christoph von Jordan stellte den römischen Ursprung der Ruinen entschieden in Abrede, da er sie für aus dem Mittelalter stammend hielt. Friedrich von Kenner hielt sie wiederum für römisch.

Weitere Nachrichten über das römische Fischamend kennen wir aus den Antiquarischen Erforschungen eines gewissen F. F. Wachter, die er um 1821, anlässlich einer Fahrt nach Petronell, verfasste. Ein Pfarrer berichtete ihm von einer Reihe von Grabhügeln „… die am östlichen Eingang in den Flecken hart bey einer Feldkapelle lagen, in denen römische Münzen nebst Bruchstücken von Gefäßen gefunden wurden“.

Überreste einer Wallanlage fanden sich angeblich auch am rechten Ufer der Fischa: „… etwa 400 Schritte unter der Pfarrkirche“. Neben Spuren einer Römerstraße bei Fischamend „parallel mit der Poststraße“ und „… etwa bis gen Ellend hin“ wird dann vor allem auf Spuren einer ganzen Kette von römischen Kastellen hingewiesen, „… mit doppelten Walle vom Kreuz an bis zu einem Straßenbuckel, links längst der Poststraße hinziehend.“

Kleinfunde, die zwischenzeitlich immer wieder gemacht wurden, gingen verloren, so ein stark beschädigter Mithrasaltar, der einen um 1850, in Schwadorf, entdeckten Exemplar sehr ähnlich gewesen sein soll, und ein beim Bahnbau Götzendorf an der Leitha–Klein-Schwechat aufgetauchter „säulenförmiger Stein“ mit einer aus mehreren Zeilen bestehenden Inschrift, vermutlich ein Meilenstein. Danach wurden öfters systematische Grabungen durchgeführt oder bei diversen Erdarbeiten antike Funde geborgen.

1900 bis 2000 1900–1901: Die erste wissenschaftliche Grabung wurden von Oberst Maximilian von Groller-Mildensee durchgeführt. Vor den Häusern Fischamend Nr. 1 und 2 wurde anlässlich der Aufbringung einer neuen Straßenpflasterung ein aus Ziegelplatten (Tegulae) gemauerter Kanal beobachtet. In Fischamend Nr. 1 und in der Hainburgerstraße 16 wurde in einem Wirtschaftsgebäude ein 4 × 5 m großer Ziegelboden entdeckt. Die Ziegelstempel stammten von der Legio X Gemina, weiters wurde eine Brandschicht festgestellt. Im Hof desselben konnte eine quer verlaufende Mauer unter dem Bodenniveau sondiert werden.

Groller-Mildensee führte 1901 im Viehhof die Ausgrabungen fort und konnte dabei mehrere römische Mauerreste freilegen. Eine Schwelle aus Gusswerk und ein mit Klaubsteinen gepflasterter Platz werden in diesem Zusammenhang erwähnt. In einer Brandschuttschicht konnten diverse Kleinfunde geborgen werden. Südlich des Anwesens, auf einer Ackerfläche, wurde ein rot verfärbter Lehmstampfboden von 10 × 18 m entdeckt; es folgte ein Kiesstreifen, den Groller als Rest einer Straße deutete. An Kleinfunden konnten Münzen des Trajan bis Septimius Severus, diverse Keramik, Terra Sigillata, Eisenfragmente und Ziegel sichergestellt werden.

Weitere Ausgrabungen erfolgten am Getreideplatz. Hier gelang es Groller, die Reste zweier Gebäude freizulegen. Im Gebäude A (zwei Räume, rund 10,20 × 10,75 m) wurden Überbleibsel von Glasfluss gefunden. Im Gebäude B (eine Mauerecke von 6,4 m und 6 m) konnte ein Heizkanal und davor Pfostenlöcher erkannt werden. An Fundobjekten konnten Glasfragmente, eine Kupferpfanne, eine Lanzenspitze, Reste von bemalten Wandverputz und das Fragment einer Gewandfibel sichergestellt werden.

1903: Diese Untersuchung wurde vom Grabungsleiter von Carnuntum, Alois Hauser, durchgeführt. Er konnte unter anderem in den Fundamenten des Stadtturmes römisches Mauerwerk nachweisen. An der Kreuzung der Straße Wien – Preßburg (Bratislava) mit der Bahnlinie Götzendorf an der Leitha–Klein-Schwechat wurden Bruchstücke eines Meilensteines gefunden, die allerdings bis heute als verschollen gelten.

1940: Beim Bau einer Industriesiedlung zwischen Bahnhof Fischamend-Markt und der Bundesstraße Wien – Preßburg kamen römerzeitliche Kochgruben mit Keramik und Speiseresten zutage. Die dabei gemachten Keramikfunde stammen aus dem 2./3. Jahrhundert.Fundberichte aus Österreich 4, 1940/45, S. 65.

1956: Vor dem Haus Enzersdorferstraße 3, beim Getreidemarkt, wurde bei Setzung eines Lichtmastens eine nach West-Ost orientierte Bestattung angeschnitten (Franz Hampl), die zwar aus dem Mittelalter stammte, aber in römischen Siedlungsboden eingetieft war. Das Skelett wurde in gestreckter Rückenlage zusammen mit dem Rest eines eisernen Gegenstandes (Messer?) vorgefunden. In dieser Siedlungsschicht wurden Teile eines Estrichs bestimmt und Keramikscherben geborgen. Die Knochen wurden in die Anthropologische Abteilung des Naturhistorischen Museums in Wien gebracht.Fundberichte aus Österreich, 7, 1956/60, S. 170.

1975: Im Hof des Gasthaus Schirmer kamen 1975 bei Fundamentierungsarbeiten für eine Gartenmauer wieder römische Funde zutage (Sigillata-Bilderschüssel, grautonige Scherben und eine Tonkugel). Die Funde befinden sich heute in Privatbesitz.Heribert Schutzbier: Fundberichte aus Österreich, 15, 1976, S. 264.