mini|300px|Innenansicht des Meistersaals Der Meistersaal ist ein denkmalgeschützter ehemaliger Kammermusiksaal in Berlin-Kreuzberg in der Nähe des Potsdamer Platzes. Berühmtheit erlangte er durch seine zeitweilige Nutzung als Studio 2 der Hansa-Tonstudios. Seit den 1990er Jahren wird der Meistersaal für unterschiedliche Veranstaltungen genutzt.
Geschichte 1910–1913: Die Gründung des Meistersaals Im Jahre 1910 erwarb der Verband der Baugeschäfte von Berlin und Vororten e. V. – später Innung des Bauhandwerks – das Grundstück in der Köthener Straße 38, um dort sein Verbandshaus zu errichten. Mit der Planung wurde die Architektengemeinschaft Giesecke & Wenzke beauftragt. in der Berliner Denkmaldatenbank Nach dreijähriger Bauzeit umfasste das Gebäude die Büros des Verbandes, einige Rechtsanwaltskanzleien sowie eine Buchhandlung und wurde am 6. Oktober 1913 durch den Vorsitzenden des Verbandes, Otto Heuer, eingeweiht.Zentralblatt für das deutsche Baugewerbe, Nummer 41 vom 10. Oktober 1913, S. 1 ff Im eigentlichen Kernstück des Gebäudes, das aus einem 266 Quadratmeter großen Kammermusiksaal besteht, wurden schon früh Tagungen und Konzerte veranstaltet. Seinen Namen Meistersaal erhielt der Saal durch ein damals durchgeführtes Preisausschreiben. Darüber hinaus wurden in dem Saal den Handwerksgesellen nach bestandener Prüfung die Meisterbriefe durch den Verband der Baugeschäfte überreicht.Broschüre zur Wiedereröffnung des Meistersaals, Meisel Musikverlag, Berlin, 1. Auflage 1994, S. 5–8
Die zwanziger Jahre In den 1920er Jahren gewann der Meistersaal zunehmend künstlerische Bedeutung für die Stadt Berlin. So richteten sich im Erdgeschoss des Hauses der Malik-Verlag unter der Leitung von Wieland Herzfelde und die Galerie George Grosz ein. Am 23. Januar 1921 hielt Karl Kraus die erste seiner vier Vorlesungen in Berlin in diesem Saal ab.Vorlesung Karl Kraus. Programm im Meistersaal Nur wenige Tage später, am 27. Januar 1921 gelang es, eine Lesung mit Kurt Tucholsky im Meistersaal zu veranstalten.Broschüre zur Wiedereröffnung des Meistersaals, Meisel Musikverlag, Berlin, 1. Auflage 1994, S. 10. Ein original Veranstaltungsplakat befindet sich im Schiller-Museum
mini|300px|Werbung Meistersaal 1932
Darüber hinaus sind Vorstellungen des Stummfilmschauspielers Carl de Vogt sowie Programme des Schauspielers Ludwig Hardt im Meistersaal bekannt. Die Innung des Bauhandwerks, die sich als Arbeitgebervertretung verstand, verlängerte den Mietvertrag mit den ungeliebten Mietern, deren gesellschaftskritische Ausstellungen in der Galerie immer wieder Aufsehen erregten, nicht, so dass der Malik-Verlag im Jahr 1926 sein Geschäft in der Köthener Straße 38 wieder aufgeben musste. Heute erinnert eine Infotafel am Gebäude an den Malik-Verlag.
1933–1945: Nationalsozialismus und Zweiter Weltkrieg Ab dem Jahre 1933 nutzte die Reichsmusikkammer den Meistersaal für Konzerte. 1936 führte der chilenische Pianist Claudio Arrau im Meistersaal eine Konzertreihe mit dem gesamten Klavierwerk Johann Sebastian Bachs auf, die ihm zu großem Ruhm verhelfen sollte. Bei einem alliierten Luftangriff in der Nacht vom 22. zum 23. November 1943 wurde der hintere Gebäudeflügel des Hauses durch einen Bombentreffer komplett zerstört. Der Meistersaal selbst blieb von den Zerstörungen zwar weitgehend verschont, der Veranstaltungsbetrieb wurde jedoch bis Kriegsende vollständig eingestellt.
1945–1961: Ballhaus Susi und Kleinkunst 1945 wurde die Innung von den Alliierten Siegermächten enteignet. Das Haus wurde unter Zwangsverwaltung gestellt und der Saal wurde nach notdürftiger Wiederherstellung von verschiedenen Betreibern als Konzertsaal genutzt, während im Erdgeschoss des Hauses ein Kino betrieben wurde. Obgleich der Versuch, ein Theater im Meistersaal zu etablieren, scheiterte, fanden dort weiterhin Kleinkunstveranstaltungen wie mehrfache Auftritte des Zauberers Fredo MarvelliIn zwei Schreiben vom 6. April 1948 und vom 13. April 1948 wird dem Zauberer Marvelli vom Polizeipräsidium Berlin […]widerruflich die Genehmigung erteilt, seine Vorführungen auf der Bühne mit brennenden Zigaretten, die mit Streichhölzern angezündet werden, vorzutragen, (Quelle Meistersaal Privatarchiv) statt. 1948 wurde der Meistersaal als Ballhaus City, ab dem Jahre 1953 als Ballhaus Susi umgenutzt, bis der Bau der Mauer 1961 dem öffentlichen Veranstaltungsbetrieb ein Ende bereitete. Der Meistersaal, vormals mitten im Zentrum der Hauptstadt gelegen, befand sich nun abgeschieden vom politischen und kulturellen Leben Berlins.
1961–1976: Die Nutzung als Tonstudio durch Ariola mini|Der Gebäudekomplex Köthener Straße 38 im Jahr 1975 vor der Sanierung Ab dem Jahre 1961 nutzte das Plattenlabel Ariola den Meistersaal für Schallplattenaufnahmen. Die bekanntesten Künstler, die zu dieser Zeit im Meistersaal ihre Musik aufnahmen, waren der Komponist und Dirigent Robert Stolz, der Tenor Rudolf Schock, Peter Kreuder, Ivan Rebroff, Erika Köth, René Kollo, Norbert Schultze, Peter Alexander sowie die schwedische Sängerin und Schauspielerin Zarah Leander.Broschüre zur Wiedereröffnung des Meistersaals, Meisel Musikverlag, Berlin, 1. Auflage 1994, S. 15 Die nun ruhige Lage des Meistersaals in der Nähe der Berliner Mauer begünstigte dessen Nutzung als Tonstudio.
1976–1991: Nutzung durch die Hansa Tonstudios 1976 erwarben die Meisel Musikverlage das gesamte Anwesen in der Köthener Straße 38, um dort ihre insgesamt fünf Hansa-Tonstudios einzurichten. Sämtliche noch vom Bombentreffer gezeichneten Stockwerke des Gebäudes wurden saniert und den Erfordernissen von Tonstudios angepasst. Im Erdgeschoss eröffnete ein Restaurant, während der Meistersaal zum Studio 2 umgetauft wurde. In dieser Zeit gewann der Meistersaal in der Musikwelt weltweite Berühmtheit, da er fortan vielen international bekannten Künstlern (unter anderem U2, Iggy Pop, Depeche Mode, David Bowie, Eartha Kitt, Richard Clayderman, MarillionBroschüre zur Wiedereröffnung des Meistersaals, Meisel Musikverlag, Berlin, 1. Auflage 1994, S. 17, Mike Batt, David Byrne, Nick Cave, Snow Patrol, Jon Bon Jovi, SupergrassAusgestelltes Bildmaterial im Eingangsbereich des Meistersaals) als Aufnahmeraum diente. Bekannte nationale Künstler, die im Meistersaal ihre Musik aufnahmen, sind unter anderem: Einstürzende Neubauten, Peter Maffay, Udo Lindenberg, Udo Jürgens, Roland Kaiser, Nina Hagen, Nena, Marianne Rosenberg, Die Toten Hosen, Heiner Pudelko, Ute Lemper, Trio, Reinhard Mey, Max Raabe, Jack White oder Paul Kuhn. Mit dem Fall der Mauer ging die bisher ruhige Lage des Meistersaals verloren. Der Bedarf an Aufnahmestudios dieser Größenordnung war ebenfalls nicht mehr vorhanden, so dass aus KostengründenDie Legende ist am Ende – Im Hansa-Studio 2 wird der Ton abgedreht, Oliver Glasenapp in der Berliner Zeitung Nr. 196, unbekanntes Datum, unbekannte Seite, ca. 1990, Quelle: Meistersaal Privatarchiv die Schließung des Studio 2 beschlossen wurde. Mit der letzten Produktion erlebte der Meistersaal im Oktober und Dezember 1990 noch einmal einen Höhepunkt, da die Gruppe U2 Teile ihres Albums Achtung Baby dort aufnahm.Broschüre zur Wiedereröffnung des Meistersaals, Meisel Musikverlag, Berlin, 1. Auflage 1994, S. 18
Seit 1991 Thomas Meisel, Mitbegründer der Hansa Musik Produktion und Eigentümer des Gebäudes, entschloss sich, den Meistersaal wieder seinem Zweck als Veranstaltungsort zuzuführen und – soweit möglich – den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Die Restaurierungsarbeiten begannen am 1. März 1993 und dauerten 18 Monate, mehr als doppelt so lange wie ursprünglich veranschlagt. Dies lag unter anderem daran, dass die Festschrift zur Eröffnung des MeistersaalsZentralblatt für das deutsche Baugewerbe, Nummer 41 vom 10. Oktober 1913 nach dessen Fertigstellung im Jahre 1913 auftauchte, in der bis dato unbekanntes Bildmaterial vom Meistersaal und angrenzenden Räumlichkeiten enthalten war. Fast alle Arbeiten waren schon begonnen oder teilweise abgeschlossen; ganze Bereiche wurden erneut geändert.Broschüre zur Wiedereröffnung des Meistersaals, Meisel Musikverlag, Berlin, 1. Auflage 1994, S. 21 Ab Oktober 1994 wurde der Meistersaal unter der Regie von Direktor Kurt Lutz, Mitbegründer des „Berliner Globe Theater“ im ehemaligen Hotel Esplanade am Potsdamer Platz, – teilweise durch Kurt Lutz persönlich – bespielt. Der Programmschwerpunkt lag auf Klavier- und Liederabenden, Theater und Lesungen, allerdings ohne städtische Subventionierung, was sich als unrentabel erwies.Die Ohren zu und alle Fragen offen, Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 28. Dezember 2002 Ende 2002 trennten sich die gemeinsamen WegeSymphonie einer Großstadt, Tagesspiegel vom 5. Januar 2003, S. 27; neuer Betreiber des Meistersaals und Nachfolger von Kurt Lutz wurde der ehemalige Auktionator Mark Karhausen.Abenteuer Kultur: Auktionator bespielt den alten Meistersaal, Berliner Morgenpost vom 13. Januar 2003 Auch hier trennten sich die Wege nach sechs Jahren. Im Februar 2009 kam es nach einigen technischen Umbaumaßnahmen zur dritten Neueröffnung des Meistersaals, diesmal durch die BESL Business Event Services & Locations GmbH. Seitdem dient der Meistersaal als Eventlocation und als Veranstaltungsstätte für Kulturveranstaltungen; er wird seit dem Umzug der Emil Berliner Studios (des ehemaligen Tonstudios der Deutschen Grammophon) nach Berlin wieder vermehrt für Musikaufnahmen genutzt.www.emil-berliner-studios.com: Der Meistersaal
Architektur Das Meistersaal-Ensemble erstreckt sich mit den dazugehörigen Räumlichkeiten über zwei Geschosse. Die Gesamtfläche beträgt etwa 650 Quadratmeter, wobei 266 Quadratmeter auf den Meistersaal selbst (inklusive Bühne) entfallen. Im Erdgeschoss findet sich das Eingangsfoyer mit Garderobe. Von dort aus führt eine Treppe in die im ersten Obergeschoss gelegene Wandelhalle, welche dem Meistersaal vorgelagert ist und diesen mit dem Grünen Salon verbindet. Der 79 Quadratmeter große grüne Salon ist der offizielle Barbereich des Meistersaals mit fest installiertem Bartresen. Es befinden sich sowohl im Erdgeschoss als auch im ersten Stockwerk Herren- und Damentoiletten. Infolge des gesetzlichen Rauchverbotes wurde Anfang 2009 neben dem Grünen Salon eine Raucherlounge eingerichtet.
Die Straßenfront mini|Vorderansicht des Meistersaals heute Die Straßenfront des Meistersaals wurde in streng neoklassizistischem Baustil gehalten. Sechs ionische Säulen grenzen den im nördlichen Gebäudeteil gelegenen Meistersaal vom Rest des Gebäudes ab. Im Fries direkt oberhalb der Säulen wurde der Name des Verbandes, im dreieckigen Giebel das Jahr der Erbauung eingraviert. Heute findet sich im Fries der Schriftzug „Meistersaal“, während der neu errichtete Giebel ohne Beschriftung oder Ornamente blieb.
Der Eingang Der mit schwarzem Marmor ausgekleidete Eingang des Gebäudes – ursprünglich Vestibül genanntZentralblatt für das deutsche Baugewerbe, Nummer 41 vom 10. Oktober 1913, S. 330. – beherbergt den Zugang zum Eingangsfoyer des Meistersaals sowie den Zugang zum Treppenhaus mit Fahrstuhl zu den Büroräumen. Linkerhand befindet sich ein Schaukasten des Meistersaals, welcher im Zuge der Restaurierungsarbeiten freigelegt und wiederhergestellt wurde. Mittig im Raum befindet sich eine goldene Tafel mit den Logos aller im Haus ansässigen Firmen, rechtsseitig ist eine große Spiegelfläche angebracht. Zwischenzeitlich existierte am Eingang ein Pförtnerhäuschen, welches vermutlich bei den Restaurierungsarbeiten entfernt wurde.
Das Eingangsfoyer